Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 20 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 2)
- Language
- German
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Siebzehnte« »ap6tel. Das Hau« de» Rabbiner Jakob prangte al« da« statt» lichite aller Judenhäuser in Trebanobitz. Ehedem war sein Besitzer ein wohlhabender Mann gewesen, dessen Wohlthätigkeit und Gastfreiheit einen weit llber Oberschlesien hinausreichenden, ausgezeichnete« Ruf genoß. Nun war c» zwar mit der Wohlhabenheit längst vorbei, dieweil da» unablässige! Wohltdun, welches der fromme Mann übte, gewiß seinen Ruhm vor Gott und den Menscheu gewaltig vermehrt«, sein Hab und Gut aber i» gar bedenklichem Maaße zusammen» schrumpfe» ließ. Derowegen ließ sich der Alte aber keine Be» tvübniß angehn, da« allmähliche Berschwindeo seine» Vermögen« bemerkte er kaum, er hätte mäßig, bedürfnißlo» wie die llrmenschea der Bibel zu vegetiren vermocht und dabei immer noch Talent bezeigt, Methusalem» Aiker zu erreichen; aber e« war doch gut für ihn, daß seine Enkelin Lotte sein HauSwesea verwaltete und die spärlichen Reste de» ehemaligen Besitze« ihm energisch zusammenhiett. Rur wenig war au» dem Glanze früherer Tage unversehrt zurückgeblieben. Da» Hau» — seine Mauern konnte der Alte nicht ohne Weitere« verschenken — und der herrliche große Garten, ihn hatte zum Glück die timonische Freigebigkeit de» alten Herrn schonend respettirt. Der Garten war schön! schon Anfang April standen die prächtigen Obstbäume voll weißer Kno»pen, und der laue Westwind, dek seit urdenklichen Zeiten al» ein Taugenichts und Mädchenjäger unter den ernsthaften Winden gilt, trieb lustig sein Spiel mit den weißrn Blättchen, die er zahllo« in Lotten» dunkle en warf, so daß der hübsche Schwarzkopf, der diesen unter den hohen Bäumen lustwandelte, eher dem nerweischeu in dem deutschen Märrhen glich, den» einem lebendigen Judenmädel. Goldman» stand hinter dem Gartenzaun, uischlüssig, er in de» Garten treten oder noch au» seinem Bersteck junge Mädchen eine Weile betrachte» wolle. Er fand en auffallend verändert. Der Nein« Kobold mit .dem großen Mund" war ein ernste» Mädchen geworden, da« müde und traurigen vor sich niedersah. Da er ein paar Fliederzweige Seite bog, um sie besser sehen zu können, hatte ihn auch Blick entdeckt. Run schrie sie leise auf. Ob er denn so etwa» Fürchterliche» vorstelle, fragte Maz. 1 Lo'tchrn wurde roch. .Nicht dock. Eö ist nur, well ick heut den ganzen Tag au Sie gedacht habe, darum erschrak ich jetzt, al« ich Sie plötzlich wie meinen Gedanken «ttspruugen vor mir sichen sah.' »Sie habe» meiner gedacht, Lotte? darf ich hereinkommen und Ihnen für diese Worte danken?' »Kommen Sie nur Herrin, obwohl e» garnicht» zu danken giebt". Sie öffnete die Pforte, er folgte ihr in den Garten »nd ging langsam an ihrer Seite auf und ab. .Wie schön e» h«r ist! Lm wahre« Paradies-, jagte er träumerisch. .Seit meiner Kinderzest habe ich diese Krrlichrn Laubgänge nicht mehr wickrrgeseben. Erinnern Sie sich noch Lottchen, wie wir einmal, meme Schwestern «nd ich, au« Aronstadt zu Besuch herüberkamen? Hier haben wir al« Ainder gespielt, hier auf dieser Moo»bank war unser Reich und Sre mußte» immer mein« kleine Königin sein. Sie gingen stet« weiß gekleidet, so wie heut, ich liebe die weiße Farbe vor jeder anderen. Ich hatte »«mal« «in zartere» nud zierlichere» Geschöpf erblickt» Sie waren da» »redlichste von allen kleinen Mädchen, keine andere mochte ich «m mich leiden, al» Sir.' »Ich habe nicht» vergessen', antwortete sie leis«, »aber iiMr dürfen nicht mehr davon spreche».- wünschn Sie?' ' - ■ T»+'i$i „©if haben sich hexte «einer erinnert — .Ja. Man hat m», mir und meinem Großvater Ihre« Streit mit Herrn van Dallwig «zählt, da« recht häßlich', setzte sie voller Abscheu hin»». .Der Jfttif vater aber meinte, c« wäre doch merkwürdig, daß Sie, Sie doch —* Sie stockte und wnrd« verlcgen. »Der ich doch Nur ein schlechter Jude fei-, erg« Max- ' % .Sagen wir, kein eifriger-, fuhr sie lächelnd fort, »ba| Sie dennoch um Ihrer Abkunst willen von den Ander» so viel Böse« erleiden müßten, und da meinte ich —ab« Sie werden mich auSlachen.' - c .Ich — Sie!? Lottchen wüßttn Sir, wie ich auf Styte< Worte brenne.' .Ich meinte', sagt« sie leise, .daß Sie durch diefp« Leiden doch auch > nieder zu un» gehörten; doch «» ist gewiß ( recht coafu», nw» ich da spreche, wenn nur der klein«' Fingernagel verletzt sei, schmerz« ja doch dir ganze Hand. 7^ .Lieb« Lotte', er hatte nun chr« Hand erfaßt. .Si< haben Recht, wir gehören zu einander. Ich hätte da« «b vergeffen sollen, aber ich büße dafür, büße mit Recht.' .E» ist spät, ich muß hinein ...» Sie macht« sich ängstlich lo« — .der Großvater schläft grwiß schon längst.' .Einra Augenblick noch-, bat er. .Sie hat« mir neulich Liebes erwiesen, Lottchen, Sie waren die Einzig«.' welche mir über mein« Mutter Nachricht gab. Ich bin so arm an Dank." .Lottchen, Lottchen!' \ .Großpapa, riefst Du mich?" .Freiuch Kind, ich suchte Dich im Hans« überall.- Der alte Mann bog sich weit au» dem Fenster und winkte lebhaft: .Komm doch herauf, ich sehe Dich nicht, wo bist Du denn?' .Hier, Großpapa. Gauz in Deiner Nähe.' (Da« war da» erste und einzige Mal in ihrem Leben, daß Lotte ihren guten, halbblind«« Großvater belog.) ,E« ist so dunkel schon', entschuldigte sich der Slltc.; .Höre Mädchen, hier ist Herr Scholz, und frägt, merk» würdig genug, ob Doktor Goldmann sich bei uns aufhalt^ Ich habe ihm einige Male versichert, der Doktor besniM un« nie, aber Herr Scholz besteht darauf, sei« Freund müsse hier sein.' .Geh nur wieder hinein, Großpapa, die Abendlust ist. viel zu kühl für Dich, und sage Herrn Scholz, er möge sick nur selbst in den Garten bemühen, ich wolle ihn au Deiu Worten zweiselu lehren.' Gehorsam verschwand der Alte vom genfter. Ba». darauf kam-Hau» mit Rieseuschrittra i« den Garte» rannt. * .Hier ist er", flüsterte Lotte und führte Schatz an Moosbank, ans welcher Max saß. .Finv« ich Dich endlich?' keucht« Scholz, „Du fort, Unglücklicher, auf der Stelle. Helfe» Sie mir Lotte, stehen Sie mir bei ihn zu bewegen, daß er Säumen die Stadt verlast«.' .Wa« ist geschehen?' fragte Lotte. .Ich habe den Baron Dallwig grtödtet.- .O mein Gott! — Sie brach in Thräne» an«. .Warum weinen Sie. Lotte, weine» Sir >nn de» ' Baron, dea.Hazensieger?- J- .Jch weine um Sie, um Ihr verfehlte«. Leben. Geh'» Sie, thunSie, wa« Ihr FreundT' .Folge mir-, drängte Han«, .»awett der Bauerfritz', fei« wag» bri» hier ist Geld s» viel D»