Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 20 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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$*T#B»fltflrbtn «nt Dr. W. MatoMT ln Magdeburg. 3w yiirr|iltx»i ul Krtrhruz fiir die isrulttische /uülie Der Mitgiftdokwi Lin«. ffl,t de» Familien» _ . an« der Gegenwart «ntLBerg- (Fartletzung.) — Uebrr die Juden in Eorsu. — Allerlei sch: Lei Baron Hirsch. Aut Egypten. — Xtlthfel-Ausgaben — RSthsel-Lisnngen. A . (Undefngtrr ghutknuf an« dteseM Biattr ist n»«sch^ - Der Mttgiftd-kt-r. Eine Erzlhlong »u» der Gegenwart von E. Berg. nicht Sechszehntes Kapitel. „Goldmann, Goldman», hören Sie de>m nicht'?" „Sie sind es, Herr Amtsrichter, ich habe Sie erkannt." »Natürlich! Wie sollten Sie auch vermnthen, mich hier, auf dieser elendsten, aller Chausseen mit meine« allerneuesten tür schweres Geld erstandenen Gefährt kutschirend, anzutrrffen? Was Teufel hatten Sie denn da unten im Walde herum» Instreisen? Steigen Sie aus und fahren Sir mit." »Bedaure, ich muß nach der Stadt zurück." „Hum", machte der Amtsrichter, »die ist es gerade, welche ich auf tausend Meilen im Rücken haben möchte. '> Begleiten Sie mich ein Stück, ich will nach Kreuzburg, »em Wagen bringt Sie dann wieder nach Haus." „Unmöglich. Dagegen würde ich Sie bitten, mit mir sofort umzukehrrn." .Weiter nichts? Werde mich wohl hüten." »Herr Amtsrichter, ich habe Ihnen eine amtliche Mtt» thrilnng..." Seligsohn hielt sichdi« Ohren zu. »Verschonen Sie »ich beute gefälligst mtt alle« Amtschikanen, mein Bester, ist der Kops von anderem Aerger «arm genug." Er pra,g vock- Wögen. Kommen Sie Doktor» gehen wir ein —ig beisesi", und leise Mchelte er, ^ich befürchte, der 'cher steht auch in ihrem Sold ... ich meine, in dem »einer Frau. Sie hat ein unerträgliches Spionirsyftem bei «Men meinen Dienstboten eingesührt, und so ist Sie denn auch hinter die ganze Geschichte gekommen." ,H«nter welche Geschichte?" „Nun — unsere kleine Gouvernante, ein bildhübsches . — jait — sauft — ein weißes Reh-kurz wie ho gcht — meine Frau hat etwa» aufgesangrn, einen einen Zettel, was weiß ich? heute füih wurde mein Trosteaael mit grausamem Spektakel au« dem Hause Jetzt fliege ich zur Bahn, um meine kleine Olga, mir so zärtich ergeben war, im verschwiegenen Couper Stückchen zu begletten. Es geht nichts über eine solkhe MIapadr mit einer süßen, kleinen Freundin. Sie sehen Mel aus, Mann. Ja die Frauen, di« Frauen! Und dir Wsimmstim unter allen sind die legitime«. Kenne da«! WUen sich auch mal '»e kleine Erholung verschaffen, n. Was wäre weiter Schlimmes daran? Nicht ohne j»reichende gute Gründe habe» di« alten Deutschen den snwse» Rechtssatz hingestellt: Der Mann kann nie die Ehe e». Waren Hauptkerle, diese Urteutonen mit ihre« enden SelbstgestU. Aber Sie, Doktor, Sie sind ein Tngendheld. Berdcunmeu Sie mich meinet» er lachte über den eigenen Einfall— Sie können, meine fmenstreugr « waS „Pardon, Herr Amtsricher, aber das ist eine Dummheit, nstellci G nur chdlütiger Ta, fe a«r" — Sie, wenn «*• Sie da anstrllcn wollen. »Sie werden sehr deutlich, mein Herr." »Ich will Sie nicht beleidigen, ich will sic „Bertheidigen?" - . »Nicht doch, ich will Sie nur, nochmals Pardon, zur Vernunft bringen. Lasten Sie Fräulein Olga getrost mit. ' allen süßen Erinnerungen allein ihres Wca»s ziehen und kehren Sie unverzüglich um." »Sic sind ein langweiliger Moralist, Doktor, Adieu". Er schritt auf den Wagen zu, aber Max hielt ihn unsanft zurück. Herr Amtsrichter, Sie müssen-mich hören." „Ach, die amtliche Mittheilung", rief Seligsohn drießlich, »wahrscheinlich eine Angelegenheit von unyeimlic Wichtigkeit. WaS tausend ist da passirt? Haben Sie Giftmord entdeckt oder einen Räuberhauptmann gefange^U^ »Ich habe den Baron von Dallwig erschossen." Seligsohn fuhr betreten zurück. Der Doktor war wohl nicht bei Verstand. <Srte*=?£"° suchte ihn auSzulachen und sagte mit erkünstelter Heiterkeit f- »Das klingt für einen Spaß ungeheuerlich ernsthaft.". „Sie glauben mir nicht? Wenden Sie sich um. Sehen Sir die Männer, welche eben au« dem Walde treten? Mit clner Bahre . . . In wenigen Minuten werden Sie der Leiche begegnend" * Der «Amtsrichter sah nach der bezeichneten Richtung und erschrak fürchterlich, «z^erqaß^ifuReise, Fräulein Olga und die eigene häusliche Mise« aoep^ftsen unheim» lichen Mann, der starr und trotzig vor ihm stand, er wußte kaum wo« er sprach, da er ihn fragte: »Warum sind Sie nicht fott?" »Fort? Wohin? Ausreißen wie ein gewöhnlicher Verbrecher? Wenn ich romantisch beanlagt wäre, würde ich sagen, ich habe den Ehrgeiz, em ungewöhnlicher Verbrecher sein. Aber ich bin nur «in Durchschnittsmensch, die Romantik überlaste ich Anderen. Er sah spöttisch auf Seligsohn, der sich für da» Eisenbahn rsto-n-töte mit Fräulein Olga mit einem wahren Don Juan»Eostü« heraus» staffirt hatten: Einen Doppelkragenmantel k U marailU und »erwogenen breiten Künstlerhut, unter dem er in peinlichster Verlegenheit jetzt hervorsah. Er stammelte denn auch ganz verwirrt: »Aber wo wollen Sie denn hin?" „Auf direktem Wege wieder „Ach, Sie wollen noch einmal „Nein. Ich wtll gar nicht«. Höchsten« ei« armselige, knappe Stunde Zeitz dann werde ich mich ihrem Verhör unterwerfen." Er ging. Der Amtsrichter raste in wilder Eile »ach der Stadt znrück. In hell«» Leichtsinn war er au«gefaheen, Pflicht und Grauen trieben ihn wieder hei».