Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 19 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 3)
- Language
- German
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.Selch fingt* Vieh", versetzte tzer Samtättralh; » ist Nicht ««sonst Jäher la«g Parndehund einer anti- -DMschen Studentenverbindung. mcht wahr. Hektar? Sage doch, treibst D» praktische« AntisemitiS««*?' Er hatte den Prächtigen Leo«b«»er bei den Ohren gefaßt, der wurde darob düse and Mite tont’ „Ach so! D» bist Radauantisemit!' sagte der SaaftätSrath und ließ den Hund laufe«. „Ich glaube gar. Sie nehmen für diesen Goldmaun Partei', ries Dallwig ärgerlich. .JmGegeutheft, Beredtester", lachte Bär und schnupfte in aller Behaglichkeit ein PrieSchen. Sie schaffen mir vielleicht einen tüchtigen Eoncurrenteu aus dem Wege, ein Schelm der angesichts solch edler Wohlthat undankbar bliebe." ^at sich was aus dem Wege schaffen", brummte Waldemar, de* RatheS silbern« Dose ziemlich unartig ablehnend, „er kommt erst garuicht." Dallwig zog sein« Uhr. .ES fehlen noch zwanzig 'Miauten zu sechs. Er hat noch Zeit. Wahrscheinlich «artet er auf Scholz." .Auf Scholz? Lieber Bodo lassen Sie sich sagen, wenn -Scholz heut in Trrbanobitz wäre, hätten Sie sich wohl ««sonst auf das ganze Rencontre gefreut. Den hat Goldman« heut in aller Frühe fortzuschicken verstanden." .Wahrhaftig, Herr SanitätSrath, wer Sic reden hört, möchte meinen, Goldmann habe absichtlich den Skandal provocirt" .Allerdings, mein bester Waldemar, daS eben war eS, .was ich bemerkt haben wollte. Aber — aber — .Di« Begründung dieses aber wird Ihnen Herr von Dallwig besser geben können als ich." Herr von Dallwig schob unmuthig den Hut zurück, sein hübsches gebräunte« Gesicht mit der abstecheod weißen Stirn verfinsterte sich, heftig entgegnete er dem Rach: „Ich habe die Absicht wohl gemerkt. Und ich in meiner Trunkenheit that ihm den Gefallen chn herauszufordrrn. -Er hat von Jugend auf nur Rancüne gegen mich grhcbt, und sie all die Jahre hindurch nicht vergessen mögen. Selbst zu« Beginn seines Hiersein«, da wir noch scheinbar freundlich eiuauder un« gegrnüberstauden, habe ich seinen Kuabenhaß wohl herausgefühlt. Schließlich kann ich dafür, daß mir die kleine Frau Avancen machte?" „Im Grund« hat Dallwig Recht", bestätigte Waldemar. Warum hat ihm Goldmann Marien weggefischt!" .Dumme« Zeug! Ich hätte Marien nie geheirathet." „Davon bin ich überzeugt", sagte der SanitätSrath mit fpütttschem Lächeln. .Eigentlich widerstrebt e« mir, mich mit diesem Goldmann zu schießen", nahm Dallwig wieder da- Wort. „Warum, well er «in Jude ist?" fragte der SanitätSrath. .Geniren Sie sich nicht, Herr Baron, mein Großmater war schon getauft." „Unsinn", fuhr Dallwig auf. .Weil ich eS einfach für »»ritterlich halte, einen schwächlichen, waffenunkundigen tRonn zu bekämpfen, gegen den ich obendrein ein Unrecht begnügen." „Ach!" stießen die Studenten hervor. „Uever da« Ersten kann ich Sie beruhigen", sprach der Rath. .Goldman» reitet, schießt und ficht vortrefflich, -all diese edlen Künste verdankt er der Unterweisung seines famosen Hau». Da kommt der Doktor, aber allein." Der Doftor näherte sich den Herren und grüßte verbindlich. „verzeihen Sie meine Unpünklichkeit, ich habe in ganz ^^Trebanobitz und Umgegend keinen Gentleman auftreiben «en, der unr halbwegs über genügende Fähigkeit und en Wille» verfügte, mir Sekundaotendieuste zu leisten, .muß nun an die Gefälligkeit de« Herrn Baron aprllireu, seiner Assistenten zngeselle« zu wollen.' »icht : traguna für »«möglich erklärte, von dem Unparteiischen,! al» welcher der SamtätSrath fungirte, überrede», dem Doktor zu affifttren. Man hatte zwanzig Schritte Distanz mit einmaligem Kugcklwechsel verabredet, ehe die Sache stieg, machte der SauüätSrath den üblichen Sühnrversuch. De« Doktor» überaus feine« Gehör hatte Dallwig« Anttoort an den SanitätSrath aufgefangrn: .Gebe« S»e sich keine Mühe, lieber Rath, ich werde ihm einen Denkzettel versetzen und damit basta. —* Al« sich der Unparteeische nun Goldmann näherte, sprach der Tftcktor laut, mit unverkennbarer Absicht drüben verstanden zu werde«: , .Sagen Sie dem Herrn Baron, er möge sich hüten z» fehle», ich habe die ernsthaftesten Vorsätze, ihm da» Lebe» zu nehmen." „Nun, daS wird lustig", hatte Dalwig erwidert, und daun Waldemar, der mit Feuereifer die Gleichheit der Waffen prüfte, zugrflüftert: „Gieb Acht, wie ich de» Schwadroneur heimschicken werde." Waldemar kommaudirte: „Drei — loS!" Beide schaffen » tempo. Dalwig'» Kugel streifte de« Doktor» Schulter und sauste vorbei. Der Baron stand eine Sekunde — e» war als ob sein Körper iw Stehen erstarre — lautlos — kerze» grade fiel er um, wie eia Baum. Die Andern flogen herbei. .Kurt — Kurt!" schrie Waldemar, um Gottrswillen, er ist getroffen —" Der SanitätSrath hatte DallungS Rock geöffnet und legte sein Ohr an des Gefallenen Herz. .Bemühen Sie sich nicht mehr, er ist tobt", sagte eine kalte Stimme. Goldmann schleudert« die Pistole in den nahen Teich, grüßte die Herren und ging davon. „Tobt! todt!" jammerten die Studenttn, während ihnen die heißen Thränen über die Backen rollte». .So helft» Sie doch, rief Bodo verzweifelt dem SanitätSräth zu, .c« darf nicht wahr fein". Der SanitätSratd erhob sich. „Wenn Ihnen D«toc Goldmaun sagt, daß er todt sei, können Sie eS ihm auf« Kort glauben, eS giebt keine Hilft mehr." .Aber er ist ja noch warm!" stöhnte Bodo. ■ Der SanitätSrath zuckte die Achseln. .Er war scho« todt. da er noch stand. Meine Herren, ich pratticir« scho« dreißig Jahre, ich habe in dm Feldzügen Berwondeft »»d Sterbende unter meinen Händen gehabt, daS heutig« Duell ist vielleicht da« zwanzigste, welchem ich beiwohnte, aber ich! habe nie einen ähnlichen, unfthlbaren Schuß geslche». Armer Junge, vorhin noch so schön und lebensfroh! Aber gestehen Sie, meine Herren, dieser kleine Jude da könaft recht gut für einen Ihres Gleichen gelten, «in gau^r Eavalier. Er spricht, fordert, schießt und mordet toutz oomme ohez Tons.“ .Herr SanitäiSrath", rief Bodo empört, „wie Ibnnr» Sie hier noch scherzen?" .Ich scherze nicht", antwortete der SanitätSrath traurig, „aber welche schöne und ritterliche Phraft ließe sich gegen eine bittere Wahrheft Vorbringen? Es war eine wohl vorbereitete, mechodische, scheußlich« Metzelei, mit eine» Worj, ein — regelrechtes Duell. > (Fons, folgt.) Si«e Erin»er»«g an Hoff«««« von Aaller»lebe>. Bon Dr. M. Satze nstetn-Hamburg. <£« war im Herbste de» Jahre« 1866, die kriegerischen' Ereignisse der bewegten Zeit fanden noch in Trupprnzügcn, welche da» Reift» erschwerten, ihren Nachhall, — doch mich trieb die Sehnsucht.»ach de« schön«, Seftrthaie, wo meine Vrvder Wchnt^a» die