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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 19 (1891) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
19 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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(HfttUn die freu »blich« Stätte, wo ich «Äe Kindheit verlebt habe, zeigen'zu dürfen. Auch die, «einer Vaterstadt Ho!Minden naheliegenden Ortschaften wurden besucht, vornehmlich aber war d da» alt» »oster Corvey, nach dem mich die angenehmste» Erinnerungen einer unbefangenen Kindes- und fröhlichen L^mnaflostenzeit hinzogeu. An einem heiteren Tag trug, meine Frau, meinen Bruder und mich da» Wesrrdampfschiff in 1'/, Stunden noch Höxter, einer kleinen westfälischen Stadt; von dort wandertrn wir durch die wunderbar schöne, lange Kastanienaller noch dem alte« Klostergebäude. Diese» >Uoster wurde einst von dem Abte Adelhard auf den, den Lie-^ediktinern von Ludwig dem Frommen geschenkten Ländereien ergründet. Es stand direkt unter dem Papst und war von jeder bischöflichen Gewalt unabhängig; später wurde der A:>t selbst zum Bischof erhoben und im Jahre 1803 wurde bat. Kloster säkularisirt. (Eine besondere Berühmtheit erwarb r« sich durch den Fund der 5 ersten Bücher der Annalen de» Taciius im Jahre 1517.) Auch jetzt enthält die Kloster biblwthrk eine herrliche Sammlung von 150000 zum Theil sehr prachtvollen Werken und der Herzog von Wctibor, der jetzige Besitzer von Corvey, konnte wohl keine tüchtigere Capacität sür die Verwaltung derselben finden, als Hoffman« von Fallersleben. Der damals noch sehr stattliche Mann, der in seinem Lebensjahre stand und sehr rüstig und kraftvoll drein» schaute, kam un» mit freundlichen, wohlwollenden Blicken entgegen, als wir uns bei ihm hatten anmrldrn lassen und zeigt« uns die vielen Schätze seiner Bibliothek. Er entnahm meiner Cigarrentasche eine Cigarre, die ich ihm anbot, meinte aber, daß es ein ErkennungHeichea eines richtigen Hamburger» wäre, ein« Cigarre iofort zu offeriren, wenn man it,m geradein'« Gesicht blickte. Ich stellte mich ihm al» Hamburger Schuldirektor vor, bemerkte auch, dag ich Jüraelit pi. Wir kamen aus seine Stellung in dem einsam liegenden Corvey zu sprechen: .Nun-, sagte er, ^man hat dem alte», müden Wanderer rin Ruheplätzchen in seinen alten Tagm angewiesen, aber r» ist nicht eine Ironie de« Schicksal«, mich den Freidenker hier an die Stätte zu versetzen, wo einst die Mönche geherrscht haben. Doch die Zeilen sind andere gr» worden und di« schwarzen Raben der Intoleranz, die mich auf politischem, wie sie Ihre Glaubensgenossen auf religiösem Gebiete angefeindet haben^ werden mit ihrem heiseren Gekrächze in unserem lieben Deutschland wohl 'dich» wirdex zur Geltung gelangen." Diese schönen Worte des edlen Dichter« fielen mir wieder ei», als ich las, daß die Antisemitenpartei im «Gegensatz« zu der fl eien, edlen Gesinnung des Dichter«, ihm im Namen ihrer Partei ein Denkart»! auf Helgoland gründen wollte»?) Leser, wenn Dich Dein Weg in da« schöne Weserthal führt, so vergiß nicht, die Stätte Dir anzuschauen, die eia eoler, vorurt heil «freier deutscher Dichter durch sein langjährige» stille» Wirken weiht. Die reiz«»de Lage a« Fuge i'L» Wesergebirgk», die interessanten alten Gebäude, die Bibliothek mit ihre» reichen Schätzen bieten Dir Lohn genug 1« Deinen Weg. Tort möchte ich dem deutschen Dichter «äs Denkmal einen Stein setzen lassen,welcher die obige»«» »ich .. richteten herrlichen Worte tragen müßte, gegen die. da» Unterfangen der Antisemiten wie ein Hohn klingt. ALerilei für Ni A««ttte»tisch. Werth de» Schweige»». Eine schöne poetische Betrachtung über da» Sprichwort „Reden ist Silber, doch Schweigen ist Gold", findet sich in *) Siehe den Artikel von M. Spanier in v»r. Kr. der Jdr. ^echrnschris« unter.Machebur»", er siche» durch de« »big» de» He». Tr Katzrnstei» (in btt woMni) die beste Ilnstrntton. (Ked.) romauMchtM 'Hekhydgedicht Aasflkf «ch <_,. .. welche« jmn ersten Male von dem rlchmlichst bekanateu i Orientalfften Ottokar von Schkechta»Wffehrd aus dem Persischen in's Deutsche übertrage» worden ist. Die erwähnte beherzigenswerthe Stelle lautet: 8a«. ungesprochen, ein-Demant, ein echter. Ist auSgeftirMhen, oft al« Kehricht jchlvchler! Dt« Nnaesprach'nen Worte« König bist du, Dem auigesprachenen unterthänig bist du, Und »»«gesprochen über'« Haupt dir stiegt, 8a«, »ngesproche» Dir zu Fü»m liegt. Sie sprach doch jener Magtergrei« so wahr: »Selbst Dhieren bringt Geschwätzigkeit Gefahr, Denn uoitschert« der Bogel minder sthön — Kein Menschenohr verlockte sein Getön, Kein Bögler mühte sich, ihn wegznfaagen, KIcht Lebenslang i« Käfig müßt er bangen.- Böckel — geschlagen. Als vor nicht zu langer Zeit Herr Böckel mit einem Freunde eine antisemitische Agitationsreise unternommen, setzte sich ein Herr R. in dasselbe Coupee und unterhielt sich nnt Böckels Begleiter, mit dem er schon lange bekannt war. Da that Herr Dr. Böckel seinen Mund auf und demselben entflossen die honigsüßen Worte: .Sprich doch mst dem Saujuden nicht!" Doch kaum war ihm das Wort rntsahren, möcht' er'» im Busen gern bewahren, umsonst — ehe er sich's versah, hatte ihm der Jude einige heruniergeha»en. die nicht gerade von Pappe waren. Die Folge war ein i Proceß, indem R.zu 20 Ml. Geldstrafe verurtheilt wurde.i Jedoch waren die Ohrfeigen, nach R.'« eigener Aussage, mehr' als 20 Mt. werth. -v »ilelfeft Ein Lehrer machte beim Religionsunterrichte die Kinder auf das Sündhafte der Thierquälerei aufmerksam. Auf di« Frage, weßhalb man nun den Pferden, Kühen und-.z Hunden nicht, wie diese» von boshaften Menschen geschieht, tat Schweif abschneiden dürfe? erfolgte ohne Bedenken von einer ÄMerin die naive Antwort: .Wa« Gott verbunden hat, da» sollen die Menschen nicht trennen!" O. "*Q»| ^T. A«1sch--eßrÄflch<» Uck«e»ri1ßsckk. * 8v» C. in E. I« ersten erblicken wir Mendrtsschn'» Freund, Im zweit« rin Großer Arabien« rrscheutt; Im dritten rin Störer de« Fried«»» sich zeigt An» Korach'» Gesellschaft, »um Anftnhr geneigt, Vereint st« ein« Lehrer neumn, Den wir i« erst« Perek lern» kennen. Bor bru erst« drei Mög' nn« »et liebe Gott bewahr«; 8a« »u» diese« sei Kannst an» Levimn« rrstchrr». Sach' dann Kammer vier! Dir Whüta mint st« und »er Vater; tsch «un combinir' I zeigt Dir'« Ganze, lieber Kather, ..-.n weise» Mann, Deß Werst« fich rühm« kann. der Mitttzfet i« »sr. Ale. L IduWwtll«. U. Gt, B (holländ. Ile« «). M (w.7 nichts' III. Nfl (wa» ist M?) n»p (Stab), ,TJ9 (Pla»).' iv. nyj (Wflt). Tj? (Wt) n - flfn-r* ‘ :: Dr. flt Kahme«, «agdebarg. Druck: D. 8. Wolf

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