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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 16 (1891) · p. Seite 63

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
16 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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> Wrt> - fit sa-ttn. *<Sr Aa^rt'^zwar unk ihn religiösen OHkaesfcttai heut itecn iichtr» entzogt» wurden, Strafgelder u»v EM. Mgnngssummrn eiazntteibe», und fo de» Bäuchstin de« »dtsäckel« bequem nur kleine Rundung zu verschaffe». war nicht hübsch von de» Brrurtheilten. daß sie da« »nzgenie ihre« Bürgermeister« krumm ausahen, aber die e. denen «a» Stramelder abverlangt, raisonniren allentalben, auch wenn sie keine Juden sind. Max Goldmaon verhieltsich den geschäftigen Festvor« drungen seiner Slammesgeaoffeu wie den lvstigen Sicherrercitien seiner christlichen Mitbürger gegenüber, gleich »hmslo«. Seinetwegen mochte man löschen und anen, soweit e« Jedem gefiel, und von dem Judenseste JBtt er nichts mehr. nein, wollte sich auch seiner gar nicht erinnern. Er war allein. Marie war zu ihrer Tante Zernowitz gefahren, sie machte jetzt öfter tleine Reisen, wußte auch immer tausend Lorwänd« und wichtige Lude anzugebeu. welche ihre Anwesenheit bald da und nnumgänglich nothwendig scheinen ließen. Gleichgültig er sie gewähren, so kam und ging sie wann sie wollte, zeigte toe merkwürdigsten Laune», unerträgliche Schmält, die ganz unvermittelt in die überfließendste Zärtlichkeit »schlug, er forschte nicht nach der Ursache dieser wechselnden kmüthswallungen. stumpfsinnig ließ er olles über sich chen. Wenn ihn sein« Berufspflicht nicht oustachelte, fiel er in starre Apathie, au» der chn nichts aufzurütteln »achte — übrigen« gab e«, den treuen Hans ausqcnommen, inden aus der Welt, der sich ernsthaft uw den ver-! lostene». uufteundlichen Mann bekümmerte. E« Köpfte an de« Doktors Arbeitszimmer. Bald > tHarauf erschien die breitschultrige Gestalt des Bauernfritzen >ck» der Thür. .Mahlzeit, Herr Doktor." »Guten Tag. Wa« dringen Sie?" »Nicht viel Gutes. Romme ebenem« Kronstadt herüber, rr Doktor. Und ich soll Ihnen sagen, e» steht faul Ihre liebe Mutter liegt seit vielen Wochen fest, will nicht mehr werden mit ihr, und heut geht'» ganz ad aar auf« Allerschlechteste." Max war erschrocken aufgesprungen. .Und da« läßt »ich heut erst erfahren?" .Ja", nickte Fritz, »Sie wüßten« auch nicht, wenn — aber hören Sie nur. so geht ihr'«." Darauf gab ihm Fritz einen sehr klaren, ausführlichen »nkheitsdericht, durch welchen der Doktor sich rin drut» Bild der Krankheit vorzustellen vermochte, daß rr aller Sorge und Erregung nicht umhin konnte, den zu fragen, welch« der Schwestern ihn so sachver- _ unterricht« habe. ^keines von de» Kaatormüdeln", 'gestand Fritz treußig. »Nur' unser Fräulein Lottel war drüben, ich sag'!_ noch unser Lottel, obwohl ich seit dem Krach wo er« bin» beim Herrn von Lücko», wisse« Sie? — also Lottel hat «ich zu Ihnen geschickt — Sie müssen aber nicht verrathen." »Ich fahre sogleich rüber", rief Max, der, di« Taste Medtkamenten und Jasttumentrn gefüllt, reisestrtig vor Burschen stand. .Wär' schon recht, wenn Sie nur eine Fuhre bekämen, es ist auch nicht eine z» haben, von »egen der Feuer- Übung, wo sie ja alle «ittnache» müsten. Leider kau« ich Sie nicht einmal fahr«,", sprach Fritz traurig, .in Stunde muß ich nach Kreuzburg zur Bahn, meinen i Herrn obholen." .und Hans ist sortger irren." Der Doktor stampfte de» Boden, .was zu» T«»stl sang' ich an?" Sie. ich schasst Rach", rief Fritz. Eilig war u»d kam »och »ehu Minuten athemlo« wieder. F«GWitzer Müller ist unten, ich Hab, ihn au« der hat er wa« geh««. — Rein strr Doktor, ich nehme «icht«", Fritz ließ sich nur mit Mül« eia Trinkgelb anfnüthigeu, trug dem Doktor Tasche un» Mantel in de» Wagen und rief ihm noch leise zu: .Neh nen Sie sich in Acht, es ist ein klubscher Kerl, gebe Gott, daß Sie zurecht koaunen." .Du bekommst für die Fahrt zehn Mark. Wenn Du vor Nachtzeit in Kronstadt «intriffst, erhältst Du da» Dreifache." Der Kutscher wandte sich um und sah den Dokter mit seinem schnap«gerötheten, von den Blattern zetkisteaem Gesicht wie eine Truselsfratze höhnisch an. .Ick, fahre überhaupt nur für da« Dreifache", knurrte er. ,E« wird ein Unwetter kommen, meine Pferde und ich wer^n naß bi» auf den Knochen." Und da« Unwetter ließ nicht lange auf sich warten. (Fortsetzung folgte.) Der Areitzett»«o»at. Silhouette von dialhan Samuelq (Fortsetzung.) Wir sind am Borabend de« Rasttage«, llur noch ein Tag Nennt un« von dem schönen Peßachstste Jetzt heißt es ernsllich mit dem Ehomez aufräumen. Eine eigne Eeremonie ist dafür vorgeschrieben, die in allen jüdischen Häusern deachttt wird und der e« nicht an heitern Episoden fehlt. Bevor die Eeremonie begann, schnitt die Mutter mehrere klxine Brodkrumeu, die sie in aken Zimmern unserer Wohnung au«einanderlegte: auf die B üstuugen der Fenster, di« Kanten der Sestel, auf die Tist«, Kommode und Schränke. Jetzt ordnete sich der Zu>. voran die Mutter mit einem Lichte in der Hand, als Wegweiserin. hinter ihr der Bater, ausgerüstet mit einem Federwisch in einer und mit einem großen hölzernen Löffel in der zweiten Hand und nachher folgten wir, die Kinder, Mann hinter Mann, so bewegte sich der Zug im Gänsemarsch durch alle Räume der Wohnung. Ueberall wo ein Brodbrockr i lag, machte die Mutter halt und da trat der Bater hemn und fegte mit dem Federwisch den Brodkrumen in den b reitgehaltenen Löffel hinein Wiederholt geschah e«, daß die Mutter plötzlich di« Tour unterbrach und eine rasch: Schwenkung nach recht« oder link« machte, nun traten vir alle unter lautem Gelächter den von der Mutter kommaa rieten Rückzug an, ja auch der Bater, der die ganz« Zeit feinen Ernst bewahrte, vermochte nicht, dabei ern Lächeln zv unterdrücken. Wir wußten alle, daß diese» rechtzeitige Kimmando der Mutter un« einen Eierkuchen, eine Semonl, oder sonst etwa« Eßbare« vom Verderben gerettet Hot Rach der zeremoniellen Borschrist nämlich, müßte der Bater alle« von Ehomrz, wa« während dieser Streifzüg« ihm in dem Wege lieg«, mit seinem Federwische streifen, wa« s »viel heißt, e« sei mit den andern den Flammen geweihet. Die Mutter, die da« ganze Terrain beherrscht, sah einige Mal, daß »in Brod oder ei» größere« Stück Kuchen iu «itefahr fttoeb«; denn schon streckte sich daiwch der schreckliche Federwisch de« Bater« — rasch ordnete sie daher den R tckzug an und rettet« durch diese« strategische Manöver ttcmAe« schöne Stück Barche« oder Kuchen vor der unheilvo len Berührung de« unersättlichen Federwische«. Manche« größere Stück war aber auch vom Bater anektirt, denn der Mutter blieb wenig Zeit, durch einen rechtzeitigen Rückzuai besthl der Gefahr vorzubeugen und so fiel manche« Stitck Kuchen der Eroberulwssucht meine« Bater« al« Beute. Dir komisch verzweifelte Miene, die meine Mutter machte, al« der Vater, du«h die unheilvoll« Berührung mit sei»« Federwische cht Gut mU Beschlag belegte, erregte immer neu« Heiterkeit. Da« ging f» smch di« all« Brodkrumen in den Holzlöffel eingesammelt waren, nnd da schlang der Vater darüber la-viiii,.

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