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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 16 (1891) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
16 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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burtri1 Pi rrinfii Fetzen und versteckte seine in dem Hohlvffel aufbewahrtrn SicgeSttophäen auf den Ofen, von wo st« erst de« nächsten Tage« hervoraeholt wurden D«S nächsten Tage« waren wir schon mit dem Morgenanbruche auf den Beinen. Da hieß e«. den Ehomez verbrennen. Da« Morgeogebet wurde heute rasch beendigt. Di« Mutier tischte un« da» Morgenmahl auf einem improvisirten Tisch« auf, der au« einem Fasse mit einem drüber gelegten Nudelbrette hergestellt wnrde. Auch mußten wir e« heute mit ebenfalls improvisirten Sesseln vor lieb nehmen, mit umgestüpltrn Tübben und Hannen, denn alle Tische und Sesiel waren bereit« «waschen, gereinigt, (gekaschelt) und für den lieben Peßach in Bereitschaft gehalten. Freiwillig gab un« beute die Mutter da« zu verzehren» was wir sonst nur zu seltenen Zeiten und erst nach vielen Bitten zu bekommen pflegten, nämlich größere Ueberrrste von Honig und Zuckerkuchen — müßte es ja ohnehin sonst verbrannt werden, weil es sich doch nicht lohnt, Kleiaigktiten an Ehomez zu verkaufen. Mit dem Chomez verlausen hat e« wieder seine ganz eigene Eeremonie, die ebenfalls reich ist an vielen komischen ^;r Nationen. Da stand vor dem Vater der alte Hawrelle, ei« blöder Bauer, mit einem versoffenen, krebSrothem Gesichte, der stark nach Fusel roch. DaS war heute unser Geschäftsfreund. Hawrelle war von Beruf Ofenheizer, doch jeden Erew-Peßach wandelte er sich, wie durch einen Zauberspruch, zu einem großen Kaufherrn, mit dem die ganze jüdische Gasse Geschäfte auf viele Tausende abschloß. — Wie er dazu gekommen? Der arme Hawrell ist bereit«-mehr al« zwanzig Jahre an jed m Erew-Peßach Ankäufer des ganzen Lhamez der Gaffe und noch immer hat er keine blaffe Idee davon, wie das eigentlich zugeht. Er weiß nur, daß an jedem Erew- Peßach reißen sich die Leute um ihn, er solle ihnen ihr Hab und Gut abkaufen, was auch immer der Fall ist, ohne das er jedoch von den vielen gekauften Dingen, von welchen er so manches brauchen könnte, nur ein Brüserl zu sehen bekommt. Uebrigens macht sich Hawrelle nicht viel Kopfzerbrechen trüber — er heizt nach wie vor weiter überall die Oefen «nd schließt unterdessen große Verträge ab. Auch heute steht er vor dem Vater, ganz der Hawrelle 8sn gestern und vorgestern — ein blöder, versoffener Bauer. »Willst Du bei mir den ganzen Ehomez abkaufen?' fragte der Vater nach zeremonieller Vorschrift. Hawrelle schnäuzt sich heftig die Nase, was bei ihm stgen will: Was soll ich davon wissen? Auf diese Zustimmung hin verliest ihm der Vater einen förmlichen Kaufvertrag» den er mit blöden Glotzaugen enhörl, ohne nur davon eia einziges Wort zu verstehen, höchstens daß er einmal, als nämlich die Erwähnung war von mehreren Flaschen Branntwein, neugierig die Ohren spitzte »nd sich dann mit großem Berstänknß abermals die Rase schnäuzte, denn das war der einzig« Artikel, dem er mit ganzem Herzen zugethan war. Nachdem der Vater mit dem Verlesen de« Vertrage« fertig war, forderte er von ihm als Sicherstellung ein kleines Angeld, worauf Hawrelle mit der Hand sich in den Hemdschlitz langte, von wo er zehn rostige Kupferkreuzer herrorholtc, die er dem Vater al« Angeld übergab. Damit war also der Kauf perftkt Hawrell« bekam noch zum Schluffe ein großes GlaS Schnaps, was in seinem dunklen Geichästsleben, zu dem er heute verurtheilt war, noch de« einügr» Lichtpunkt bildete. Da aber Hawrelle von den bereits heute schon abgeschlossenen Kansixrträge» mehr al« fünfzetzt solcher Lichtpunkte schon im Kopfe hatte, so war derselbe so stark illuminirt, daß er völlig geblendet sich kaum zur Thürr hintastete, wo isp» jedoch eine ganze Schaar von Kaufleuten erwartete» die in ähnlicher Weife darauf versesf» war» mit ihm größere Geschäfte abzofchliehen. Jetzt stand« wir alle vor «ttt« lustigen Feuer, aserer k auf de« Herde bräunte und der Vater an uns mit dem groß« Holzlöffel, in den er gestern die Bro krumen einaesannnelt Nach eins» vorgeschriebenen Gebete» da« wft alle gemeinsam mit dem Vater verrichtet, warf er den Löffel in« Feuer, der bald von den Flammen erfaßt war und kurz darauf mit stimm ganzen Inhalte verkohlt und zu Asche wnrde. Mt dieser Zeremonie war der Äeist de« Ehomez au«, dem Hause verbauut. Wir befanden un«, wie mit einem Schub, mitten im herrlichen Fest«. Nicht allein bei un», sondern überall, alle Räume, ja». Himmel und Erde waren von dem heiligen Geiste de« schöne» Peßachseste« erfüllt. . Zsttzt faßte mich der Vater bei der Hand und begab sichmit mir io« Schwitzbad, damit wir un« dort durch gehörige Waschung und Säuberung erst die rechte Weihe geben —. gilt e« doch heute Nacht dep Thron zu besteigen! Jeder Jude nämlich wandelt fich in diesem schönen Feste in eine« König und da« sogenannte .Heffebett" ist sein Thron, den er mit seinem Weibe und seinen Stammerben theilt! Im Schwitzbade fanden wir ein rege», heiteres Lebe», denn wir waren lange nicht die einzigen, die hergekomaw» sind, um sich hier für die Krönung vorzubrreiien. Da« Badwimmelte vielmehr von lauter Majestäten und königlich« Hobeitey» die in gar rosiger Stimmung zu sehen nnrau Man lachte, scherzte, kürzte sich durch lustige Streiche die Zeit. Nirg«tzs war ein trüb^ Gesicht, oder nur ein Sorgenfältchen zu sehen und warunf auch sorgen? Für acht Tage hinaus ist man bereits mit allem Guten versehen, «ö fehlt nicht an Mazzos, Schmalz Eier, Geflügel, Wem und Most, kurz, an allem was das Herz erfreuet. Durch welche Arbeit, Mühsal und Kämpfe das Allezusammengebracht' wurde, davon weiß freilich jeder von ihnen eine andere traurige Geschichte zu erzähle», aber wozu daran denken? Genug, die Schränke sind gottlob mit allem Guten gefüllt» eS sthlt auch nicht an Schuh und Kleid, die Kinder «erden während der Feiertage in ihren neuen MontÜrche«. wie die wahren Prinzen und Prinzessinnen auSsehkti und Gotte« Segen blüht im Hause. FreUich muß man sich ein bischen plagen, bis man das Alles zusammenrafft. — Eine Kleinigkeit, unbeschrien soviel Bedürfniffe, aber Hauptsache bleibt doch, daß man sie erschwingt. — Ein Narr der, der. sich grämt und sich ein Stündchen seine» Leben» trübt. -(Schluß folgt.). *1 HUttlßsrl - Anfgabr«. Am« i. eotMrti* '8m B. m mit <r ihm tunk Me 8tfel fritu Pracht, SKit 3 gleicht oft ihm Mac Soff att macht; mit L kommt « für ei« Haadtörrk i» Bestach« mit S erscheinet es zur Pebachaacht mit I ist'» Jeder — »un gied acht! II. Hebräische» B»chft«be»rithstt. K 3 3 2 , i n n n n S d " n n n 3 s o ö o 2 n 3C JC. n Sa» vorstehende« Buchstabe» und in ihilicher Fiat» bilde ata» - 1. de, Leben» SnfaaP. 2. ein HanBhitr. 8. eine veaennuna für «adä^ 4. ei. Fest, ö. «iaen Eoh, Raphtali'», «. eiaNeqaistt Mea 7. de» Tode« Lade. — «e mittelstea Methea feakwch» aad bedeuten daffelhe. {8m O ia B.). Adlfm« >»r Witttzl« i* L Cfa«, Bia«« - «aacctata. IL

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