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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 16 (1891) · p. Seite 62

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
16 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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m m Der jttlBSl^Kf'Pdnt I^PRdlr ,r-^_,r,— -r-y—._,—^r~ außerordentlich liebt«, streng untersagt, »nd sie sehr tzebarv,' sich im Interesse ihrer Gesundheit diese» aufreizenden und gesährlicheo GärLuke» zu enthalten. Marie, die diesen Befehl ihre» Man«», wie nebenbei «sagt Hede» andere BerboP wo sie nur irgend konnte, fast jeden Tag hsichlich umgingt hatte die Abwesenheit des Doktors benutzt, u» Onkel Mucha' den Sellerfchlüffel m enIWeullen und selbst. in den Keller blnatgusteigen, wo einige Flaschen de» von ihr so eigensinnig begehrst« Tinto Aragaus, für den Verbrauch der Apotheke bestimmt, wohl,persteckt lagerten. Wohl versteckt, denn der gleichfalls sehr aeiokundige Lehrling stattete dem Keller auch ziemlich eigenmächtige Besuche ab, er war eS auch welcher die auf den finstern, unebenen Treppenstufen ausgeglittene Frau leblos liegen fand, daraus Lärm schlug und im Verein mit Mucha die Ohnmächtige nach oben schaffte. Da» wurde ein böser Abend für den Doktor. Mariens Kind war ein Knabe und kam todt zur Welt. Wochenlang schwebte die junge Frau in Lebensgefahr. AIS sie den Höhepunkt ihrer Krankheit überwunden und so weit hergesstllt war, daß man ihr, wenn auch mit größter Schonung, das Nichtlebenkünnen ihre» Kinde» nicht mehr verhehlen durfte, schien ihr Schmerz grenzenlos, ein wilder, unedler Schmerz, der sich in heftrgen Anllagen und Berwtlnschunacn gegen ihren Mann und merkwürdig genug auch gegen dessen Familie Lust machte. „O, ich wußte es wohl, damals schon, damals", schrie sie auf, »der Blick Deiner Mutter hat mein Kind getödtet". Diese Aeußerung schmerzte Max so unendlich tief, daß er sich'» nicht versagen konnte, er mußte Han» sein Leid klagen. Der gute treu« Junge schalt ihn m seiner liebevollen Art, wie er, ein Arzt, auf da» Wort einer Fieberkranken nur Gewicht legen möge. Aber Max schüttelte sein Haupt: »Das ist - nicht Krankheit, die aus diesem entsetzlichen Varumrs spricht", und mit einem Lächeln, da» dem Sekretär in'» Herz schnitt, setzte er hinzu, „wenn ich'S nicht ander« müßt«, würde ich sagen, sie hat Recht." Endlich siegten die zwanzig Jahre und die kräftige Natur MarwnS über ihre Krankheit und sie erholte sich von Tag zu Tage zur größten Freude des DokterS, der sie mit unendlicher Hingebung gepflegt hatte. Qno abermals erlebte Max eine bittere Enttäuschung. Er hatte heimlich gehofft, das Leiden und die schwere Krüstmg. welche Marien heimgesucht, würden sein Weib auch Misch läutern und sie ihm geistig näher führen. Nicht» von alledem ttaf ein. In demselben Maaße, in welchem Ihr Körper seine ehemalige Frische wiederfand, brachen die olltit Schäden ihres Geiste« wieder hervor. „Da» wächst nach wie vor wir der HauSschwamm". sagte HawS mit verbissenem Ingrimm zu sich selbst, als er sah, »ik Sax vergeblich gegen den Leichtsinn, die zügellose BergnÜPwgssucht seiner Frau, ankämpftr. Knn Fest auf zehn Meilen in der Rund«, dessen Besuch Mache nicht ttotz Abmahnungen und Bitten ihre» Manne» ■"">&, machte Max die heftigsten Sceueu, al» er Gastereien und Fste» in seinem Hans« zu und di« Mitglieder de» Easino'», den Bürgerlster. den Sttuereinnehmer und so weiter kämmt Frauen >d Anhang, oder den jungen Herrn von Dalwig zu sich bAKu, sie verwand unsinnige Summen für Butz und Kt, und Max fragte sich bitter, ob da« dieselbe Mari« deren aumuthig« Einfalt einst in Kattunbluse und weißer cheze stin Herz aewonnen. Es kam so weit, daß sie, einst so Fleißige, virthschaftliche ihr Hauswesen grüudlich —Aässigte, st, fand r» vergnüglicher, ,m Laflnorestaurant isrn, wo immer ein« lustig« Gesellschaft zusammeutraf. Max ihr da» Unschickliche solchen Tr«den» verhielt, sie spitz, wa» jk denn allein zu Hau» aasaug«» den hinterlistigen und achfAttägerischen Apothckr zu con^r , trolivm, noch der bi» zur Rohheit gesteigerten Uuverträgv ^lichkeMkstine» -DergnüaungShuugrigen Weib«» dauernd Wider» 'stand' M leisten. ~ ©• ließ er degn Mell gehei^hlAhlecht t» eben wollte, er kämest «icht mehr, et warAalle, da Hatte er Muh. Ein Schwan an der Sekte ein» Gate, er Bichst, er »llsde versinken in ihrem Pfuhl, aber er' kannte, »icht mehll i»'me Höhe, immer wieder zog ihn die Gefährt» zu fich>herab. Bald prägten sich diese moralischen Nicherlage». auch au seinem äußeren Menschen auS: er verfiel und verwildert« zusehends; wer de» kaum Füufuudzwanzigjährigea nicht kannte, hätte ihn getrost für einen Vierziger halten möge». - Manchmal überkam e» ihn, al» sei diese» ganze Jahr de» Elend'», da» er an der Seite diese» Weibe» verlebte, ei» wirrer böser Tranm. Er sah sich wieder in der kleinen, freundlichen Junggesellenstube bei seinem Hau», der ihn so klag and besorgt . gewarnt hatte, er sah sich im bellen Eigensinn uud Trotz •- nach der Apotheke wandeln und klomm im Geiste wieder die eng« Stiege empor, oben hörte er singe», jene Verse, die damals durch chre naive Plattheit fcmeu Student«,- Humor so angezogen und belustigt hatten. .Rbnm mir den Ring vom Finger Wenn ich gestorben bin Unb «Ile «eine Briest, Die im Tirnister sind —* Einmal fragte er Marien, wer sie da» Lied gelehrt habe . . . „Die Schmidtköchin", antwortete sie kurz. Die Schmidtköchin war ihr Verkehr gewesen. Wo hatte er nur seine Augen gehabt. Nein, er ttänmtt nicht. Unlöslich gekettet an diese ungebildete, seichte, aufgedonnerte Fra«, deren Reize ihn längst katt ließe«, ja gegen bereu größere Freundlichkeiten iha jetzt oft eia unerklärlicher Widerwillen beschlich, lebte er nu gewöhnliche», erniedrig«« glück leere» Leben. Da» war sein« Eh«. Elfte» Kapitel. Unter den Trebanobitzer Juden herrschst ungeheure Aufregung. Der Bürgermeister hatte für den Abend große Feuerwehrübung befohlen und alle streitbare Männer da guten Stadt Trebauobitz waren gehalten seine» Harb«»» Folge zu leisten. Da RathhauSdieuer, zugleich Gericht»- vollzieha und Oberstnerwehrmann in «in« Paso», paradtrst in «na Uniform, die ein unbeschreibliche» Mittelding zwjsche» dem Ornat eine» Todstugräbe» und de» Waffearvck eine» Laadwehrmanue» bildest, und schritt stolz dst via Ecke« de» Trebanobitzer Ringe» ad, an jed« Eck« «st aller seiner Lungeukrast in» Horn stoßend, da» getrost dem berühmte« Stier von Uri Loncnrreuz bieten konnst. Uud siede, sie kamen bah« von Ost uud West, au« Süd, au« Nord, dst »ackern Männer mit den schwarzen Helmen, mit Ecmeru und Leitern, mst Spritzen und Kanne«, um eine» Löschangriff ans da» markirst Han» zu unternehmen, eine uralst, windschief«, baufällige Baracke, so feuergefährlich, daß ei« übrigen» besuch« sie den Tastnogarten immer iu ihre» leida zu« tieffstn 'Schmerz feine« sehr hoch versicherte» Besitzer» oiemal» abbreaueu wallst, und da daher musehr gemischten Gefühle» auf diese plattonische FeuerSbruust uud chre lustigen Bekämpfte blickst. Natürlich war ganz Trrbanobitz auf de« Bestreu, uur dst Jude» saßen zu Hause uud äraast« sich «ad ließe« ihre böse« Uutachaneumäula höchst drspektirltch ßba da» Stadtoberhaupt lause«. Sst beschuldigen chre» Bürgermeister gerad' Haan», daß a d» famose geuawehrß'

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