Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 16 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Herrn »grgrbrn vo» Dr. M. Natzmer 1« Magdeburg. Zn lürtrr|iltw§ ml -eirtznms str die isrnütlsche Fmülie. t t Der Mitgtftdoktor Line LrzShlimg von L. Berg. (Fortsetzung.) — Der Freiheitsmonat. Silhouette von Ratha» Sa» «»«ly (Fortsetzung) — SiütHelanfgabe». — tziaiysel-örsungen * .KtMtcnN^nHl m« Metra teitttc ift mtnta«t 10) Der Mitgtftdsktsr. Line Erzählung au» der Gegenwart von L. Berg. Wohl den Gatten, an der herzlicheren Eintracht niemals der Unfriede Hand gelegt. Sähet ihr je den Fluß, wie er das blübende Thal überschwemmte? Jahr um Jahr kehrt er wieder, der verderbliche, wohl gelingt es den Menschen mit der Zeit seine Macht zu brechen, aber Scholle um Scholle hat die Fluth hinweg- und sortgespült. An de» liefen Listen und Furchen des Landes merkt der Kundige auf lange den Schaden. Ein Ritz in einem liebenden Herzen wirb niemals heil, erschüttertes Vertrauen, verlorene Achtung, st« kehren nie zurück. DaS gute Einvernehmen zwischen Max und Marie war w« Dezembersonnenschein. Er kann mitunter leidlich warm sein, aber immer weilt er recht kurz. So vergingen Wochen und Monate und mit einem male war es Mai geworden, obwohl die Leute es gar nicht glauben wollten. Denn der Wonnemonat machte diesmal seinem uralten Kosenamen die allererdenklichste Schande. Die Bäume, deren Knospen sich auf seinen alten guten Ruf vertrauend, hoffnungsvoll entfalten wollten, warf er voll eisiger Hagelstücke und Schnee, so daß die arme Blüthenpracht jämmerlich erfror und zu Grunde ging. Den Menschen malte er blaue Rasen, den Poeten ließ er die Tinte einfrieren, wahrscheinlich au» Rache über die vielen schlechten Gedichte, an denen sie ihm in früheren Jahren meuchlerisch eine Mitschuld aufaebürdet, und die PfandleihinstitutSbesitzrr warteten vergeblich auf die wohlbekannten äkademifchen Winterüberzieher, aber sie kamen nicht, die Herren Studenten froren zu sehr und konnten sie noch nicht entbehren. Doktor Gcldmann war am Spätabend zu einem Patienten aus ein entferntes Dorf gerufen worden, müde nnd fröstelnd fuhr er beim. Al» der Wagen endlich vor seinem Hause hielt, raste eine Kutsche im Galopp an ihm »«rüber. Max erkannte mit Erstaunen Herrn Ezechielalte Karäte und bemerkte im Fluge »och, daß Lotte Jakob drinnen saß, eS schien ihm, als ob sie ein Tuch vor die Augen halte und weine. Er sprang sofort ab und eilte zu Hans. »Was giebt es für böse Neuigkeiten?" fragte er diesen. »Es sind schlimme Nachrichten aus unserer Dennach-, antwortete der Sekretär sorgenvoll. »Dein Onkel Ezechiel stt heut früh plötzlich gestorben. Der Schlag hat ihn gerübrt, als er den Verlust seines aesammten Vermögens erfuhr. Ein Großkausmaun in »lciwitz oder Oppeln, ich kann Dir beim besten Willen keine näheren Details und Ramen nennen, hat ihn in.Spekulationen verwickelt und roinirt. Man spricht von einer Menge kleiner Leute, di« diesem Bankrott »itbetroffen werden, natürlich stt auch Stieftochter Lotte Jakob mit bei dem ver« »Wie ist daS möglich", rief Max, ..Lottens Vermögen müßte doch noch in den Händen ihrer Vormünder sein." »Leider nein. Sie wurde vor einer, Jahre großjährig und übergab, ob freiwillig oder beeinf ußt we iß ich nicht, ihr Geld ihrem Stiefvater zur Verwaltung. Jetzt ist das niedliche Goldfischchen so arm wie eine Kirchenmaus. Uebermorgen wird Deiner Mutter Bruder b erlügt. Wirst Du nicht Hinüberfohren, Max?" „Wie kann ich das?" antwortete der Dokwr. »Du weißt ja, die Familie hat den großen Bann über mich ausgesprochen, ich existire nicht mehr für sie. Sie sind darin recht consequrnt, die lieben Meiiiigsn. Höre, welche Erfahrungen mich bereit» gewitzigt habe,, mich ihnen nochmals zu nähern." »Al» ich mich verheirathete, wußti ich recht gut, daß Eltern und Geschwister gewisse Hoffnun zen auf meme Hilfe ,, begruben. Aber ich schwur mir zu, sie sollten trotzdem incht» entbehren, ich wollte meine finanziellenPflichten gcwistenhast . gegen sie abtragen, ich konnte das reiht gut, meine Arau und ich, wir brauchten uns deshalb richt allzusehr rmzu» schränken. Willst Du glauben, daß sie mir mein Geld ebenso beharrlich zurückschickten, als alle meine Briefe? IHt ist mit Onkel Ezechiel ihre letzte Stütz: gefallen. Aber sie werden lieber hungern, ehe mir verzeihen. Daran erkenn' ich meine Mutter." Han» schwieg. Was er zu des Freunde- Klage noch hinzuzufügen wußte, hätte diesen noch jchwerer betrübt, 'der Bauernfritz, der seinem ehemaligen Feldwebel zuerst die 9lachricht von Ezechiels Tode mitgetheilt, hatte auch aus Kronstadt manche» Unerfreuliche berichtet. Vor allem, daß Frau Goldmann in ihrer Betrübniß und Selbstpeiniguu j über des Sohnes Mrstalliance ihren Mann bestimmt hctte, sein Amt niederzulegen. Wer ein so ungeratheues Kind erzogen, sei nicht würdig, den Gottesdienst mitzuleiten, demonstrirte sie, und sie schäme sich vor der ganzen Gemeinde. Zum Glück war der Gemeindevorstand nicht päpstlicher als der Papst, und wohlwollend und verständig genug, die Demission seines Kantor», den er seit einem Viertels rhrhundert als einen Mann von lauter Frömmigkeit und tcdellofem Lebenswandel kannte, nicht anzünehmen. Da HcnS beharrlich schwieg, sagte der Doktor nicht ohne Ueberwuidung: „Ich könnte ihnen noch so viel Beweise meiner Versöhnlichkeit geben, sie werden mich deinoch «n ouaniU»,behandeln, und alles was ich thun oder Unterlasten mag, mir zum Bösen auSlegen. Einerlei! kfi will keinen Versuch scheuen, chrr verlorene Zuneigung zurückzugewianen, ich werde hinüberfahr«, und der Beerdigung fe tootatn." „Ist der Doktor hier? Um Gvteswillen —" „Was giebt’»?" Frau Schmidt hatte die Thür aufgerifsen und der ljehrlmg de« Lpothetzws stürzt« he «in, keuchend: „$m fgadl Zjtzse Frau liegt im iffcttai.'