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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 15 (1891) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
15 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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r.ii sehr «ftr auLcuftn {jmk afct *ti| Ä; •ly.'«* O 'servation ihnen nicht fth»» früher entschlüpft fei) rst dieser Schriftsteller ei« verrückter dummer Kerl schleppt uunach aanz wildfremden jeglichem Pchfßßd Bahnverkehr unve schlofsrnen Gegenden und Sri all» einzig, um ung einen siuplen Krämer zu zeigen, Ja, wen» der noch von ' -erson oder an dwhdane daa d*a»ea —4 Plaria sprechen wollte. Ei, meine Bkrehrungswürdißen, diesmal sind Sie di« Angeführten. Glauben Sie etwa, daß «in zweiter solcher Krämer wie derjenige, von welchem ich Sie jetzt unterhalten will, in Berlin existire? Nicht mal in Pari». Auch nicht in Bomst, Meseritz oder sonst wo in den hapta poleia — dieser Kaufmann, dessen ausgezeichnete- Verdienst, nicht Ver» dicnste, Ihnen sofort ihre abfällige Meinung über ihn benehmen werden, führt ebenso so seltene, al» vorzügliche Artikel. Er hat nämlich Glück zu verkaufen. Nicht wahr? jetzt Mächten Sie alle auf der Steve da» Lokal dieseunvergleichlichen Kaufmannstürmen. Hm! eS frägt sich sehr, ob bei dem kolossalen Andrang« in seinem Bazar der vielbeschäftigte Mann just für Sie zu sprechen sein wird. Aber seien Sie ruhig, einmal in seinem'Leben darf auch der allergewähnlichste Mensch feinen Laden betreten, Sonntagskinder zweimal, ganz große Tummköpft sogar noch öfter. Da liegen die merkwürdigsten Dinge aufgehäuft: Gold, Silber, Edelstein, Schmuck, glänzende Rarrrthei, Sammt, Brokat, kostbare Seide, je schwerer sie ist, je leichter sie bricht, duftige Schleier und tausendfach flimmernder, schillerndern Tüll und Tarlatan, werthvolle Spezereien, und wiederum altmodischer Hau-rath, festes Serbe- Linnen, Waffen und Gewehr« und viele hunderttausend« von Gerüthen, Werkzeugen und endloser Kram, den ich garnicht auszuzählen im Stande wäre, geschweige zu beschreiben vermag. Das ist der große Bazar Fortuna'». <Kr:rShnlich sind ftine Kunden junge-, unerfahrene- Volk, daher Vielen ein guter Engel zur Seite steht, der ihnen rHt,: Nimm dieses, das ist echt, und Jenes laß liegen. Mitunter bleibt der gute Engel auch au- und ist just für dru, der seiner am dringendsten bedarf, grab' jetzt nicht zu rinden; der kleine Flügcljuuge hat sich vielleicht irgendwo im großen Himmelreiche verflogen oder versäumt die Zeit bei niedlichen Engelmädchen und schneidet denen die Cour, dann tappt der arme verlassene Mensch rathlos nach etwa- §«nz Unrechtem und muß sich nun mit einem falschen Glück sein Leben lang quälen. Mancher Bruder Eigensinn sagt wähl auch zu seinem Warner: .Geh' nur beiseit, ich braucht Dich nicht', und greift nach einem gleißenden Tand, der iinn just in die Augen gestochen, da steht nun der gute zeiget wehklagend daneben und macht ein Gesicht wie ein Bettler, dem neuundneunzig Pfennig von der Mart in'S Basier gefallen. Die Doktoren der Medizin u. f. w. haben gar keine guten Engel. Wozu auch... sie glauben ja doch nicht daran. Und was Doktor Goldmann anbelangt, die Wahl die er in dem großen Glück-bazar getroffen, nun sie war auch danach. Das erst« beste Stück Flitterzeug, daihm in Be Hände gefallen, hatte er behalten. Welch' Wunder, daß Kieses Glück bald an allen Ecken und Enden ^u brechen und zu reißen begann. Gewiß, Max liebte sein Weib innig und aufrichtig, er hatte die Ehe mit ihr sich ertrotzt, der arme Narr ... er ahnte nicht, daß er diesem Erzwinge« ftine» Willens einen, wenn nicht den Haopttrieb seiner Leidenschaft zngestehen mußte. Eschien ihm bereit» ein wenig eintönig. da» legitime -Mck. Mar« besaß ganz vortmfiiche Eigenschaften, sie war jung, sie war hübsche wußte ihren Mann viel Zärtlichkeiten zu bezeigen und legte für ihre neue Hau«ftauenwürde einen ungemeinen Eifer an den Tag. Anfangamüsirte ihn die Wichtigkeit, welche sie auch den allerkleinsten Borkommniffen d-s Hau-Haltes deimaß und der bedeutsame Ernflz mit dem sie dergleichen Keller» und Kücheuangrlegenheile« zu brden «Mruf «Miß: j&t wiedoe von den AllSglichkeflen zu reden — ««4 sollte' meinm, ich habe eine Köchin oder. Waschfrau geheirathet? Sir ha» ihn.darob «rwundert angesehen und offtnbar gar nicht begriffen, wömit sie de» Unnmth ihres Mannes erregt haben mochte. Dieser Max! Steif und ftst hätte sie darauf aeschwWm, ihn gründlich auSzukenncn, fttzt sah sie mit Erstaune»^ er verfüge reichlich über einen Theil Mucken und GriLen wie andre Bäsewichter auch. Was «rlangtr er den« von ihr? Wenn ihn die Wirthschaftssorgen nicht interrssirtem so konnten sie sich ja von andern Dingen unterhalten. Aber selbst für ihre Nachgiebigkeit wußte Max ihr wenig Dnnh.1 leider war sie auf die unglückselige Idee versallenz eine Kritik ihrer rngern und weiteren Rachbarrn und deren un und Treiben zum Gesprächstoff zu erheben, Fra«» ereien und Klatsch, womit^ie Max in gelinde Verzweiflung jagte. Meder verstand fl» ftin Verbot nicht, sich, um Himmelswillen jeder Hineiumischung in die Angelegenheit«» der lieben Nächsten zu enthalten. Das war doch unerträglich. Zu unintelligent und schlecht erzogen, um strenge Selbstkritik au sich zu üben und der eigenen Aufrichtigkeit eine, gewisse Schuld an den zeitweiligen Mißsallensau-brüche» ihres Mannes anzurechneu, begann sie in Max eine»> Tyrann zu ft'.:en. der nichts als sie kujonirru wolle, sie de» „ schloß daher ihrerseits dft Offensiv« zu ergreisea und verfiel^ auf den allerfalschesten Ausweg, den eine Frau einschlage» M kann, sie wurde trotzig uad wurde bäft. | Allen Bemühungen chre» Gatten ihren geistige» Horizont -3 zu erweiterit und ihr unglaublich mangelhafte» Wesse« ein j wenig zu vervollkommn^ setzte sie höhnischen Widerwillen entgegen, sie rührte die Bücher, welche er ihr brachte, nicht s an, gähnte laut, wenn er ihr vorlaS oder einen ihr unveestäudlichen Begriff erklären wollte und bedeutete ihn rund, heraus: er möchte doch die alberne Schulmeistere! unterlassen, sie sei derselben schon lange satt. Max sprach, selbst i« allerintimsten Verkehr, eia reines- und sehr gewählte- Schriftdeutsch. Marie schalt dieft Redeweise überspannt und überstudirt. Da sie sehr schnell gemerkt hatte, daß ihn ein gewöhnlicher Ausdruck uuaemei» verletzten konnte und ein rohe- Wort empfindlich traf, fast j wie Andere ein Schlag war sie grausam genug, ihre ohne», hin fthlerhafte Sprache noch mehr mit platten Redensart««, und häßlichen Verwünschungen zu verunzieren. Mit dieft» -J Angriffen schoß sie nun gewaltig über ihr Ziel Hinang, denn ihre ÄHicht blieb freilich nur, ihm einen tüchtige«' Aerger zu beimtru und die Wirkung, welche eintraf, war,, daß er sich ihr allmählich entfremdete. Am vittersten jedoch kränkte e» ihn, daß sie für seinen Ifl Beruf nicht tue mindeste Theilaahme bewies, er hätte sich H gern beschieden, softrn sie ein klein wenig Interesse daran/" nur geheuchelt hätte. Wenn er zum Mittagsmahl oder des^ Abend» be, ihr saß und recht au» seinem Herze« heraus" von seinen Arngsten und Sorgen um seine Kran«» sdh ihr! mittheilen wollte, wenn er aus tieffter Seele betrübt über) einen verzweiftlten Fall, ober freudig erregt über eine i lich vollbrachte Kar sich aussprechen wollte, hörte sie ihn^A gleichgiltig an ober wehrte wohl gar heftig: .Laß mich «itg Deine» gräuliche« Krankheitsgeschichten in Frieden.' Demnach fanden, die vertrauliche» Mittheilunge» nat lich «in jähes Ende. Dafür rröffnete Marie ihrem Mo recht häufig mit überwältigendem Wortschwall, wie «> friede« sie sei, «inen Arzt aeheirathet zu haben, daß er so und s» oft die Tischordmmg durchbreche, gea eine ordentliche Hausfrau zum Kochen zu «ringen. Da»»^ hatte Max für dergleichen Albernheiten wohl eine a» Antwaet aus der Zunge, aber die Rücksicht auf Zustand hieß ihn verstumme». .. Sr gewöhnte.sich fttzh

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