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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 14 (1891) · p. Seite 54

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
14 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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.oftorr würde seid« dringenden EknlMnig«^ Loitze .eis .. und durch ihr Erscheinen?an seiner Hochzeit ihm eiucii freundlichen Beweis ihrer Bersöhnung geben. Darum in <a Lärm, dem Besang und dem Geschwirr, daS ihn -'mkSnte, hatte er nur ein Ohr für die sich öffnende Thür, bei jeder ihrer knarrenden Bewegungen richtete sich erwartungsvoll fein Auge dahin, um sich sofort enttäuscht wi'vcr hinwegzuwenden. Immer düsterer und verdrießlicher d-kte er drein, all' diese schwatzenden, lachenden Gesichter ringsum waren ihm fremd, er empfand es bitterer als je, ir sehr er just heut ein blutsverwandtes Besen entbehrte. Und daS sollte doch sein Freudentag sein. Seine Augen irrnn nach der Gallerte, da oben bei den Musikanten hatten sich allerlei Fremde clngefnnden, die neugierig dem geste zuschauten. Unvermuthet entdeckte er doch dort ein wohlbekanntes osicht ... wie kam Lotte Jakob hierher? Es that seinem Blicke wohl, auf ^ihrem holden Kinderaatlktz auSzuruhen, fco, ihm heut ein wenig schmäler und bleicher schien als sonst. Die großen, dunkelgraucn Augen begegneten sanft und traurig den seinen. Ta weckte ihn eine Berührung Maiicns, die unter fco - Tischtuch seine Hand suchte: „Wonach siehst Tu so starr, Max?" Tr seufzte und konnte ihr keine Antwort geben. Ueber« mußte jetzt auch einem langen Tatst auf das Brautv ,ir, von Onkel Mucha gesprochen. Stand gehalten werden. raus erhob sich wieder der junge Baron von Dalwig, der E rcngast des Abends und brachte in wohlgewählten und *-*; ngesetzten Worten einen Trinkspruch auf den Apotheker r. den großmüthigen väterlichen Freund der Neuvermählten, jagte denn ein Toast den andern, bis zu gar später - 'linde die schmausende, zechende Schönrederei ein Ende f - .d, die Tafel ausgehoben, der Saal gefegt wurde und >ter jauchzenden Klängen die Polonaise begann. Wie ,it die Musik zum „Abtanzen" in die lockende Weise - ö Walzers hineinspielte, überließ Max willig seine ..'aut dem schmucken, jungen Baron, der mit ihr davonv irbelte. Er selbst tanzte keine Nundtäuze nnd suchte sich an ■ nt Pfeiler einen stillen Platz, um träumerisch dem lzer zuzuschaucn. Marie war eine sichere graziöse nzerin. Jede ihrer Bewegungen athmetr Anmuth und >st und dieser .Herr Talwig, welch schlanker fescher Gesell! - hätte viel besser zu ihr gepaßt als ich . . . auf was für i wische Gedanken ertappte er sich da selbst? Mitten in rauschenden Klängen des Walzers hörte er wieder die “ lür gehen . . . er wandte sich um und erblickte Hans, ■t einem Freudenschrei stürzte er auf ihn zu und warf an seine Brust. Einer, doch Einer von seinen Lieben .ifc der Treueste von allen. „Ta haben Sic's", flüsterte der Baron von Talwig r-Karien zu, .hak Ihr Herr Gemahl Sie wohl den ganzen - cnb ein einzigmal so stürmisch ans Herz gedrückt wie d „ dicken Scholz?" Marie runzelte die Stirn. „Müßt auch gern, was er : ihm hat. An dem hängt sein Herz wie mtt stählernen netten, aber nun ist er wohl aufgehoben und wird mirwenigstenS .Hören zu murren." Nnd sic überließ sich jetzt um so eifriger den Freuden - Tanzes. Warum auch nicht? Herr von Dalwig tanzte wie nur -u preußischer Offizier walzen kann: Schneidig, schön . . . Gleich die erste Mittheilung, welche der Doktor seinem 2ns zurannte war: „Lotte Jakob ist hier, thu' mir die -be und sieh Dich nach ihr um." Hans sprang auf und verließ sofort den Saal. Er rauchte nicht lange zu suchen. Draußen, ganz am Ende langen, halbdunklen Corridors, an einem Gitterfenster, oabrte 'er in einem versteckttn Winkel eine klein« Gestalt. “ kauerte am Boden und hatte den Kopf auf den Sitz riift preßt, als wollte sie jeden Laut in^fftP heftigen Zuckungen, in oeiwn da» zarte Kürpenhen sich wa« und krümmte, zeigten, daß sie litt. Waren da» Krämpfe oder Thränen? -j Da» Geräusch starker Schritte schreckte sic auf,- sie flüchtete auf «ine seitwärts liegende Treppe, die hinaus in. den Borhof leitete: und so eilig sprang die kleine Lotter davon, daß eS schier unmöglich wurde, sie einzüholen. Han» » dachte auch gar nicht daran, sie zu verfolgen. „Armes Ding!" Die Stelle war noch heiß, auf der ihr Antlitz mit % tausend bitterlichen Thränen sich auSgeweint hatte. Arme 'V; Lotte, liebe» gutes Kind, scheues Menschenherz; und ge» dankenschwer kehrte der Sekretär im den Saal zurück. jj Drinnen war die Lust in hellen Flammen aufgeschlagen. Man tanzte keine Walzer mehr, der Tropftn polnisch Blutim Oberschlesier regte sich „Krakowiak! Krakowiak!" schrie •*« es von allen Seiten zu den Musikanten hinauf. Der Kapellmeister, ein blutjunger Geiger, der bei seinem eigene» Ä Spiel mit Armen nnd Beinen zappelt« und tanzte, als ob Jj ec der Strauß oder der Kcler-Bela selber tväre, stimmt« an; feurig fiel das volle Orchester ein, miten fuhr alles wie elektrisirt umher und stürmisch sausten die Paar« dahia. H Selbst die Alten drehten sich wacker mit. Auch Onkel Mucha tanzte im Schweiße seines Angesicht», er hatte Frau Schmidt umfaßt, und wußte gar zierlich seine dicken umfangreichen Beine zu setzen, dann wieder hopste und sprang er ';■? in die Höh' und stampfte den Boden, daß einem schier -T bange um die alten Bretterdielen werden konnte. „Guten Al>end, Frau Doktor!" Marie, die erschöpft am Arme ihre» Tänzer» lehnte, wandte sich um. F „Ah. Herr Sekretär, das ist schön von Ihnen, daß Sic noch gekommen sind. Dafür sollen Sie auch den nächsten Tanz von mir haben." „Eine Freundlichkeit, der ich leider entsagen muß. Ihr Herr Gemahl läßt Sie dringend bitten, nicht mehr zu tanzen." , „So?" ' Marie löste sich von der Hand ihres CavalierS: , Entschuldigen Sie mich, Herr von Dalwig, ich muß zu «einem Mann." ' Der Baron drehte seinen Schnurrbart auf und sagte 'M spöttisch: „Wie gehorsam." „Es«ist wahr", lachte Marie, „ei, wenn Max mich habe» will, soll er mich holen " Hans sah unmuthig genug den Davonwirbelnden nach. - „Die sängt gut an." Den Krakowiak hatte jetzt der „Straßek" abgelöst. Zur Belehrung und Unterhaltung seiner Leser und liebe« Leserinnen, von denen der Chronist wohl nicht mit Unrecht voraussetzew darf, daß der Straßes zu einer ihnen gänzlich >■ unbekannten Gattung choreographischer Kunstlristunaea gehöre, mag hier der Versuch einer Beschreibung sothaneu.- Nationaltanzes folgen, das heißt ohne Gewähr für etwaig« Nüancen und Bariationen, sintemal der Chronist, obgleich nicht Mitglied der ehrsamen Gesellschaft zu Beförderung der ' öffentlichen Sicherheit. Zeit seine» Leben« dennoch auf;* Tanzböden und Festivitäten ein höchst seltener Gast gewesen ist. ... Die Paare hüpftn, sich eng umschlungen halteud, acht Takte lang im Polkaschritt umher, stellen sich daun Mau»- und Weib vor einander auf, klatschen in die Hände, stampfe» , mtt den Fußen, wohlgemerkt alles nach de« Takte de«; Musik, heben abwechselnd die rechte und linke Hand Schulterhöhe und winken einander zu (daher auoh * Tanz gemeindlich der „Winker", genannt Schluß eumniwr tn die Arme falle» }usi;

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