Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 14 (1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
14 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6492351-8722846-5959713--1606-5374704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

l! lkl-F/ 9traul(|tt«foi von Dr. M. >ttz«tr in Sfagtefatg. Z« Ptlf r|tÜM| ui -etetzr»»- fk We lsrulttjsltze A»iüe. ine'» Schwester. — Ein jüdische $tt ttitgiftkohot. (Hat «nühluna von S. Berg. (Forisetzung.) — «in «eiuch bei Seine'» Schwester. - ^NÜllU! Maskenball in llonstantinoptb — »llerlet sür den Familientilch. — RWeiauszaben. — «Sthstl-LSsmigtn. - »D Hffel Wiw IK Mffhft*) 8} Der MttGiftdoktsr. «ine GrzLhlung au» der Gegenwart von S. Berg. Neunte» Kapitel. Am dritten Januar wurde di« Hochzeit des Doktor» mit der blonden Marie festlich begangen. Der Apotheker, der al» Hochzritsvater da» Fest ausrüstetc, hatte halb Trebauobitz zusammengebetrn, so fand sich denn i» der ganzen Stadt kein Raum, der zur Aufnahme der Büste genügt Hütte, und man war nach dem Zernowitzcr Forste' hinauegefahren, wo da» Waldichlvßche», ein stattlich:- WirthShau» mit großem Tanzsaal, in welchen, die städtischen Feste, Bundesschicßcn u. s. w. sonst abgehalten wurden, alle Anforderungen an Lustbarkeiten und Vergnügen vollauf befriedigte. Cie war lustig genug diese Hochzeitüschlittensahrt auf glitzerndem Schnee nach vem Walde, da» Brautpaar voran in einem hübschen, vergoldeten Rachen, scheinbar von Schwänen gezogen, dann fast endlo» die übrigen Schlitten der Hochzeit-gesellschaft, die Leute am Wege staunten, die Kinder schrieen Hnrrah! und al» man endlich vor dem Sa tdschtlhchen einfuhr und der Zug den mit Tannenrrisern und Fahnen schön dekorirttn Saal betrat, da schmetterten ihm die Musikanten, die oben aus der zierlichen Gallerte, die rund um den Saal lief, posttrt waren, eine Helle Begrüßungsfonfare entgegen. Der Wirth hatte in der Auswahl und Anzahl der Speisen geradezu Stupende» geleistet, und erst die Weine! Cufcl Mucho verstand sich auf einen »ttn Tropfen, da» laß» Such gesagt sein! Aber bei all' dieser errlichkrit, diese« Trubel und Jubel zeigtt derjenige, der »ut den schönste» Tag feine» Leben» beging, durchaus kein kntlitz, in dem die höchste Brüutigam»won»e in süßester Seligkeit zerstoß. Der arme Max. Er hatte ihm ein paar Enttäuschungen gebracht, dieser schönstt Tag seine» Leben», »elche weder Lukel Mucha'S alte gezehrte Uugerweine, noch da» rosenmündige Lächeln der jungen Braut hinwegzuschmelzcn vermochten. Freilich di« erste Niederlage hatten seine Illusionen ’ schon vor einigen Wochen auf dem Standesamte erfahren. Xn» war, al» sich der Trebanobitzer Standesbeamte gegen Herrn Mucha'» gefühlvolle Redensarten und romantische Bemühungen, durchaus mit seiner Richte al» der rechtmäßigen AbkOmmlingi» eine» Osswier» paradiren zu wollen, äußerst «dmeicheud und nichtswisseud verhielt, möglich, daß Marie Mucha, wie nnn leider dir Tochter der langen Käthe benannt bleiben mußte, wirklich da» Kind Wendrlin von Wüblenfeld» gewesen, möglich, daß Herr von Mühlenfeld in schönen Stunden die Ansicht aursprach, vorerwähnt« Möglichkeit znzugeben, unglücklicherweise aber hatte er verab« 'äumt, besagter Anerkennung in der vom Staate vorge- " riebeuen Formen bei Lebzeiten Ausdruck zu verlech'u, und war wirklich schade um Herrn Mucha« herzbew"—^ neu »von der innigen Liebe Wendelia» zu von dem guten Rome« seiner ster, die sich im Grabe umkehren wi.d, ach, <» giebt nicht» Gefühllosere», al» diese preußischen Beamten. Der starre Büreaustaat fertigte ungerührt da« Aufgebot streng nach dem Wortlaut seine» amtlichen Regist:r» au» und die lieben Trebanobitzer, welche ihrrrzeit über die mit Monogramm M. v. M und aristokratischem Wappen sch»,; verzierten Berlobungöanzeigen weidlich gestaunt hatten, sie fteuten sich jetzt über den neuen Kratsch, dessen ergiebiger Stoff wenigsttn» vier Wochen ruSreichtr. Max war wohl ein ivenig betroffen. lrsaß aber doch ein viel zu gute» Her» um seine Marie eine?«gebenhrit, unter der sie völlig schuldlos litt, entgelten zu lassen, wa» ihn weit peinlicher berührte, »var der erste Meinung« irrit, bei welchem er sich »ach vielen Plänkeleien seiner B aut auf Gua de oder Ungnade ergeben mußte. E» hand'lte sich um eine Kleinigkeit, die Farbe bei der Wahl de» B autklrive». Seit seinen ftühesteu Knadrattäumen mochte fiü> der Doktor eine Braut durchaus nicht ander» al» in duft ge» Weiß gehüllt vorstellc», er war ganz verblüfft, ja <» ihat ihm ernsthaft weh, al» dieser sein Wunsch bei Marien ins den hestiafien Widerstand stieß. Wo denkst Du hin? hatte sie erwidert, weiß, ivelcher Unsinn, da» ist ja ganz ui möglich, auch viel 8 zu unpraktisch für mich. Da wir ja doch von einer kirchlichen Trauung abstrhen müffeu, iveil wir ,weierlei Glauben» sind, so ist schwarze Seide zur Eiviltruuung da» allerM^ passendste Lostüm. .All« Welf findet, nur schwarz sei schön und fei»*!(ch. überlies ein kleiner Schauder bei diesen Worten, von iedrk war ihm alle« Düstre in Farbe und Ton gründlich verhchßh ein winziger Ucberrest der farbenfrohen £ rientaleanatur» bet noch in leinet Seele hastett) »ein schwarze» Kleid paßt für alle Fälle im Leben, fuhr sie beharrlich fort, glaub' mir, ich werde sehr gur aussehn, einen hübschen Myrthenkranz werde ich auch tragen (sie errüthete leicht und schmiegt« sich au seine Brust, eigentlich wurde sie selten roH aber «» kleidete sie) und einen langen weißen Schleier, sei unbesorgt um meinen Staat, Liebster, übrigen» verstehst Du von solchen Dingen doch nicht»", schloß sic scherzend mit einem Kuffe. Er hatte sich ihr gefügt, wenn awh mrt einem außerordentlichen Gefühle de» Unbehagen», je st au der Hochgeit»- tasel saß sie «eben ihm, reich geschmückt hüttch und stattlich anzuschauen, in dem kostbare« schwär, en Seiden kleide, er aber quälte sich im Stillen vergeben» zu ergrüudeu, warum, ihm ihre Gestalt heut trotzdem so nü htern und alltäglich schien und in jeder Weise so ganz ander», cd» chm dir Phantasie S‘ n Bräutchen einstmal» »orgezaubert. Wa» ihm aber am limmsten traf, war die Vernichtung «ine» Wunsche», den er bi» zum heutigen Tage sehnsüchtig im letzten Winkel seine» Herzen» gehegt hatte. Wohl uu auf keinen der flehentlicher Briefe, die er an sein« Hinntth gerichtet, eine Lsttwort erfolgt, denuoch konnte er sich immer nicht dep. .Pa» breunendiL H<sf>W>g ter oder, ein« der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.