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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 14 (1891) · p. Seite 55

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
14 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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|u deutsch .da» Gespenst.- Zwei Bauernweiber standen in der Saalthür und "blickten dem Feste zu. »Eie sieht gut au», die Panna Maria,- sagte die eine. »Sehr gut-, bestätigte die andere, und erst ihr Bräutigam, welch hübscher Offizstr!- .WaS Ofsicier? Dumme Gans, ist denn dos der 'Bräutigam? Dort hinten sitzt der Bräutigam, ganz unten, / dort der Schwarzkopf mit der Brille bei dem dicken Schreiber 'am Tisch-, und leiser setzte sie hinzu: .Denke nur ein Jude ist'».- ,Eiu Jude . . .- .Ein Jude! Welche Sünde! Heilige Mutter Gottes, ist da» ein Liebespaar! Er achtet nicht auf sie, und sie kümmert sich den ganzen Abend nicht um ihn." Der Apotheker, der, wie das so in seiner Natur lag, . Augen und Ohren überall hatte, war eben durch «i Eingang de» Saales geschritten und lauschte dem Gcspräche der beiden Frauen, aber er hörte es mit Unfreude. In wenigen Minuten hatte er seine Nichte erreicht. .Marie, mein Hünchen, Du mußt augenblicklich zu Deinem Mann gehen.- .Fällt mir nicht ein, Onkel, er soll zu mir kommen-. Herrn Mncha'» feiste» Antlitz spielte in's Bläuliche, seine Lippen zsttern vor Zorn. .Unverschämte, Du wirst gehorchen, oder . . .- Mit einem Griff hatte Herr von Dalwig die erhobene .Faust des Apothekers wieder in ihre natürliche Lage herab gebracht. .Sind Sie toll, Herr? schämen Sie sich nicht, eine Dame zn Kdrohen?- , Schluchzend ful ihm Onkel Mncha um den Hals. .Dalwig, Barönchcn, mein Goldjunge, Du hättest sie doch nicht genommen' Bruderherz, das hilft jetzt alles Nichts, sie muß doch zu ihrem Manne gehen.- Während Dalwig sich mühsam aus der Umschlingung deS Halbtrunkcnen zu befreien suchte, war die schlaue Marie schleunigst zu ihrem Gatten geeilt. .Ta bin ich, Schatz-, ries sie kichernd und legte ihre Arme um seinen Hals. .Nun bleib' ich den ganzen Abend nur bei Dir..." - M .Max küßte sein Weib uad war jetzt von überwallcndcr . Zärtlichkeit und toller Lust. Er neckte die hübschen Braut» : junsern, die herankamen, foppte - seinen Hans und wurde - über alle Maßen laut undausgelassen. Bald bildete sich ein muuierer Kreis um ihn, und Alle» staunte über die unaaoöhnlichc Heiterkeit des sonst so scheuen, wortkargen LlkanncS. Als nach einer kleinen Weile Mucha und Dalwig, «»gezogln von dem Lärm sich näherten, proponirte ihnen der junge Ehemann lustig eine Wette, sie unter den Tisch trinken. Die Champagnerpsropfen knallten, Flasche um lischt töurde leer und während sein Arm das junge Weib -«mwand, stin Mund scherzte und krauses, närrisches Zeug rein zum Todtlachea hervorsprudelte, starrten dst Augen des Doktor» düster und glanzlos in» Weite. Die lachenden Gesichter verschwanden, der Glanz der Kerzen erlosch . . . alles da» verschwand nun und verflüchtest und versank um ihr her. west immer weiter, nur Eins lebte vor seinem Blick Er ist in seiner Vaterstadt ... ein kleine» Zimmer tauchte vor ihm auf, bescheiden, fast ärmlich, der einzige halbblinde Spiegel mit einem schwarzen Tuche verhangen, eine alte, messingene Lampe n»st müde brennendem Licht ans der Erde. — Und daneben aus einem ganz niedrigen Schemel sitzt eine Frau, die langen scharzgrauen Flechten Mchzelöst, schwarz gekleidet, dst Fiche der Schuhe baar mid , dstst Frau ringt dst Hände und murmelt em Todstngrlet , fi* tnqprrt trat tut verlor»»» Kind, um ihren ein- Einer der Mitarbeistr der .Franks. Irg.-, der diesti: Tage der Schwester Heinrich Heine'» in j Hamburg «me«. > Besuch abstattetr. berichtet über dst gewon leneu EtndrVck: * Folgende»: Frau Embden steht jetzt im Sl. Leben»jabre;. ' da» Aller hat zwar ihre Gestalt gebeugt, hat aber ih« ganz merkwürdige körperlich« Elastizstät und geistige Frst'ch: nicht zu schwächen vermocht. Nicht einmal da» Haar, da», unter ein einfache» Häubchen zurückgestricheo, schlicht an Schläfen aufliegt, ist so völlig gebleicht, wie da» hohe^. Lebensalter dieser lstbenswürdigen Greisin «S erwarten ließen Frau Embden br:r:gt sich mit jugendlicher Rüstigkeit. tti§£- stlbst die meisttn häu»lichen Anordnungen, nimmt an alle«. Vorgängen der Zeit den lebhaftesten Aist seil, — ja, fieK liest sogar noch ohne Brille und nur eine beginnend» Schwerhörigkeit droht ihr den unmittelbiren Verkehr mit", der Außenwelt zu beeinträchtigen. Zwei klare Augen blicke^ achtsam au» dem freundlichen Gesicht, dcsstn Züge das ■, Alter ein wenig zugespitzt, aber dafür mit allzuviel Furche» verschont hat. Sst instrrssirle sich besoaders für dst in diesen Tagen in Magdeburg erfolgte Verurthcilung einesthüringischen Redakteurs, der in seinem Blatte da» .Weber--- licdznm Abdruck gebracht hatte. Sst sowohl, wst ihr Sohn, Baron Ludwig Embden, den dev Dichter bekanntlich zum Verwahrer seines litterarischen Nachta ses ernannt hatte, äußern die Ansicht, daß weder dstseS 8 «dicht, noch auch dst .Schlvßstgeudemit voller Sicherheit «ms Heinrich Heine als Autor zurückzuführrn seien. Der Frage Jxi Heine - Denkmal» stht dst aste Dcupc mit großer Ruhe gegenüber. Sst beklagt zwar dst Feind-... seligkrit, dst sich gegenwärtig in gewiß:» Kreisen an da» rühmliche Andenken de» Dichters heftet, aber sst ist inniL . überzeugt davon — und mit ihr wohl Icker, der den Genius ' kennt und ehtt — daß dst Zeit, die den Ruhm ihre» Brnd«Z wieder in alle seine vollen Rechst einsetze, weide, nicht allM' fern sei. Mit tiefer Dankbarkeit gedenkt grau Embden der.-' über jede Beschreibung zartsinnigen Güte, mit der dst Kaiserin ' Elisabeth von Oesterreich in der Schw ster des Dichstr» dstjea selbst zu ehren trachtete. Als dst fürstliche Frau aus politischen Gründen genüthigt war, ih>e Spende für den Denkmalsonds zurückzuzichen, — bestnntlich war -Gras Herbert Bismarck von seinem Vater, ein:m lciüenschastlicheii Verehrer Heine's, seinerzeit mit dieser I,och.oichtigen staatS- , männischen Mission leauftragt worden — da ließ di: ~ Kaiserin, noch bevor dst Zeitungen davon Kenntniß erhielte, . die alte Frau van den Vorgang und seiren »ichtlitstrarischc.i Ursachen verständigen: .Damit sic nicht etwa erschreck". Ucber den Besuch, den Kaiserin Elisabcth ihr in Hamburg - abstattttc, plauderst dst Greisin mit nimmermüdem Ei^. mit welch herzlicher Einfachheit dst hohe Frau ihr begegnete, wst vollkommen sie sich mit allen Wecken und Lebcnsverhältnisien des Dichters vertraut zeigte, mit welcher Lheil» nahmc sie allem lauschst, waS Baron Ludwig Embden ihr * auf ihren Wunsch über dst Mouche «itzuthcilen wußte, re. Aus dst Frage nach Heine's GebintSdaium lächelt die Greisin fein und ihr. Sohn Baron £u >u% eilt in« Nebenzimmer uad kommt nach wenigen Augenblicken mit einigen Schriftstücke» zurück. Er brütet sie auf dem Tische aus und das eine ist ein Brief, den He »e unstr'm 1«. Juli 1853 an seine Familie richtet. Er ist an seiue Mutter. Frau Betty Heine, odressiel und kommt folgende Stelle darin vor: »Aas M Dam« meiner Geburt bettiffi, so bcmtrte ich, bah ich den 1». Dezember 17Ui> gebaren bin u»> zwar zu Düsseldorf am «heia. Da alle unser: Kamilienpapiere »nrch bi« Fen«e«bru>G zu Grunde gegangen und in dem Diisseldarst, «echt» da« Datum nicht richtig angegeben sein kann, so ist obige« Daum allein authemtsch. Da» andere Schriftstück nimmt aus dstseS doch wohl nebensächlich» biographische Detask kinuen Bezug, es ist Siele» beoeutuugpvvller: da» Orig »al de» voa Heinrich . . jm r.. nur um Biele» luugpvvller: Papier ist vergilbt.

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