Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 13 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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' : ’ Ultt> fegte nur, als Mutter und Linder i« iimr r verschwunden waren: .Man wird recht närrisch wenn man verheirathet ist. nver sie hat mitunter ihre schönen Md gemütvollen Mo» diese Narrethei." Vax schwieg, Er wußte nicht, waS er antworteu so >r<. Bor seinen Annen saß rin fröhlicher'sorgloser Mann, den er im Geist mit oem trüben, melancholischen Gesellen verglich, drr ihm an.jenem Skatabend bet Hans so der» zweiflnngsvoll sein Herz ausgeschüttet. Und jenen Unglücklichen hatte er doch eigentlich heut aufsnchen und m»den wollen, ihm, der selbst ein Opfer gescklschaftlicher Mißstände litt erzählen, wie er sich losgerissen und hinweggesetzt über alle Boruriheile und Abhängigkeit. Der Amtsrichter würde jubeln über diese Thar, würde ihm rnthrn, sein Beistand .Darf ich erfahren, was Sie in so tiefe» Nachdenken v-rst-t. lieber Herr Doktor'?" Max fuhr auf. Und während er seine Gedanken -'mneltr, sagte er sich» daß er mit diese» Verbündeten sehr blilo in's Rem« kommen wolle. ,Gewiß, Herr Amtsrichter, ich erinnerte mich eben der V, itlichen Ursache meines Besuches. Ich komme, um Ihnen »< Linlqduug zu iibrrbringen." Und di« lautete?" .Sich heute in drei Wochen, also am 3. Januar, bei mfir^rn HochzeitSdiner gefälligst einfinden zu wollen. .War' auch nicht schlecht. Wird man über dies in- Leresjante Ereigniß keine näheren Details zu hären befc-ir men?" Der Gesichtsausdruck des Fragenden zeigte Neugier und große Spannung: wenn Max einige Thnlnahme für sich vorausgesetzt hatte, so hielt sie der Herr Amtsrichter »cch ganz vorzüglich verborgen. .Natürlich heirathe ich nicht unter dem Siegel der Verschwiegenheit," antwortete der Doktor ein wenig spöttisch, . ich bin seit Wochen mit Fräulein Marie von Mühlenfeld .erlebt." .Aber lieber Goldmann, solche Verlobungen nimmt ookein vernünftiger Mensch ernst." .Herr Amtsrichter ..." .Seien Sie kein Kind, Dostor, ich stnne solche Affairen uir' habe mehr wie einmal Hat» oder Kopf darin gesteckt. Ze - ftinge Mann knüpft mehr, oder weniger in seinem '? Beziehungen an, die zu realisiren ihm durch die Br, sällnifie einfach unmöglich ist. Ich bitte Sie, diesen Einfall, die blond« Marie zu heirathen! Line leidliche Figur jo, so, aber s'ist zu lächerlich was beabsichtigen Ge drnn damit? Corriger ln rnoe? Unsinn. Sie thättn klüger Ihre Koste zu verbessern. Was glauben Sie wohl, wieviel heut zu einem Hausstand« gehört?' Geld, Geld Md noch einmal Geld und alsdann reicht es zuweilen auch noch nicht. Wir weit weichen, sie kommen mit Ihrer Praxis und der Licbe in der Hütte? Ah, da» ist ja überspannt. Max stand sprachlos. Aber der Amtsrichter, der sich des Dostors Schweigen durchaus nicht als «ine verächtliche Kritik der eigenen manteldrcyerischen Anschauungen auslegte, iondern nur Max für geschlagen uitd entmuthigt hielt, fuhr gulmüthig fort: .Folgen Sie mir, mein Bester, redrrssiren Sie die Geschichte so . schnell wie möglich. Ich fühle mich allerdings «in wenig schuldig Ihnen gegenüber, ich, fürchte, ich habe et durch meine Lamentationen in Ihrer Uevereikung berst. Das sollst mir. leid sein. Aber Sie haben zu scüvarz «sehn, wem: Sie eint' flüchtig« Verstimmung meümcseits so tragisch genommen haben.' Mein« Fräst -und ich leben ganz gllustlch mst einander. Und wenn mit uns auch van Zeit Ul Zeü ein «en^g zanken, deralechen ereignet sich in jeder Ehe, im Gegentheü. mein Weibel md ich, wir vervnmen MS nur allznschnell. -WftsflichGÄdmann, ich «eine etz sehr gm mst Ihnen, lösen E« dnsBöchSstniß auf, finden sich meine Frau hat sine Eonfine . . ein sehr wir. hatten"an Siegedacht." y-i Max hatte genug, «# tonnt« dieses Geschwätz nicht mehr ertragen. Er war kein Diplomat, die schwere Kunst, seinen Aerger hinaknuwürgen, ist einem dreiMdzwanzigjährigm Bravsekops fette» gegeösn. Er stand auf md veraHchiedest sich mit dürren Worten, sogar ohne fich der gnädigby Frau zu empfehlen. * * ES sah bös aus in des DostorS Kopf. Trotz mannigfacher Berkehrtheistn und eigensinniger Schrnklew hatte Max ein grundehrliche» Herz," es ttieb ihn zu Hans, er fühlst, daß er dem Treuen etwas abzubitstn in einer Art Galgenhumor wällst er dem dicken Menschenkenner* stick" Complimeut machen. Der Amtsrichter war wirklich sammt seiner rührseligen Empfindelei nichts wie «in charakterloser Heuchler. Leider ttas er Hans nicht zu Haus. .Der Herr Sekretär wären in den Wald gegangen*,* sagst Frau Schmidt. .Schön, Frau Schmidt, ich werde ihn erwarstn." .Ob der Herr Dostor dst Lampe wünschen?" Aber der Herr Dottor dankte, er wallst im Danstln bleiben und, w« Fron Schmidt schnell begriff, allein sein. Da» grüne Ledersopha war ein guter Platz zum Ansruhen und zum Medittren. Hier faßte Max den löblichen Äst» schloß, sich mit stinem schmollenden Freunde wieder zu ver» ständigen. Sr verzieh e» Hans, daß er Recht behalten hatte, wenn NM Jener aber für dstje ein wenig fragliche Groß« muth kein Berständniß zeigte, und triHdem ihm fern blieb, ja, vielleicht absichtlich fern bleiben wollst.' Es wurde Max ganz heiß bei d«sem Gedanken, er sprang auf und schritt in der Stube umher. Daß er einzig Mal de» Willen dieses pedanttschen Dickchffs zuwidergehandelt, ja handeln mußte, war bodj kein Grund, eine lang>ähr>ge Freundschaft aufzugeben, er wollst Hans überzeugen, ausscheiten, verföchten und vor allem andern wollst er sich eine Cigarre anzünden. Er schritt zum Schreibtisch und nahm von dessen reich«, schnitzter Holzgalleri« eine Cigarrenkiste herab. Da er aber dabei eine ungeschickst Bewegung machst, was Dank feiner Kurzsichtigkeit und der Dezemberfinfstrniß in dem tief gelegenen Ammer wohl zu verzeihen war, warf er zugleich «inen ganzen Stoß Bücher nnb Schriften herunter und verbreitest so aus dem steinen Schreibtisch eine gräuliche Unordnung. .Der Kerl ist ein schändlicher Jntriguant, der seine elenden Hawansenuros mit Fleiß so verbarrikadirt hat", brummst er ärgerliche zündest aber doch die Lampe an und legst stin säuberlich Bücher und Blätter an ihr« alst Stelle. Auch ein Packet Briest mußte wieder eingereiht werden, leider war der Faden, der es umspannst, geriffen und der Doktor bemühst sich sogar «ifrigst» ihn wieder zusammen zu knüpfen. Das oberste Blatt lag ohne Eouvert pnd sein« Sroden smrken Schriftzeichen fielen chm ziemlich bekannt in st Augen," merkw^'.dtg auch sein Name fand sichhstr erwähnt, kein Zweistl,. der Brief stammst von seiner Schwester Johanna. Max dachte für den Augenblick nicht daran, daß er eine schanderhasst Jndiscrrtton begehe, er vergaß Alles um sich her und las wst folgt?) .... «UwtUigung gebe», tratz Deiner ft beredtem «erthridignng und »einer eigenen Berftellnngen nab Bitten. Und ich »ntz Dir sagen, Han», ich kämpft > noch obendrein gegen meine Ueberzengung, die Mutier hat es sehr «atzt heransgesühlt. Mir siel «in, wie jftngft der Herr van . .... der ent unserer Stad« ein« «nkeltn d» retchen «erthhei» hrirathet, fttnen Abschied nehmen mutzte, da es ja t, Osfi^erattrisen für «tue Schande gUt «in jüdische» Weit p Hab«. Begreifst Dn nun» dotz bei swchen An. schammgm sich «et» ««fühl der ANtzMigung für «eines «rüde» *) Das Blatt war durch irgend ein Borkammnttz bau der ander» Bsgtnhickfw lodgenennt: der Anfang de» •*“- vertorrn. '