Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 13 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Heroultzegeben Dm Dr. M. vatzmrr in vtagdetnrg * Zn litrrilUxig ui -eietznmß sSr die irrnittische Foive. * Inhalt: Sn Mttotstdoktor Eine Cntyltrag Don tt. Sera. (Fortsetzung.) — Lagen «ul de« Posrner Phetto. Bon Robbt nee Dr Bloch-Posen. — ftttinc jüdische S&aratterjftoe unter der Blum«. — Sonett« zu biblischen Bildern der Drebdner Bilder, gallerie. Bon Alph onse Ledy. IV. Da« idpser Abraham». V. Abraham und Hagar. — Rttthselaufgaben. — Rilthselaus» Wsungen. (Undesngter A»ch»r»ik an« diese» Blatte ist i nlers^l.) Der Mit-tstdokt-r. itine rrzöhlnng au» der Pegennmrt Don ik. Berg. *. Achte« Kapitel. Der Herr Amtsrichter Seligsohn sich mit seiner Familie beim Abendbrot. Da» geräumige und geschmackvoll modern »»«gestattete Speisezimmer war behaglich erwärmt, der Eßtisch mit blüthenweißem Damast gedeckt und mit allerband guten appetitlichen Sachen beladen, in den hohen tulpenförmigen Gläsern schäumte edler, tief dunkelbrauner Göttertrank und all' diese Herrlichkeiten übergoß das mildeweiche Licht einer schön verzierten kupfernen Lampe, die mitten über de« Tische schwebte. Reben dem Hausvater thronten recht« und link« auf Stühlen mit aufgüegtem Lederkissen zu gewöhnlicher Menschengrvße erhöht, seine dreijährigen Zwilling«- töchtcrlein und löffelten recht manierlich ihr Abendsüpplein. Der junge Papa warf ihnen verliebte Blicke zu und mußte erst von seiner heut ganz besonder« zärtlich aufgelegten Gattin durch ein sanfte«: .aber Schätzet, da« Filet wird Dir ja kalt!" zum Effen ermahnt werden. .Berflichst, hat dir Frau heute die gute Jacke an!' wunderte sich die speisenauftragendc Dame über ihre Herrin im Stillen, mit einem Worte, im Hause Seligsohn schien an jenem gesegneten Abend wieder eine neue BersühnungSaera angebrochen. Eben hatte der allzeit sehr gastfreie Hausherr fein Bedauern auSaedrückt, warum seine Frau nicht ein paar Freunde zu solch au-erlesenem Mahle gebeten, al» die wiedereintretende Zofe den Besuch de« Doktor Goldmann meldete Sofort stürzte der Amtsrichter zur Thür, um mit großem Hall ob den Doktor willkommen zu herßen und ihn herrinzunöchigen; auch die Hausfrau, welche schnell einen Blick in M» gegenüberhängenden großen Wandspiegel geworfen (mein Gott, ste war ja noch eine hübsche junge Frau, warum sollte ihr der Doktor nicht den Hof machen wollep) begrüßte den Gast äußerst liebenswürdia. Max mußte ttotz allen Sträuben« Platz nehmen und mittafeln. »Sie haben einen verständigen Magen, Dottor", plauderte - Seligsohn vergnügt, .nicht immer ist unser Tisch so wohl» testellt wie heut, da mein splendider Schwiegervater un« diesen prächtizen Lach« geschickt hat, wie schmeckt Ihnen die Sauer? In ihrer Zubereitung übertrifft mein Weibel die bewährtesten Kücheukapaeitäten, und wa« diesen Spargel angem, so werden Sie seinem Umfang und lieblicher Weiße schnell anmerken, daß er nicht auf Trebanobitzer steiniger fflur gediehen, er ist wie diese famosen Sardinen hier, gleichfalls ei« Geschenk schwiegerväterlicher Güte. Wa» trinken Dottor, weiß oder rvth?" .Um HimnwlSwillen", lachte Max, .versühren Sie ein Dorfdottorlein nicht zu« Schwelgen. Sie üttnger einfach um ein Gla« Bier. Guten Abend mir heut keine »och eine Hand .Schämt Euch, Knippzeug'. schalt t«r Papa, .sofort gebt ihr dem Onkel Doktor ein Patschhänlichen." Die beiden Blondköpfe -duckten auf den Tisch und kicherttn verschämt in sich hinein. Mit enmal richtete sich Hertha ei» wenig aus, blinzelte durch bi-: Finger und rief schelmisch: .Dorfdottorlein!* .Ja Dorfdottorlein!" ahmte Bertha ihr sogleich nach .Hertha! Bertha!' schmälte ihre Mutter empört. .Wie drollig Sie da« gemacht haben, ihnen dies« gleichklingenden Namen zu geben", sagte Max. „Das war «ine sehr unfreiwillig« Drillerie", antwortete der Amtsrichter mit einem lustigen Seitenblick auf feine Frau. .Aber Robert!" .Aber Weibel, wa« ist dabei Schlin me«, wenn ich dem Herrn Dottor diese harmlose Geschichte rzähle, scherzte der Herr Amtsrichter, dem e« ein Hauptspaß war, seine Fra« rin wenig in Verlegenheit zu bringen. .Hören Sie gut zu, Goldmann, nämlich, da die Fittiche de« Kinder brinaenden Langschnabels schon ganz bedeutend an unser Kammerfeaster schlugen, sttitlen wir, meine Frau unt ich, mit größter Heftigkeit darum, wie da« zu erwart« nde Erbprinzeßchen beißen sollte. Meine Frau, die damal« in der» .Gartenlaube" oder in .Ueber Land und Meer" einen intereflante» Roman gelesen hatte, schwärmte für Her ha, ich, der ich kurz vor meiner Berheirathung gerade — hn — hm — einen interessanten Roman erlebt hatte, stiirmt« in einer Anwandlung sentimentaler Erinnerung für Bertha, und so de» harrten wir denn Jede« mit unvertriglichstem Eigensinn auf feinen Willen . . . aber wa» thut »er liebe Gvttl Um un« wenigsten« diesen Grund zum Streiten zu nehmen, schickt er doppelte Exemplare und so l ürfe» wir un« jetzt nach Belieben mit Hertha und Bertha freuen." .Ich bin müde", rief Hertha, .trag' mich in mein Bett, Papa." »Trag Du mich auch", befahl Bertha und langte mit chren kleinen rosigen Händchen nach Mcx. »Ich :nöchte woyl", antwottete Max, der von der Hau-frau einen Wink bekommen hatte, .aber ich weiß nicht, wo Dein Bettchen steht." .Du bist dumm", sprach Bertha Xrächtlich. .Natürlich ist er dumm", bestätigte der Amtsrichter, zda« will ein Gelehrter sein und w.rß nicht einmal, wo meiner steinen Bertha Bettchen steht." .Kommt, nur, meine Damen» Eier Bater macht Euch »och unartiger als Ihr ohnehin schon seid", —darauf ließen die Zwillinge sich ruhig von ihrer Mutter aufnehmen und plapperten unisono ihr gute Nacht! E« tpar «in hübsche« Billz die große, stattliche Frau stehen zu sehen, ei» blühende« Kind ruf jedem Arm. Ehe der Ambtzeic^er ihnen die Thür öffnDe, küßte er alle drei recht zärtliche ohne sich im mindWitz vor de» Gast zu