Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 12 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492351-8722846-5959711--1598-5374698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'fett „CBal tRÜM?" $(? Arme von ihm ,R»n, Schätze!, schon zurück?" ' Die Nichte de- Apothekers hatte den blonden Kopf durch die Thür gesteckt und schlüpfte in'- Zimmer. Im bequemen Morgenrock, der bequem und lose sie umhüllte, di. langen Zöpfe aufgebunden, ein wenig lässig in Haftung und Gang, war sie auf Max zugeschritten, hielt aber verblüfft inne, als sie die fremde Frau gewahrte, welche jetzt hoch aufgerichtrt ihr gegenüber stand. Erschrocken faßte Marie de- Doktor- Arm und that, in ftin Ohr wispernd, -«ine leffe Frage nach dem seltsamen Besuch. Darauf wollte Max ihre Hand ergreifen und sie in die Lea'S legen. Er wollte sagen: »Mutter, hier ist meine Braut, girb Deinen Segen über uns", er stand - wie gelähmt, er brachte kein Wort hervor. Die Augen Lea'S flogen prüfend über das junge Mädchen' und hasteten jetzt an den Liebenden, groß, onrchdrmgend, in tödtlicher Verachtung. Der Blick dieser ru wirkte wie ein Fluch. Marie begann hastig zu zittern, fühlte, wie unter der Macht dieser Augen etwas in ihr orstarb. .Mutter!" stammelte Max »Genug!" winkte Lea mit eisiger Geringschätzung. Du mußt . . . ." Er sah mit flammendem Gesicht zu Boden und schwieg. AlS er aufblicktr, war er mit Marien allein. Bon der Sttaße herauf hörte man das »Hüh, lo«!" des Bauernfrihen, der Wagen rollte davon. Marie hatte sich auf das Eopha geioorfrn; die Hände vor ihr Gesicht geschlagen, weinte sie bitterlich vor Schande und Zorn. Max stand neben ihr tief gedehmütbigt, und suchte nach einem Trostwort. Er schalt sich selbst, daß er im Augenblick ihr nicht» Herzlicherezu sagen wußte, aber wider seinen Willen drängte sich vor allem andern die Frage über seine Lippen: »Warum kamst Du herein, Marie?" .War'» Dir etwa nicht recht?" begehrte sie auf. .Mach'- mit dem Onkel au-, der kam zu mir und hieß mich «iligst herauflaufen, e» säße eine Judenftau bei Dir, mit der es nicht richtig sei . . . gewiß eine Vermittlerin oder so . . . konnte ich ahnen, daß ich auf Deine Mutter treffen würde —* Sie schluchzte auf's Neue und war gar nicht zu beruhigen. »Und so abstoßend zu sein — mich nicht eine» einzigen Worte« zu würdigen", jammerte sie wieder, »ist das eine lürchterliche Frau, wenn sie everlangt hätte, wäre ich Jüdin geworden." Er sah gerührt zu ihr auf. Wie innig mußte sie ihn lieben, um ihm diese- Opftr zu bringen. »Ich glaube nicht, daß sie daversöhnt hätte", erwiderte er traurig. »Weine nicht mehr, Liebste. Wir wollen um so ftster und treuer aneinanderhalten. Du mußt mir jetzt viel, fthr viel ersetzen, Marie." »Wird sie unS denn niemals verzeihen?" »Wie ich meine Mutter kenne, niemals." Er seufztt und sah ttübe vor sich hin. Marie horchte «uf: Niemals? Worüber um Allein der Welt grämte sie sich denn eigentlich?.Daß die neue Verwandtschaft sie nicht «it offenen Armen begrüßen würde, hatte sie recht gut schon früher gewußt, aber selbst wenn sich ein halbwegs leidliche« Einvernehmen mit ihnen hergestellt hätte, die Leute wären ihr doch schnell genug unbequem geworden und groß Staat 'zu machen war doch mit dieser paUvern Judensippe wahrhaftig nicht. Mochten sie nur bleiben wo sie Lust hätten, sie würde ihnen beileibe nicht nachlauftn. Am Ende war sie über dies«. Feindschaft gar nicht unzufrieden, je weniger Beziehungen Max zu seiner Famflie unterhielt, desto rückhaltloser mußte er seiner Frau und deren Anhang zu Willen rde». k^Iiatürlich war Marie schlau genug, diese« ihr '»fig noch für sich zu behalten, obwohl ihr ei« etwaiger Widerstand ihre« Bräut gam« sehr itcntg furchtbar erschun. Ihr Max — sie ko inte ihn ja um ihren kleinen Finger wickeln. Sie trockiete ihre Thränen und blinzelte nach ihm hinüber. Der staub noch immer in tieffter Mißstimmung und starrte durch t ie Fensterscheiben auf den Weg hinaus, auf welchein der l Lagen mit seiner Mutter verschwunden war. »Max!" ' »WaS willst Du?" ftagte er, ohne sich nach ihr umzuwenden. Sie schlich sachte an ihn heran und lehnte ihren Kopf an seine Brust. Al« er sie anblickte, dauecte es sie wirtlich von Herzen, wie bleich er auSfah. Zärtlich fttich sie ihm die Haare aus der blaffen Stirn und bat schmeichelnd: »Nimm'« nicht so schwer. Schatz. Du wirs!'« verwinden." »Ich trag's schon allein", sprach er kurz. Da sich aber ihr Gesicht wieder zum Weinen verzog ward ihm seine Schroffheit leid. »Sorge Nichts, Man«", begütigte er, »Reue ist eine Empfindung, der ich in Bezug auf meine Individualität jede Existenzberechtigung aberkenne. »Ah, sprich deutsch, Max, da« verstehe ich nicht." »Auch wenn Du'« nicht verstehst, wir verstehen unS." Er küßte leicht ihren Scheitel und sagte mit einem leisen Anflug von gezwungener Heiterkeit: »Und jetzt muß ich zu meine» Kranken." _ (Frrtsrtzung folgt.) «»iß der P»ri«-Ge«ftra» »Warum werden die Patriarchen Abriham, Isaak und Jakob nicht in der Magill», im Buche Estter, erwähnt, wohl aber Noah (Kapitel 9, B. 17 und 19)? — Weil Noah den Wein in die Welt brachte und am Purim so viel Wein ttank daß er keinen Unterschied wußte zw scheu Esther und Geresch. »Warum erschlug Jaöl den Sissera? Sie war ja kein Feind von ihm, denn Friede war zwischen Jabin, König von Ehazor, und zwischen dem Hause Lheler'S de» Krniten. (Richter 4,1 i.) — An demselben Tage aber, als Sissera in da« Zelt JoSl« kam, war gerade Purim, denn Richter v, 27 heibt es: »Sissera fiel" und Esther 8,13 sprachen die Angehörigen zu Haman: »Du wftst fallen," so wie letztere« am Purim sich ereignete, so auch erstere«. Sissera verlangte nun Wasser zu trinken (Richter 4.19. 5.25). Al« JaSl sah, daß er da« Purimgrsetz übertreten wollte an solch heiligem Tage Wasser zu fordern, überkam sie t«r Eifer für da» strenge Gesetz, und sie beschloß ihn zu töttn, denn sie sprach oder dacht«; e« ist besser, daß er unschuldig sterbe, ol» schuldbeladen mit der Sünde, am Purim Wasser getrunken zu traben. Da Jaöl aber keinen Wein hattt. gab sie ihm vorher berauschend« Ziegenmilch zu trinken; diese» ist am Purim erlaubt, wenn kein Wein vorhanden ist. — Herr Trinkmann und Herr Weinlieb waren Urenkel von Noah. Einst gingen sie auf Reisen am Purim und hatten keinen Wein mitgenommen, um der Pflicht de« Tage» nachzukommen. Da fielen sie knieend, uemend und betend nieder. »Unser Urahn Noah war der :rste Fromme, der Weinstück« pflanzte, um die Pflicht de» Purimtage» erfüllen zu können, und wir, die Urenkel, können heutt au» Mangel an Wein die« nicht thua, und müffen vi r Durst auf dieser Welt umkommen." Nr hoben ihre Augen auf und saht» einen Brunnen, gefüllt m,t Wein, wrtchm sie tranken und davon berauscht wurden. Dieser Brunn :» wurde von jetzt an »der Säuferbrunnrn" genannt. — Einst kam am Purim ein fremder Gast Namen» Tiberiu» zu Herrn Weinlieb. Dieser ließ dem Gast verschiedene Weinsorten, rothe und weiße, vorsetzen» aber der Gast weigerte sich zu trinken. Darauf sagte der Emstgeber: .Warum übertrittst Du da» Gebot de» heutigen Tage»?" Der Gast antwortete: »Ich Hab« noch nie Wem gekostet!" Da erschrak der Gastgeber und sprach: .Wer bist Dal" und schrie, daß «an seine Stimm« meilenweit Wte,. uiib alle Betrunkene«