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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 12 (1891) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
12 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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:«ft da da» Gute dabei? Ihr werdet klagen, daß ich Wich "uch, »aß betrüge, und ich beschuldige Euch, liiedrigung entwürdigen wollt. Ich um Sur« Hoffnu . . . . „ Ihr mich zur feilsten Erniedrigung entwürdigen wollt, soll mich verkaufen. Niemals — ich will auf eignen Füßen stehen, will, was ich besitze mir selbst, nur mir und meinem Ficiße verdanken. All' den falschen Glanz, den Reichthum den Luxus einer bezahlten Ehe, ich mag ihn nicht. Ich gönne ihn denen herzlich gern, die selbst ohne Würde mit ihrer käuflichen-Standesehre Schacher treiben, ich will kein Mitgiftdoktor sein." Er hatte in höchster Erregung gesprochen, all' der Grimm, der ihm seit Jahren die Seele mit Gift bettäufelte, stieg in ihm herauf und dieser Zorn, der um so maßloser wüthete, je weniger er einen greifbaren Feind vernichten konnte, erfüllte mit tödtlichem Schreck Lea's Herz. Sie begriff, dieser Gegner war unversöhnlich, die Stärke seines SpaffaB war ein Muttertheil Sie selbst dämmte hinter schein» b>irer Ruhe eine gewaltthätige Natur, das war ihr Sohn, von ihr hatte er die Rasse, die Leidenschaft seiner Empfindungen Er war in heftiger Aufregung mit großen Schritten hin und her gerannt, jetzt stand er vor ihr und begann rauhen Tones: .Ich muß Dir einen großen Schmerz bereiten, Mutter, ich habe Dir etwas verschwiegen.' .Sprich." .Ich bin seil Wochen mit Marie von Mühlenfeld verlobt." .So wirst Du dieses Berhältniß lösen." .Mutter!" .Weil Du sie nicht heirathen kannst. Es giebt keine Marie von Mühlenfeld. Du meinst Marie Mucha, das uneheliche Kind der langen Käthe, der Schwester des Apothekers. Mariens Mutter war eine Leichtsinnige und lief kaum sechzehnjährig mit einem Officier davon. Als sie nach Jahr und Tag mit ihrem Kinde zurückkam, nahm sie ihr Bruder, der Apotheker auf, nicht umsonst; ihr Geliebter, ein Herr von Mühlenfeld, hielt sie noch eine Zeitlaag au» und zahlte Sündengeld die schwere Menge. Später haben sie Mühlenfeld wegen allerhand Schwindeleien beim Militär kassirt und Küthe wurde die Schande der Stadt." .DaS sind alles Berläumdungen", rief der Doktor zornig. „Mühlenfeld war ein gutherziger Mann, der von aller Welt ausgebeutet wurde, wie mir Mucha unter Thränen erzählte, bald nach Mariens Geburt hat er Käthe in aller Form geoeirathet. Er hatte seine Frau glühend geliebt und zeigte rein verzweifelt über ihren ftühen Tod." .Jawohl, hier unten im Erdgeschoß hat sie sich erhängt, al« die Polizei sie wegen ihrer schlechten Aufführung in's Arbeitshaus stecken wollte." .Mutter, Mutter, wer hat Dir denn diese gehässigen Märchen aufgebunden?" .Leute, welche diese Märchen miterlebt haben. Wiffe nur, die Mucha's und ich stammen aus einem Ort", er» wiedettc Lea. .Wir waren Jugendgefährtcn, bis mein Vater Käthen ob ihre» schlimmen Betragens für immer das HauS verbot." .Und angenommen, diese Borkommniffe seien nicht auf» Ungeheuerlichste üderttieben, welche Schuld trägt Marie daran?" sagte er warm. .Sind wir de» alten Gottes Büttelknechte, daß wir die Sünde der Eltern an ihren Kindern zu rächen haben? Ist es nicht edler und auch ftömmrr, gut zu machen, was jene verbrochen und die hilflose Ranke an unS auszurichten?" .Heuchle nicht", sprach Lea streng, .sprich nicht: die Lust au einer guten That ist'», die mich hier bewegt, da Du nur sinnst, dem eignen, ungezähmten Herzen zu willfahren. Bist Du so reich, daß Du die Schulden Andrer bezahlen kannst, so rein, um fremde Frevel zu sühne«? Ich well nun einmal da» wild« Rei» an meinem reinen Stamm nicht haben. Sieh Dich um in unfern Kreffe», die Frauen V, auch, aber eine» preist der Jude mit Recht ~ a Weibe ihr« Keuschheit. Hist Du sicher, daß di« T der liederlichen Küthe Dir ihre Treue wahren werde?' .Marie liebt mich', ries er voll Zuversicht. .Kann sein, aber wir lieben Dich doch auch und n um ein weniges länger. Wie vermochtest Du nur s» viel.,. Bitterniß uns nachzutragen? Mein Sohn, mein Sohn, Deine ' Anklagen haben mich schwer getroffen. Ich will Dir zugeben, daß wir llnrecht hatten, von Deiner Zukunft auch einen Antheil für uns zu begehren. Aber wir dachten doch zumeist nur an Dich und Dein eigne» Glück. Es ist wunderlich, ich spüre es erst heut, es gebe zweierlei Lehre, da» j alte, einfältige Wort: Jeder ist ieines Glücke» Schmied. Mau kann >" ch wirklich einem Andern sein Glück nicht schmieden, e» paßt gewöhnlich nicht und wird dem Einc« schnell zu eng oder zu weit. So grolle denn Deinen armen Eltern mehr, sie handelten doch nicht ganz so voll Selbstsucht, wie Du annimmst. Wir wollen es vergessen, daß wir auf Dich hofften, gehe Du Deinen eigenen Weg. Aber. Max, Max, lasse e» keinen Irrweg sein. Ich sehe wohl bei Menschen wie Du, gilt das Fremde oft al» das bester«. Hättest Du wenigsten« Frieda Schmidt gewählt. Sie ist ij brav und ordentlicher Leute Kind. — Leider hat Dich dom adlige Fräulein bestochen." .Du haffest Marie, weil sie eine Ehristio ist", sprach Max finster. .Da sie Dein Weib werden soll, haß ich sie, ja." „Was heißt denn das Jud' und Ehrist Erst bin ich Mensch und meiner Menschlichkeit will ich leben. Kann ich für meine Abstammung. Was, ist denn Hans oder Kunz schlechter oder bester al» ich, weil sie als Ehrist geboren wurden? Sojl diese» feurige Rad, unter dem Tanjende von großen Seelen ächzten, soll es wieder und immer wieder die Emporstrebenden zermalmen? Sollen dies« Wälle, di« Haß und. Stumpfsinn in Jahrtausenden aufgeworfen haben, niemals niedcrgeristen werden. O, Du einziger, heiliger Lessing, da suchen sie immer noch den verlorene« Ring und auch wir gehören zu den Geistig-Blinden, die ihn niemals, niemals finden werden. Und wie denn, Mutter, wenn dieser Ring gar nicht «Hstirte? Denn das echte Kleinod ruht sicher noch in de» geheimnißvollm Unendlichen Schooß, und wir vernünftelnde, klügelnde Irre würden wahrscheinlich Keiner sein mächtige- Glänzen ertragen. Wir, Mutter, wenn wir nun Unrecht hätten und die Christen auch, nebst allen ander» Glaubenssklaven auf dieser Erde? Mutter, Mutter, wen« nun Dein eigener alter Kinderglaube von der reinen Wahrbeit so unendlich entfernt wäre, wie da» einzige Sternlein hier, auf welchem wir unser Jnsusioriendasein un« selbst^ noch so zwangvoll verkümmern, von der urewcgen Sonnenwelt?" Aber Lea brach in Thränen au» und rief schluchzend: .Hör' auf. ich kann Dir nicht folgen. Ich vernehme Deine Worte, aber ich verstehe Deine Gedanken nicht mehr .... was so tief und hoch ist, wie soll ich daauffinden? Ich weiß nur eine-, der alte Gott, den Du sür abgesetzt erklärst, vor dreiundzwanzig Jahren bat ich ihn so herzlich. Dich mir zu schenken, ach, ich bin Mutter, wie könnte «ch an chm nicht hängen? Mein Sohn, mein Sohn, wenn auch Dein Denken ander» worden. Dein Fühlen blieb, e» wechselt, forscht und zweifelt nicht. Dein Herz ist ja ein Theil von meinem Herzen, geliebte- Kind, wende Dich nicht von uu» . . ich . . ich kann nun einmal die Fremde al» Dein Weib nichts segnen, ich bin eine schwache, unwissende grau, wohl, ich verstehe nicht zu überzeugen, aber Dich zu bitten weiß ich noch!" — Sie hatte ihn an sich gezogen, und mit beiden Händel' seinen Kopf umfassend, suchten ihre Lippen seine Stirn, ihrch Thränen fielen auf sein Haar. Max wußte nur zu guh^ wie unendlich schwer die stolze Frau weinen konnte, «» schüttcrte ihm das Herz, wieder drängte und «ahn»' »hm ein gebretrische* gehorche — al* ~ .

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