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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 12 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
12 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^^‘0/Qf, ® Hrr-uSgegeben von Dr. «. >,tzMN ln «agdeburg. £ &1 3ar Kairrhaltaifl aal ärlrfcraaa Kr die israriitifdie faaülif. 10 Inhalt Zar Kalrrliltxai aal Kelehraafiir die isricktische -uailie. Drr'Mtgiftböktor. Line Erzählung von L. «erg (Fortsetzung) — «n« der Puri«-»«mara. — Falsche Purim.— «llerle * für den Familientisch: Ursprung der Stadt «raff«. — Sonette ju biblischen Bildern der Dresdner villrrgallerie. von Llphonsc Levy. Hl. Jacob nud Pharao. —Räthsclaufoaben — Räthfelauklöfungen. (tUfrefttftrr «»ch»r,ck twl diese» Vlatte tft Der Mitgiftdokt»r. Eine Erzählung von E. Berg. „Mutter, Du hier?" rief Max, „uelche Ueberraschung." „Hoffentlich keine unangenehme", scherzt Lea als sie ihres Sohne« Kuß empfing. „Zu Haus steht Alles wohl, ' und ich bin hier hauptsächlich nachzusehen, warum der große Teufel von Junge denn gar nicht geschrieben habe." „O Ihr Ueberängstluhen!" lachte Max. „Das lohnt «ine Fahrt in Nacht und Ei» und Schnee zu unternehmen. ' Du siehst ich lebe, die Praxis gedeiht, «nein Corpus auch; — aber, armes Mütterchen, bist ja ganz erstarrt", er klingelte und befahl dem Stumpfnäsigen sofort Kaffee zu bereiten, zwang Frau Lea sanft in eine Sophaeckr, rieb" ihre Hände »arm and war so aufmerksam bemüht um sie, daß Lea verstohlen vor Rührung die Thränen in die Augen kamen, «ur als er ihr eines der gestillten Polster unter die Füße schieben wollte, wehrte sie energisch ab: . „Laß. mein Sohn, dergleichen Weichlichkeiten bin ich »licht gewähnt. Ich bin auch noch nicht alt genug", fügte (ie entschuldigend hinzu, um ihn nicht zu verletzen, „das chickt sich erst sür eine richtige Großmama." „Welches Avancement meine hübsche, eitle Mama vorläufig noch in weite Ferne gerückt haben will." Er rückte ihr das Frühstück zurecht, welches der Stumpf« Sfifl« geschwind aufgetragen hatte, und sie weidete sich an ^er Freude, die er zeigte, sie bewirthen und bedienen zu dürfen. „Heut Mittag fragt mich sicher die halbe Stadt nach der hübschen Dame, mit welcher ich geftühstückt habe", lachte er voll Uebermuth. „Geh' Max, treibe nicht Deinen Spott mit mir. Du Weißt, ich bin dem Silberkranz nicht fern und wenn man heiraihssähige Kinder hat. Ah will nämlich noch vor yahrrsschluß Dich und Hanna verheirathen." .Oho, aber doch nicht mit einander, denn das verbieten hie Landesgesetze." „Wirst Du ernsthaft sein und Deine Mutter nicht auslachen", droht« sie „Ich habe Dir manche- Wichtige zu sagen und will, daß Du mit Ueberlegung und Bedacht «ich hören sollst. Sieh, um Hanna bin ich unbesorgt, sie war zeitlebens ein gehorsames Kind und wird sicher dem» Sigen, hem ihre Eltern sie zuführen werden, stet» ein braves :ib sein." „Auch wenn sie ihn nicht liebt?" fragte Max, der auf einmal sehr ernsthaft geworden war. „Auch wenn sie ihn nicht liebt", sprach Lea fest. „Deine Schwester hat eia stark» Herz, sie »eiß da» Leben Dickert größere, stärkere Gefühle als die Liebe. Wir geben rf« «inan braven, wohlhabende» Mann. Wenn sie beglücken " auch sie glücklich werden. Da» ist dann eine Er hatte ihr scheinbar ruhig zugehört, nu c die Lebhastigfeit, mit welcher er die kleinen Krumenrest: zu Kügelchen ballte und hin und her schnellte, verriech «ine wachsende Ungeduld, bi» er sic jäh unterbrach: „Und Du glaubst, was lei Hanna durch Ueberredung und Zwang erreicht worden ..." „Max, Max, wann hätte ich je me.ne Kinder ge« zwungen"? ftagtc sie mit sanften Borwurs zurück. .Was immer Hannah begeht, thut sie aus sich selbst heraus, in klarer Erkenntniß, daß ihr Handeln nothwe ldig und richtig sei, und Gott segne mein Kind für sein, Klugheit und Stärke. Jetzt zu Dir, mein Sohn, denn »ie Du begreifen wirst, will ich meinen mütterlichen Einfluß ruch bei Dir ein wenig geltend machen. In der Hauptsache värrn wir wohl einig, Du willst und mußt heirathen, ein u ivermählter Arzt bleibt ja eine ewige Göne für seine Patienten, siehst Du, da lachst Du wieder Über meinm gebildeter Ausdruck, de« habe ich von Löbel Abraham aufgeschnappt, Du wirst als», wie unser studirter Löbel sagt, „den Schr tt ins Land der Ehe" ein gut Theil leichter gehen wie Deine Schwester. Dein Herz tft noch frei."— Man sieht, Frau Lea befolgte die allergewöhnlichste Weibertaktik, indem sie den Feind einfach todtschwieg, aber der Doftor, der ihre Lfft durchschaute, ergriff unvermittelt die Offensive und rief mit trotziger Ironie: „Nur schnell heraus mit dem Namen und den Zahle» der glücklichen Zukunft, welche Du für mich auserwählt hast." Als hätte sie nicht» dem Unwillen se ne» Tones angemerkt, entgegnete Lea sanft, rnhig wie zuvar: „Natürlich will ich Dir von Lotte Jiicob sprechen, der Halbtochter meines Bruder»." Sie meinte den Großhändler Ezechiel in Zernowitz. .Da» Mädchen «sitzt von ihre» Baier her ein ansehnliche» Vermögen, ist >ung, hübsch und anmmhig. Du selbst hast sie al» Student umschwärmt und sie einen begehrenSwertheu Goldkäfer genannt." SS sprach etwa» in Max: „Greis su, greif zu," vor seinen Augen stieg da» Bild Lottens herauf, wie er sie bei seiner Ankunft in Kronstadt erblickt hatte, >r sah ihre zierliche Gestalt, mft welcher der Mondensttahl zu kosen schien, sah ihr süße» Kindergesicht von dunklen L«!en umringelt, da kicherten die spöttischen Work Lottens in seinem Ohr: „Was weiß ich, wa» da» Pfund Rechtsanwalt jetzt kosten soll?" Doch plötzlich erblicktt er da» Antlitz bei Amtsrichter» vor sich, bleich, vom Seelrnscbmerz verzerrt, l rber hungern mit einem geliebten Weibe, als sich schmählich verkaufen. „Das also war des Pudels Kern, die reiche Heirath", ries er mü bitterem Lachen. „Du kommst wie ein Gläubiger, Mutter, heut zu mir, Forderungen eiuz tkassireu. E» ist wahr, Ihr habt mich erzogen und aefAltert, habt gelitten und gedarbt »m mich. Und nun ist"s a r mir, die langge» häufte fällig« Schuld zu zahlen. Aber »ie Zinsen sind zu hock Mutter, sie bettagen «ei» Lebeni glück. wenn nun Opftr um Opfer, Null für Null aufgeht, sage mir doch, wo

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