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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 11 (1891) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
11 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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beredter: Hättest Du bestürzt, ater um so verhindery können? »Et ist nicht »eine Schuld*, stammelte Han», »wir nn» nicht immer vertragen können, da» herßh ich war iKarnikel, die Räumlichkeiten reichten auch hier nicht au».' »Fahr' zu Fritz nach der Apotheke', ries Frau Goldmann. Han» log viel zu ungeschickt, al« daß er selbst sich über den Eindruck seiner Ausreden auf Frau Goldmann hätte täuschen künnen. Gr versuchte nur noch schwach sie aus» luhalten. »Wollen Sie nicht wenigsttn» einen Schluck Kaffe« bei «ir eiuuehmen?' bat er. »Sir sind die ganze Nacht g«. fahren und . . .' »Rein, lieber Han»', lächelte sie trübe, »ich danke — 1* Fritz.' Der Wagen dielt vor der Apotheke. Frau Lea stieg in de» Doktor« Wohnung hinauf und klingelte. Ein langer junger Mensch, der da» Au«sehen eine« Diener« hatte äff>«tt ihr und bedeutete sie mit stark polnischer Betonung »Doktvrr ist weggefahren.' Krach flog die Thüre wieder in» Schlaft. Mit Frau Lea war aber schlecht spaßen. Einen Ruck zog sie an der Klingel, daß ihr Schall Tobte erweckt hätte, abermal« schlurfte der lange Diener herbei, aber jetzt behielt Lea die off«« Thür in der Hand, und der ftunwfträsige HauShüter bekam in ganz gutem Polnisch eine souhe Fülle schlechter Komplimente über die pflichtwidrige Ausübung ftine« Amte« wi hören, daß er heulend davon floh. Der Zorn und die Erregung hatten der ziemlich erschöpften Frau einen guten Theil ihrer Kräfte wieder wachgerufen, sie schritt ohne Weitere« durch di« nächstbeste Thür, setzte sich und sah sich prüfend um. Da» Zimmer war geräumig, sogar mit einem gewissen Luxu« guSgestattet. Frau Lea anerkannte die überall waltende peinliche Sauberkeit, nur die zahlreichen Stickereien, die in Gestalt von Kissen, Fußbänken, Zeitungshaltern und anderen Allotria noch die Einrichtung überladen «scheinen ließen, mitzfielen ihr von Herzensgrund, sie haßte die Hand, welche diese bunten Schnurrpfeifereien angesertigt hatte, alle» die» widerstrebte auf's Tiefste ihrem puritanischen Sinn. Jetzt öffnete sich die Thür und der Apotheker, welchen Lea recht gut kannte, trat herein. »Guten Morgen Frauchen,' rief er sehr freundlich, dabei Lea, die chm irgend «ne Erinnerung weckte, er entsann sich nur für den Moment nicht recht de» wie und wo, eingehend «tt aemüthlicher Dreistigkeit bettachtend: »Sie warten wohl -«ms den Herrn Davor?' .Jawohl.' »Leider ist der Herr Davor über Land gefahren . . . Werden Sie Zeit haben auf ihn zu warten, wenn nicht, schicke ich den Herrn Davor zu Ihnen.' * »Großen Dank, sagte Lea, ich habe Zeit.' Run war der Herr Apotheker sehr neugieriger Lomplexion und hätte gar zu gern gewußt, wer die Untekanntt sei. »Sind Sie selbst krank?' begann er mit süßem Lächeln. »Rein.' »Oder wer von den wetthen Ihrigen?' stagtt er mit -erhöhtem Mitleid im Ton. , »Auch nicht.' Wetter! ist da« ein ungemüthliche» Weib, die scheint obendrein noch triftige Ursache zu haben, chr Jncognito nicht tz» lüften. »Belieben Sie vielleicht mir mitzutheilen, wa» Sie von bem Herrn Doktor wünschen würden?' forschte er Wetter «tt den lieben»würdigsttn Flötentönen. »Ich pflege nämlich «u» Famttienrücksichten hm, hm, bei de« Angelegenheiten de» “-Davor» immer gern «n wruig förderlich zu sein, ich stre mich sehr aufrichtig für den Herrn Doktor, iu der ~ mrfnido." * Da» Dank Dir der Teufel, Du abscheulnher Kuppler, rief e» in Frau Leo empSrt, Du also wisst Mir mei.i Kind «egnehmen? Laut aber sprach sie, äußerst abweisend: »Wa» ich Herrn Doktor za sagen wünsche, kümmert tiefen allein.' Da» war deutliche und da überdie» «nttir ein Waae« vorfuhr und gleich darauf de» Doktor» Schotte an der Thür hörbar wurden, machtt sich der Herr Apotheker mtt einem halblaut gemurmelttu: »Merkwürdige Herson!' verdrießlich davon. _ (Fortsetzung folgt.) Äüdische Settdem Jsaac Pesaro Maurogonato unttr Daniel Manin, welcher 1849 Diktator in Venedig rm r, da» Portt» ftuille eine« Schatzmeisttr» in Händen hatte, besaß Jtal ttn leinen jüdischen Finanzrniuisttr mehr. Jedoch darf nicht vergessen werden, daß einer der berühmtest, n Männer in der jüdischen Geschichtt, Don Jsaac A oarbanel, ebenfall» zu den AmtSvorgängern Luzzatti'» gehör». Abarbanel war nach inander Schatzkammer-Präsident in U verschiedenen Staaten. Sein Vater Jehuda war Schatzm.'isttr de» Don tncnando de Braaanra, Bruder« de« König» Duartt von ortugal und er selbst wurde Finanzministtr unter Duartt'» Nachfolger, Alphon« V. Rach dem Tod« diese« König» mußte Abarbanel nach Spanien entfliehen, wo er dem Könige Ferdinand von Tastilien bi» "zur?.u»treibung im Jahre 1492 al« Schatzmeister dienst. Al« er sich hierauf in Neapel niederließ, machtt sich der König se ne bedeuttnden politischen Erfahrungen zu Nutze und ernanr tt ihn ebenfall» zum Finanzministtr. — Zu den berühmten jldischen Finanzministtrn in Spanien gehörttn auch Samuel Abulasia und- D a v i d N e g r o. Niedrigere Lharg, n im Finanzministerium der iberischen Halbinsel belleidettn Meier de Male« und sein Sohn Zag de SRaldi, sowie Joseph de Ecija und Joseph Pichon. Ihre Ar tt-thätttstit ging auch mit der Austreibung nicht ganz zu linde. Wie viele geheime Juden übrigen» im spanischen Ministerium beamtet waren, kann unmöglich angegeben werden: nur ein merkwürdiger Fall sei hier angeführt. Unttr d:n Gründer« der jüdische» Gemeinde zu Amsterdam war auch dtt Familie Runez Pereyra Homer», welche al» Juden den Name, Abendana annahm. Ein Mitglied dieser Familie, Antonio Runez Pereyra. der sich der Beschuettung nicht unterwerfen wolltt, kehrte nach Spanien zurück, lebte dott wieder al« Marraue und wurde Finanzminister. Seine Nachkommen besitzen noch heutt den spanischen Reichsadel. — Me ndizabel welcher im Jahre 1805 Finanzminister im Tabin« von Turm war, war der Sohn eine« Marranen au« Cadiz, Namen« Mendez. _ Der Mamtah-Ne-««. Wie oft schon haben die fortgeschrittenen wiffeaschaftliche« Untersuchungen unserer Zeit «geben, daß wunderbare, anscheinend nicht mit den Naturgesetzen zu «reinbarende Geschehnisse, welche dtt Bibel un« in ihr« anziehenden Erzählung-weise übermittelt und Skeptiker in da» Gebiet d« Fabel verwiesen, sich al» tatsächliche Ereignisse in jen« alttr-grauen Zeit abgespieft haben. So berichtet ein angesehene« Fachblatt von ein« mrrkwürdirien Erscheinung in Mesopotamien, nämlich von einem wirklichen Regen von lleinea, mehr od« wenig« dunkttn Körnern, dtt äuh«lich an die Frucht de« Maalbeerbaume» erinnern und zu nährendem Mahle «rarbeitet w«den konnten. E» ist die« eine Fttchttnatt (I-oo»oor» «ooulout»), dtt in den asiattschen Steppen, auch im <5üben von Algerttu vorkommt, die erdsenarttg auf den Bode r hingestreut, wächst und leicht vom Winde fottbewegt w>rden kann. Diese Flechtt würde al» Nahrungsmittel etta dem isländischen Moose (iu Irland al» Zusatz zum Biod benutzt) gleichen.

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