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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 10 (1891) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
10 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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der auffchlagmden Karte». 8» and »»der unterdurch die eintönige» Ausruft der Spielenden. 'Der Amtsrichter, sonst ein geschätzter Gegner im edlen «HNat, hatte an jrntm Abend eine schlechte Hand. Han« irügte, daß er alle« verpasse. Nicht ein Tournez haben Sie angesagtzSie schnöder Maurer. »Hören wir auf, Scholz", bat er, »Sie sind im Recht, -ich war nicht beim Spiel. Was liegt an meinem Touruez. L-ftönnt’ ich nur Eines tourniren in meinem Leben, vier Jahre rmr möcht' ich noch einmal zurück. Damals war ich ein ^--ormer, verhungerter Teufel, der dreimal in der Woche kein? "Nachtmahl aß. um Sonntagin die Oper gehen zu können, und kannte den Plunder hier", er wie« auf seine goldne. Ahr und die kleinen, glitzernden Demantknchift — nur aus den FensterauSlaaen der Juweliere. Was galt mir der Kram? Futter für« Leihhaus. Mein reichster Schatz hieß meine - goldene Freiheit. Ich war sehr glücklich gegen heut. Freilich uh hatte nur mit unsagbaren Kümmernissen und Opfern -meine Studien vollendet, schwere Verpflichtungen lagen mir »auf, vornehmlich gegen meine Familie, die gedarbt hatte, mn mir die nöthigsten Repräsentationskosten zu verschaffen, »die Augst, meine Schulden nicht mehr tilgen zu können, MsuchS mir über den Kopf. Da zeigte sich mir der bei un« ."Juden nur zu mißbräuchliche Ausweg: die reiche Heirath. ' Ein Glück, ein Glück, jauchzten die Meinen, und ich nach -Hülfe ringend griff zu, was sich mir bot. Ein reicher Mann, der mich großmüthig von allen Wirrniffen befreite, .der mir ein Heim und einen Hausstand schuf, in welchem > mich noch Wohlleben, Pracht und Bequemlichkeit um« -schmeichelten, und der mir zu all dem Ueberfluß sein einziges -Kmd, ein gut erzogenes Mädchen, zur* Gattin anvertraute. — Hätte ich ahnen können, daß dieses sanfte Geschöpf in eine kwrle, unbeugsame Lantippe ausarten werde, stets auf ihren Lippen da« grausame Rechenexempel führend: Mein Vater hat Dir so und so viel tausend Thaler gegeben, warum .hiebst Du mir nicht so und so viel Glück dafür? — »Warum ich Ihnen da« Alles erzähle?" Er war aufgestanden und faßte heftig de» Doktors Hand: »Lieber Goldmann, auch Ihne» wird dieft hochnothpeinliche Frage sehr bald nahen, ich habe heut etwa« läuten hören, daß man sie gar zu gern verschach *u will, bleiben Sie daher scheinbar goldneu Brücken fern, wer weiß, welche« unbekannte Grauen am andern Ufer auf Sie lauert, lieber hungern mit einem geliebten "Weibe, als" — es war, a!« müffe er an den bösen Worten, die ibm noch in der Kehle blieben, erwürgen, er murmelte »och dumpf »guten Abend" und den Hut tief über die Augen gedrückt, stürzte er in die Rächt hinaus. »Armer Karl", sprach Max bewegt. »Die Sache ist nicht ganz so melodramattsch, wie er sie da ausmalt", meinte HanS gleichmüthig. »Offenbar hat er sich heut mit feinem süßen Weibel fürchterlich gezankt und ^es zur Straft diesen Abend allein sitzen laffen, es ist jetzt ^-halb zwölf, er kommt spät nach Hause, rin unglaubliche« i kühne« Wagstück bei ihm. Die Frau hat vor lauter Lang» Zweite sich zu ängstigen angefangen, es wird ein kleines Nachspiel mit den obligaten Thränen, Borwürfen und Au«« föhnung-versuchen geben, man küßt sich und verträgt sich wieder, morgen girrt und züngelt eS den ganzen Tag gleich den Turteltauben, um vielleicht übermorgen aufs Reue wie Hund »»d Katze auf einander loszufahren." - »Aber da« ist. ja abscheulich!" ries der Doktor aus. »Rein, da« ist die Ehe!" HanS zuckte die Achseln. »Glaubst Du, der Amtsrichter lute sich auS dieser Misere hier nicht recht gut emanzipiren, m> er nur ernstlich wollte. Dieser Schönredner, der Dich bedauelnswrrth dünste, ist Epituräer durch und durch, . ein aeluugeues Diner, ein paar Flaschen Deutz-Golder« läßt er sich von Frau und Schwiegervater ruhig drangsallren, soviel sie nur Luft dazu verspüren doch was kümmert «ns dieser Mau». Ich ha« mit -Ich auch!" Es siel Hans auf. daß der Dostor ei« chm ganz fremde, gerührte Miene zeigte und seine Summe außer« ordenttich weüb klang, als er sprach. »Han«, lieber Hkktrs, worum zürnst Du mir? Warum könneu wir un« nicht vertrauen, wie ehedem?' »Da« fragst Du mich?" brauste der Sekretär auf. »Sei ruhig, Han«, höre mich, ich bedarf heut doppelt Deines Rathes und Deiner altqp Freundschaft. ES ist wahr, ich habe Dir in letzter Zeit oft wehe gethan, indem ich Dich scheinbar vernachlässigte. Das wird jetzt anders werden, ganz anders, alle Sorge, alle Unruh ist mir hir weggenommen, Du und ich, wir wollen wieder sein, wie wir als Kinder waren." Mit einer wilden Freude preßte Hans den Dostor in seinen Arm. »Ach Max, endlich kehifft Du zu mir zurück. Gottlob, Du hast Dich also mit Marien eut,weit." Erschrocken blickte Max ihn an: »Was sprichst Du da? Ich habe mich heute Mittag mit Fräulein »on Mühlenfeld verlobt." »Verlobt!" Hans öffnete seine Arme und gab sofort den Doktor frei. »Sprachst Du nicht von Rath geben und Vertrauen!" sagte er kalt. »Mein Bester wer die Leute um Rath frägt, nachdem er auf« Ei« tanzen gegangen, der erträgt'« schlecht, wenn man ihn einen Lan«johr nennt. Du hast Dich «rlobt. Abgemacht. Ich wünscht Dir Glüch Du wirst'« brauchen können." Max biß sich auf die Zähne, daß sie lauteten. »Drin Glückwunsch ist eine alte Brotrinde," sprach er bitter, »ein Almosen bleibt'« immerhin, aber der arrie Bettler kann sich die Zähn« daran ausbrechen. Warum mißhandtlst Du mein junges Glück mit dieser Feindseligkeit, die, wen» Du consequent bleiben willst. Deine eigen«, Hechenswünsche schonungslos zerstören muß. Seit Jahr und Tag weiß ich^ daß Du meine Schwester Hanna liebst urd. . ." Han« war sehr bleich geworden. Ab« r mit schneidender Schärft fiel er jep dem Dostor ins Wort: »Ich will Dir sogar noch etwamittheilen. Deine Schwester liebt mich wieder. Ich weiß es, obwohl sie mir inemal» ein Wort darüber gesagt oder geschrieben." > »Run also", jubelte Max. »Was hindert Dich, wie ich den Rinnstein thörkchter abgestander er Borurtheue zu überschreiten. Hans, lieber alftr Han«, Du fürchftst Dich vor Tod und Teufel nicht, warum hast T u nicht den Math, glücklich sein zu wollen?" »Warum?" Der Sestetär war ihm uähe^gctreftn und warf ihm stnen Blick zu, so voll Zorn und krauer erfüllt, daß Max die Augen vor ihm senk» mußte. »Und Du scheust Dich nicht, von mir auf Deine Frage eir e Antwort zu verlangen, wagst es, mich zum BuudeSzenrsftu zu werben auf die Gefahr hin, die Seelenruhe Deiner Schwester für ewig zu vernichten?" »Warum?" »Weil Deine Schwester wahrscheinlich lieber sterben würde, ehe sie um meinetwegen Vater und Mutter ließ. Und gesetzt dm Fall, ich wäre undankbar und nichtswürdig genug, sie dennoch an mich zu reihen, giaubst Du, uh möchte mein Weib hinsiechen sehen, losgelöst und.verstoßen von dea Ihren,, schmachtend nach ihrer Eltern Seftn und ihrem altm Gott. ' Max, Max, nur wer wahrhaft liebt, weiß zu ent« sagen. Und darum höre mich ein letzt.'s Mal. Was Dich zu Marien zwingt ist gar nicht Liebe, ist nur ein Zerrbild des heiligstm Gefühl'« . . ." »Sprich Du mir nicht von Mari:n", rief der Dostor wüthend, schon die Thürstinke in der ,')and. »Schlimm geniw, daß sie mein Urtheil nicht auszu« halten vermag", versetzte Hans trauriz. »Aber geh' nur geh'. Du beklagenSwerther Narr. Deui« wenn Du mir auch m Deinem Innern vielleicht Recht gebe, möchtest, so wie ich Dich km ne, wirst Du ja Dein Wort eiulüft» und solltest D» auch tausend»«! zu Grund« gehen." (Forts, folgt.)

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