Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 10 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ti - it za. daß die Herren Gelehrten mitunter so ft dürr i sein können?" Und da Han» diese» Phänomen leider dar<i«u» nicht aus seine Entstehung zurückzuweifen wußte, iubr Frau Schmidt, nachdenklich mit sich selber redend fort: „4-..nn ich geahnt hätte, er würde eine Christin nehmen, so ko, ' r» auch meine Frieda sein. Sie hätte viel besser *u yrau Doktorin gepaßt. Sie hat so wa» Simlirende», ne», meine Frieda, nicht wie die Andere, deren ganze 5*:. unfl darauf hinau»läust, daß sie mit den Männern hübsch zu thun versteht." H.u« gab keine Antwort, aber feine Gedanken sprachen: »Wie gerecht ist die Kritik diese» einfachen Weibe»! O, meine brave Frau Schmidt, wie dumm kann doch ein Gelehrter mitunter sein!" .Zu Ihnen gesagt, Herr Sekretär, ich hätt' ihm das Mündet gern gegeben und ein hübsch paar Böhmen Geld obendrein. Die jüdischen Herren sind gute Ehemänner, alles «S recht ist, die Frauen habe» es bei ihnen viel besser, als wie — .Jesu», jetzt kommt er und mit dem Herrn Amts« lichter . . ." und Frau Schmidt rannte im höchsten Schreck davon, so schnell, daß sie sogar die Strickerei mitzunehmen vergaß, die bi» daher munter ihre Rede begleitet hatte. HauS stand auf. um zu öffneo, auf seinem Gesichte «alte sich Mißmuth und Verdruß. Max, der fest Wochen jeder längeren Zusammenkunft mst ihm hartnäckig au» dem .«ege gegangen, war hent seiner Einladung gefolgt, aber brachte er nicht den Amtsrichter mit, um abermals jeder Intimen Aussprache vorzubcugen? Die halb trotzige», halb »erlegenen Mienen, mit welchen der Doktor hereintrat und seinen Gruß erwiderte, bestätigten vollkommen seinen Verdacht. Auch der Amtsrichter sah befangen drein. .Sie müssen mir heute Abend einen Unterschlupf gewähr«, lieber Scholz", sprach er mit viel zu ausgelassener Lustigkeit, als daß sie natürlich klingen sollte, „ich bin meiner Allen durchgebrannt." Hau» hatte sich schnell gefaßt. Der Amtsrichter war, obwohl in seinem Fache rin kenntnißreicher, vtelwjffender Manu, „einen verschlossenen Bücherschrein" hatte ihn einmal «in Witzbold getauft, im Privatleben von ängstlicher, leicht ««»geschüchterter Natur, daß er einen Streit zweier Freunde iadMrrt «eitertragen oder sich gar zum Schiedsrichter auf» werfe» werde, durfte man keineswegs von ihm erwarten, i Mp» Max keine gefährlicheren Verbündeten in» Treffen schob . . . Han» lächelte daher verbindlich, als er dem Amts- Dichter zur Antwort gab: „Mein lieber Herr Seligsohn, e» soll mix ein unendliches Bschaügen bereiten. Sie die ganze Nacht hier zu behalten. uM ein wahrhaft paradiesische» Labsal wollte ich empfinden, wenn Ihre Frau Gemahlin selbst Sie bei mir suchen käm'". „Weiter nicht»? Scholz, ich glaube. Sie fürchten sich vor keinem Teufel." „Vor keinem Teufel, nicht einmal vor den Weibern." „Qaod ent demonstnndmn." Der Amtsrichter hob den Strickstrumps der guten Frau Schmidt in dir Höhe. „Welche hübsche Frau hat Ihnen eben die Zeit vertrieben. Sie Don Juan?" „Gott sei Dank, nicht meine eigene." „NichtSnutzer Spötter, aber nehmen Sie sich wohl in Ächt. Hirtenknabe, Hirtenknabe, Dir auch singt man so ««mal!" „Ich werde niemals heirathen", versicherte Han» mit tiefem Ernst. „Er hat eine unglückliche Liebe", scherzte Max. „Welche ich einer zu glücklichen entschieden den Vorzug -ehe." entgegnetr Han» aereizt. „War soll das hier:" Max war aufgesprungen. Bleich und.erregt maß« sich dieselben mit finsteren Blicken. Da feste der Amtsrichter feine Hand begütigend auf Hansen» Schulter. „Wie ist'», Hecr Wirtb, spiele« oder trinken wir?" „Wir «olle» Beide»', entschied Hon» miedet mit seiner grfeö^rfeche» Ruhe. Er jfedfet eiste» mächtige», Stein krna n e •rt Gästen je ein Trinkgefäß in Farm eine» Klosterbruder» hinzureichen. Wenn man die Mönch! tränken wollt, mußte man ihnen die Köpfe abschlagen. Die Herren stießen au. •> „8*lre oontnter. Wetter, ist da» ein süffiger Stoff", schmunzelte der Amtsrichter. .Und ihn so grad' heran» loben zu dürftu, ohne daß mich meine erschrecklich prüde Eheliebste sofort corrigirt. Welche Wonne, welche Lust " ■ Die anderen lachten. In dieser burschikose Laune, wie er den Schnurrbart vergnügt aufstrich und nachlässig Bein mit Beine deckte, glich Seligsohn eher einem fröhlichen Studenten, ol» einem strengen Amtsrichter in Amt und Würden. ,Lo» Scholz", kommaiidinc er. „Her mit Teufel» tztebetbuch." Der Doktor stand auf, um die Karten zu holen, dt' wußte in des Freunde» Zimmer just wie Han» Bescheid, aber al» er an den Schreibtisch schritt da» Spiel heran»- zunehmen, schien e» hm, al» beeile sich der sonst recht phleg» "ty matische Hans ganz ungewöhnlich ihm dabei zuvorzukommey * ' denn schon hatte er da» Spiel zur Hand und wehrte mit einem heftigen: .Bleib' sitzen, bemüh' Dich nicht", den Freund von der Stelle. „Potz Blitz» Han», birgst Du falsche Bannkoten in Deiner Kommode?" „Nein Liebesbriefe. Und sintemal «h sie Dir vorent» haltru werde, übe ich nur eine wohlverdiente Revanche an Dir! — Paß doch auf. Junge, wenn Du Karten giebst vergieb Dich nicht forwährend." „Wer Karten vergiedt, vergiebt auch Menschen, Doktor." •'' „Rührt daher, daß ich die Karten für den aller lang- »»eiligsten Zeitvertreib anseye." , „Sie sprechen noch wie ein Großstädter, lieber Dottor", sagte Seligsohn, „kaffen Sie nur ferner zwei trübe MondeH in dem Dunstkreise von Trebanobitz an sich vorüberschreiten^LL und Sie werden dem großen Unbekannten, der die Kartess?! eiffand, dankbaren Gemüthe» die schönsten Denksteine onfe““1 richten. Ueberhaupt, wa» wollen Sie denn in diesem ver> kommenen Ostwintel hier sonst beginnen? Wenn Sir übe/ di« Zahl der Rebhühner, die der Bürgermeister gestern geschaffen und die neue Weinsorte, die der Herr Pfarrer feine« Keller beigelegt, ausführlich unterrichtet sind, wenn Sie die wundersame Kunde, ob die Frau Steuereinnehmer den Staat wieder mit einem männlichen oder, weiblichen Unterthänchen vermehrt habe, rechtzeitig erfahren und da» Gezänk um den Vortritt des Kronstädter oder Zernowitzrr Gesangverein» beim letzten Sedanfrste zum Ueberdrutz angehört haben, dann ist der Gesprächsstoff hier vollständig erschöpft.^ Wohl Ihnen, vermögen Sie den kommunalen Angelece»-^' heften Jntereffe entgegenzubriagen, aber der einzigen brennendes Frage hier, ob die Katholiken oder Protestanten mehr Ackrland zu BeerdigunaSplätzen erbalten sollen, könnende» al» Arzt doch nur io folio abweifend gegenüber stehen, fortbilden? Etudiren? Glauben Sie mir, sobald der Anst von außen mangelt, läßt man nach und erschlafft — ich habt Berge von unaufgeschnfttenen Brochüren und Fachsl bei mir lagern. Im Casino, wo allenfalls ein paar liche Köpfe sich einfinden, wftd man Ihnen und mir al fremdem semitischen Element mit biderber, altgermanischer ' Gastlichkeit schnell genug den Aufenthalt so nngemüthlich als möglich gestalten,, bleibt höchsten» noch — er blickte tief auffeufzend auf den breiten goldenen Reif an seine« Finger: da» glückliche Familienleben." Und rasch da» Bierkäunchen, welche» Han» ihm a Neue gefüllt hatte, heruntergiehend, griff er in wilder nach den Karten. „Spielen wir, meine Herren, damit nicht ganz der unausstehliche» Versuchung verfalle, Ihnes de» Abend durch meine TrübsalSmusik zu verderben." '-■& Eine Weile wurde e» still, im Zimmer. Gay nur da» anheimelnde Ticken der'große, üdrr de«