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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 10 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
10 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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$erautgrg«ten v«i Dr. M- Natzmer in Magdeburg. Jir |nirr|iltiR| ih! -etehnmß fir die isrAklilifche Flmilie. Inhalt: W> von V. Berg ausgenommen «erden? van Hrau Jenny Kierberg H und hebräische» VorlrSihset. — Lächsel-Vusidsniigen Der Vttgiftboftoi. (tirut^ Lr^hlun^r lForisetzung) - Lallen Frauen ai» Mitglieder in de» Orden >'n« tzerj in 4ien> « Aark. (Schluß.) — RSihseiausMtben : Deutsche» Soj, _ (UaMH|itr Racharnch ul Mcfra IHM»ist unterlagt.) Der Mttgiftdottor. Line Erzählung »an (f. Berg. Fünftel Kapitel. Falsch tanrnirt. .Liebe Hanna! Ich habe Dir versprochen, über Deinen Bruder zu 'loochtn, und ich wollte cl auch von Herzen gern thuu. Ersten! - weil Dein Bruder mein Freund ist. und zweitens weil mir ' leine Mühe und Sorge zu groß erschien, die ich in Deinem Auftroa nicht bereit wäre zu Übernehmen. Aber diesmal wirst Du mit Deinem getreuen Wächter nicht zuftieden sein. Ich bin ein rechter Prahler gewesen. Er ist nur über, unser Max. — Ein junger Mensch, der sein« Dummheiten voll- . bewußt und methodisch au»führt, der wird durch absichtliche» u Mißverstehen der Besorgnisse und Rathschläge de» ehrlichen ' Freunde» schnell genug den Knebel gefunden haben, der de» »bequemen Warner verstummen macht. Mein Wille war E Hanna, aber mein Kännen erlahmt und humpelt drein. Die Dummheit heißt Marie Mucha oder! von Mühlensrld, wie sie sich lieber schelten läßt. Sir giebt vor, sich in Deinen Bruder verliebt zü haben. Uud Max glaubt ihr di« Mätzchen und ist ganz stolz auf ihre reichen Gnnstbeweise. Denke doch, sie ist ja von Adel! W» ist bin Kleine», den Verehrer einer adeliaen Lame zu spielen, und ihr Bluinen senden zu dürft» und Büq», deren Titel sie nur schwerlich ansieht. Alle seine freie Z»bringt ts in Gesellschaft de» Apotheker» und diese» MädcMi» zu, wen« er sich nicht Zwang aylrgen müßte, er würde auch seine Mahlzeiten bei ihnen einnehmen. Und haben Bitten, Barstellungen und Stacheirrden ihm wirklich einmal da» Brrsprrchen abgezwungen, doch einen Tag nur »vegzubleiben, daun jagen sich Boten und Briefe hin und her, al» letzter Lrickfiegtuoch immer, daß dft liebende Jungfrauplöylich.schwer ,.admnktr" sie würde vor einem Armbruch ooer gar einem Thphn» nicht zurückbede«, willkommene Mittel deuchRn sie ihr. um so rückhaltloser die häufiger« Gegenwart de» Unerßchrruen zu erlangen. Da» Schluumste aber bftibt, daß er sie heirathen wird, obwohl er.sie gar nicht liebt, — au» »Trotz, au» Eigensinn und Eitelkit, der Schwiegersohn eine» zu heißen. Wenn er ihn nur gekannt hätte den hlgeborenen Herrn Schiviegerpapa, diesen Borgmirwa» Sausau». Und erst die Mutter! Beklommen und verdorben in Laster und Schmach l Lftbe Hanna, was schreib' ich Dir heut für häßliche Max muß fort von hier, oder der Skandal ist un< idlich. Natürlich wird er nicht so leicht wollen. Die hat sich leider, leider ziemlich erträglich eingefundea. Städter mägen chn gern um ftine» sickern und Kern Auftreten» willen, da» Laudvolk aocr wird ihm vo« dem nur zu gefälligen Apotheker in» Hau» Do» ist der Lider, der W» angrl» soll. Siugt Hanna, Dein Kopf wird findiger al» d«x mein« sein, bekommen wir den dummen Briigel wird«' °zu Verstand?' Dein Dir siet» ergibener Han». 0 Der Schreiber hatte den Brief »och einmal ausmrrksan^ durchgelesen, änderte hier und besser c de, strich rin Wort oder ein Zeichen, schob dann den Bogen in em Eouvert, auf dem die Adresse in großen, kräftigen Zügen bereit» geschrieben stand : .An Fräulein Johanna G udmann in Krowi stadt (Oberschlesien)", und war eben im Begriff, den Umschlag zu schließen, al» er plötzlich de» Brief wftder heraus-, nahm und einer Eingeb ung folgend, ihn an den Kamin trug und auf die schon verg limmenden Kohlen lezte. Träumerisch sah er zu, wft die Flamme aufloderte io bläulichem Licht, und die Form de» Papier» und die Buchstnben sich sekunder«» lang in der Ascke erhielten, ehe sie zerstäubkn. Da» war der vierte, murmelte Han», der viert« heuft Rein, noch soll sie nicht» erfahren, sie so'I nicht weinen ... Vielleicht, daß ich noch verhüten, noch abvenden kann . . Er muß mich hören . . . Zum Glück ist je* Feigheit jejvem Wesen fremd. Einer direkten Aufforderunz gegenüber wird er ja Rede skhen und dann — wenn er sich nur überzeugen. ließe! Wahr ist'», man kann dem Mädcher nicht» nachsagen. Ihre Vergangenheit scheint reiu. Wüßte ich dft Zukunft nur nicht so verwünscht genau vorher! Wie er dann leide« wird, der Starrtopf mit dem weichen Kinderherzen. .Herr Sekretär!" .Sie sind'», Frau Schmidt. Wa» bringen Sie?" .Der Laufjunge ist eben zurück. Ter Herr Doktors, laffen grüßen und er werde pünktlich erscheinen." Han» sah erfreut auf. .Wirklich? also doch. Ich dank Ihnen, liebe Frau Schmidt." .Hat sich wa» zu danken. E» ist we-t gekommen, daß Sie müh iorem früheren Jntimu» aus dft »oat Schritt erst schicken müssen, und ihn womöglich bitten wenn Sft 'nen Ton mit ihm reden wollen. Natürlich wer er nicht allein. Der Alk und Mari« saß en schon wftder bei ihm. — .Willst Du wirklich gehen?" hat Marft ihn gefragt. Ja ja, sie dutzen sich dft Beiden, der Junge hat e» ganz deutlnh gehört, denn wenn er auch nur polnisch s wicht, er versteht ganz gut deutsch. Dft Racke r, sie verstehe r e» hier alle, sie wollen e» blo» nicht reden. O, mein guter Herr Sekretär, wft ist da» Alle» ander» geworden. Wie hübsch war'», al» der Doktor bei un» wohnft, und Sie jeden Abend zusammensaßen und plauderten und sangen, bi» 0a» Malheur mit der Marie drüben anfing." Hau» nickk. .Recht, Frau Schmidt, e» war wirllich ein Malheur." .Und dem Apotheke plötzlich einsftl n sein Erdgeschoß zu zfthen, da» zwaazig Jahre lang seft der häßlichen Geschichte mit seiner Schwester, leer gestanden und dem Herrn Doktor seinen ersten Stock anzubieka. Freilich sür ein rechte» Lumptngeld, aber der Doktor biß doch schnell genug mgf ab . . . mein Lebich, guter Herr Sekretär, wft geht iiL^k£LLL

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