Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 9 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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. t« herein, der einen Ilrm vertraulich unter den tors geschoben, auf dem andern einen stattlichen Pelz sich führte, welchen er dem Doktor, trotz dessen Weigern ' Widerstreben sehr umstündlich aufnöthigte. .Und den müssen Sie mir umnehmen, theurer, junger eund, da» hat mir Marie dringend auf die Seele gelben. Da» Mädchen hat vollkommen recht. Sie sind zart, sind Strapazen nicht gewähnt, ja meine Marie, die wissen ... . Ergebenster Diener, Herr Sekretair — ällig mitzufahren? — Haben bestimmt darauf gerechnet'. Han» verbeugte sich gemesien. .Bedaure, bin dienstlich s»er hindert." 7 .Ja, der Dienst, der Dienst! Da» versteht sich, die ^Pflicht vor allem. O, Herr Doktor, Ihr Freund! E» giebt Dünnen Zweiten. Der lebt und stirbt nur seiner Pflicht. Ianz «eine Grundsätze, immer brav, immer pflichttreu I Da ann Keiner auftreten und mir nachsagen, daß ich nicht eit «eine» Leben» ein grundbraver Kerl gewesen . . . . sind Sie fertig, Herr Doktor? Schön, schön, Ihre Au»- üstung liegt unten im Wagen. E» war mir sehr angenehm, Sekretär . . . Bitte, bitte, belieben Sie nur voran gehen, mein bester Herr Doktor — will mal sehen, ob aen der Pelz nicht allzuweit sitzt — e» macht sich — sich wirklich — na dann wollen wir. Empfehle mich ^nochmals, Herr Sekretär." * „Jntriguanter Hallunke", murmelte Han», der hinter ^ihm schritt. .Noch im letzten Augenblick fühlte er. Angst, ^jch würde ihm den Gimpel zurücklocken." Der Wagen war mit den Herren die Straße herauf« ^Gefahren und hatte wenige Minuten vor der Apotheke ge- 'Halten. y .Donnerwetter, da» ist eia starke» Stück", fluchte Han» kin sich hinein, al» er Fräulein von Mühlenstld den Sagen r Hefteigen und neben dem Doktor Platz nehmen sah. Um diese Zeit standen die guten Trebanobitzer recht ^chlreich auf der Straße und verfolgten den kleinen Vorgang an der Apotheke mit großer Aufmerksamkeit. .Da 'sichren Sie hin, seufzte die sanfte Frieda. .Ja, da fahren sie hin!" wiederholte ihre Mutter, .recht wie ein Braut- ^Haar." »Dummheiten", knurrte Han». Abeix da» Wort ging ihm nach, Wochen und Monate. Da» Pärchen sorgte dafür,' daß er» nicht vergesien sollte. (Fortsetzung.) \90Uen gfr««e« «ls Mitglieder t« de« vrde« O'ae Vrith ausgenommen werde«? 8»»Fra« Jenny Kleeberg Herz tnNew-Nork. (Fortsetzung statt Schluß.) Mose» gab die 10 Gebote nicht nur den Männern, sondern gestattete auch in seiner Weisheit und Gerechtigkeit tzven Frauen, auf die heiligen Worte zu horchen. Laßt mich en erläutern und die Aufmerksamkeit auf den ver- Sinn lenken, welcher auf den ersten Blick nicht zu tage tntt. Erste» Gebot: .Ich bin der Herr Dein Gott, der Dich ^•«u« dem Lande Egypten, au» dem Hause der Sklaven ge« führt". Nicht allein Dich, 0 Mann, sondern auch die Frau, Deine Gefährtin und Deine» Gleichen habe ich au» der ^intellektuellen Knechtschaft befreit, damit Du die Süßigkeit |%nr Freiheit kosten und nicht andere — die Frauen ein« schlossen — in eine sociale, politische und intellektuelle nechtschast stürzen mögest. Zweite» Gebot: »Du sollst keine anderen Götter »den vor meiqem Angesichte!" O Mann, Du sollst Dich auf Gtdmnjcht selbst zu eine« fletaen Gotte machen Gesetze geben, die nur Deinen eigenen, egoistischen angepaßt sind. Du sollst keine Gesetze geben, welche »en von aller erziehlichen und menschvrveredelnden ' tie-en. Dn sollst sie nicht anüschließen ,»o» der SchilomnaUnng. vu» de» sondern ihnen «Lt VortheS, gestatten» welche Dn für Dich in Anspruch nimmst Dritte» Gebot: .Du sollst den Namen de» Ewigen Deine» Gotte» nicht mißbrauchen u. s. v." Du sollst den Namen de» Ewigen Deine« Gotte» nicht zur Erreichung. Deiner eigenen und selbstsüchtigen Zweck: mißbrauchen und sagen: „Der Herr hat die Frauen nur geschaffen, um de« Männern al» Haushälterinnen zu dienen und Kinder zu gebären, aber geistig hat er ihnen einen Mangel angeheftet» i alle edlen Eigenschaften de» Herzen» un) der Seele hat er! in höherem Grade bei dem Manne al» bei der Frau entwickelt, folglich muß diese bei allen Bestrebungen, welche sie bilden und veredeln können, eingesch Snkt bleiben. So sollst Du nicht sprechen! Vierte» Gebot: .Erinnere Dich X» Sabbathtage», ihn zu heiligen. Sech» Tage sollst Du arbeiten u. s. w." Mer«, die Gesetze wurden sowohl den Frauen al» de» Männern gegeben, folglich soll nicht r ur der Mann am siebenten Tage ruhen und die Logen und Vereine besuchen, sondern auch die Frauen mit ihren eintönigen Haushaltung»« sorgen, die Frau, deren Arbeit nie stetig wird. Ich plaione nicht für eure reichen Frauen, welche ter Freuden, die mit Geld zu schaffen sind, oft satt werden l i» zum Ueberdrnß, sondern für tie Frau, welche ihre eigene Köchin und Magd, ihre eigene Pflegerin und Haushälterin ist und in welcher ostmal« da» Gefühl sich regt, al« ob solche« Leben de« Leben» nicht werth wäre. Für solche Frauen plaidire ich, für solche Frauen verlange ich. daß ihnen die Thüren zu euren Logen geöffnet werden mögen. Lußt die Frauen Me vergnügen und Bortheile ebenso theile r, wie die Sorgen und Mühen de» Leben»! Fünfte» Gebot: .Ehre Deinen Ba«r und Deine Mutter, damit Du lange lebst u. s. w." O Mann, eh« nicht bloß Deinen Bater, sondern am) Deine Mutter! Damit Du aber mit Deiner Güte und!Vei»heit im Staude seiest, sie nach Gebühr eh«n zu können, gewäh« ihr alle Vortheile, welche Du selbst genießest, da nit sie eben so gut und weise und ein um so würdigerer Gegenstand Deiner Eh« werde. Sechste» Gebot: Du sollst nicht morden!" Die» be« zieht sich nicht blo» auf den Mord der physischen, sondern auch auf den Mord de« geistigen Lebcn». Der traurigste Anolick, trauriger al» der Tod, ist der gedankenlose Blick de» unglücklichen Jdiolen oder der Wuthau«bruch de» Wahnsinnigen. Da« ist auch ein Tod. Leben ist Denken. Unser Leben besteht au» Gedanken, nid it au» Jahren, an» Thaten und nicht au» Ziffern auf der Sonnenuhr A« meisten lebt, wer am meisten denkt, am edelsten fühlt, am besten handelt. Du sollst nicht morden, 0 Kann, und den Ehr» Seiz der Frau dadurch abstumpfen, daß Du ihr die Meinung eibringst, diese seien unweiblich. E» is eben die Frau mit dem lieblichen Dufte ihrer Jndividuali ät, welche un» bezaubert. Du mußt der Frau die Tho e erschließen, hinter welchen die Lehn verbreitet wird, da<; edle» Denken und edle» Handeln die höchsten Ziele der Menschheit sind. Siebente» Gebot: .Du sollst nickt ehebrechen." Diese» fordert nicht nur, daß die Frau ihrem Manne, sondern auch, daß der Mann seiner Frau die T«ue bewahre. Achte» Gebot: .Du sollst nicht stehlen!" Du sollst, 0 Mann, der Frau ih«n wohlverdienttn Lohn nicht stehlen und ihr die Hälfte de» Lohne» zahlen, den Du für diestlbe Leistung dem Manne zahlen würdest. Du sollst der Fra» nicht ihre Eh«, ih« Stellung stehlen, inch nicht da» Geld, welche» sie verdienen würde, wenn ihr dieselben Bortheile wie Dir zu Gebote ständen. Tüchtige Männer fürchten die Eonucurrenz der Frauen nicht; nur Sc-wächlinge und Engherzige bestreiten th« Ebenbürtigkeit. Meunte» Gebot: .Du sollst b in falsche» Zeugniß autsagen wider Deinen Nächsten." Tu sollst nicht sagen» 0 Mann, daß die Frau von Natur weniger intelligent sti al» Dn, daß sie nicht so edes, daß sie «Mächtiger, schmatz« >