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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 9 (1891) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
9 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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iiiirumpses » siegen vermeint. Schönheit tntfc HLuKch- . — sie sind die bedeutendsten, wen» «übt die einzigen "genden, welche uns ein Weib wahrhaft begehrrnswerth Heine« lasten." Marie sah aufmerksam auf den Sprecher. Sie kamen - ein wenig sonderbar und allzu wohlgesetzt vor, seine irte. Himmel, der sprach ja wie ein Buch! — Aber sich wandt den Anschein gebend, als habe sie ihn recht wohl standen, fiel sie ihm schnell mit lebhaft zustimmender psbewegung ms Wort: .Sehen Sie, das hat mein Vater auch immer gesagt, , so wie Sie hat er immer gesprochen, ganz so. Wollen < ihn einmal sehen, meinen Vater?" Sie legte die. Häkel- .veit bei Seit«, nahm ein große», in Leder gebundenes vum zur Hand und schlug es vor Max auf. .Dieses bum habe ich noch von meiner Mutter geerbt. Meine -crn sind beide tobt, die Mutter habe ich kaum gekannt, ei» Vater reiste viel in der Welt herum, da war e» ein hte» Glück für mich, daß Onkel Mucha ledig geblieben 1t1 sich meiner annehmen konnte. Sehen Sie, das stt mein -ter." Max erblickte die Photographie eine» stattlichen :vaüerieofficiers. Marie lüste daS Bild auS dem Buche -d deutete auf deflen Rückseite: .Schauen Sie mal, hier auch sein Namenszug." Sie las mit gewichtiger Be- : ung: .Wendelin von Mühlenseld". Bon meiner Mutter ibe uh leider kein Portrait." Das Album enthielt, außer nigen Muttergottesbildern, zumeist Photographien von Zerren. Marie wandte Blatt für Blatt um uod nannte m Doktor deren Namen, MilitairS, Landleute und In» Vektoren. Ein paar mal kehrte der Kavallerieofficier wieder, ber in Civil. .Den Herr» da kenne ich, ein Schulkamerad, Kurt von illwig", rief Max. Er erhob seinen Kopf und sab ,Marie ■t Ihr Blick tauchte in den seinen, fest und unerschrocken. „Ja wohl, Herr von Dallwig, ein Freund von meinem CjtW", sprach sie ruhig und blätterte weiter. .Diese Dame ist «ein« Taute in Zernowitz. zu welcher ich morgen fahren werde, ich soll ihr ein wenig in der Wirthschaft be» hülfiich sein." .Ist Herr von Dallwig nicht auf dem Zernowitzer Borwerk Inspektor?" fragte Max argwöhnisch .Freilich stt er dort. Aber warum wollen Sie da» wstsen? Ach ich glaube gar." Sie lachte lustig auf und r-ef scherzend: ,Ei, ei, Herr Doktor, wenn Sie mich schön bitten, bleibe ich hier." .Bleiben Sie hier", sprach Max leise und bot ihr die Hand. Er fühlte einen sanften Gegendruck an seinen Fingern und- .Nun, das lasse ich mir gefallen, stecken diese jungen Lertte nicht gleich die Köpfe zusammen", rief eine fette, etwa» bierheisere Simme. Max stand auf, um den Hausherrn zu begrüßen. Der, ein großer, dicker Manu mit stark gerüthetem, glattrasirten Gesicht drückte den Doktor an den Schultern wieder auf keine» Sitz zurück, und that außerordentlich cordial und befreundet. Er schalt seine Nichte, daß sie noch keinen Wein gebracht und »dm geehrten Gast so auf dem Trocknen sitzen Mfft", verwickelte Max bald in ein sehr lebhaftes Gespräch «er Stadt- und Landverhültnifle, äußerte sich gar ofsen- 'Herzig, wie hier seit langem der Landbevölkerung eine frische Medizinische Kraft noch thue, wobei es nicht ohne Seiten- Hiebe über das Recht-alt-werden des ansässigen SanitätS- MbeS, der mit der Neuzeit durchaus nicht Schritt zu halten stünde, abging. Kurz, Herr Stanislaus Mucha zeigte sich liebenswürdig und zuvorkommend, daß unser Dottor, der 'einem jungen Leben wirklich noch nicht allzuviel Freundeiten von Fremden erfahren, auch seinerseits aufthautr recht gesprächig wurde. Als ihm dann Marie .auf glückliche Zukunft", chn freundlich aublickend Bescheid «bei auch ohne jede Zimperlichkeit mit einem Zuge ' da war «ster Held selbst schon des wie ausnehmend gut sie ihm gefalle. Beiaahe hättt diesen günstigen Eindruck wieder verlöscht. Den» na» Maxens grundehrlich gemeinten Worten stieß sie ei»e Helle ,! Lache aus und rief, ihm munter auf die Achsel klopfend: wäre ein garstiger Faxenmacher, der wohl ein armes Müdchewt tüchtig zum Besten zu haben verstünde. Der Klang ihre*?,! eilen Lachen» widerstand ihm. aber ihre zwanglose Vertrau-L ichkeit, und mehr noch die gesunden, starken Zäh«, die siebeim Lachen vollzählig sehen ließ, fand er so reizend, dich : er jenes kleine, erwachende Unlustgefühl eilmst zu verscheuche» \t strebte. Es gab noch eine sehr lange und lustige Sitzung, wobei sehr viel Wein getrunken wurde und' al» man zu stark vorgerückter Schlafenszeit endlich von einander giv gab Max au» vollem Herzen Marien das Versprechen, oft wiederzukommen. Vierte» Kapittl. Ma» ««tzt a»f di« 3141. Am andern Tage kam Han» den Doktor an seine Zu-' füge erinnern, dem alten Rabbiner Jacob, der da» Oberhaupt der Trebanobitzer Judenschaft und mit den Goldmanns verwandt war, seinen Besuch zu machen. Wie Hans wohl i« Stillen befürchtet bat«, weigerte sich Max rund heraus, sei» - Versprechen zu halten; er wäre heut Nachmittag zur Jagd? geladen. * »Zur Jagd!?" Han» sank auf einen Seffel und starrte Max erschrocken an. »Wer denn in aller Welt am helle» Nachmittag jagen wolle?" Di« Antwort kam weniger siegesschmetternd: .Der Apotheker." »Aber Menschen, seid ihr toll?" fragte Haus entrüstet. .Der Dottor auf der Jagd mit dem Apotheker. Hat man so was erlebt! Wenn nun in Trebanobitz plötzlich di« Pest^ auSbräche?" Ä .Was der Himmel gnädigst befehlen möge!" erwidert» «! der Dottor mit tieftm Seufzer. „Die Leute hier sind vo» wahrhaft bestialischer Gesundheit. Leider liegt auch nicht das Mindeste vor das uns abhalten könnte, einen Tag oder gar>i länger fort zu bleiben. Schade, Hans, daß Du nicht vo» *.,2 der Partie sein kannst. Wir fahren jetzt nach Zernowitz» .'j wo wir übernachten, gehen mit dem Morgeadämmern in den Wald, stellen uns bei den Wildwechseln aus und warten^ bis da» Wild zur Lesung herauskommen werde." .Hum, Du triffst nicht übel, die Natur dauert mich, nur, ob der Löcher, die Mucha in sie hineinschießen sagte Hans trocken »Thue mir die Liebe, mein Sohn uv" laste unverzüglich absagen. Heute, am Sabbath Nachmitt dem für Dich ohnehin zweifelhaften Vergnügen der Jagd nachzugehen, da» hetzt Dir ganz uunöthcg sümmtlichej Frommen hier auf den Hals." .Darauf kann ich «ine Rücksicht nehmen", entgeguete^ der Dottor mürrisch. .Schwere Noth! auf was wohl sonst? Mein Lieber, Interest« Deiner Position hier möchte ich Dir ein größer Solidaritätsgefühl für Deine Glaubensgenossen recht ernstliö anempfohlen haben. Welcher Satan treibt Dich, Deines natürlichen Verbündeten Dir in Widersacher umzuwandeln 1 Auf wenrechnest Du wohl hier? Daß Du'» nur weißt,^ Max, die Freundschaft de- Apothekers zählt nicht mehr ein stllscher Groschen; jeder anständige Mensche der nur etn4 mal darauf hineingelallen, trachtet ihn schleunigst wieder lof zu werden. Bilde Dir doch um Himmelswillen nicht eia daß Dir der Verkehr mit dem glatten Biedermeier zur Ehrei gereiche. Oder glaubst Du etwa, der Mann habe ein ehr>, liches Jnterrste für Dich? Er kennt Dich kau«, er den Teuftl, ob Du seiner Earesten und Eomplunentr »ürd seiest. Sonnenklar will er Dich also übervortheilen. D feine Kunde wird Dich wie eine Eittoae in seinen Puaj ausprrflrn und dann magst Du feinet Starkes Läuten übertönte oe»

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