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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 9 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
9 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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U*vn f«- »<m Br. ». Aah»er t» Magdeburg. lar Vatrrfcal z« Iitrr|iltift| ml Krietzrmi ftr Me isrßMsche -Mir. L n Der MKgtstduktor. Li« Er»Lhl«»g »o» C. Berg, > icutlldlt! auf«no«inien »erde»? Von Ar»» Jenny •tedxrg Her» in * Sui^T - allerlei fflt den Familientlich: Kerfmfl* (OiWtngtR lta4inur (H Mcfe» I .) - Sollen Freuen «14 Mitglieder in den Orden Vne Vttth!ero»gort (gortfeftniM statt Tchluh) — Tapellmeister Inüur Merkwürdige Vmerung. — «Sthfelaufgaben. — tiLthsel-Rufl »jungen, diese» Mut» fft nnntTfaft.) Der Mitgiftdokter. Cine Erzthiung Don L. Berg. (S«rtse»ung.) Da< Hau» de» Apotheker» stand am Ringe und war durch nicht» von seinen häßlichen, grauen einstöckigen Nachbaren ausgezeichnet, als durch breite» quer über die Mauern -laufende Aufschriften, die in deutscher und polnischer Sprache -der Bevölkerung ankündigten, welcher Bestimmung dieses Gebäude diene. Ueber dem Eingang erhob sich ein Schild. ~«nf dem ein mächtiger schwarzer Raubvogel, besten Kopf Kreuz und Krone zierten, mit gesträubten Flügeln und bedeutenden Krallen in sehr bedrohlicher Stellung Miene machte, . sich auf den Beschauer zu stürzen. Darunter stand in großen rothen und gelben Buchstaben, daß Jedem, der da la» die Augen schmerzten: Adler-Apotheke in Trebaoobitt, O.-SchL ItuliUu Mach*. Der Anblick dieser barbarischen Kunstschöpfung .lockte ein Lächeln in de» Doktor» ernste» Gesicht. »Schaut da» Uuthier nicht drein, al» habe mein braver Han» e« direkt zum Bubatsch für mich herbeschworen, al» Strafe für meine Insubordination? Gute» Ungeheuer, Du schreckst mich nicht", lachte er im Stillen, al» er an der Verkaufsstelle vorbei einen ziemlich langen Eorridor durchschritt. Da» Innere de» Hause» schien, entgegengesetzt oberschlesischer Art, äußerst reinlich gehalten, der Fußboden sogar' Irisch gescheuert und mit blinrend weißem Fußsande bestreut. Im Hofe, in einem ehemaligen Sommerpavillon, befand sich da» Laboratorium. Ein langaufgeschossener Bengel, ohne Aveifel ein Lehrling, sprang vorüber und schlüpfte hinein. Max sagte sich, daß man wahrscheinlich dem Apotheker seine Ankunft melde. Bedächtig klomm der Doktor die enge Stiege empor. Bon oben her schallte Gesang nebenbei vernahm -man ein Plätschern und Wasserraaschen, e» wurde gewaschen. E» war eine frische, klare Mädchenstimme mit sehr deutlicher, ein wenig harter Aussprache. Max horchte auf, wo hatte er diese Melodie doch schon vernommen? E4 breitet ihren Schleier Ullübernll Xe «acht. Und auf den» Schlachtenselde Liegt sterbend ein Soldat, tt* kniet an feiner Seite Der treue Kamera). Halb belustigt, halb erstaunt erkannte er jetzt ein herzlich abgejungene» BolkSlied, da» er nach dem Jahre 6b oft genug von herumziehende» Bolke gehört hatte. «stnm mir den «ina vom Finger Nenn ich gestorben bin Und alle meine Briefe; Die im Tornister find. Und bring' sie »einem Liebchen . . . Jetzt hatte die Sängerin den fremden Herrn erblickt auf: „Jesu», der Herr Doktorl" Aber auch Max . soforiMarie von Mühlenfeld^ die Nichte de» Apotheker», wieder erkaint. Offenbar kam er recht ungelegen, aber zur Umkehr uar e« nun zu spät, er mußt grüßen und die Dame dann unreden: „Ich bi« so ungeschickt. Sie zu stören, mein gnädig.» Fräulein." „Aber nein. Sie stören mich ga: nicht." Sie lachte indem sie sprach und die fleischigen, ein wenig röthlichen Arme unbefangen au ihrer Schürzte trock n rieb, „bitte, woDm Sie nicht näher treten, mein Onkel wird gleich erscheine«. Mit Berlaub." Sie schritt voran und öffnete die Thür der Putzstube. Während nun Max Zeit fand, die zahlreichen Heilig«« bilder, welche die Wände bedeckten, zu betrachten, und sich über die in weiße Hüllen, wie Leicheu eingekleidete Sessel und Stühle ein wenig zu amüsiren, wai Marie vers chwundeu, kehrte jedoch nach wenigen Augenblicken, in frischer Blouse und Schürze, adrett und sauber, eine s-äkelei in den Händen, wieder zurück. Max gewahrte sogar, daß sic in der Eile eine farbige Schleife im Haar befestigt, und daß sie sich eigen» für ihn schmückte, schmeichelte ihm ungemein. Er wollte ihr doch al» Entgelt für diese Liebenswürdigkeit «in paar verbindliche Worte sagen: .Wenn auch meine Umgänge in dieser Stadt ganz und gar nicht den Irrfahrten des jMergleichen Odysteu» zur Seite zu stellen wären," sprach er. .so freue ich mich heute gern de» gleichen Geschicks, hier einer anmuthsreichen Nausikaa zu begegnen." .Nausikaa?" fragte sie, „wer sok denn das sein?" Jetzt befand sich Max in ars.er Verlegenheit. Die jungen, jüdischen Damen, mit welchen er in der Residenz Gelegenheit hatte zu verkehren, und die ihm alle recht von Herzensgrund gleichgültig geblieben waren, die hatte «r freilich niemals am Waschfaß stehen!» angetroffen, aber sie hätten doch, jede einzelne von ihnen, sein etwa» geschraubte». Eompliment doch recht gut verstander. Sollte er hier, gleick» zum Anfang sich als Erklärer urd Bekehrer einführen? Mußte al-dann nicht dem jungen Mädchen die peinliche Empfindung aufsteigen, daß sie etwi» ganz Bekannte» nicht wiffe, und sie sich vielleicht beschäm, hierdurch fühlen? Aus diesem quälenden Sinnen erlöste ijn ihr Heller Ruf: „Ich Hab'». Nausikaa — kommt das licht in der Weltgeschichte vor? Ich Hab ein alte» Lesebuch noch von meiner schulzett s S da steht etwas von der dr>n." Und in der dunklen , ung, daß diese Bemerkung ihr:n Geist einer ziemlich gelichen Beurtheilung au-setze, fugte sie mit echt weiblicher Schlauheit lächelnd hinzu: „Ich riill'» Ihnen nur gleich gestehen, ich habe wenig in der Schule gelernt. Ich war eine zu wilde Hummel." Max war entzückt. Hier far d er doch endlich Naivetät und Natur. ,E» wirkt durchaus ßhädlich. wenn Mädchen zu ^. vielerlei lernen und wiflen wollt n", sprach er mtt einet. väterlichen Würde, die dem alteu Jungen gar nicht übel - anstand „Wehe der Vermessenen, die in zärtlicher Be^« ' * keqnung ihrer natürlichen Bestürmung im Zeichen -doch'

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