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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 8 (1891) · p. Seite 81

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
8 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 81 (sequence 3)
Language
German
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r. Eslle« Areme« als MttOttefeer i» de« Vrde» V^»e V'rittz imfse»»««e» werde»? von Frau Jenny Kleeberg Herz ln Ae«-Vork. Tie Wichtigkeit der Frage: „Sollen Frauen in den Drden K'ne B'nth ausgenommen werden?' erheischt nicht nur au« Rücksicht aus den Orden überhaupt und jede Loge -insbesondere, sondern auch au» Rücksicht auf die Frauenwelt selbst sorgfältige Erwägung. Ich weiß e» sehr wohl, daß der von der Kirche kanonisirte St. Paul sagt: „Laßt eure Frauen schweigen, denn e« ist ihnen nicht gestattet zu sprechen, sondern es ist ihnen beohlen, zu gehorchen, wie auch die Schrift sagt. Und wenn 1< etwa» erfahren wollen, so laßt sie zu Lause ihre Männer agen, denn e» acziemt einer Frau nicht zu sprechen vor m Publikum * Wir, die so oft zum Schweigen gezwungen wurden, würden gewiß Niemandem Schweigen auferlegen; wir, dir unter dem Fanati«mu« der Verfolgung so sehr gelitten haben, würden sicher Niemanden verfolgen oder fanatisch behandeln; wir. die da» Bittere der Sklaverei gekostet haben, würden gewiß Niemanden in seinem Wohnrechte beschränken, «tar seiner Freiheit berauben. In alten Zeiten war bei den civilisirten Rationen die Stellung der Frauen in mancher Beziehung beneiden«werthrr ■dl» heute. In Judäa herrschte Deborah al« .Richterin' über Männer und Frauen ohne Unterschied. In Egypten »ählte di« sc^vne Hypatia, fast so rein und erhaben wie die Philosophie, welche fte lehrte, Männer von Ruf zu ihren Schülern. Bei andern civclisirstn Nationen genossen die Lrauen bi» zu den düstern Theilen de» Mittelalttr» dieselben Bortheile der Erziehung wie die Männer. Sie hatten, wie dies«, Sitz in der RathSversammluug, hatten gleiche» Stimmrecht in allen wichtigen äffentlichen Angelegenheiten und da» -Gesetz ließ ihnen mehr Gerechtigkeit widerfahren, al» diese» bei den heutigen Gerichten der Fall ist. Sobald jedoch im Mittelalter die Ikirche die Ueber- ^ewalt erlangte, ändertt sich auch die Stellung der Frauen. Dieselbe Macht, welche die Judenverfolgungen anstistrte, di« Inquisition stützte und mit Menschenleibrrn die Feuer der Nuto-da-F»'» unterhielt, dieselbe Macht lehrtt auch, daß da» Zölibat gottgefällig sei, daß die meisten Frauen mit dem Teufel im Bund« stehen und die Hexen verbrannt werden müssen Dieselbe Inquisition, welche die Juden marttttr, ' tödtete und vervrannte, marterte und tädtete die sogenannten -Hexrnweiber. Aus diese Weis« durch Berfolgung und Leiden mit einandcr verbunden, mußten die Juden al» Nation di« ersten sein, welche für die Rechte der Frauen eintrattn, mit ■allen Mitteln ihnen zum geistigen Fortschritt und sittlicher Blldung zu verhelfen. Würdet ihr nun wohl die Handlung»- weise der Kirche, die Frauen von allen veredelnden und bildenden Bestrebungen au»zuschließen, nachahmen? In diesem Fall« wären auch andere berechtigt, di« Handlungsweise der Zkirch« zu unterstützen und die Juden auf» Reue zu verfolge». Wie im Laufe der Zeit dir Juden di« Hindernisse überwanden, welch« sie gesellschaftlich, staatlich und geistig zu Sklaven gemacht hatten und heute sich eine» ehrenhaften -Namen» erfteuen, Reichthum und. Einfluß besitzen, welche Neid erwecken, sowie Kenntnisse, welche allgemein bewundert werden: ko hat auch di« Frauenwelt nach und nach viele .Hindernisse überwunden, welche ihre Freiheit beschränkten »ud erfreut sich gegenwärttg mancher Stellung die früher n»r Männern zugänglich war. Wie den Männern, stehen in «wissen Ländern den Fraue» die Hochschulen der Wi^ schuft offen; sie besitze« mannigfach« Institute au»schlteßlich Bildung ihre» Geschlecht«, st« habe« sich al» Farmer « Frauenrock und Belästigung oxr 'Handwerk, in I« Westen gstbt e» rrl, wir finden kaum»eine Bes« welchem nicht Frauen mit Erfolg gewiist haben. Namen wie George Eliot al» Schriftstellerin, Rosa Bonheur al» Künstlerin, Karoline Herschel a» Gelehrtt, Flo» rence Nigbtingale al»Krankenpfleg-rin undDr. Mary Putnam Jacoby al» Ärztin, beweisen deutlicher al» irgend ein andere» Argument welche» ich anführen könnte, d-e Tüchtigkit der Frauen in allen BcrufSsphären. Diese haben gezeigt, daß Frauen unter dense'ben günstigen Ber« hältnfffW, auch dieselben Resultate erziel.'», wie die Männer. In dem Kampfe um Unterhalt und Ruhm geben sie nicht» um die Vergünstigungen, welche ihwn 'im bürgerlichen Leben zustehen; Alle», wa« sie verlangen, ist freier Spielraum und gleiche Vorthcile zur Entw ckelung ihrer Kräfte und Fähigkeiten, und der Erfolg wird zeigen, wer der Geeignete ist. Al» vor ungefähr 50 Jahren bei: Orden B'ne Brith' durch kaum ein Dutzend edelgesinnter Männer in» Leben gerufen wurde, dachten die Gründer wohl schwerlich daran, daß der Orden sich zu einer solchen Stacht im Judenthum entfalten, daß er seine Mitglieder bild nach Tausenden zählen und ein Band um die Juden ler ganzen civilisirten Welt schlinge«» würde. Da» Ziel, tie edelsten Herzen»- rcgungen durch ihn zu cultivirrn, wurdc dabei nicht au» den Augen gelassen. Ein Waisenhau» und ein Heim für Altersschwache und Kranke wurde schon errichtet, eine Wittwen- und Waisenversicherungsanstalt gegründet und Unterstützung»- kaffen sür Krankheit«- und Sstrbefäll,' in« Leben gerufen. Der Orden unttrstützt die Armen, kl.'idet di« Nackten und unterstützt und erhebt die von Unglück lheimgesuchten Seme Parole heißt: Wohlthätigkeit, Bruderliebe nnd Eintracht! Wie oft haben jedoch seine!Nitgli«der die unliebsame Beobachtung gemacht, daß viek Männer dem Orden nicht au» der Absicht beigetreten sind, 'eine edlen und selbstlosen Zwecke fördern zu helfen. sondern vielmehr nur um de» Bortheil» willen, den sie au» seinen Dollar» und Cent» zu erlangen hofften. Ganz gewiß würde :in« Frau dem Orden au» fo eigennütziger Absicht nicht beizutreten wünschen; ihr warmfühlrndr» Herz würde vielmehr daran denkn, wie sie selbst den Mitgliedern nützen und il re gute Sache fördern helfen könnte, wie sie den Unglücklich:» Hülfe leisten, den Pfühl auf dem Schmerzenslager de» Krank» glätte«, die Trauernden trösten und die Verzweifelnden aufrichstn könne. Der Orden darf mit Recht der jüdische Freimaurerorden genannt werden. In einem Punkte jedoch halte ich ihn für l>efser al» den Freimaurerordrn; er hat nämlich nicht ein Gesetz formulirt, wie die» bei Morgan und andere» Schriftstellern erwähnt wird, welche« Frauen, Schwachsinnige, Idioten, Atheisten undkirdischrAlte principiell von der Mitgliedschaft «»»schließt. Frauen aus eine Stuf« mit Idioten, Schwachsinnigen und kindischen Alten gesstllt! Wenn «in solche» Gesetz im Freima» rerrodex enthalten ist, so konnten ganz gewiß dk, welch« «» mtworfen haben, ni$t fromm«, greise Mütter, ergeben« Ehefrauen und zärtlich liebende Töchter gehabt haben. Würdest Du Dich nuu «och rühmen, eitler Mann, von Ratur befer und edler'zu sein, al» die Mutter, deren Blut in Deinen Adern rollt? Und Deine Fra u? Hat sie sich nicht al« zö etliche Lebensgefährtin b.-wähtt, al» treu« Pflegerin m Krankheitsfällen, al» fpar- und wachsame HauShälstrin, al» weift Rathgeberiu in alle» wichtigen Angelegenheiten de» Leben«, wodurch sie Deine» unbedcngteu Brrtrauen« sich würdig gezeigt bat? Deftw Schwrster, auf denselben Mutterarrce» mit gleicher Liebe gettage« wie Du, unter demftlben oästrlichen Schutze geborgen wie Du, ist chr Werth vieleicht geringer au» fear Deinige? Und Dein« Tochter, mUft durch ihre kindlichen Scher« Dein« Sorgen verfcheuchte, später durch ihr« Sitte nnd Zärtlichsttt Dein Herz mit Freude erfüllst und al» He

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