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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 7 (1891) · p. Seite 27

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
7 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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der nerrn« rvroa. Ei» ftagcrct Ans» (t hi Berlin hätte mich trotz verzweiftlter Gegenwehr »teder gezwungen, di« väterliche Kaffe brandschatzen zu «n. wni» il knat vier», wa» nun?" ,O Max. Du bleibst eioig der Alte. Uff, da» Aechzen [u»b da» Krächzen bat er noch nicht abgethau. Mann. ir kann doch geholscn n-erdcn", Deckte Han». .Ueber rin ^Kleine» und man wird Dich war» majoruut mit einer errn, reichen Jungfrau vermählen" „Wenn Du mich nicht erzürnen willst, schweig", brauste der Doftor auf. .Diese elende Seelrnschacherei I Verschonet «ich in sieben Leusel» Namen. Ich habe, während meine» letzten Bei weilen» in Kronstadt da» Lied von der grasten Mitgift zum Ueberdrust gehört, dast mir noch heut die Ohren davon gellen." Aber schon nute ihn seine Heftigkeit und sanften» Tone» sprach er: .Gern wäre ich Schiffsarzt geworden, aber bei »»einer Constitution. — Ja. hätte Natur mir Deinen mächtigen Teutonenkörper gespendet." .Nicht doch", trüftete Scholz. .Du bist ein ganz hübscher Junge. Du hast so etwa» Bleiche». Interessante»." .Die ganze Jnterrssantigkeit ist für den Pfroppra, wie »kel Bräsig sagt. Kräftige Glieder und hoher Wuchs bilde» de» Manne» schönste Zierde, aber bei unserer Ra«, — da« liegt im Blute. — Wa« ist da« 7" unterbrach er sich, .seit wann habt Ihr den Wald erleuchtet?" „Wo?" fragte der Sekretär. .O. Du kurzsichtiger Bücherwurm, da» ist da» Licht der Wagenlaterne, die wir mit un» sühn»." „Da hast Du'»", bruinmte Max ärgerlich und rückte den Kneifer auf di« Rase. .Armer Krüppel, al« der unser einer durch» Leben schlottert. Wir haben Augen, die sehen 'Nicht-, die Mehrzahl unserer Organe taugen Nicht»; wir haben nur ein Gehirn, und da« ist All«»." Der Sekretär lachte. „Es sah im Omnibu» ein Melancholiku», der hatte Lackstiefeln an," sang er lustig. Der Doktor stimmte mit ein und war wieder guter Laune. „Last doch aufmachen, Han«, e» ist schrecklich Heist", bat er. Fritz schlug den Wagen zurück. Der Wald war zu Ende. Man fuhr schon über Trcbanoditzer Gebiet. Der Kirchthurm der Stadt ward sichtbar und auch die Rathsipitze konnte man gewahren. Ein Trupp Landarbeiter kamen Ihnen von den Feldern entgegen, Hacken und andere Geräthe cktber den Schultern Alsic dem Wagen auf Worte nahe waren, grützten sie in polnischer Sprache hinein. Die Freunde dankten mit .guten Abend." „E» ist ein hübscher Menschenschlag hier", bemerfte der Doftor, .sicher eia Ergrbnist der vielen Liebesheirathen." .Wo denkst Du hin?" ries Scholz. .Der oberschlesische Bauer ist habgierig wie ein Hamster und heirathet nicht, wenn da» Weib seinem Besitz nicht Gleiche» zu Gleichem bringen kann. Aber", fuhr er nachdenklich fort, .Du bist -auch nicht ganz im Unrecht. Wir haben Mille und Unfälle Mn Zuchtwahl hier mehr wie zuviel. Da rollen wir in Trebanooitz ein. Borgesehen, Fritze, dast Du nicht zum «mdern Thor wieder rau»fährst." „Spotte Du nur", seufzte der Doftor wieder. .Doch wer «eist? Ehe in Berlin der tausendvierunddreistigte oder so rum. thue ich vielleicht doch beffer daran, in Trebanobitz der zweite zu sein." Bor einem Gasthause hielt der Wagen. Der Ehronift sch«ibt mit Fleist „einem Sasthause" Respeet wo sich» gebührt, 'Trebanobitz hatte deren vier. Gleichzeitig giebt dieser Stümper eine» Chronisten den theuern Lesern unumwunden die.allrrtiefste Beschämung über sein klägliche» Unvermögen kund, ihnen da» Aussehen zu schildern, welche» Herrn Ezechiel« sammt ihren beiden Insassen bei den guten Treba- Hvbchtin erregte». Scholz entzog sich absolut alle» Anfragen _ de« '«r, obtztühl er uitcr der Bot» 6k ctMe« Jnriszmldtnz stehead. insach kurzen BrojzH machte, mit den schlanken Doctor mit seinem Riesen» leibe decken^ schleuniast allen neugierigen BUcken in seine Jungaesellenstube entführte. Hier konnten de Fretznde bei behaglichem Mahle ungestört in Jugenderinierungen und Zukunftsplänen schwelgen. E» war eine gute, alte Freundschaft. die da wieder bei einer le'dlichen Markt Chabli« auf» Neue besiegelt wurde. Wohl über ein Bierteljahrhundert hatten die Eltern der jungen Leute Hau» bei Hau» gewohnt in Frieden und freundlicher Gemeinschaft. Är Kicmpnermeisrer Scholz war ein fleihiger, sparsamer Mann, leider starb ihm sein Weib in jungen Jah«n weg. and sein Han» wuch» auf wie der Baum im Walde, einsam und allein, aber auch wild und kräftig Die KantorSfriu dauerte der mutterlose Knabe, und obschon ihr die eigene kleine Schaar vollauf Arbeit schuf, fand die Frau do.h f in »nd wieder Zeit bei dem Hansel zum Rechten zu sehen, ihm die Knüpfe anzunühen, oder seiner Jacke die ewig schadhc ften Ellenbogen neu einznflicken, oder gar mit Berlaub zu sagen, einen rebellisch gewordenen Hosenboden wieder gehörig ein.udämmen. Dafür rrvanchirte sich dann der erkenntliche lsiater seinerseit», indem er die nöthigrn Reparaturen im Kcmtorhause unentgeftlich besorgte, während der Hansel durch Wiegen und Herumschleppen der kleinen Goldmänner unermüdlich die Schuld seiner Dankbarkeit so recht im eigentlichen Sinne de» Worte» „abttug." Al» später einmal Max Goldmann, umgürtet mit dem ganzen Stolze seiner Tertianerwürde, bei einem FerienauSflnge in den Teich fiel un" Han», sein Schulkamerad, ihn wieder herausfischte, wuchs die freundliche Theilnahme der Goldmann» für den Nachl-arssohn zu herzlichster Zuneigung empor, kein wohlgesüllic» Kistlein durfte fortan au» dem Kanrorhause nach K re uzburg abgehen, ohne der wirklich überflüssigen Weisung zu «rriangeln, anläßlich der lieben Festtage den Inhalt mit Gesun-heit zu verzehren und auch ja mit dem guten Hans zu thcilen. Und da im selben Iah« Han» Scholz die große Thirheit beging, zur Weihnachtszeit sich ein garstige» Fieber r iit nach Hause zu schleppen, da war e» wiederum Frau lea, de den alten Jungen mütterlich pflegte, und die unter den Tauben und Hühnern Kronstadt» ein fürchterliche« lHaffacre anrichten liest, um' Kraftbrühen dem Genesenden zu bereiten. Da» Berhältniß unter den beiden Schultamerc den entwickelt« sich al» die einfachste Schutz- und Trutzbrüder chaft von der Welt. In den Schulstunden unterstützte der Jude heimlich den Gefährten mit seinem Wissen, in den ,F eipausen" beschützt» der Christ den F«und offen mit seine» Fäusten. (ssortseyung folgt.) ««» der jüdische» Saße»k«»de. ttzli» der Proptzet und tzk. Iosue de» Lewt *) Sott Lehrer Utta in Han>>u. Einst begegnete R. Josua ben L wi dem Propheten Elia und bot sich demselben al« Begl eiter bei seinen vielfachen Wanderungen auf Erden an. T«r Prophet gewährte ihm die Bitte unttr der Bedingung, dast er keine Frage aufwerfe, wenn er sehe, dast etwa» au tgcsührt würde, wa» rüthselhaft und al» Unrecht erscheinen dürfte Die beiden Männer wanderten zunächst nach einim ärmlichen Dorfe. In diesem lebte ein sehr armer Mann, rer aber die Fremden sehr fteundlich aufnahm und dieselben nach seinen Verhältnissen sehr gastlich bewirthete. In der Nacht stand der Prophet auf, ging in den Stall und tk dtete die Kuh, welche fast den ganzen Besitz de» guten Man >e» au-machte. Der Rabbi konnte darüber beinahe sein E:staunen nicht unterdrücken, er war aber an da» gegebene kZersprrchen gebunden. Schweigend gingen die Wanderer weiter. Run gelangten *) Cblac Legende ist dem Werkchen “TOTI brt Risst« beu tzijch:r ben Meschunam (im 13. Jahrhundertentnommen.

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