Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 4 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Kk offene« Sogen lag siebte §o«)e 9t«fi i« ihre« Bette nt starrte auf die Seiden bäuder, die auf de» Tische lagen, >ie auf ein Gespenst, da» herannaht, u« ihr junge« Leben a« zertreten. De« nächsten Tage« stand Goldele ganz verändert auf, 'nch, verstört, die thräuenaeschwollenen Augen in blauen inge« eingefaßt und da« sonnige Haar wirr und zerzaust. J.S würde c« sich aufbäumen gegen die Gewalt, die man -gen e» im Schilde führt. Die Mutter hatte keine Augen dafür, sie hatte ja auch ie Hände voll zu thun. — Eine Kleinigkeit so eine Hocheit! da heißt e«, sich in der Küche Umsehen; denn sonst stiehlt einem da« DiebSgesindel von Dienstboten Me« zu sinnnen. Dann heißt e« auch dafür sorgen, daß die sctzeitsgäste gut untergebracht werden, und dann muß auch -ie Musik bestellt werden, der Narrschalk, der .Server' «,id viel andern Dingen. Man hat doch nicht mehr al« ur zwei Augen im Kopse, und da weiß man wahrhaftig nicht, wo diese früher hinzuthun, und wer hat da noch Zeit «rauf zu sehen, wie Goldäe heute aussieht? Uebrigen« dort. jq e» sich um die »Jüdischkeil' handelt, wer sieht da aus eiutsehen? Eine Berwandte, der da« veränderte Aussehen Goldele« näher zu Herzen ging, konnte e« nicht unterdrücken der Mutier zu sagen: .Weißt Du, e« ist doch etwa« hart von Dir, darauf zu beharren, daß Goldele. ein junge« Kind, so ein Haarband wie Du tragen soll." . Da sprang sie zurück, wie von einer Viper gebissen. »Und wa« denn soll sie tragen?' »Zum mindesten eine Haarperücke.' »Wa«!', kreischte sie, „eine Haarperücke, wie Pessrl die Meschumedes')?! Eher lasse ich mich lebendig begraben!' »Aber merk« Dir gut', warnte die Zweite, .da« Kind wird Dir vor Jammer noch krank werden!" „Und wenn e« auch sterben sollte!" entschied die fromme Mutter. Mehr verlor die Berwandte kein Wort darüber, sie sah. daß alle« Reden unnütz sei. Goldele war still, bleich und starrte wie eine Nachtwandlerin vor sich hin. Die Mutter merkte et> noch immer nicht, denn, wie gesagt, sie hatte die Augen wo ander« hinzuthun. Bereit« waren der Brtutigam und die Hochzeitsgäste in der Stadt. — Morgen soll die Hochzeit sein. Und auch der Morgen ließ aus sich nicht lange warte». Man schmückte Goldele wie eine Berurtheilte in der letzten Stunde, man zerflochl ihr da« Haar, da« bald unter der scharfen Schee« fallen sollte. Sie ließ, wie ein stumme« Opfer mit sich Me« geschehen. Die Mutter hatte noch immer keine Augen dafür. — Sie hatte ja so viel noch zu besorgen, die Zeit drängt, bald soll ja da« .Bedecken' sein. Schon stimmten die Musikanten ihre Instrumente und da« kleine Männlein, der Rarrschalk, stand schon, da« «chte Füßchen vorgeschoben, maulfertig da. — Goldele muß ja noch wie üblich vor der Ehuppe da» Bußgebet verrichten. Sie schlug ihr da« Gebetbuch auf. .Geh' mein Kind, und bete den barmherzigen Gott, daß er Dir am Tape der Ehuppe die Sünden vergebe." Goldele stand m einem Winkelchen, da« Gebetbuch in den zitternden Händen und Thräne um Thräne rann ihr die blassen Wangen herunter aus da« Gebetbuch. Sie beweinte nicht ihre Sünde», nicht die wisientlichen und nicht die unwifseutltchen — wa« wußte diese« Kind von Sünden? Aber sie beweinte ihre jungen Jahre und ihre schönen goldenen Haare, die man chr bald abschueiden werde. Schon saß sie zum Bedecken. Wie im Traume hörte sie den Narrschalk, wie er sie besang. Sie Hütte da« lau« Geheul der Frauen um sich — ihr Kops fieberte, vor ihren •) Die Gottlos«. Auge, di, . . hernmzndrebe» — doch wer bemerk« e«? Jetzt ging c« ihr auf einmal heiß und kalt dm«! Glieder — sie fühl« die eisige Scher« au ihrem i und zisch — fiel ihr eine ganze Flnth goldener Haa« ihre« HaüP« und immer sott zisch und zisch, daß die!. Scheere sich jetzt ei«frostig an ih«m nackte«, der Hag« beraubten Kopfe anfühlte. E« kam ihr Alle« wie i« Traume - vor, wie ein furchtbarer, grausiger Traum. Wie im Traum hörte sie auch etwa« wie ein Gezänke neben sich: .Und vorne, warum sch«rst nicht vorne?" hörte sie die Mutter kreischen. .Borne will ich ihr ein Büschelche» Haare zurücklasse«. wa« ja auch bei den Töchtern au« den frömmsten Häuser»' geschieht!'; »Nein!' kreischte die Mutier auf« Neue. .Mein Kind muß wie eine jüdische.Tochter von der alten Welt sich tragen, ihr darf kein einzige« Haar auf dem Kopfe zurück«. bleiben — die Scheere her!' Und zisch! sauste wieder die eisige Scheer: und du« letzte Büschelchen goldner Haare fiel ihr über da« Gesicht glitzernd auf der. Schoost. Wa» mit ihr daraus geschehen? Wie verschwommene;.j Schattenbilder zog e« an ihr vorüber. — E« kam etwa« J wie ein kleine«, grüne« Jüngele und warf ihr einen Schleier- ~ über den Kopf. — E« umgaben sie viele Frauen mit brennenden Lichtern, zwei von ihnen griffen ihr unter die* Arme — sie stand unter dem Baldachin wieder neben dem kleinen, grünen Jüngele. — Er sprach zu ihr die Ehe-! sormel, sie «hat alle« mechanisch, wa» man von ihr verlangte — dann hött sie ein Geklitt — da« Jüngele zerstampfte ein Gla« unter den Füßen und drans ein wüst» Lärm von' brummenden Baßgeigen, heulenden Fiedeln und schluck Föten. Der Arme» war e« so schwindlig, daß sie von deui^ Unterführern mehr getragen al« gesühtt werde« mußte, doch wa« wußte davon die fromme Mutter, sie hatte die Angkw'f ganz ander« wo — in der Küche, bei den Gästen und wen»! ihr Gott geholfen, daß sie ihr einzige« Kind aurgcheirnwh» soll sie sich nicht auch ein .Täuzet" göuueu? Heisa! da«- hätte man sehen solle», wte die beiden Mütter, de« Bräutigam« und der Braut, wie zwei Kampfhähne Angesicht zu Angesicht tj sich entgegenspraaaen. Da« ging immer lustiger zu. Dw^ Weiber faßten sich bei den Händen und tanzte« im .Rädel" '*; — irgend ein frische» Jüngele spraua hurtig mitten hinet» | und tanzte mit. Goldele saß inzwischen neben dem kleine», 1 grünen Züngle in einem besonderen Zimmer. wo «au ihnen y die »goldne Suppe' servirte. Da« Jüugle schämte sich bi« in in die Seele hinein, so ganz allein in einem Zimmer mtt ■; einem Mädel sitzen. Um seinen beiden Händen, mtt; , denen er .nicht« anzufangen wußte, doch eine Beschäftigung^' zu geben, zog er und kreiselte er sich fort und fott Wer beiden Schlafenlocken. * Goldele'« Mutter erschien einmal in de« besonder« '] Zimmer, um zu sehen, wa« die Kinder machen, doch ver» weilte sie kaum einen Augenblick. — Genug, sie hatte sich:j überzeugt, daß die Kinder wie zwei Tauben neben einander« sitzen. „Mein Töchterl hat sich etwa« au«gebleicht", bemerkte sie der Mutter de« Bräutigam» gegenüber — aber da« ist Kalle'« Thein!") Kurze Zett daraus geleitete», nach altem Brauche, die „Unterführer' da« Brauchaar in ihr Gemach. __ (««hl sol«c») m« jtMf4H*0§lewitif4«r Ptr«r. Bon M. Adler in London. Obscho» nur selten, so tritt doch die Bekehru» Juden zur mohamedanischen Religion in der >) Die 4*n«U4» Lieblichkeit