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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 3 (1890) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
3 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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triü'Ea Hauche «twr Sorge, so viel zu sage»? Sie sei eine Braut, und habe nicht einual «bren Bräutigam gesehen — und die anderen Maschen der Stadt, bekommen denn die ja bizur Hochzeit tfa Bräutigam zu Gesicht? Im Uebrigen hatten die Dinge um sie her sich gar nicht «mindert. Sie kam nach wie vor weiter jeden Nachmittag zu ihrer Mutter in die Handlung, dort fand sie alle Beamte der Stadt, die ihr soviel Schönesagten, und der alte K germeister strich ihr ganz tote früher mit der Hand über da Haar und sagte, ihr Haar sei so weich und goldig, daß ee ihm Herz und Aug' erfreue, wenn er e» sieht und mit de: Hand berührt. Die Mutter sah wie immer auihrem l«-betbuche mit einem stolzen Lächeln zu ihr hinüber und wenn sie später nach Hause kam, sagte sie ganz wie früher zu ihren Nachbaren: »Die Beamte alle gehen gar aunach meinem Töchter!!' Die Mutter war um jene Zeit nicht wrniger glücklich, fchnmd gar stürzte sie zu ihrer Goldele mit dem Jubelruse hii'-in: .Goldele, Goldele, ein Brief von Deinem Choßen so! leben! Eine Schrift ist da-, daß man ihm die Hände kiiksen könnt, und erst der Inhalt — waversteht so eine niirrische Jüdin wie ich, waso ein feine- .Köppele' alleau^oenkt!' In der That war auch dieser Brief nicht so leicht zu w. tehen, denn der Philosoph de- Städtchen-, der diesen B> aufgesetzt, spannte alle Kräfte an, um zu zeigen, wawas er allevermag. Da sprach er vorerst ein Langes und ein Breitevon der Königin de- Himmels, von der Sonne, und dann machte er einen Satz hinüber zum Mond, der ein bleicher Schäfer zwischen den weißen Lämmern, den Sternen, «inherspaziert. Darauf begab er sich rasch hinüber zu den Feldern und Wäldern und setzte, ohne sich lange zu überlegen, die zukünftige Schwiegermutter in Verbindung «it Sonne, Mond und Sterne, und nachdem er mit dieser EisWhu-arbeit fertig war, kam er endlich am Schlusie mit den Worten: .Mehr habe ich kein Neues mitzutheilen, nur daß ich gesund und stark bin, waauch von Euch zu hören wünscht Euer Götzel Pumperdorf.' Darauf folgte noch eine Nachschrift, welche lautet: .Ich grüße meine Kalle soll leben.' (Forts, folgt.) Der Schrecke«Sm»«at. Bon Nathan Samuely (Tchluß) Das war eine Menge, die sich heute vor der Synagoge versammelte, wie sie diese nur selten gesehen hatte. Jedem einzelnen dieser großen Menschenmasse war eanzusehen, daß ihm Herz und Athem über dasKommende beklommen waren. Als tue grauenhaften Stimmen auf dem Dachboden der Synagoge laut wurden, ordnete sich der Zug zum Aufmärsche. Voran schritt Reb Mendel mit dem großen Schlüssel zum Dachboden. Sein großer, rother Bart stach grell von dem erdfahlen Gesichte ab. Nachher schritt der Wunderrabbi umgeben von seinen Gabboim*), jeder mit einem Kabbalabuche versehen. Hinterher folgten in einer langen Reihe alle Schofrrblaser der Stadt, einige und zwanzig Stabstrompeter, jeder mit seinem Blasehorn in der Hand. Darauf folgten in bunter Schlachtordnung alle Anhänger des Rabbi, die meisten mit Gebetbüchern und brennenden Kerzen in Händen. Aus jeder Stiege hielt der Rabbi an und da betete die ganze Versammlung einen der Psalmen, die sich die .Stusengefänge' nennen, auf jeder Stiege einen andern. Endlich (»and der Rabbi vor den verschlosienen Thüren und schon steckte der Schammes den großen Schlüssel ins Schlüsselloch. Bei« Knarren des sich umdrehenden Schlüsselfühlte der heilige Mann, daß sich ihm vor Schreck da- Herz im Leibe umdrehte. Gerne hätte er noch jetzt im entscheidenden Moor auf und von Rabbi mit eine« ume, der bald von einer Di« Menge bildet« dringliche Mauer. Jetzt ging Menge vorwärts geschoben, sah Ruck mitten in dem schrecklichen vielköpfigen Menschenmenge ubersluthet war. Da gewahrten sie «im Hellen und grellen Scheine der vielen.Lichter etwaganz Unerwartete- — ein ganze- Heer von schwarzen, weihen und gestteiften Kaden wogte wie ein bunter Knäuel durcheinander und husch, schon waren sie alle mit einem ohrenzerreihenden Miauen auf und davon! Mehrere entsprangen mit einem Satze durch die Fenster auf da- Dach, mehrere kletterten hurtig die Wand hinauf, wo sie am Plafond durch verschieden« Ritzin und Löcher «schwände« und mehrere wieder wandten sich geschmeidig mftten durch die Menge zur Thürc hin, wo sie mit einem Sprung« über alle Dächer waren, — kurz, binnen einigen Augenblicken war keine Pfote , von einer Katze mehr zu sehen. * Run wird man da gewiß glauben, daß die große, be» thörte Menge bei diesem Anblicke in ein humorische- Lachen über sich selber au-gebrochen ist — doch keine Spur! Diese Leute, deren Bergaugenheit, deren Gegenwart, deren ganze Zul Hab * *) Borsteher. Existenz ein reines Wunder ist und die voll Zuversicht der noch so bedrohten Zukunft entgeaensehen, weil sie an Wunder glauben — diese armen, unglücklichen Leute geben nicht so schnell ein Wunder auf, nachdem sie schon einige Zeit daran geglaubt haben. Ganz gewiß, diese Katzen sind nicht» anderes, als arme .verschollene Seelen', die sich in solche unreinen Thierr gewandelt haben, denn sonst, wie kommt e», daß sie für ihre isammenkünfte nur den Dachboden der Synagoge gewählt den? Girbt es denn nicht der Dächer genug in der Stadt? Warum fügte es sich gerade in dem heiligen Monat Elul, der auch für die Tobten ein Monat der Sühne und Buße ist? Und übrigens hat man denn nicht auch di« Sti««e beseligen BorbeterS und die noch vieler anderen Verstorbenen auz genau und deutlich erkannt? Ganz gewiß, diese Katze« ,nd nichts anderes al« Armsünderseelen! .Juden, sagt .Wihi Noa«!") befahl der muthige Rabbi mit energischer Stimme und die ganze große Meng« polterte .Wihi Noam'. Hierauf polterte programmmäßig der feierliche Abschluß. Der Rabbi dirigirtc die heilige Kapelle mit lauter feierlicher Stimme und alle dreiundzwauzig Schofer» bläser bliesen die alten, ernsten Weisen in die Rächt hinaus, .Tekioh! Scheworim! Teruoh! Tekio gedaulo!'; Genügsamkeit.*) Ei« Mann besaß einen Garten bei seinem Hause. Als er in dem Garten arbeitete, bemerkte er einen Vogel, der an den Früchten des Garten» großen Schaden anrichtete. Der Besitzer stellte ein Netz aus, in welchem der Vogel gefangen wurde, und jener, (der Gärtner) beschloß, den Schädling zu tödten. Als der Vogel merkte, daß zur Ausführung dieses Beschlusses geschritten werden sollte, erhob er seine Stimme und sprach: .Mein Herr, welchen Nutzen hast Du davon, wenn Du ein solch klemeS, schwache- Geschchif, wie ich bin, umbringen willst? Sieh, ich bin nicht wie andere Vögel, die keine Vernunft und Sprache haben, ich besitze Wer-heit, Verstand und Einsicht. Wenn Du schwörst, daß Du mich vom Tode erretten und mir die Freiheit schenken willst, so will ich Dich drei herrliche und wichtige Lebens« regeln lehren, die ich von meinen Vorfahren erhalten, und die ich in mir verschlossen und noch Niemanden offenbart habe. Wenn Du dieselbe» wohl beachtest, so wirst Du vor jedem Uebel bewart werden und in Deinen Handlungen glücklich sein.' Der Mann wunderte sich ob dieser Sprache ') ttlustmgtworle eUiet «», TD! *P0 jp

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