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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 1 (1890) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
1 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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MDNivtum iPttbrt z» widmen. Geld« ihn freundlich, liebenswürdig, wie eine liebende ster, interessirte sich dem Scheine nach für feine Er» und forschte ibn über sein Leben in der Fremde au«, e war ohne jegliche Bildung und sprach unzusammen- HängendeS Zeug über Gegenstände, die weder ihrem Verstände -«och ihrem Wissen zugänglich waren. Moischele bemerkte die» aber gar nicht, er fand Alles an ihr richtig, klug und ichün. In feiner Phantasie war Seid« au« Schönheit, «erstand. Tugend, engelhafter Güte und wer weiß noch aus "-welchen himmlischen Eigenschaften zusammengesetzt. Seiner XUeberzeugung nach war sie eine Vollkommenheit, das Wunder der Wunder. Selda'S Mutter bemerkte wohl den Rausch -der Moischele'« Sinn« umfangen hielt. Sie beschloß, das '-Eisen zu schmieden, so lange eS heiß sei und erinnerte Lea kurz vor Moischele « Abreise an ihre Verabredung. Moischele j wü« nun erwachsen und die Zeit herangercist, wo sie ihren -Herzenswunsch erfüllen und die Kinder vereinigen könnten. Einen Vermittler brauchten sie doch nicht: „also wollen wir Braut und Bräutigam gratuliren. Wenn Ihr Sohn, liebe Lea, "sein Studium beendet hat, werden wir die Hochzeit feiern". Moischele war der Seligste der Seligen, aber dennoch wagte er nicht Selda anzuschauen. Er senkte seine Augen - zu Boden und erröthete tief. Lea und Dewora umarmten und küßten einander, dann führte Dewora den Bräutigam seiner Braut zu. .Nun, Kinder, jetzt könnt Ihr Euch küssen". Kaum zu athmrn wagend, neigte sich Moischele über v. Selda und berührte mit seinen Lippen flüchtig ihre Stirn. .^Dieft küßte ihn auf die Lippen. Die glücklichen Eltern um« ft-Monten Braut und Bräutigam. IV. x Bon Liebe bcrauscht, kehrt« der glückliche Bräutigam in'« Eonservatorium zurück Roch ein Jahr der Arbeit und Trennung — al«dann unendliches Glück bis au'« Ende der . .Tagr, Kaum in der Residenz angelangt, ging er fleißig an ÄrHrtt Ihm stand in diesem Jahre viel bevor: das 'EnNaiiumiSexamen. Probeschauspiclc im Eonservatorium, ' Eoti.en und schließlich daS Debüt in der großen Oper. Die» All. x-rderte gewissenhafte Vorbereitung. Seine Bei schäftigiinA n - hinderten ihn dennoch nicht fortwährend an > Selda zu denk-n. Es ging ihm Alles leichter, besser von X. statten, wein er sich ihr widmete. Sang er eine Arie, sc wandte er sich iu vtedanken an sie, schwor ihr ewige Liebe |X und erzählte ihr'van LicbeS-Oual und Sehnen. Er schrieb jrt-an sie oft, ausführlich, sie aber verwöhnte ihn nicht zu sehr «it Briefen. Alle Schis -1 Wochen erhielt er wohl einen kurzen Brief, voll grammatAalischcr. Fehler, in dem sic über die l Echvierigkeiten, dir ihr das Schreiben bereitete, klagte. Sie ^-versicherte ihn auch, daß sic seiner täglich gedenke und seiner 'Mückle hr mit Ungeduld entgegensehe. Hunderte Mal las er --diese Briefe durch und bewahrte sie wie ein Heiligthum. Der Frühling zog in'« Land und mit ihm näherte sich -auch die Zeit seiner Entlassung. Leichter, freudiger wurde e« Moischele zu Muth. Roch drei Monate, noch zwei — noch einen Monat der Trennung. Moischele bendete glänzend da« Eonservatorium. Sein Name wurde in da« Register der ersten Debütanten eingetragen. Die Professoren er- -»arteten mit Uugeguld da« erste Auftreten ihre« Licblina«- »schüler«. Zu seinem Debüt wurde Halevy'« Oper .Die Jüdin" sestarsetzt. in der man ihm die Rolle des Eleazar zulertheilte. Biel Plackerei hatte man mit ihm, bi« man ihm; irgendwie zum Schauspieler heranbildete. Weder verstand hjtx, wie er sich zu hatten, aufzutretrn, noch! den Gefühlen e—rtsprechende Gesten zu machen, in einem Worte, er war t schlechter Schauspieler. Man mußte ihm genau Alle« -jeden, erklären, zeigen, wann er de« Kopf erheben, wann 'verneigen, wann energische Bewegungen zu machen, wann __ ( «achte Direktor und Regisseur de« Theater» oft i, Bezweiflung; kau« öffnete er aber den Mund, so hielt-m sie Alle den Athem an, um den wnndervollen Tönen, die iuS seiner Brust sttömten, zu lauschen. Seit langer, lange! Zeit hatte die Residenz keinen derartigen Tenor zu hören bekommen. Er sang dir höchsten Töne mit solch einer Kraft, mit jo viel tyefähl und derartig leidenschaftlich, daß dadurch seine plumpen Manieren, seine Ungeschicklichkeit in den Hintergrund gestellt wurde». Endlich kam der Tag seines ersten DebutS heran. Moischele befand sich wie im Rausche. Er sollte nun einem zahlreichen, anspruchsvollen, launischen Residenzpublikum aegenüberstehe» in einer der schwierigsten, verantwortlichsten Partien Sein ganzes Wesen war von düsem Debüt eingenommen, er vergaß fogar an diesem To ge seine Braut, seine Mutter, seine Hcimath. Bon Selda hatte er schon lange keinen Brief. Auf seine aufgeregten Anfragen bekam er die beruhigende Nachricht, daß sie zu eine - kranken Tante gereist sei, an ihn wohl geschrieben habe, der Brief müsse wahrscheinlich verloren gegangen sein. Düse Nachricht beruhigte Moischele, er legte nun die Briese an seine Braut denen an seine Mutttr bei mit der Bitte, sie Selda zuzuschicken. Abends hieß es, daS HauS wäre ai -verkauft. DaS finstere, unfreundliche Gebäude der Oper ängstigte Moischele, al« er sich demselben näherte. Am Hauptportal bewegten sich mehrere Theaterdiener, sie entzündeten »as Ga«. Da« Publikum hatte sich noch nicht eingefunden. Moischele ging der Hauptpforte vorbei und verschwand in ,-incr SeiteNthür, die er immer benutzte, wenn er zu den Repetitionen ging. Die Schauspieler waren noch nickt versammelt. Wie ein echter Neuling kam er viel zu früh, aus Furcht zu spät zu kommen. Man hüllte ihn in sein Kostüm, in da» bekannte Gewand de« .Juden", klebte ihm einen stauen Bart an, färbte sein Gesicht, brachte ihm dicke Brauen an, setzte ihm eine runzlige ILattonstirn mit grauer Perriicke auf und bedeckte die ledere nflt einem KäppcheG Er sah^sich im Spiegel an und blieb verdutzt stehen; das war ja ein Aller, gebückter, runzliger Jude. Wo bin ich denn aber hin gekommen, fragte er sich? Umgeschaffcn, wie durch einen Zauber. Er setzte sich in die Sophaecke und ließ seinen Blick auf den Spiegel ruhen. Bald kam man an ihn heran und forderte ihn auf, sich auf die Scene zu begeben. Der Borhang war noch nicht aufgezogm; auf der Scene bewegten sich auch viele Bcrklcidete. Er wurde von den Sängern und Sängerinnen, deren Bekanntschift er bei den Repetitionen gemacht, gegrüßt, er aber erkannte Niemand. Da stand ein hochgewach euer Greis im rothcn Kardinalmantcl, neben ihm ein wunderschöner j inger Mann mit seidenem Schnurrbarte, breiträndrigem Hu und Fedcrbusche den Degen an der Hütte. Dieser war Prinz Leopold Die Primadonna im jüdischem Kostüm war Recha, und hier auch die Prinzessin Eudoxia im Schleppklei x, das Haar von Perlenschnüren durchivebt. Alle standen ai Ort und Stelle. Da« Orchester sing an zu spielen an Auf die Scene stürzte ein lärmender Ehor, grell gekleidet. Der Vorhang wurde aufgezogen, die Vorstellung begann. Die wilde Menge packt im fanatischen Eifer Eleazar und die neben ihm stehende Recha. Moischele stand dem Publikum gegenüber. Er sah nun daS riesige Theater vor sich, glänzend xleuchtet, feierlich. Der Saal schien ihm nie so blendend, zrandioS, prächtig, wenn er als Zuschauer bie Oper besuchte. Der riesengroße Kronleuchter mit seinen dreifachen Flamm« «reihen verbreitete ein matteS Licht durch seine milchfarbigen Kuppeln. Alle« war besetzt. — Dieser Glanz, diese Pracht de« reichgcschmückten, vom Licht begossenen Theaterzwangen unwillkürlich den Debütanten, der ganz verwirrt war, die Augen zu senken. Selbst erschreckt und verwirrt, konnte er niht besser Eleazar« Furcht und Schrecken verstellen, wenn itn die Meng« auf O

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