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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 1 (1890) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
1 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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*r. *■? v; den Pkätz der EstWmnzc hmanMAstrt. TM Wu)H Moischele wieder zu sich. Al» er zu singen anfing, tonnte er sich auch vollständig beherrschen. Der Vorhang fiel unter i tiü übenden Appiaudissrments. Die Botalpartir de» zweiten Akte» führte er noch glänzender auS. Da» Lied beim Osterfcfle und die anderen Scenen riefen »ngewöhnliclren Beifall tiim Publikum hervor. Seine weiche, sich einschmeichelnde, ins Herz strömende Stimme, voll zaner Uebergänge und seiner Modulationen in den Scenen mit Recha. die drohenden, rachedurstigrn Hag und Verachtung atgnicnden Tone im Duell mit dem Kardinal liegen die Zuhörer in einer kurzen Spanne Zeit die entgegengesetzten Gefühle und Empfindungen erleben. Der Sänger sah weder da» Theater, noch die Scrne, noch da» Publikum. Selbst hingerissen von der wunderschönen Musik, brachte er mit Kehle und Brust Töne hervor, die ihm geradezu von seinem Gefühl diktirt wurden. 1 Er vergaß die Stelle, auf dem das Drama aufgeführt wurde, vergaß die Zeit, Umgebung, die Ursachen, die den Sturm hervorriefkn und in welchem se ne eigene Stimme am lautesten erklang. Ihn zwang eine geheime Kraft z» singen, die ihrerseits vom Orchester geleitet wurde. Hätte das Orchester sein Spiel unterbrochen, so würde auch er wohl gar stecken gebUrben sein. Jetzt wußte er nicht, tvann anznhalte», wann aufzuhörcn, und ob er weiter singen würde und dabei klang Alles so schön, weder Harmonie noch Ordnung wurden verletzt. Es schien, als ob dem leisesten Laute folgte, der aus seiner Brust drang und seinen Tönen absichtlich diese Farbe, diesen Ausdruck verlieh. Das Orchester spielte die Eavatine. Kummervolle, leise, bange Töne stieß die gedrückte, zerschmetterte Brust aus. I» seiner Stimme waren auf eininal Melancholie, Reue, Vorwürfe, das Herz zerreißende Sehnsucht, Mitleid und eine unerschöpfliche, unendlich« Liebe zum theueren, geliebten Kinde vereint. Etwas Märtyrerisches, unendlich Trauriges, Bedrückendes, unaussprechlich Bitteres war im Vortrag dieser Melodie. Alles dieses spiegelt sich in der Seele des Zuhörers iviedcr, belastet ihm die Brust, greift tief, tief in sein Herz. Es scheint, als ob sich der Gänger nach einem auf immer entzogenen Glücke, nach einer verfehlten Seligkeit sehnt, sich nach dem auf ewig verlorenen Paradiese härmt, vor sich aber ein feuchtes, finsteres Grab sieht, in dem er Alles beerdigt hat, wa» er Schönes im Orden besaß. Alle» ist still. Kein Lüftchen regt sich in diese« großen Saale. Nur diese eine Stimme voll der rührenden, verzweifelten, unbeschreiblich schwermüthigen, tieftraurigen Uebergängen, nur diese eine Stimme, die sich auS der Brust eines Märtyrers Bahn bricht, in dessen weit «Hfveten Augen Thränen blinzelten, ist vernehmbar. Man lann sich nichts Künstlerischeres, Stärkeres, Höheres als entsprechenden Ausdruck der innere» Gefühle, der Seelenleiden deuten. Alles ist Ohr, Alles hält den Athcm an. Er haucht die letzten Töne aus, da tritt eine momentane Pause «in, gefolgt von einem brausenden, ohrenbetäubenden Beifall. Maischele zitterte bei diesem plötzlichen Lärm und erhob den Kopf. Tausende Lippen schreien Bravo, tausend« Antlitze strahlten vor Jubel. Sein Erfolg ist einzig, ungewöhnlich in seiner Art. Moischele blickt auf eine Scitenloge und ichrvt auf — zwei kleine, von weißen Glacehandschuhen bevtzkeidet« Damrnhändchen strecken sich weil Über da» Geländer diuer Loge und klatschen fortwährend. Zwei schwarze, flmkr Aeuglein sehen chn herausfordernd, schelmisch an; das hükchche Köpfchen mit seinen antiken Gefichtszügen und dem schwarzen Haare, von dem funkelnde Brillanten abstachen, »ickt ihm freundlich zu; die kirschrochen, frischen Lippen umgab ein entzückendes Lächeln, sie falten sich, als ob sie ihm einen Kuß zuschicken wollen. Moischele erkennt augenblicklich dieses entzückende Geschöpf. Bor ihm sitzt — Selda. (Schluß folgt.) Gut Jwrirt! Der stolze Graf Slebenthal machte im Jahr« 178k ei« Nrtsm nach Hamburg. Er war mit einer Empfehlung an ein« sehr liebenswürdige, dort lebend« adelige Famllle versehen. Al« er seinen erste». Besuch bei derselben abstattete, fand er eine kehr freundliche Ausnahme^ es war gerade «ine ausgewähltc Gesellschaft beim Frühstück versammelt; in deren Mitte jedoch, wie der Gras zu seinem Mißbehagen bemerkte, sich auch der jüdische Bankier Herz befand. Di« Frau vom Hanse bat die ganz« Gesellschaft zum Diner und wie» dem Bankier, ei«» durchaus gebildeten und sehr angenehmen Gesellschafter, seinen Platz n«k» dem Fremden an. Das beleidigte Graf Slebenthal sehr und er wandte, sich in der Unterhaltung immer an seinen andern Nachbarn, der adeliger Abtuust war, keine Gelegenheit vorüberlassend, den Bankier zu kränken Dieser blieb ganz grlaffen, erwartet« aber eine Gelegenheit, de» groben Nachbarn mit gleicher Münz« zu bezahlen, wenn dieser sei« Ausfälle aus ihn fortsetzen würde. Diese zeigte sich bald. Man sprach von. der Türkei. »Ich Hab« viel über dies Land gelesen,- nahm der Graf bas Wort,, »und ich sympathisire sehr mit den Türken. Besonders sind ihnen zweierlei Geschöpfe oerhatzl, für welche ich ebenfalls die Neigung der «atze zur Mau» empsind«, mit der Ausnahme, dah ich sie nicht esien mag - .Aas sind denn da» sür Geschöpfe, Herr Graf?- fragte der eben-- dürlige Nebenmann. »Das sind di« Esel und die Juden-, sagt« Graf Liebenthal mit einem höhnischen Seitenblick«. »Beide sind in der Türkei gleich oerachtet» und man schlägt sie todt, wo man sie findet. - Der Gras schwieg triumphirend, di« übrig« Gesellschaft war höchst, verlegen Da erhob sich Bankier Herz ein wenig von seinem Platz«, klopfte dem gräflichen Nachbarn aus die Schulter und sagte gemüthlich lächelnd: »Ja, mein Bester, dann Ist'» gut, daß wir Leide nicht in der Türkei sind.-_ AuS Kindermund. Der 2t) Monate alte kleine Max hört bei dem Ehanuka-Feste auf dem Arme seiner Anime den lsesang des „Mount*-. Am Seih nachts» morgen sieht der kleine Weltbürger wieder auf dem-Arm« feiner Amme in der Wohnung des jüd. Nachbars den Weihnachtsbaum im Lichterglanz« und ruft aus di« Lichte zeigend: »Minna, moatul' Ritthjrl-A«fg«be». <©•* I. N,»tsches «Logogriph. Bon C. in R. Ein echter Semit — entgegen uns tritt. Gar wohl bekannt — iveil stammverwandt; tum Bogel wird er gleich, trennt Kops und Fun eftr », um Maße dienen diese, zu messen Feld uno Wiese .»* II. Keträisches ^ogtgrlpß. Bon 6. «n R. Mit 'p r» in dem Herzen ivoh.it, Mit "1 tt manche That belohn; Mil "S es von Gott erscheint, Wenn man mit '2 es ernstlich meint. Der vielen neuhinzuaelretrnen Abonnenten wegen wiederholen vir» unter Prolongation des Einsrndungstrrmlns der Auflösung, das Prris-Kitthjrl. III. Deutsches Bel» st«b ff« »ft i» stutze» 3» OMHtitftf» «r»f mb klein; Dach f*li beweis»» *c bi« »»»bei, — «Ut re me wenig. wem» alirt«. So hat'S bi« Schee ft v«rkf«bet Rn sichet, bat Ihr'S stiebet. Wer die richtige Lösung mit der Abonnementsquittung kür baser st e Quartal 1891 bi« zum 18. Januar an die Exped. einsinvet, erhält als Preis: Ktftegeastri»'« »Die Bedeutung der jü». Nelig. für Bildung und Lebenfranco zugesaudt. A«ßSfm»s der HUttlM i» »,r Kr. I. «»fei. <aw»«l. h. rn$*, n-* Beraniwortlicher Xedaetrur: Dr. «. Nahmer, Magdeburg. Druck: D. L. Welsf, Magdeburg. Perlag: Fiebert Fries«,

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