Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1891-12-24 · 52 (24.12.1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
52 (24.12.1891)
Date
1891-12-24
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492344-5935076-5959697--0905-5374647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den öffentliche» Wohlthätigkettsanftalten, odschon sie außerdem noch ihre eigen«» zahlreichen Anne» unterstützen? Bezahlen sie nicht die Zehnte« und Kirchensteuern? Sind sie dabei mcht hinlänglich treu und patriotisch? Sind sie nicht moralische und arbeitsame Mitglieder der Gemeinde und ehrliche Handelsleute? Wenn Ihr Euch die Mühe gebet und die Geschichte anderer Böller leset» so werdet Ihr bald finden. daß dieselben Beschuldigungen gegen sie erhoben wurden, gerade wie <4 heute bei uns geschieht, als man chnen die bürgerliche und politische Freiheit noch nicht zuerkannt hatte. Woher kommt es sonst, daß alle diese Beschuldigungen und ihnen zur Last gelegten Verbrechen so mit einem Male aushörten? Es liegt auf der Hand: ebenso wie schlechte Gesetze schlechte Sitten erzeugen, wird die Erlangung der bürgerlichen Rechte Diejenigen, welche die Berfogung «oralisch erniedrigt hat, auch wieder moralisch heben; dies war immer der praktische Erfolg der Freiheit in allen Ländern der Erde. ,Wenn aber dieser Erfolg filier unparüischen und gleichmäßigen Gewährung bürgerlicher und religiöser Freiheit in andern Ländern sich kund gab, kann alsdann eine Verfolgung um der Religion willen in Rußland sich noch aufrecht erhalten? und können Ausnahmegesetze etwa nach christlichen Religionsgrundsätzen gerechtfertigt «erden? Würde es nicht «ehr mit dem Geiste des ChristeuthumS harmoniren, nach andern Prinzipien zu handeln und dem Gebote Gehorsam zu leisten, welche EhristuS selbst gegeben in den Worten: ״WaS Du willst, daß man Dir thu', daS füge anch dem Andern zu.* Gerichte ml Gerrespende«?«». D«r»rfchl»»d. Wigdeünrz lOrig. - Torr.) (Ein'katholischer Pfarrer und Landtags - Abgeordneter über den Antisemitismus.) Ju dieser wüsten antisemitischen Beweguug sind auS de« katholischen Lager nerhältmßmäßig wenig Kundgebungen erfolgt, die auf vorurthellsfrrie Gesinnung und auf Studium der jüdischen Geschichte gegründet waren. Wir haben Rohling mit seinen tendenziösen Jälschungen und Lügen, den Paderborn« Profeffor Rebvert mit seinen ganz gemeinen Schimpfereien «habt, die in den weitesten Kreisen des Volles den Judenhaß genährt haben; mit um so größerer Freude grüßen wir daher die vor ganz kurzem erschienene Schrift des katholischen Pfarrers und LandtagS.abg«ordneten vr. Friedrich Frank: ,Die Kirche und die Juden.* Eine Studie (Regensbürg, Verlag vormals G. I. Mauz, 1892), die einen ganz andern Geist athmet, als di« von Rohling und Tonsorten. Wir stimmen dem Herrn B«leg« vollständig bei, wenn « die Studie ,ein Wort des Friedeps und zur Berständigungnrunt und die Behauptung ausspricht, ,es wäre geradezu traurig, wenn diese vortreffliche Schrift nicht noch größere Verbreitung fände, als die antisemitischen Berirrungen.׳ Leider werden diese Art vmi Schriften nicht von denjenigen gelesen, die für ihre Geistes- und GemüthSbildüng daraus Nutzen ziehe» könnten Dies Merkchen bespricht u. A. das Verhalten Christi upd d« Apostel gegen die Jude», die vielen Judenverfvl« guogeu und die B«aulaffungen zu denselben, das Verhalten d« Päpste und deS EleruS gegen die Juden, da- Festhalten d« Juden an ihrem Glauben, die Dankbarkeit der Juden gegen die Päpste und de» CleruS, den Talmud und zum «Schluß den Antisemitismus. Auf di« mehrfache» Jrrchümer, die dem Herrn Verfass« in den ersten Kapiteln sein« Studie unterlaufen sind, werden wir im ,LittnaturblaU* näher eingehen; hi« interessirt n״s vor allem seine Stellung zum Antisemitismus. Auf Seite 70 daftlbst bemerkt er: »Ich bin kein Talmudkenn«... uh habe ab« mtt Aufmerksamkeit und ohne jede Voreingenommenheit die enrschläaigm Sctziften von christlichen jüdischen Gelehrte» gelesen, die Ansichten vergliche» und nach-«- bestem Wissen und Gewissen mein Urtheil »rr gebildet. ##■ :י geht dahin, daß der Talmud in sein« gegenwärtigen Gestalt 1ö und wie « jetzt" allgemein erklärt wird,, für d» Christen keinerlei Gefahr bildet, und für die Juden 1cm Hinderniß 1׳ ist, um mst den Christen in Frieden und Einigkeit z» lebe».. Ja, meu» ei, Jme «ch de» Lehve» de» T»t«»d. wie ' sie gegenwärtig in den Schulen vorgetrogen werden, ft» Lebe« einrtchtet. fo wttb er ein Ehren«»»» t» Mllsft» -H St»« diese» W«rtr« sei», de« a»ch et» EhrtA fti»e 5 H»ch»cht»»tz »sitzt «sieb Neisttge» könne»!" Dann geht / er zur Charakteristik der in Koffel sein« Zeit gegründete» , .Deutsche antisemstische Vereinigung* üb« und dlüpft des! Weiteren an dm Satz des autisemitischen Programm-.: .Die Namen d« Mitglieder gelangen nicht an die Oeffentlichkeit* .. folgende drastische Bemerkung: .Ist danit^t eine lächerliche Furcht vor dem Häuflein Juden im Deutschen Reiche., die. sich in dieser Verheimlichung der Namen zu «kennen giebt? Ich fürchte mich niemals und vor Niemand, meine ueber- «ugung, die ich mir auf dem Wege unbefangener ׳ ׳ Forschung gebildet habe,, auch offen auszusprechen und haS verlange ich auch von Jedem, der als BereiaSgenosse mit mir arbeiten und kämpfen will.* Nichtsdestoweniger sprechen die Antisemiten von jüdischer Feigheit. — MSdann entkräftet der H«r Pfarrer den bekannten Vorwurf, daß die- Juden einen Staat cm Staate bllden also: Via» nennt die Juden einen Staat im Staate, «Um fremde statt»«, ■ ctse Sandergemetnschall, der da« Bürgerrecht ta eiaem deutsche» RatUmalftaat »tcht gebührt. Da» find ZÄentarten, die eiaem BaG« liten allerlei Bedeuka erwecke» missen Wie oft habe» wir schon fthört, da- «au dir lkolholiten eine» Staat u» Staat« na »nie? Me oft hat «an den tkathottten schon de» Lorwurs gemacht, sie. seien Reichsftlnde, sie erkeeaten einen Fremden als ihr Oberhaupt»«! Vielleicht helftu wlr de» Auttftuette», dadie Jude« un« dem Deutsche» ׳ Kelch vertrieben werde», und zum Dimke dafür müsse» wir «4 aas - gefallt» lasse», damau auch uns des Bürgerrecht» Ut de« natioaate» - , protestantischen Staat kür unwürdig erklän Oder hat mau es «U de» . 1Muit(» dsbnt aenuuDt?** ,,*'י ״Die totlfmltni nrafiai ftea über öU GefLtzrlichtet! de» Jude»»olles verdreiteu Ja, ist denn das Judeavolk «l» solches gesllhrltch? Gewinicht! Wlr haben gesehen, wie weder tu der Thora noch tm Talmud, wenn sie «ach der gegenwärtige» allge- «eia ftlteude» ErtlLruug befolgt werde», eine lNqahr für die sttzrtM» liegt. Gib» es nicht auch Lhrlsk«. die vielleicht »mH schttmme« Hal«- abfthnetder stud als die Semiten? . . . Aast möchte e» schetueu, als ob auch unter de» Antlsemiteu gar manche nur de-wege» sich geaeu die jüdischen Wucherer ereifern und dieselben aus de« Deutsche» Reiche vertrieben wissen wollen, weil sie oha« die llliti« jüdische Kote» kurreaj ihre saubere» Geschäfte mtt um so orS-ere« Erfolg betreibe» «Schien . . . Rur Ausnahmegesetze gegen die Jude« zu ««che», bei •' i denen sich ihre unbeschnitteae» Loalurreate» in'» FSusiche» lache», dazu kann ich mich ebensowenig Herbeilaffen, «X ztun Schmieden von AuSnaftnegefttzen gegen katholisch« Ordensteate oder auch aur geaeu die Smialoemotrate» . . . Gerade die echten, gläubigen Jude» übe» zwei bürgerliche und zwei religiSft Tugenden, die «» leicht «All stich , Mache«, warum sich thr »eitlicher Wohlstand hebt: sie Pud fleißig und sparsam, sie beobachten «wisftnkäst den Sabbäch und erfülle» treu da» vierte Gebot Gotte«. Wollte Gott, daß alle Christen mit den S' . viele Klagen verschwunden, »ist Elend würde bald -beseitigt sein." r: Die Broschüre schließt mst folgende» Motten: '? ״Qm« ich «och beifüge, daelnzelne BischSft der Sirche. de»m »eiege»heit gegeben war. über den Antisemitismus sich auszuspreche», > sich gegen de»selben audgesp rochen habe»; wenn ich beifüge, da- Ui»- J besondere die österreichische״ BischSft vor de« Zusammeugeheu mit de» .« «utisemite» gewarnt habe», da»» »erde ich wohl damit schlich»» '״£ dürfe», daich aus die Kntge: «au» ein tathaUscher Ortest«, übe» Haupt ei» fttubiaer-»alholit. Antisemit sei»? gleich die richtige Rot- _ '■ wort beifüge: Rein!" Magdetnrg Anfrage an juristische Leser unserer s Blatte»: Darf in Deutschland da» Alte Teftament uugec. traft beschimpft werden? Findet der tz 1S6 de- Straf^»׳^ etzbucheS hier keine Anwendung? Wird durch solche Bfe-'^ chimpfuaa nicht da», nligiöft Gefühl von Hunderttausendttk s i aufs tiefste v« letzt? ' *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.