Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 50 (10.12.1891)
- Date
- 1891-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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einige wirkliche Sittenlehrc» de» Talmuds hinwiesu. A. auf den Satz: »Wer feine» Rrbenmeusche« öffentlich schmäht, hat keinen Sntheil am ewige« Leben," ׳— »Gehöre lieber ut de» Geschmähten al» zu den.Schmähern'׳. — »Die sittliche Welt ruhe auf Wahrheit, Recht und Frieden und nicht auf Lüge und Ungerechtigkeit." — Diebe Gr» klüruug machte besonder» in gebildeten christlichen -reifen einen anten Eindruck. Maavebnrg» 8. Derember. Gestern Abend hielt der hiesige »Nasionolliberale Verein" eine Versammlung im Saale znr . ,Jrrundfchast" ab, in welcher unser LaudtaDabaeordnete, Herr Stadttach Dr. Dürre» Bericht über die THÜtigkeit de» Landtage» erstattete. Er kam zum Schluß auch auf den ver» werfiicheu Antisemitismus zu reden, der in der letzten Zeit in ' unserer Stadt aufgetaucht f«. DerAntisemitismnshabe di« Reaktion im Gefolge, sagte er sehr richtig, darum müßten alle zusammenstrhen, um ihn zu bekämpfen. — .— Hoffentlich stehen auch alle nationaluberale» Abgeord»^ neten fest zusammen, wenn die Antisemiten und Conservasive» eine« Sturmlauf auf die Berfafsuug untrrnehmen sollte«. Magdetznrg. (Or.-Eorr.) Es erfüllt uns immer n»it besonderer Genngthunng, wenn «wir dir Wahrnehmung machen, 'daß jüdische Lehranstalten, die doch fast durchweg nur in sehr loser Beziehung zu der Staatsbehörde stehen, sich in ^erfreulicher Weise entwickeln und Tüchttgr« leisten, une wir da» im vorliegenden Fall« an» de« «uS freundlichst über» sandte« Rechenschaftsbericht über die israelitische Lehrerbil» ngsanstalt in Würz barg für da« 27. Jahr ih«s Be» irrhens ersehen, veröffentlicht von dem bewährte» Vorstand ^Moer Anstalt Herrn Drstriktsrabbiner Nathan Bamberg er. Das Seminar ist pekuniär lediglich ans die Privatwohl- ' thätigkeit gegründet und scheint von Seite« des Staates! keine Subvention »u empfangen, wie das in Hannover > bei der jüdischen Lehrerbildnuasanstatt geschieht. Umsomehr ist es freudig z» verzeichnen, daß im vergangenen Jahr täe | Gaben in so ergiebigem Maße geflossen sind, daß nicht blos; da» Deficit des vorigen Jahres gcheckt, sonder» daß sich ' noch ein wesentlicher Ueberschuß ergab; besonder« Auerkennuug verdient das von den verstorbenen Eheleuten Moses . and Babetta Leiter zu Fürch gespendete Legat von 10000 ~ Mark. Such wir sprtthen mit da« Vorsteher der Anstalt de« dringlichen Wunsch ans, daß die Glaubensgenossen, be» größere» bayerische« Städte, ei» regeres möge». sonders^ auch der!demsegensreich wirkende« >1« znwenden, und wieder»« einige, "die diese!be nur theilweise bezahlen.'Es wirken an dem Seminar S Seminarlehrer (Dr. Dachauer, Jsak Schlenker und Jakob Weißbart), 0 Fachlehrer und 1 Präceptor. Wir wolle» nicht die einzelnen Diseiplinen ans» zähle«, die im Seminar trattirt werde», sonder» nur bä merke«, daß der Seminarist in allem angAeitet wird, was die Praxis erforderlich «acht, «. a. selbst in der Gemeindescheeiberri. — Die Iahreseinnahme» betrugen Mt. 28800,00,׳ d« Ausgabe» Mk. 20284^0. Das Gesammtvermögen der «-statt bzifiert sich ans Mk. 80188,14. Wem«, 4. Derember. (Or.-Lor.) Am 2. Demmber «rünstaltet« der Verein zur Wahrung der Interesse« der jüd. Gemeindemitglieder in Berlin eine Versammlung, die mit einem Vorträge von Herrn -arl Emil Franzo« über die Inden »n Rußland eiugeleitrt wurde. Der genaue -rnner und geistvolle SchUderer der -ulrur i» Halbasien konnte aus eigener Anschauung «in erlchäpfcndes, allerdings tieftrauriga» Bild uuserer verfolgten! Brüder in dem Lande geben, das man heut« in jeder > Beziehung ,ein Land des Elends" nenne» kann. Wir' kömieu 88r die Hanptmomente ans de« Vortrage wieder» den« Neues kannte der UNOr.,ich» e seiner Erzählung, bildete den eigene» Veit den die Durstest! »es Dichter» ans uns «achte. Der Redner bemerkte Anfang, »te schwer es sei. eia richtiges Bild von Roßland, das er im Gegensatz zu europäischer Kultur hinstrllt», geben. Obgleich in Rußland^ ein autokvatisches Nrgu herrscht, werde selbst die Omnipotenz de« Selbstherrscher« «ehr von der öffentliche« Meinung geleit«, als tr ft! ahnt. Die Maßregel» und die Gesetze der Retzien weife« sich meist ohnmLchtig und wirkungslos du Schwäche der Ausführungsorgane und durch den x Widerstand, des Volkes. Die drakonischen Gesetze gegen Juden wirk» oft nicht schlimm, da siem de» meisten Fälle» nicht ousgeführt würden, dagegen Gesetze, die vielleicht bei der Berathung weniger drakonisch geplant waren, werben in brr Ausführung -zu einer unsäglichen Plage. Es giett z- Städte mit 9 Zehntel jüd. Einwohner, die nur in bestimm Sttoße» wohnen dürfen, die etwa den zwanzigste« de« Weichbildes betrage«. Natürlich werden alle Gesetze nicht beobachtet, wenn es de» jüdischen Vorsteher»'^ gelingt, durch ihre Gründe de» Volizeiweister zu überzeugen, ' baß btcfct oderjswr Mas »nmögl. vttnotet werden könne. Iemehr. Gründe st« aufzähleu könne«, destoleichter wird es, diese ' ,unbestechlichen' Beamten zu überzeuge». Redner beleuchtete, odann die -ultvrverhältnqs« der Juden in Deutschland »« ->!׳ s Jahr 1780, da sie «och .Kammerknrchle״ waren. Ans diesem Standpunkt stehe der Jude in Rußland noch hente^^ nur mtt de« Unterschiede, das die Lnsnabmegesttz« hentr, .^ da die Zette« im Allgemein«» anders geworden, -ultnr nnb Wissenschaft sich mehr ausgebreitrt haben, viel trauriger wirke«, und weil Leben nnv Eigenthmn btt Inden in R»a»d nicht geschützt sind. Es enegt wohl allgemeines Aufsehen, wen» gelegentlich eines Krawall«» verschieden« Juden dos Lebe» einbühni und ganze Juden viertrl ei «geäschert werde«, ab«, obwohl die HiuMachtung von .Hundert«," dramattsch er» schätterndrr wirkt, so ist doch brr lnugsamr UntNHMw von mehreren Millionen Menschen »ngleich mf schlicher. Die Juden in Russland waren ans de» beste» Wege des allgemeinen Sulturansschwunges und sollen trtzt *^j auf einmal znrückgedrängt werden. Unter Alexander hcw»'^ sie bessere Lage geseheu; st« dursten sich der Wissenschaft widmen, wurden Aerztr, Rechtsanwälte, Handwerker nnd, Ackerbauer; als nun überall neues Lebe« »« blühen begann, ' , da kam die Reaktion unter de« jetzigen Zar. Es ist «n» iß zweifelhaft, daß dieser ,Zar aodaul" i^nr^kr sübst ei» Frdch derJnden ist. Sämmtliche russtscheZetttmgen (mit einer rinziaey» Ausnahme) sind antisemitischen Inhalts ei» jüdischer Nt- ^l hüist wirkt aus da« Gemüty der Despot« intensiver als Ä hundert russische. Hätte man de» Jude» Zeit tzetassen, so ׳- hätten sie sich sicher affimilirt. Der Inden in Rußland bilden heute dre t Kategorie». Die große Masse vegetirt dampf und stumpf dahin; sie rührt kein« Hand znr Selbstbefreiung und sucht Trost und Ermnthignng in der Religio» resp. in rel — ־ leibli Trost und »Jormübunge» Elend und ist — sie verfällt dem leibliche» und geis! nicht mchr zu retten. Die zweite Jftrttnarit besteht aus de» nationalreligiöse» Juden. Sie »olle« Inue nationale zung, sie wollen nicht im Battrlandr bleibe« und «ai daher aus. ' Ihr Ziel und ihre Sehrssucht ist «eist stina, wo sie allein ein friedliches Asyl zu finde» Doch man findet diesen Plan unausführbar, einma! die Türkei die Einwanderung zum Theil verboten hat, woht aus Rücksicht für die russische Regierung, und ander» Theil« weil in Palästina und Syrien für mehrere lionen Einwanderer lei« Rau« vorhanden ist Yud nicht all« Ackrrbüurr werden können. " Die dritte Richtung wird von den gebildete«!1 .Juden gebildet, die wohl einer theilweiseu das Wort;ז•- ■ lEtzwr^s