Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 50 (10.12.1891)
- Date
- 1891-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 887 — >, mtt btn Worten de- Herrn v. tzoaoocherg «hebet* «nbfatjen: Bnpr•»« lax (JtuUaorxa) T*lm«dl b«i höchste Gesetz (der Jude») ist der Tnlmud, «: der letzte teil, der Abschluß de» jüd. Gesetze» jt tcrjEabnub!*) Alleistiug» gilt un«, Jude», mr da« Halte Testament,' d. h. die fünf Bücher Most», al« da»;■ «M durch göttliche Offenbarung geworbene Gesetz. Aber gar iAk manche« Stück diese» Eicher erpeischt eine weitere Erklärung!Mond kann ohne diese kaum bestehen. Sie ist in der.mündtichen Lehre' enchalten und hat ihre vollständigste AuSbildüng auf dem Wege über Midrasch und Mischnah im Tal« mud erlangt, (Zwischen den divergirenden Ansichten der - ', Talmublehrer bildet der Schulchan Aroch die entscheidende ' Instanz auf Grund bestehender Normen ) Da-war ja schou in ftüher Zeit der große Unterschied, der.zwischen Samaritonern und Juden bestand, indem jene von der Anetten- «ung einer mündlichen Lehre nicht» wissen wollten und sich nur an den strengen Wortlaut des alte» Testamente« hielten. Befreien wir nun den Herzeoserguß de» Hrn. v. San- »euberg von dem ihn veruniierenden Seifer antisemitischer ."ISukh, so berichtige« wir auch ihn: Der Talmud ist nicht, . getretmt vom ,Gesetze de- Moses.' als da» ,höchste Moralgesetz der Juden' zu betrachten, höher al» da» ,alte Testament,' sondern nur ein Sammelwerk, besten In* halt da» Resultat von DiScussioneo, die begreiflicherweise hier oder da Anschauungen Rechnung getragen, welche zur Zeit ihrer Entstehung resp. Fixirung zur Geltung kamen. Roch eine Frage scheint «n» hierbei der Erörterung be» _ . dürftig. Und diese lautet: Müssen wir un«, namentlich mit Rücksicht auf da» ventilirte .Wuchergesetz,' der talmu-; bischen Bestimmungen über den Wucher schämen? Wir führen nur Einiges au« diese« Kapitel de» talmodischen Rechte» an. 1. Baba mezia 7üb: Au« dem Wort- , laute der Schrift (Deuteronomium 23, 11) geht eigentlich - (vgl. Eamuentar de» R. Ealomon Jizchoki) nur hervor, ' .daß «an de« Heiden Zinsen geben darf. Da» besagt die Hiphilsorm. Jndesten liegt e» einerseits vielleicht in dem Usetze de» Berkehr«, andrerseits in dem umgesvtmten Sprach* . gebrauch, daß man von dem, dem mau Zinsen geben darf, weil man nicht ander« ein Darlehen erhalten kann, auch solche nehmen darf. Und «ran auch der Midrasch (Ssträ St.) und ihm folgend Maimonide» in ftinem ,MisehNeh Thorah' (Hikchoch mal'weh w'loweh V. 1) bemet, da» Ziusennehmen von einem Heide» sei Israel licht, fo ist die» bereit« in zwiefacher Weise treffend ibteit worden. Im Allgemeinen — »gl. des. R. Abra. ha» ibn Daud« Glasten zu Maimonide« — wird ange» Homweu, daß in den Worten de» Midrasch dem Maimuni folgt, nur der Gegensatz zu dem Berbote de» Zinsennehmen» dem Glaub״»«gcnoffen gegenüber ausgesprocheu sei, wonach zr: Übersetzen wäre: .Bom Heiden darfst Du Zinsen nehmen, von Deinem Bruder nicht!' Aber selbst wenn man, wie etz Maimonide» in seinem ,Seser hammiz'woth״ (Buch der Gebote) chut, die Worte der Schrift durch ״den Heide« sollst Du Zinsen geben lasten' wtedergiebh so erscheint die» vom Standpunkte der maimonidstcheu Bwelerklärung vollend» verständlich So erläutert M. da» Gebot, nach welchem die Israeliten nur solche Thiere genießen tmrsteu, welche an «sicher Stelle geschlachtet waren, dahin, daß das jüdische Volk mit allem Nachdruck von den Kultusplätzen und -formen de» Götzendienste», dem e» iu Aegypten fast erlegen Sx, fern gehalten und unablässig zu der erhebenden und eia Menschenwürdigen Idee de» MouothciSmu» hiugeleitet werde» solue. Darum sollte auch auf stde mögliche Art und Werse der Berühr der Jsraelrteu nn den umwohnenbe» Heiden eiageschränft und erschwert werde», und darum, ף Ce 6t bratet •» “"׳' ‘ ■*־■*« pau lex regu Tolanta•“ Nicht aW 50f — be« «atk <U lex npteu m — Mm, »Na «eiut Maimonide». ward ihnen ausdrücklich an besohle» ^Dm» Leiben darfst Du Selb nnr gegen Zin» leihen!' Solche AbsperrungSgesetze dem Götzendienste gegenüber, von dem Israel zur Zest noch nicht frn war, waren sicherlich ange» bracht und müssen al» von vernünftiger Erwägung eingegeben erscheinen. Doch Hali! Will denn überhaupt da» reelle Geschäft»- Prinzip und selbst ein Antisemit die durch Zinsen regulirte Mühewaltung untersagen? Gestatten, nicht 'beide eine« Jeden für seine Thätigkeit, fein 'Risiko und dergl. . sich durch einen billigen Aufschlag de» Kostenpreise» von (Booten beim Verkaufe zu entschädigen? Und auch der .geschmähte' Talmud stellt den Berittenst beim Geldaus* lechen unb den beim Waarenverkauf auf eine Stufe (Baba mezia SVd ff-). Unb berselbe Talmub unb Midrasch, bezeichnet eSal» ungültige» verkauf, al» anhuhebende Uebervortheilung, wen der Verkäufer mehr al» ein Sechstel de» Werthe» al» Reingewinn verdien!! lwäüb ff^) Ist da» wirtlich 'so. sehr unedel, so wenig reell, al» e» Herrn v. Sonnenberg zu beaupten beliebt? Ist da» nicht vielmehr schnöde Berläumb ung? - - Was aber wird bte antisemitische Partei sagen, wenn man sie darauf hinweist, baß »ach Mibrasch unb Talmub schon da« bloße Aufzinsenlethen, nicht nur da«, wie gezeigt, an sich ungültige Wuchergeschäft untauglich zur Zeugnchablegpng macht? (Shnhebrin 24b ff.) — Ja, so muß r« kommen, Herr v. Svnueuberg. wenn man sich erkühnt, über ein kulturgeschichtllche« Werk, da« seine« Gleichen sucht und da» selbst Juden nicht vollend» begriffen haben, zu Gerichte sitzen zu wollen und schnell, in oller Eile, ohne Ueberlegung, ohne jede» Wisse» ein Verdikt zu sprechen, weil man Angst hat. von den un» wissenden Wistenden, von der rivilisirten Welt vom Richterstuhl heruntergezogen zu werden vor die vox popali. Gar manches Gesetz, auch da» oben erwähnte vom mäßigen Zio»* fuß (nach de» Maimonide« Auffassung), kann leicht al» An* klagepunkt hmgesteüt werben, wenn man e» zu seinem Nutzen au» dem Aisammenhonge reißt und de» Geiste» beraubt, mft dem e» der Gesetzgeber umkleidet, abgesehen von dem Lügengewebe, mit dem e» umkleidet wird. Da« sind nur einzelne Eharakterzüge aus dem ge« schmähten Talmud, und wenn er auch ein .Meer' genannt wirb so werden dennoch nach׳ den Worten de« Talmud selbst (Sabbath 13b unten) die ,Hände' desjenigen in ihm unrein, der sich nur Schmutz hervorholen will, und da« »Meer', da» Buch, der Codex, wird selbst ,unrein', wenn e» von Menschen angefaßt wist», wie .... Liebermann von Sonnenberg! __ Drrichte mit Gsrrrh»s»>r«fe«». Dewefedkwwd M»gtz«»»rg Durch nickt» beweist der Antisemitismus so sehr, daß er aller Ztzeale baar ist und nur au» dem materielle« Boden der GeschästSeoncurreuz seine Nahrung rieht, al» durch die alljährlich um die Weihnachtszeit be» sonder» zahlreich verbreiteten Flugblätter mit der Devise: ^Kaust »tcht bei den Juden!' Auch hier, in der großen Handelsstadt, wird ein solche» Flugblatt zu Tausenden au»- «streut, den kleinen Leuten in die Hand gedrückt und den Handwerkern in die Wohnung gesandt. Doch da» würde nicht» verschlagen, wen» diese Blätter nicht auch mit allerhatü» erlogene« und gefälschte« haßerregeuden Aussprüchen von bedeutenden Männern auSgestattet wäre«. Das bte»- jährige Flugblatt enthält unter der Ueberschrist: ,Auszug aus de« Talmud' (,Jüdische Sittealehrr') eine Anzahl Sprüche, die von der größten Gehäjsig'eit der Juden gegen die Christen Zeuguiß aÜegea solle«, so daß sich Herr Rabbiner Dr. Rahmer zu einer öffentlichen Erklärung in der ,Magd. Ztz.' -knSchv gesehen hat. u* bet et diesen Auszug du» de» Tal«« aG eitel Lug uad Trug, Fälschung »nb fl■ > ffllfUlbU Mmtzlll Mb im Gegensatz hierz« ans