Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 50 (10.12.1891)
- Date
- 1891-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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«W8 te DA •% n auf bot dies« ihn in ntigegnthmuneRber Weise 1n cuki nnpfiaa unb ihm versprach, ״btt Lage der Juden aufzndeffeaü Er hielt jedoch fein Versprechen nicht. La» einzige Augestündniß, «eiche» er ihnen macht«, bestund darin» das den Rabbinern gestattete, lange Bärte und lange .trage» zu dürfen, welche» Privilegium Andere nur gegen Zahlung einer Geldstrafe van 15 Rubel erwerben tountea. Königin Victoria belohnte den Eifer Montefiore's für seine jüdischen Brüder durch Verleihung des Titel» ,Barmtet vcn Seovbritanuien und Irland'. Ungefähr u« dieselbe Zeit wurde dieselbe Auszeichnung auch dem Hrn. Anthony von Rothschild zu Theil. Im Jahre 1847 war di« Stellung der Juden in Eng« land und Preußen Gegenstand parlamentarischer Her- Handlungen in den Lämmern beider Länder, in welchen verknöcherter PtLsestuntbiMuS, da» Papstthum des Buchstaben, seinen Sitz hatte. E» wurde bestritten, daß die Evangelisten wünschten, durch Erniedrigung der Juden für ewige Zoten den Fluch sich erfüllen zu sehen, welchen der Stifter der christlichen Religion über den ganzen jüdischen Stamm au»- gesprochen haben soll. Die Leiter der öffentliche» Angelegen» heit«« in London, die Deputirtenkammer, hatten sich scho» sei! mehreren Jahren vergeblich bemüht, die politische Emancipotton der Juden und die-Beseitigung ihrer leit zu Stande zu bringen. Nur durch das liebevolle treten der Whig» wurde es in England möglich, daß Juden nach und nach auf Ehrenposten z. B. als Sheriff« and Aldermro berufen wurden. Es geschah dies jedoch nur ausnahmsweise. Die völlige Gleichstellung der Juden wurde durch das Gesetz noch nicht anerkannt. ES war daher ein überraschendes Ereigniß, als Baron Lionel von Rathschild von der liberalen Partei der Ljty zu deren Pertreter im Parlament gewählt wurde. Dieses Ereigniß hätte »an eigentlich al» Lösung der Judeafrage in England gelten lasten können. Sobald aber Baron Lionel sonen Sitz im Unterhause einuehmen wollte, mußte er sich wieder zurückziehen, da er den vorgeschriebe«» Eid auf das Svan- «mlsum nicht leisten konnte. Hieraus brachte nun L«d John Rüssel eine Bill um Aufhebung da bürgerlichen und politischen RechtSunfShigkeit der Jude» ein. Dttse Bill passirte glücklich drei Lesungen, in deren jeder sie mit steigend« Majorität angenommen wurde. Das Oberhaus verwarf sie jedoch mit der geringen Majorität von 35 Stimmen in ein« Sitzung, an welcha ungefähr 30V Peers theil» nahm«». Di« Gegner da Lmancipation, als deren eifrigjta Sir Robert Jngli» galt, erblickten in derselben ein bauande» Unglück für England. So erlitt denn die Verleihung da Rechtsgleichheit au die Juden noch eine Suspension von ungefähr 10 Jahre». In Deutschland waren in demselben Jahre Alln Augen auf die Debatten üba die Judenfrage iu dem vereincgten preußischen Landtage gerichtet, well dies« Staat e» war, welcher den Ton angab. Hier waren den Juden baeit» durch ernr EabinrtSordrc Friedrich Wilhelms Hl. aus dem Jahr« 1812 dir gleichen Rechte garantirt; das Gesetz blieb ab« ein todter Buchstabe. Das zu Gunsten da Jude» Szebene Wort wurde eben so wenig eiagelüst, wie » Brrsprechen in Betreff einer Louftitution. In Preuße» bestaube» 21 verschiedene Grundgesetze über die Stellung da Juden in verschiedenen Theilen des Lande«. Da» Recht da Abwanderung ohne Leistung, ein« gewisse» Abgabe, dir Betreibung industrieller BaufSgeschäfte und sogar der Erwerb ländlichen Eigotthums untalagen gewissen Beschränkungen. In Preußen handelte es sich daher wirklich «» die Frage, wie die Arden von ihren Fesseln zu befreie» seien. Im Abgeordnetenhanse, welches ein Hauch d« Lide- -vAität durchströmte, war denn auch die allgemeiue Stimmung, zu Guufien d« Gleichstellung d« Jude» vor de« Gesetze; dos Herauhaus dagegen, z-Z. eine Earricatur des rnglischeu Okrhachrs. war von einem feindliche» Geiste beseelt und war da» -- ״-״.------ und so awrbe» die Juden al» Bürger und Gewerbettollreudb ■ der übrigen Vrvölkerudg zwar gleichgestellt, blieben ab« _ von öffentlichen tontet« ausgeschloste«. An einigen akade- . mischen Würden wurde» sie zogelaflen, andere aber blieben' ihnen vorenthalten. Hierzu kam noch, daß die Bewohner! d« früh« polnische» Provinz Posen zahlrriche» Be» י schränk»»ge« ontrrworsea wurden. Aß ba Tavmttz ttttfer Kesetztmß- Ben B. «Sutgsberger-«attomitz. Als am 17. Novemb« d. I, dem Eröffnungstage lissio» beantr« de» deutschen Reichstage», die Petitionskommission beantragte; diePetitionen umRevision des W ucher gesetze» de» Reichskgnzl« zu überweisen, so glaubten auch hi« die antisemittschrn Volksvertreter die günstige. Gelegenheit gekommen, um üb« ihre jüdischen Mitbürger herzufallen. Daß es dabei oh« Berläumdnngeu nicht abgehe» würde, war vor* auszusehen, und so bemerkte denn der Abgeordnete Lie dermann v Sonoenberg, daß sich die jüdische» Staatsbürg« hauptsächlich mit dem Wucher beschäftigen und daß der Staat genvthigt sein werde, diese« Umstande Rechnung u tragen. Er betonte, d« Talmud erlaube den jüdischen : ׳, und so müsse die jüdische Moral geprüft «erden, widrigenfalls keine wirksamen Gesetze gemacht werde» könnten. glaubte Herr v. Sonnenberg eine sürchtaliche, ver-, nichtende Kritik am heutigen Judeuthum zu übe»,' wenn er erklärte: .DaS höchste Moralgesetz.d« Juden ist heute bet Talmud: er steht ihnen höher, als das Gesetz Moses.' Dem gegenüber «klärte, al» Anwalt des Judenthum«; der liberale Abgeordnete Herr Rickert, Folgendes: .Es ist. unwahr, daß der Talmud da» Gesetzbuch der Juden ist. Es ist unwahr, daß d« Wucher von d« jüdischen Moral «- laubt wird. Der Wuchet gilt genau so als moralisch verwerflich, wie nach dem christlichen Sittrngesetz. Als Offenbaruug des Judenthums gilt allein da» alte Testament.' Wenn wir auch Herrn Rickert dankbar dafür sei» mögen, wenn « — und die» «schab schon zu wiederholte» Malen — als humaner Anwalt unser» geschmähte« Judenthums austritt, so bedarf doch feine jüngst gehaltene Ver« theidignngSrede vom Standpunkte objektiv« Wahrheit wohl ebensosehr der Richtigstellung, wie die Worte de» antisonitische» ,Volksvertreters׳ eine Klärung «heischen. — 9» ist eine nicht wegzuleugnende Erscheinung iu d« Anschauung»- und Gefühlswelt der deutschen Bolkä, daß es einen anfangs vielleicht nur geschürten, nunmehr ab« bereits instinktiven Haß, ein uabegrnsliches Bornrthell dem Rechtssmn ihr« jütüsche» Mitbürg« entgegen bringt, unb mit diesem Umstande rechnend, hat man es amh bisher aus NützlichkritSmotive» selbst in der freisinnigen Partei vermieden, die Ausstellung jüdischer Reichstagskandidaten, wo es irgend angiug, zu permeide». Uns Juden dürfte es, so mochte Manch« meine», wohl gleichgültig, ja vielleicht nützlich« sein, wenn wir dnrch echt Menschliche Lhristeu vertrete» sind; ab« es könnte doch einmal auch im deutschen Reichstage ein« ähnliche UMstmctendebatte herausbeschworen werden, wie sie i« vooge» Jahre d« öst«reichische Reichsrach erlebte, und z» deren . gründlich« Abwehr vielleicht Mäim« nöthig wären von ein« Schlagferttgkeit und Sachkenntniß, «ye sie s. Z. emige österr. judtsche Abgeordnete auszuweiseu Gelegeichnt hatten. Auch iu unser« jüngsten Reichstagsverhandlung wäre e« sachkundig« Anwalt «wünscht gewesen. Was zunächst den Ausspruch des Herr» v. Sonnrnberg anlaugt: ,Das höchste Moralgesetz d« Jude« ist heute bet Talmm»,' so möchte ich densoden durch einen jüngst »ou autoritativ« Seite gebrauchten, in d« öfleatlichat Wat ad«; - wie mir scheint, mißdeutete« Gedcuckoy schönb« glttlh-