Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 48 (26.11.1891)
- Date
- 1891-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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eine genaue und gründliche Prüfung de- Talmud und der darin enthalte«» Bestimmungen vornehmen zu lassen, natürlich nicht durch Juden, welche darin ja Partei sind, sondern durch uubetheiligte, objektiv urtheilende Personen. Sollte eine derartige Prüfung anirgend einem Gruude nicht möglich sein, so hat der Staat unbedingt da- Recht und den übrigen Staatsbürgern gegenüber auch die Pflicht, die. Juden von der staatlichen Gleichberechtigung au-znschließen, ähnlich wie dieseinerzeit mit den Jesuiten geschehen ist, da es unkontrollirbar (?) ist, ob dir Ausübung der staatsbürgerlichen Pflichten nicht durch die Befolgung talmudi» scher Satzungen beeinträchtigt wird." Man weiß hier wirklich nicht, ob die Böswilligkeit oder die Unwissenheit der Antisemiten größer ist. ,Der Talmud «ine verderblich« Geheiinlehre". da« ist die Weisheit d r Antisemiten. Schade nur,, daß der Talmud keine Geheimlehre ist, di« einer staatlichen Zensur bedarf, sondern sowohl in seinen einzelnen Theilen, als auch in seiner Gesammtheit in verschiedene Sprachen übertragen und von Juden und Twisten längst kritisch bearbeitet ist. Wenn die chrisüichsociale« und sonstige« Antisemiten von diesen Arbeite» der Wissenschaft keine Roth, nehmen, so läßt sich gegen diese geistige Bescheidenheit und diesen Mang l an Forschung»- drang nach Wahrheit schwerlich etwa» machen, man kann aber verlangen, daß sie ihre Forderungen begründen und nicht wie die ״StaatSbürgerzeitung" halbbarbarische Russen und di« Pariser de- Jahres 1212 als Gewährsmänner für die Verderblichkeit de« Talmud ansührten. Gewiß, der Talmud enthält manche Jrrthümer und falsche Vorstellungen, mir eS bei einer sich über Jahrhunderte erstreckenden Sammürng von Religionr- und Gesetzesvorschriften nur -u natürlich ist. Sogut wir die christliche Religion nicht nach ihren Jrrthümer» und falschen Vorschriften beurtheilt wissen wollen, — e» ist ja bekannt, daß auch daS ne« Testament deren «ehr als «i« bietet, die einen Strenggläubigen in argen Konflikt mit seinen staatsbürgerliche« Pflichten bringen können, — so darf auch der Talmud nicht noch seine« menschlichen Irren beurtheilt werden, sondern nach den religiösen und siiclichen Wahrheiten, die er enthält. Denn durch alle Wortklaubereien und Spitzfindigkeiten bricht doch mit machtvoller Lichtfülle der tief rrligöje Glauben an den Einen Gott. Lrr gut ist und da« Gute liebt, darin hervor. ״Der Juden Sittengesetz", sagte 1833 der Erzbischof von Eanterbury im Englischen Oberhause, .ist auder reinsten Quelle, au« dem l^issetze MosiS und der Propheten geschöpft, au« der Quelle d-r Heiligkeit selber! Ungeachtet menschlicher Einwirkungen bat e« semen unsprünglichen Glanz nicht eingebüßt. und «:2 ruht bi« auf einen gewissen Grad auf derselbe» Grundtag« mit den Borschriften des Evangeliums. WaS'also die Sittlichkeit betrifft, so fleht eS gut mit den Juden!" von alledem sieht und hört der Aatisemiiismu«, den ein Düllinger ein« »Hybris, gemischt au» religiös«« Fanatismu», gemeiner Habgier und insttuktartiger Rafsenabneiaung"?nannt hat, nichts. (Magdeburger ,Frei« Press«".) 4|:־; Ksrichle mt* Gsrrefps»tzr»se». Wie Herr Dr. Jellinrk, dernährre Beziehun- Sn «ft Baron Hirsch unterhält, mittheilt, sollen nunmehr t Emigration» - TomiteeS mft Genehmigung der russische» Regierung binnen Knrzem begründet werden. In der Residvu soll eine Oberverwaltung und in den größte« Eentven Rußlands und Polensolle« Filialen errichtet «erden. Die Entstehusg dieser Institutionen ist zweifillo'. «in «pochemachende» Ereigniß i« Lebe« der russisch, polnische« Juden, da» di« besondere Aufmerksamkeit aller derjenigen, de«n die Zache unserer Glaubensgenossen am Herzen liegt, auf sich lenken muß. Jodeffen hängt da» Gelingen dieses Unter- TfCpntn# von מ «am ott (ptWKnflOtit <cyf1nn*inpt|tt *b^ beptf $ cf Pflicht afler, Üe sich befähigt fühlen, in *יל .»«fr: Fürsten in Israel" anzubietrn. — Diese Eoneession der rnssischeä Regierung ist von hoher Wichtigkeft für die russischen Juden und wird dir hochherzigen Intentionen de» Herrn Baron Hrsch wesentlich fördern. ES ist gar kein Zweifel, daß sie dem Eiuflnffr, dem klugen Borgehen und der unermüdlichen Ausdauer de» unvergleichlichen Philantropen zu danken ist. Derselbe benützt alle seine Verbindungen mft den höchsten Personen t» Europa zum Besten seiner Glaubensgenoffen. ״Alle« für die Juden und nichts für mich" daS ist seine Devise. Magtzeüarg. Unter der Ueberschrift ״Die Juden nnd der Antisemitismus״ bringt der .American Israelit«" folgenden Artikel eine« christlichen BerfafferS: .Der jüdische Stamm ist der älteste sowohl an Geistesbildung als an Jahren. DaS Alter und die ununterbrochene Fortdauer der geistigen Entwickelung der Inden erklären dnen Stellung u, der bürgerlichen Gesellschaft. Obschon harten und grausamen Verfolgungen aoSgesetzt, behalten die Juden dennoch ihre große regenerative Kraft. .Am Tag«, als di« Gitter ihrer Kerker nwdergerissen wurden, retteten sie sich zu un».' Diese regenerative Kraft verdanken sie hauptsächlich ihrer geistigen Entwicklung. Ihr Intellekt überragt ihre Arsönlichkeit Daher kommt es. daß sie sich so rasch jeder Umgebung anpassen können. Außer dieser Adaptabtlität zeichnet sich ihr Jntrllect durch hell« Klarheft,. Bestimmtheit und Eorrectheit auS. Der jüdische Jntellect ist eia PräeisionSinstrumeut und hat die GenauHkeit einer Scala. Diesebemerken-- und in mancher Hinsicht beneiden«- werthe Lharacteristicum rrsultirc direct au« den verganaenea Jahrhunderten. Die Vorfahr.» der Juden waren Mand- Verleiher, Geldwechsler, Handelsleute au« der zweiten Hand, Factore« u. s. w. Beim Betreiben dieser Erwerb-porige lernten sie die Menschen und die Dinge kennen. Es ist jedoch hierbei zu bemerk« vaß die Handelsleute nicht ihre ursprünglichen Vorfahren waren. Die Jude» waren Gelehrte lange bevor sie Geschäftsleute wurden. Der Gelehrte personificirt die Tradition Juda'», de« eigentlichen JSraelSgeisteS, währrno der Handelsmann nur die Beschäftigung reprästntirt, welche wir Thristen den Juden aufaedrnnge» haben. So haben die Juden allezeft gestrebt, ihr Wissen z« vermehren und wenn sie gezwungen wurden, ihre zeitweilige Heimach zu verlassen, haben sie nie vergrfleu, ihre Bücher mitzunehmen. , Das Kapitel bei Leroy-Beaulieu über die GeisteSeat- Wicklung der Juden sollte aufmerksam gelesen und beherzigt werden. ES enthält sehr wichtige Lehren für die bentigo» '־£ Jude«. Mögen sie bedenken, daß Israel seine« heutige»^׳ Standponft der iatelleeten 5kaft seiner Vorfahren verdankt .י* und daß eS nur durch Erhaltung seiner geistige,-.L Ueberlegeaheit hoffen darf, seine großen Vorzüge zu be-1<׳ baupten. Jeder jüdsiche Vater ist «S seine« Kindern und seiner Religion schuldig, seine» Sprüßlinge« die deftmüg-.. lichen Bortheile zu verschaffen. welche Unterricht und Er-_ ziehuug ihnen gewähren können " Mrsötn«, 22. Rov. (Or^Lor.) Am Mittwoch, den 18. c wurde dem Herrn Dr. David Rost«, Dozenten jüd.-the»loa' * - Seminar zu BreSlau, anläßlich feiner zurückaelegteu 2V jäh« 3 rigen Lehrtätigkeft ack^nannter Anstalt von seinen Schülern ein Fest veranstaltet. Di« Betheiligung war, de» Verdiensten^ de« Jubilar« entsprechen^ eine sehr große. Außer de« gegen-" wärtigen Hörer« nahmen auch di« ehemalig« Schüler a»^ - der Feier regen Aatheil. Eröffnet wurde diese Feier, welche für den Jubilar eine Ueberraschang war, am frühe» Mi durch ein Ständchen, welche» der Gesangverein jüdi Theologe«, unter Leitung seine» Dirigenten, Herr« K «tafte Pulvermacher, in der Wohnung de» Jubilar» führt«. Der genannte Gesangverein hätte gerne Bermstaffi gsnomnte«^ seinem Protektor. eine Ovanon ‘־“'־־ 74