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Israelitische Wochenschrift · 1891-11-26 · 48 (26.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
48 (26.11.1891)
Date
1891-11-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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I Whs» Jorgen mit aermüdlich praktischem Wirte», - ffray WahrhintSuebe mit einem versöhniichcn mildm «Lharattrr, uubmgsame» Berbarreu bei dem als wahr Erkannten mit nvWhuender Freunolichkft und gewinne»«» höflichen Formen vereinigt. De» «»druck einer harmonischen Persönlichkit empfing jeder, der i» persönliche Berührung mit chm kdm, besonder» aber seine Schüler, mit denen er wie j mit gleichstrebenden Genossen verkichrtc. Bermüge seine» 1 arnßen sittlichen Eharakter», seiner hohen geistigen Begabung, j sinne» umfangreichen tiefen Wissen» und seiner praktischen Klugheit gelang e» ihm, alle Hindernifle, die sich ihm bei seiner Berufung auf den schwierigen Rabbinerposten in Bres-! lau entgegenstMe», glücklich zn überwinden. Eö war der Nachfolger de» Dr. Abraham Geiger und wollte doch nicht — alle er sich au-driickte — dessen Nachtreter sei». Mit rücksichtsloser Energie hatte dieser hochbedeutcud« Mann, dem auch feine Widerfacher die SeifteShoheit und Geistesgröße nicht absprechen konnten, einschneidende Reformen im Cultu» emgtführt. Jo»t lenkte ein und verstand e», die einander schroff gegenüberstrhenden Parteien, die Anhänger de» Altherawrachten mit den Freunden neuer gefälliger Formen versöhnen, und wie e» von Abraham heißt, .daß er den Rrß. der durch die damalige Welt ging, auSbefserte", so hat Joöl die Klnftüber brückt, welche die Parteien von einander trennte. Er zog sich dadurch freilich die Gegnerschaft Geiger» zu, der ihm mir icharftn spitzen Waffen zu Leibe ging. Aber in der ebenso höflichen wie entschiedenen Abwehr zeigte Joöl seine Grüße, und es gelang ihn» durch überzeugende Beweisführung und durch fernen weltmännischen Ton seinen großen Gegner zu entwaffnen. Er hat auch im Kampfe gegen die dem Judenthum feindliche Bewegung die Waffen der Wisse«, kchaft krästiggeschwungen, und wen» die von Borurtheilen oefautzenrn Massen durch wissenschaftliche Beweise widerlegt werden könnten, so hätten sie angesichts der glänzenden Abwehr JdölS längst vom Schauplatz de» Kampfe» sich zurückziehe« müffen. Denn Joöl war einer der hervorragendsten Brrtreter der Wissenschaft im allgemeinen und der jüdischen Wrffenschaft im Besonder«. Es ist hier nicht der Ort,!ein« in gdentte» Kreisen hochgeschätzten Schriften aufzuzühlen. Es gmngebie Bemerkung, daß alle Schriften dieses hervorr»grnden Mannes den Stempel der Vollendung an sich tragen und ihrem Berfaffer den Ruhm verschafft haben, daß er einer der bedeutendsten Männer der Gegenwart war, herrlich und hervorragend unter den Menschenbildern. ^Liebreiz war auSgeooffen über seine Lippen.- Mit bkfen Worten kaan sein Wirken als Kanzelrrdnrr gelenn- -wfthnet werden. Au» der Tieft feine» schärft», klaren leben- «gen Geiste» ergoß sich die wohldurchdachtr Rede wie ein gewaltiger, befruchtender Strom. Er fesselte die Geister durch sein beredte» Wort, er entwickelte vor seinen Zuhörern die tiefste» Probleme der Religion und Wettweisheit mit ÜauuenSwerther Klarheit, aber indem er die Geister feffelte, hat ׳ er auch : die Gemüther mächtig bewegt und auf den Willen gewirkt. E» ist Keiner uoerbaut an» dem Gotte». Hanse gchanga», well Keiner «nbefthrt die Stätte der Andacht verlassen hat. Seine Redeweise ist äußerst schwer nachznahmen. weil e» nicht leicht ist, sich seinen Geist aazueignen. Liebreiz war ausgegoffen über feixe Lippen auch wo ee ul» weltlicher Redner anftrat und Vorträge au» dem Gebiete der Geschichte und der Weltweishejt hielt. Immer Haler sowohl durch seine PersSxsichkeit, )von der man das »mt nicht trenne« kaute, als durch /xn Inhalt seiner Nrde, die auf die Wissenschaft de» Jckdeuchum» sich bezog, Volke Ehre gemacht und den Rkmen Gotte» geheüigt. es von Abraham heißt, daß er d« Name« Satte» s» hat Joöl durch seine Reden den Ramen verherrlicht.- Wft tief ist r» z» beklage,, daß »ieft über Welche Liebreiz autatgnffe* war, für immer lte», daß dieser beredt, Sachwalter unsere» volle«' i> füb immer eutnffem wurde. Nicht seine Angehörigen " da» gauze Judenthum klagt, daß dieser Herrluhe sich und Man» im Staube modern muß. Jndeß ist e» ein reicher Trost, daß der Verewigte sich de» göttlichen Segens zu erfreue» hatte, nicht blo» de» Segens in seinem Häuft, des Glücke», da» ihm die Gattin bereitet« und da« er in seiae« Kimbern fand, sondern auch de» Segens, den eine erfolgreiche Thätigkit gewährt, in der man dft höchste Vefriedigaug erblickt, de» Segens, de» er gestiftet hat durchsein anmuthiges Wort und sein heilsames Wirken. Uad dieser Segen erftreckt sich nicht blos auf die Zeitwelt und" die Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft: denn ,der Herr hat ihn gesegnet für immer." — Jahre werden vergehen. Jahrzehnte werden dahiaschwinden, ein neues G-ichlecht wird an die Stelle des gegenwärtigen treten, und noch immer wird man sich an de« Geiüesftüchten Joöl« erquick» und laben und ans seinen Schriften reich« Belehrung schöpft». Und wenn die Geschichte Israel» die Namen der Männer aufzählen wird denen es reiche Förderung verdankt, die zur Ehr« der Menschheit und de» Judenthum« gelebt und gewirkt haben, so wird sie auch Dr. Manuel Joöl al» einen der hervorragendsten Sühne Jsraeft in ihre Blätter etnzeichnen. Sein Name wird unsterblich sein, denn wer dem Besten seiner Zeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zetten, sein Andenken rst gesegnet immerdar. Amen. 9t< AtttiseMiter» ml »te jLVische flKelifittt• Die Antisemiten lieben e» immer zu behaupten, daß sie tu der .Judenfragevon religiösen Erwägunaen und Vedeukeu nicht beeinflusftu lafleu. Daß man sich aber in diesen Kreisen nicht scheut, auch dft Moralität der jüdische« Religion auzugrriftu, verräth dft echt asti' svnitische Berliner ,Staatsbürger-Zeitungin einem Artikel: .Der Staat und dft Religion-. Wie das Blatt offen zugftbt, wäre ihr ein Bersoffungsbrnch am lftbsftn drüch Beseittguna des LersaffungSgesetzeS vom 3. Juli 1869, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen w bürg«, sicher und staatsbürgerlicher Beziehung. Allein da sie sich doch sagen muß. daß sich für eine derartige moskowitische Berfaffunasrevision eine Majorität nicht finden wird, so verlangt sie auf Grand des Allgem. LaudrechtS H Tit. 11 tz 13, .daß die jüdische -Religion und Sitftnlehre von Staatswegen geprüft «erde, ob dieselbe Bestimmungen eathält, welche mit den für all« zulässigen ReligionSgesellschasten geltenden und durch Artikel 12 der preußrschen Verfassung zur Bedinguug grmachftn, vom Staate zu fordernden sittsichen Grundsätzen, »ach denen sich dft staatsbürgerlichen Pflichten zu richte» haben, nicht in Emklana zu bringen sind.- Der Artikl 12 der preußischen Verfassung sagt uämsich: .den bürgerlichen und staatsbürgerlichen Pflichten darf durch dft Ausübung der Religionssreihnten kein Abbruch geschehen.- voShafter ist wohl selten eine Religion»-' gemeinschast verdächtigt worden, al» «s hier von Kreise« geschieht, die sich leider — von unserem Standpunkt al» Ehristeu müffen wir .leidersagen — Ehristen nennen. Wahrlich, e» würde schlimm um da» Ehristeathum bestellt sein, wollte «au den Spieß umdrehen uad dft angeführten Gesetzesstücke aus das Ehristeathum auwenden und dieses nach de» .christlichen- Antisemiten bemeffeu! Irgend eine thatsächliche Unterlage für ihre Anschuldiaunge» und Verdächtigungen haben diese aatiftmftischen vertäumoer natürlich nicht, und da da» alte Testament denn doch etwa» za bekannt ist, so ziehen sie sich aus den Talmud zurück, der ihm» uakontralllrbar erscheint. Sft argumentirru au» de« AuSlaffuugeu eine» unbekannten engtischen Antiftmite«, der von dem Antisemitismus halb roher Bewohner de» Kaukasus «ud vo« gelegeutlichen Talmud- Verbrennungen im Mittelalter zu benchsea weiß, daß nach dem, ״wa» über den Talmud in dft OeffrmUchktt gedrungen ist-, dft Ansicht sticht ungerechtftttiat" erfchetnr, daß der Talmud .de vererbliche» Buchft» ״Der Staat,- so führt da» Blatt sott, , könne sich der Pflicht mcht entziehen.

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