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Israelitische Wochenschrift · 1891-11-26 · 48 (26.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
48 (26.11.1891)
Date
1891-11-26
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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bundm. Trotzdem aber die in dieser Gemeinde eiuaeführten Reformen noch gemäßigt waren, wurden die Mitglieder durch die orthodoxe Partei excommuaicirt. Die beiden Rabbiner Hirschel von der deÄfchen und Meldola von der Portugiesinnen Gemeinde veröffentlichten in Gemeinschaft mit ihren geistlichen Lollegen in den Synagogen ein Maniftst, welchcs die Reformer wegen ihrer Geringschätzung des münd lichen Gesetzes als auS der jüdischen Gemeinschaft auSgeschloffen erklärte. Dieft Art ExcommnnicationSbulle führte zu Zerwürfnissen, welche erst nach Verlauf mehrerer Jahre wieder geheilt wurden. In Frankfurt machten die Resormfteunde radicale Neuerungen: sie warfen den Talmud bei Seite, strebten nach Befreiung von der Beobachtung der Speisegesetze, ent« sagten dem Glauben an den Messias, hoben die Beschueiduug auf und alles diese» au» dem Grunde, weil sie in dieftn Gesetzen nicht Fundamentalgesetze des JudenthumS erkannten. Die Reformgemeinde sank jedoch bald nach ihrer Geburt in ihr Nichts zurück, da viele ihrer vorurtheilsfreie» Mitglieder kein Verlangen nach solch tief eingreifenden Neuerungen bekundeten. Biel mehr Erregung rief die Reformbewegung in Ham» bürg hervor. Nach einer fast 20 jährigen Existenz wurde 184°' in dem dortigen Resormtempel rin neue» Gebetbuch eingeführt und unter dem Titel,Gebetbuch für Israeliten" herausgegcben. Dies errate den Unwillen der orthodoxen Juden und der derzeitige Chacham der Hamburger Gemeinde Jsaac Bernays. erneuerte da» alte Juterdict gegen da» besagte Buch. Hiermit war dir Veranlassung zu einer Spaltung in der Gemeiude gegeben. Beide Parteien suchten die Richtigkeit ihrer Principien auf Grund rabbinischer Gutachten darzulmen. Während in allen andern Ländern die Rabbiner noch couservativ waren, begrüßten viele jüngere Rabbiner Deutschlands die Reformbeweguug und gaben den Neuerungen des Hamburger Tempels ihre Zustimmung. Dieft jungen Rabbiner verbanden sich zu dem Zwecke, ihre resormatorischen Ansichten den deutschen Gemeinden als die einzig richtige Auffaffnng des JudenthumS zu unterbreiten (1844—1847). Sir beriefen Rabbinerversammluugeu nach Braunschweig, Frankfurt a. M. und andern Orten. Die Frankfurter Synode zog eine besondere Aufmerksamkeit dadurch auf sich, daß der sel. Zacharias Frankel aus Sachsen, ein Rabbiner der inet« millsu gegen dft von der Synode gezeigte Gleichgültigkeit gegenüber der Beibehaltung der hebräischen Sprache beim Gebete energischen Protest erhob. Frankl's Rücktritt von der Synode wurde daher mft Sympathie und Beifall ausgenommen. Er veraulaßtr dft Wiedervereinigung zu einer Partei, welche dahin strebte, eiue berechtigte Reform mit Beibehaltung^ der Fundamen tat lehren des Judenthums zu Stande zu bringen. Dft ueologe Partei erhiett aber in .demftsben Jahre einen Verbündeftn, welcher nur bis zu einem begrenzten Punkte mit ihr einen Eompromiß emgiua. In Berlin hatte sich «ne Reformpartei gebildet, welche das Hebräische in der Liturgft auf ein Mmimum rrducirtr und dabei jede Erinnerung an dft ruhmvoll« Bergangen heit der Juden aus dem öffentlicheu GotteSdiensft vertilgte, dft Bedeckung des Hauptebei« Gebeft nuftrlftß und so der Synagoge geradezu das Gepräge einer protestantischen Kirche aufdrückte. Dft Neuerungen gingen so weit, daß man aus Mangel au' TheilneAern einen Sonntags-Gottesdienst eiuführft, welcher äußerfft Schritt jedoch uur in einigen Gemeinden Amerika'» Nachahmung fand. — In demselben Jahre wurde der ftl. Dr. Nathan Marcus Adler סג־׳ל mit grotzem Pomp in London als Lhief-Rabbi installirt, dem» er war ein Mann nach dem Herzeu der Majorität der englischen Juden, ein Rabbiner vom älteren Schlage, welcher at>er den Zeitvexhältuiffen Rechnung trug und durch seinen Takt und seine LftbeuSwüttngkea sich geschickt genug zeigte, eine »och tiefer gehende Spaltung zu veryüftn. .; ' (Forts, sägt.) In n«nuia ch-HLcht»ißrede <ntf Dr. Mm»et Äset. Gesprsiche» um 25. Marchefchwa» tu »er «Wagegr zu «uftt. Bo« Rabbiner Dr. w. Perlitz. ״Abraham war alt, in dft Tage gekommen und der Ewige segnete Abraham in Allem" Mit diese« Worte, beginnt dft Erzählung, dft uns den fttzftn Theil aus der Lebensgeschichft o«S Pattiarchen vorfühtt. Begonnen hatte sft mit dem an Abraham ergangenen göttlichen Ruft, das Heimatland zu verlassen mrd in fernen fremden Ländern den Namen Gottes zu verkünden; fortgesetzt ist sft worden mit der Erzählung von den Tugenden, die sich im Abv»v hamszelft entfalteten, wo sich Gott ihm offeabarft und die Engel Gottes aus- und eingingen; zum Abschluß gelaugt sie in der heutigen Sidra, dft nns den Pattiarchen migt, an einem Grabe weinend, sein HauS besftlleud und hoch» - betagt aus dem Leben scheidend. Der reiche Inhalt d«fts Lebens wftd in dem kurzen Satze zusammengefaßt: ״Abra- Ham war alt und hochbetagt und Gott hat cha gesegnet. in Allem". Dieft Worft, dft einen thatsächlicheu Bericht euthalftn, können rbeusognt für einen dein Patriarchen ge», widmeten Nachruf gelftn. Als Nachruf sind sft wenigstens von einem alftn Lehrer aufgefaßt worden, der sie seAänrt und erläutert durch de» Bers aus den Psalmen: 2״>u warst . herrlich, hervorragend uuter den Menschenkindern, Lftbreiz war auSgegofftn über deiue Lippen, darum hatdich Gott gesegnet für immer". Wer dft Tugenden Abrahamkennt,׳., wer sich vergegenwärtigt, wft er allenthalben dft reine.׳ Gotteserkrnntniß predigte uud durch die üoerzeugende. Kraft, seiner Rede dft götzendieaerischen Böller für den Stunde« an einen unsichtburrn, allmächttgen Schöpft! und Erhalt»- der Welt gewann, und wft an ihm dft Verheißung sich «--< füllte: ״Du sollst eiu Segen feint", dem braucht nicht «rstL weitläufig auSrmandergefttzt zu werden, wie dftse von einen»L gottbegnadeftn Sänger einem Königssohne gewidmeft Huldigung auf den tugeudrrichen, verdienstvollen, unsterblichen Patriarchen Anwendung findet. Man kann indes dieft Worte auch aus; jeden andern anwenden, der tagendrrich lebt, segensreich wirkt und eine hervorragende Bedeutung unter seine» Zeit-. ««offen erlangt. Von einem solchen Manne gedenke ich ׳ heute zu reden. Unter dem schmerzlfth« Eindrücke eurer erschütternden Trauerbotschaft habe ich heute die Kanzel betreten. Das Judeuchum hat einen seiner bedeutendst« Männer verloren. Dr. Manuel Joel, Rabbiner d« Sy-> nagogm-Gemeinde Breslau, ist vorgesftrn io dft Gruft ge-;, senkt worden. DaS ganze Israel, uud namentlich das deutsche- Judenthum beklagt den herben Verlust, den es durch oe»F Hintritt des groß« Mannes erlitten hat. Rächst der Gemeinde, der ftur unmittelbares Wirk« galt, muß uns dieser F, Verlust besonder» nahe geh«. Denn m unserer Stadt hat'-' er vor Antritt seine» Lehramtes an der Rabbinerschoft zu ' Breslau längere Zeit gelebt, hier hat er dft Satt« bei«» geführt, dft ihm durch dft Mtlichfft Fürsorge und durch /, reich« häusliche Tugend« das Leben verschönte und feine■*' volle Hingabe an dft Wissenschaft und dft Pflicht« seines Berus« ermöglichte; ihm fti darum der Nachruf gewidmet r ״Du warst herrlich, hervorragend unter den Menscheakin! Lftbreiz war ausgegofftu über Dem« Lipp«, darum Dich Gott gesegnet für immer". Wft begründet dieft digung ist, will ich iu großen Zügen in Rede Nachweisen. יסיסית מכד אדם ,Du warst herrlich, hervorragend den Menschenkiaderu". In de« Worte JTCX' ist das ,ד£'— schön" wiederholt. Es bezeichnet dm höchst« des Schönen, dft Borttefflichkeft nach all« Seit« hm, vollkommene Harmonft, dft sich in einer Persöulichkeft aus» prägt. Ja J0S1 war sittliche Grüße «ft geistig« Del des Herzens mft Schärft des Grifft», »! >.1 ft. 4

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