Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 45 (5.11.1891)
- Date
- 1891-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Arsenale der eigenen Geschichte darzureiche«. Und diese Angriffe sind geradezu eine Förderung de» jüdischen Volk»- bewußtseins, denn sie zwingen dazu, behufs Bertheidigung überall nach Waffen sich umznsehea Gefühle und Empfindungen werden gleich dem Tone de» zartbesaiteten Instrumente» durch äußere Einwirkung erst hervorgebracht und nach außen hin wirksam. Je brutaler die Angriffe auf Volk und Glauben in di« Erscheinung treten, desto mächtiger wird das jüd Bewußtsein emporlodern. Gerade diese Anseindungen sind es, das dürsen wir hier aussprechen, die fördernd wirken, so paradox dies klingen mag. Lehrt uns doch ein Blick in unsere Volksgeschichte, daß ein ruhiges, vor Anfeindungen bewahrtes Volksleben in den meisten Fällen eine Verflachung des religiösen Sinnes, und somit de» jüdischen Bewußtseins im Gefolge mit sich geführt hat. Suchen wir daher durch Anwendung dieses einzigen uns noch übrig bleibenden, wirksamen Mittels, wie wir es hier in Vorschlag bringen, das noch zu retten, wa» zu retten ist. Möchten von berufener Seite die Wege zur Verwirklichung jener Idee gebahnt werden unv möchten obige Worte Zustimmung finden und eine Anregung zu weiteren Darlegungen geben, dann ist der Zweck dieser Erörterungen erreicht. lhiesw Berichte and GserelPandenxe«. Demrscdtmmd. Uckgdeünrß. Die Versendung der Fragebogen an die Vorstände der jüdischen Gemeinden in Deutschland zur Herstellung des ,Statistischen Jahrbuchs des deutsch-israelitischen Semeindedundes" für das Jahr 18-12 ist in den jüngsten Wochen erfolgt. Leider sind die Gemeindevorstände noch nicht ^igcnd von der Wichtigkeit dieses Buches durchdrungen, t hätte es kaum Vorkommen können, daß in manchen Jahren etwa vier Fünftel aller angefragtcn lyemeinden mit ihrer Antwort im Ausstande blieben. Daß unter solchen Umständen Unrichtigkeiten in ziemlicher Anzahl im ,Jahrbuche" vorhanden waren, ist erklärlich. Da aber weite Kreise an möglichster Correktheit der statistischen Angaben ein großes Interesse haben, so empfiehlt es sich, daß sowohl die Gemeindebeamten, als auch die Leiter der verschiedenen Institute und Vereine ihr Augenmerk auf die baldige und ausführliche Antwort seitens des betreffenden Vorstandes richten. Im Zweijelsfalle dürste es gerathen sein, direkte Angaben an da» Bureau de» deutsch»israelitischen Gemeiudcbundes (Berlin W., Sigismundstr. 5) zn senden Atetti», 20. Oktober. (Or.-Corr.) Die lieben Festtage mit ihren vielseitigen Anregungen und Eindiücken sind vorüber und aufrichtig wünschen wir, daß sich alle Gebete erfüllen mögen. Am Rosch haschanoh und Jomkippur war der Tempel so stark besucht, wie seit vielen Jahren nicht und nur Wenige sind es, die sich ausschließen. Dazu gehört leider ein großer Theil der ,Akademiker"; wir vermißten aber auch noch solche Gemeindemitglieder, die ihre Angehöriglest zum Judenthum nur dadurch noch bekunden, daß sie :c Beitrag zur Gemeinde zahleq und vielleicht sonst noch em jüdisch«! WohlthätigkeitSverein angehüren. Das Gotte»- kennen sie nicht mehr, das ist nicht mehr,Mode", wie 1 unser Herr Rabbiner in seiner Schlußpredigt am Jomkippur treffend ausführte. Nun tritt das alltägliche Leben mit seinen verschiedenen Anforderungen wieder in stine Rechte an. Dazu rechnen wir auch das Bereinslebeu mit stinen Zusammenkünften. Borträgen und Vergnügungen. Als erster erscheint der ,Brüder-Berein", der schon für heute den ersten Vortrag (von Herrn Dr. Paul Schlenther über »Björns«! und Ibsen") aukündigt. Diesem Redner werden im Lause de» Winters folgen: Fräulein Olga Morgenstern und die Herren Dr. Adolf Kohut, Stadtrach L. Lberch und Sanltätsrath Dr. Schulze und da lauter interessante Themata vorgesehen sind, so stehen den Mitgliedern anregende Abende in -AÜWcht. — Morgen Abend ist eine Versammlung behufs Errichtung einer Alstrsversorgungsanstalt in > au der es bisher noch immer fehlt. Schön ist ein Tapital dazu gesammest, auch ein größere» eine» vor einiger Zeit verstorbenen Glaubensbruders dem Comitee dazu zur Verfügung; nun heißt e», weiter« : Schritte chun, um da» Interest« großer Kreist dafür zu etrv: wärmen und die Sache in dst richtigen Bahnen zu staken^ Der Etat unserer Gemeinde schließt in Einnahme und Ansgäbe mit 48 232 Mt. ab, davon sind durch Beiträge 34 272 M. aufzubringen. Aik». (Or.-Cor.) Dst hier erscheinende echt katholische olk - Jf. ,Kölnische BoikSzeitung" knüpft an den von der .Krerm» zeitung" veröffentlichten Bericht über die sogenannte ,Protest» Versammlung", worin der Redakteur der SiaatSbürger-Ztg. Dr. Bachler die bekannten Angriffe gegen Juden und Judenthum wiederholt, folgende beherzigenswerthe Bemerkung: ,Unverkennbar tritt die antisemitische Agitation gegenwärtrg in Berlin und auch ,in der Provinz" mit erneuter Lev- Hastigkeit auf. Man wird dieses Symptom nicht unbeachtet lassen können. Hoffentlich bleiben die katholischen Lande»- theile, wie bisher, von dieser Bewegung verschont, welche wst, von allen anderen Bedenken abgesehen, nur dahin charakterisireN können: ,Biel Geschrei und wenig Wolle!" d. h. viel Er" regung von Leidenschaft bei der Volksmasse, wenig positive Arbeit zur Beseitigung der thatsächlich vorhandenen Mißstände." (Sollte das. was der katholischen Bevölkerung zugerufen wird, nicht auch von den einsichtigen Protestanten zu beherzigen sein?) Krler, 29. October. In der Stadtverordnestnversamm- H. lung vom 16. September wurden zwei Armenärzte angesstll( deren einer, Herr Löwenstein. ein Jude i». Seine Wahl 3g hatte schon damals unter den klerikalen Stadtverordnetvi « Unwillen erregt. Der gestrigen Stadtverordnetenversammlung j wurde nun ein Schreiben mitgctheilt, in welchem sämmtlich« -A Pfarrer Triers gegen die Wahl des Dr. Löwenstestr 3 Protest erheben. Das Schreiben lautet: ,Die unterzeichnet«» 1 Pfarrer der Stadt Trier drücken ihr schmerzliches Bedauern J darüber aus und wissen sich dabei in Uebereinstimmung mst 51 dem bei Weitem größten Theil ihrer Mitbürger, daß dst rZ Mehrheit der Herren Stadtverordneten in dem Be)chlusse vom Jj 16. September, die Anstellung eine» Armenarztes betreffend^ weder den wohl begründeten Wünschen der Armen, noch de» /״> religiösen Gefühlen der katholischen Bevölkerung Rechnung V getragen hat. Es berührt uns dies um so peinlicher, al»^ auch dst nicht-kacholische» Kranken bei ihrem Bedürfnis sich als Christen auf den Tod vorzubereiten, wesentlich auf de« Arzt angewiesen sind. Da sich drei katholische Aerzst beworben; hatten, lag stine Veranlassung zu dem Beschlüsse vor, der f einen Vorgänger nicht aufzuweisen hat. Da wir leider nicht j erwarten können, daß gegenwärtig der Beschluß rückgängig^ gemacht werde, so möchten wst dst Bitte aussprechen, da» verehlte Collegium möge sobald als möglich dst gewünschte Aenderung eintrestn lasten." (Siehe unter .Köln.") Amte», 27. October. Heust hat da» Untersuchung»- geeicht von Cleve in Sachen de» Knabenmorde» mit dem: eidlichen Zeugenverhör gegen dst inhastirte Familie Buschhoff 1 begonnen. > M»pe«, 29. October. Bor einigen Tagen wnrd« der^ wegen de» Anabenmorde» in Tanten verfolgst Mathias' Degen hier verhaftet. Auf Ersuchen der StatSanwaltschast!י in Cleve hat dst Vernehmung hier stattgefunden. Sir soll l derart verlaufen sein, daß dst Ueberführung de» Degen muh' Eleve beschlossen wurde. Gietefekd, 3. November. Dst heutige Nr. der hiesigen Tageszeitung bringt folgenden dst Unstrzeichner ehrenden Aufruf: »Mitbürger! ״ ״ Auch in unsere Stadt, iu welcher dst Bekenner 'der verschiedenen Confesstonen bi» heust im besst« Einveruehm lebten, ist dst arttÄuitiscbe Agitation H^jnqAxr Z^t getragen ״