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Israelitische Wochenschrift · 1891-11-05 · 45 (5.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
45 (5.11.1891)
Date
1891-11-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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zwischen Liderali»««» und Orthodoxie hineinist. Ich rede nicht davon, daß «an auf di« Be- 1g der eprifotfttc da» größie Gewicht gelegt habe, r haben «ir Wb Wort verloren; es ist eine Sache, die begreiflich ist. Nach dieser Richtung hin ist von Homburg W* da» Menschenmöglichste geschehen, n« jede« Gewistcn«- fernpel der A«»wanderr7 »orznbengen. Aber wichtiger ist > •fa* +ri»cqH<ac Frag,.- fBa» iü die Agitation fittt PaiLstlna andere», als ei« Einfluß der Orthodoxie? Ist denn dir Agilafton enva der Annahm« entsprungen, Palästina W da» geeignetste Land ftir die Auswanderer? Keinesweg», "wudern leinglich der durch all« Gebete fich hinziehenden Sehnsucht nach dem gelobten Lande. Alle Erfahrungen, dir dort gemacht worden, sind so schlimm al« «»glich. Am letzten Jomkippur ist an den Gemeindevorstand von maßaevenden Persönlichkeiten die Aufforderung herangctreten, ftr die dott angesiedelten Juden, die sich m der bittersten Roth befinden, von der Kanzel herab Velo zu sammeln. — Und dem gegenüber: Nur Zion und Palästina ist da« Heil! Wir haben allen Grund, gewissenhaft zu präftn, wohin wir die Auswanderung zu leiten haben, unbeirrt von irgend welchen Träumereien oder Zukunftsphantasien. Mein« Herren! Ich kann zu meiner großen Freude conitatirrn, daß da» Berhältniß zu den verschiedenen Lomitee« in der letzten Zeit ein viel freundlichere» geworden ist; nicht daß die principiellrn Standpunkte sich geändert haben; aber .in der praktiichen Handhabung ist da» Berhältniß milder »orden, vor allen Dingen durch persönliche Rücksprache. Herr Baron von Hirsch hat gefragt, wozu »vir diese > Versammlung einberufen haben. Dieft Versammlung soll; Wne Form fein, wir wollen auch kein Schauspiel mit ver- ^Heilten Rollen geben, sondern wir haben e» al» unsere Pflicht י, betrachtet, nachdem wir jetzt mehrere Monate gearbeitet haben, ^eiu klare» Bild von unserer Thätigkeit zu geben, und nicht ibloß von unserer Thätiakeit, sondern ein Gesammtbild wa» » in der Welt geschehen ist, um diese» LicbcSwerk zu fördern. ' Meine Herren! Wir hoff,« aber auch von dieser Ber- ^sammlung, daß die Meinungsverschiedenheiten sich klären Gerden, daß, da wir alle von demselben Geist durchdeungen sind, die Mittel sich finden werden, mit denen wir da» Werk zur Durchführung bringen. Wir haben Sie berufen, um für un» Direktiven zu haben, wa» wir chun sollen. Ich sagte, «» soll keine Schein«! sammlung sein. Wir nehmen es außerordentlich ernst mit der Sache und würden un» freuen, wenn wir von Ihnen, wie wir gar nicht ander» erwarten könne«, freundliche» Entgegenkommen finden. Ich hoffe, Keinen verletzt zu haben. Aber ein bloße» Verkleben und Verkleistern der Gegensätze ist nicht angebracht. Es ist bester, daß man offen seine Meinung sagt und den- Hnigen. welche anderer Ansicht sind, Gelegenheit giebt, die ehre zu vertheidigen. Ich hoffe, daß, wenn wir un» morgen Irrunen, Einigkeit und Einmüthigkeit erzielt sind.' (Lebhafter Beifall.) (Fortsetzung folgt.) Die Pflege de» ״jLdische» Ve»«tztfei»A." Bon I Herzberg-Brmnberg. JU. Schul« und Hau» nicht allein, sondern auch Eltern- und Gotte»han» ergänzten sich früher. Auch hierin ist e» ander» geworden. Der erwärmende Geist der Gotte»ver«hrung ist zum größten Theile au« dem Hause geschwunden, die Jugend «npfängt theil» wegen angeblichen Mangel» an Zeit, theil« »egen der Gleichgültigkeit und de» Fehlen» jeder höheren Neaung, in ihrer Umgebung keinerlei Antrieb, im Gebete LU Gott sich zu wenden. Und wa« thut die Schule? Sie führt chie und da die ihr anvertraute Jugend allwöchentlich ftir ige Miauten in» Gotte»hau«, um geradezu gewaltsam ^Stimmung dem Gemüthe «inzuflöhen, di«, da sie nur künsAch sm «cheu hiuefttzrirageu wird. vm nachhaltiger | wohlthnender Sftkuug ui«P kein kann. So »er»«« «ir un» denn eiugestebe« müssen, daß gerade dir Hauptfaftoreu. Elternhaus uav Synagoge, die , sauft den religiöse« Sin» und in dessen Gefolge da« jüdische Bewußtst» zu w«kr, und rege zu erhalten geeignet waren, heute an ihre« Einfluß gar viele» eingebüßt haben. Die Schule allein venaag hier auch nicht Befriedigende« zu leisten, denn dir wenigen Brosamen, dir st« zu bieten i« Stande ist find keinesaeg» geeignet, ein btfTi«feigtnbc» Resnltat zu bieten. E» muß daher heute «in besserer Weg etuaesthlagen werde«. Während sonst da» jüdische Be» wußtsein mehr da» Lrgebniß einer Förderung de» religiösen Sinne» gewesen ist, der au» dem Leben tu Famftie und Gemeinschaft,' in Hau», Schule und Gotteshau« resultiue, kann heute nur von einem umgekehrte« Berhältniß die Rede sein, da all die fördernden Faktoren fehlen. Wir haben in erster Reihe den religiösen Sinn zu pflegen, haben die alte Lieb« und Begeisterung unserer Alwordern wiederum in die Herzen und Gemüther unserer Generation zu pflanzen und die» vermögen wir nur dadurch, daß »ir ein« umfassender« Keuntniß der Geschichte unsere» Volke» anzustreben suchen. Da» Bot!»leben der Vergangenheit können wir nicht mehr bieten, führen wir r» daher in Hellen, getreuen Farben vor da» geistige Auge der Einzelnen. Zeigen wir, wie ehedem gelebt wurde, dermaßen, daß da» Verlangen reg« werde, wirderum so leben zu wollen. Ein« schwere Aufgabe, deren Lösung ober de» Schweiße» de» Edlen woyi werth ist. Aber nicht nur unsere Jugend allein faffrn wir hier in» Auge. Dieser kann nur Geringe» geboten werden. Rein! Ganz besonder» haben wir un» hier an da» herange« wachsen« Geschlecht zu wenden, durch besten Vermittelung wieder aus die Jugend gewiikt werden soll. Schaue« »ir un» einmal um, waalle» zur Belebung und Förderung de» deutsch-natioualeu Sinne« geschieht, 1m< mancherlei Institutioaen zur Weckung de» Interesse» für di« Geschichte de« deulschea Volke», ja eine» jeden einzelnen Stamme« innerhalb desselben in« Leben geruftn worden sind. Fast in allen Gauen unftre» deutschen Vaterlandes haben «ir Bereinigungen zu diese« Zweck erstehen sehen. Sollte un» diese Thatsach« nicht zu gleichem Thun anspornen, um da» Interesse für unsere Bolksgeschichte anzuregen? Wohlan, so lastet un» Verein« bilden zur Erforschung der Geschichte unsere» Volke«. Jede Provinz Hab« ihren Provinzialverein. und jeder Kreis habe seine besondere Bereinigung. All«. Alle suche man herauzuziehen. Hier ist «in Feld geboten, da« noch der Arbeit viel darbietet, dessen Vebauung reiche und herrliche Früchte erwartrn läßt. Di« Geister stner Heroengestalten su» unsere» Volke» Vergangenheit müssen der Gegenwart vor die Seele geführt werden, um unsere Geueration durch sie zu erwärmen; jene Lichtgestalten der Vorzeit müsteu die Lebentpsad« der Jetztzeft erhellen, auf daß jeder Einzelne zum Frommen und zur Verherrlichung der Gemeinschaft den rechten Pfad wandte. Di« Leiden der Vorzeit müsteu Trost bieten für die manniafachen Schmerzen und Unbilden »er Gegenwart Die Fehler »ad Schäden von «Hedem müssen Lehren bietea für heute. Zeigen wir, daß die Bergangenheft un» nicht ein Wald mit abgestorbenen altersschwache» und morschen Bäumen ist, in deren blattlosen Zweigen nur grausige Grabesstille herrscht und die keinen erquickenden Schatten darbieten; «rin, sondern, daß sie sich un» al» ein mächtiger Haiti darstellt mit gigantischen wetterfesten Pflauzenriestn, deren Stamm trotz Aller» voll Lebenssaft und Lebenskraft, deren Zweige vollbelaubt und in deren Wipfeln «» unausgesetzt rauscht, al» ob verborgene Geister uns künden wollten die Botschaft au» alten Tagen. Und die» thut unser« Geschlechke angesichts der gegenwärtig sich Bahn brechenden Zeitströmung besonder» «och. Bei den «naurgesetzteu Angriffen, denen unser Bolkschum «»»gesetzt fft, ist «» erforderlich, den Angegriffenen Waffen au» dem

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