Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 45 (5.11.1891)
- Date
- 1891-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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3! (tdbt wird, sämmtlich« Jade« der Welt znsamwen« arbeite« müssen, »« die russischen Jude« au« eiue« Druck zu beftrftn, der immer von Neuem sich fühlbar mache» würde, auch wenn eine Ruhepause zeitweise eintret«. Dem gegenüber steht di« Ansicht deiseaigen, welche der Meiuung siüd: im Gegentheil, wir hätte« allen Grund, nicht diejenigen, die in Rußland groß geworden sind, ihrem Boden zu ratreißen, sondern die Emancipation müßte von innen ausaugen, t» sei Aufgabe aller Glaubeusgeuossen, die innere Assimilirungmit dem Bolköstamme, nicht die Treunung!roß zu ziehen. Aber nicht blo« die Frag« de« Ludziel« t «ine außerordentlich schwierige, sondern von nicht minderer vedeutuug ist die Frage, ob e« angezeigt erscheint, ob es mit der ganzen weltgeschichtlichen Entwicklung in Einklang zu bringen ist. di« ganz« große Zahl-der russischen Inden auf eine« Ort zu conceutriren and künstlich ein neue« Judenreich zu gründe«. M.H.! Wir sind in der glücklichen Lage gewesen, un« augenblicklich mit diesen Fragen nicht beschäftigen zu brauchen. Denn, wie weit oder wir eng Sie die Ziele auch stecken »bgrn, unter allen Umständen wird e« einer langen Reih« von Jahren emsigster Arbeit bedürfen, damit wir die Roth, die allerdriagendste Roth lindern, damit wir einer. Stamm von Auswanderern schaffen, an die sich nach und nach die anderen anfttzen. M. Ll Wir alle, die wir hier erschienen, sind von der Wichtigkru dieser Aufgabe durchdrungen. Wa« ist aber dazu »öthi^ welch« Schritte haben wir zu thun, um auch nur annähernd da« Ziel, da« wir un« gesteckt haben, zu erreichen? Da« Allcrnothwendigste ist, daß wir wiffen: Wohi«? Wa« kann eS helfen, wenn wir hier hundert, dort tausend befördern und immer wieder der Gefahr auSgeseht sind, daß sie zurückgeschickt werden, nachdem Reise und Merrsabrt gemacht sind? Der grschLftüfübrend« Ausschuß hat e» deshalb als erste Pflicht erachtet, zu prüfen: welches Land eignet sich unter den augenblicklichen Verhältnissen für die Kolonisation am besten, Informationen hierüber einzuziehen, Delegirte dorthin zu schicken, um an Ort und Stelle mit deu Behörden, den Eingeborenen, den jüdischen Eomitee'« zu verhandeln, ob da« Land sich für unfern Zweck eigne. M. H.! Al» wir einem Eomitee diese unsere Absicht kuudaaben, bei der wir uu« übrigen« mit Herrn Baron Hirsch in vollkommenem Einverständnis! befanden, ist un« geantwortet worden: dazu habe» wir kein Geld, es ist gar nicht Sache unsere« Eomitee'«, Kolonisationen zu betreiben, e« ist ja ein deutsche« Eentral-Eomitee, di« Kolonisation mag «au Anöländern überlaffen, vor allem Herrn Baron Hirsch. Vir haben un» dadurch nicht irre machen lasse», sondern sind der Meinung, gewesen, daß die erste Delegirten-Brr» sammlung di« Ansicht gehabt hat, daß da« Eentralcomitee verpflichtet ist, für die Bedürfnisse der russischen Juden «ach Möglichkeit «inzutreten und daß vor allem dazu nüchia ist, daß wir un« nicht mit Argentinien begnügen. Jeder weiß, daß Argeutrnien allein nicht di« Hunderttausend« aus. «ehmeu kann. E« wird nicht ohne Jutereff« sein, auch bei dieser Ge» legeahest unser Berhältniß zu Herrn Baron Hirsch mit «inigeu Worte« darzulegrn. Ich glaub« e« giebt wohl kaum einen Ramen, der »ater den Juden — nicht blo« »utrr diesen — so gefeiert ist, als der de« Baron Hirsch. In allen Welttheile» wird er als Retter gepriesen, und gewiß mit volle« Recht. Nicht die Millionen allein, die er dem Rettungowerk gewidmet hat, sind e«, welch« ihm den Dank der Menschheit sichern. Ich schlage noch viel höher an, daß er seine ganze Existenz für die ante Sache eingesetzt hat, daß seine vcbariaufgabc darin besteht, seinen SlaubenSgrnoffen, die bedrückt sind; zu yelfen, ihnen ei» ueneS Heim, eiue neue Zukunft zu schaff«, und die Livillsatiou zu fördern. Bei aller Seldststäud,gleit unsrer Stellung und nnsrrer Ansichten werden wir es als unser« Aufgabe «st eine« Mann« von solche« hervnrragkä und solchervpferwilligkleit stet« in gute» Einvernes zu bleibe«. Gö beäleht zwischen.-im«, et«״fd Lorresvondenz Herr Baron Hirsch theilt un» alle«, wa« gewünscht wird, mit, auch daöienige, wa« er zu thun beabsichtiat, wie wir ihm von allen wichtige» Vorkommnisse« Miuheilung machen und seinen Ryth nnbolen. Nicht alü- Hül s«arbeiter, sondern als freiwillige Mitarbeiter werden wir auch in Zukunft die wohlwollenden Absichten de« Herrn Baron Hirsch i» guter Weift zu fördern bestrebt sei». M. H.! ES ist nicht genug gethan mit dem Wohin,' sondern da« Wesentliche, wenn wir etwa« leisten wollen. bo> - steht in der Einmüthigkeit und Einhelligkeit de«! Handelns. Ich hatte nicht die Ehre, der vorigen Delegirte»»^. Versammlung beizuwohnen ich war aus der Badereise; alü^ ich zurücktam und den Vorsitz übernahm, überzeugt« ich mich;' daß an dieser Einheit und Einmüthigkeit außerordentlich ®«ך fehlt. Ick habe mit ganz außerordentliche« Bedauern׳ den Mangel an Unterwerfung de« Einzelnen unter die Gesammcheit empfunden. ES ist ja sehr begreiflich, daß diejenigen, die wirklich emsig bei der Arbeit sind, hier auch eine Stimme haben, mitentscheiden und Mitwirken wollen. Allein' ich bemerke — ich will gar keinen Borwurf für die Ber» gangenheit machen, sondern spreche für die Zukunft — in: jedem einzelnen Falle jedes einzelne Eomitee anfrage« zu müsien: »Wa« meint Ihr zu diesem, wa« meint Ihr zu' jenem?' — da« lähmt jede Aktion. E« kann nicht jede« Eomitee selbstständige Aktion führen. Rach meiner Meinung muß ein selbstständige« Eentralcomitee die Fäden in der Hand haben. Mit dieftr Jsolirung einzelner Eomitee'ö geht noch ein zweite« Uebel Hand in Hand, wa« mir noch viel wenig«-;« sympathisch war. da« war da» Betteln um Geld. Für da« Eentralcomitee mußte c« niederdrückend und lähmend wirken, um jede 1t) oder 20 Tausend Mark bei den Eomitee'« zu betteln und die Gewährung an Bedingungen geknüpft z» sehen. E« ist richtig, daß man die großen localen Eomitee'« nicht bloß al- Sammel- oder Zahlstellen anfthen kann, und wir würden einer Reorganisation de« geschäftssührrnden Au«» schuffes auch in der Weise, daß bei geiviffe» Fragen, wie KolonisationSpläne u. dgl., auch die auswärtigen Eomitee'«, vertreten sind, gern zustimmen. Diese Mitwirkung aber bet jeder; Kleinigkeit, da« Beto bei jeder Berhandlung halte ich für', unmöglich. Dst Anschauung der Eomitee'«. daß da« sammelte Geld ihnen gehört, ist meine« Dafürhalten« grundfalsche. Hier (in Berlin) hat «iuEoueert stattgefund e» ist di« größte Reelame dafür gemacht worden, »1 wa« ist geschehe»? Ist da» Geld an nn« adgefübrt worin _ Rein, der am, der da« Eoncert veranstaltete; hat da« «in-׳, gegangene Geld nach seine« Gutdünken vertheilt. Aeh siche« ist bei einzelnen «!«»;««י« v»rgekom«en. Die Wirkung auswärtiger Eomitee'« bei einer bestimmten Kat von Fragen müßten wir freudig begrüßen, weil sie nn« lasten würde von der großen «rantwortnuE die wir Schon jetzt haben wir den verschiedene« Eomitee'« Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, ihren Delegat« unsere Akten zu unterbreite«. Wir haben eine Eor nicht zu fürchten, aber wir können nicht, um 10000: erhalten, Rechenschaft geben von jeden 10000 Mt., die »»«geben. Ander« natürlich liegt die Sache, wenn der Gt Spenden für einen bestimmten Zweck bestimmt. Dann - eS selbstverständlich, daß sie nur hierzu vr dürfen. Dagegen find Gelder, welche oh« besondere bestimmung «gebe« werdest, nicht für de« Mmelne ein einzelne« Eomitee bestimmt, sonder» für die Gesa« und den Gesamnst^oeck, und deshalb glauben wir, Gelder, die für rassische Jude» gesammelt sind, de« Eentrfl eomitee zu überweisen find; und daß diese« nicht «fl" hat, bei den einzelne» Eomitee'« z« bettüu. Ein anderer höchst bedauerlichmLuasi ijtder, auch in. nnftre