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Israelitische Wochenschrift · 1891-10-29 · 44 (29.10.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
44 (29.10.1891)
Date
1891-10-29
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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-hl Vdjffleifefr, einet bet Führer der hischen Auttsemitrn direkt und eigenhändig eine An» Stimmzettel gefälscht und rühmt sich dessen ncch. Hier!Deutschland ist die Partei, die Hrn. Rektor Ahlwardt zu ihrem Führern zählt, zu einer. Partei des Denunciantenthum« herabgesunkn, so daß eS kein Wunder ist, daß selbst 1>ie ,Nordd. Allg. Ztg." erklärt, eine tiefere politische. Be deuiuna sei der antisemitischen Bewegung nicht beizulegen. Unter solchen Verhältnissen ist eS begreiflich, daß die schlefischen Antisemiten engeren Anschluß untereinander suchen, entweder »m Trost im Unglück zu haben, oder aber, um durch erhöhte Agitation den Glück von dem Lumpenthum abzulenken, da« sich seit längerer Zeit unter der Fahne de« Antisemitismus breit machte In der Einladung, ivelchc von den geschästSsührenden Ausschüssen I. A. Amtsgerichtstath a. D. Milde unterzeichnet ist. wird n. a. Willkomm» geheißen: »wer mit unS bereit ist, gegen die durch verschiedene krasse Fälle der jüngsten Zeit offenbarte Korruption auch unter den deutschen Volksgenossen entschieden anzukämpfen.- Sollte damit der Prozeß Manch» gemeint sein, bei dem der Rettor Ahlwardt als Schlepper bei Handelsgeschäften mit Orden und Titeln entlarvt worden ist? Der Einladung ist auch der Entwurf der Satzungen für den Provinzialoeroand beigefügt, wonach Mitglied nur »jeder u n be sch o l t e ne Deutsche- ־»erben kann, der auf dem Boden des Parteiprogramms stehe u. s. w. Der »Botemeint, im Interesse des Verein» müsse da» Wort .unbescholtengestrichen werden Endlich ist auch noch ein Fragebogen beigelegt, in dem e» 11. a. heißt: »Welche Vereins» Organisationen antisemitischer Richtung sind Ihnen bekannt? (Auch gesellige, Sports- und Bürgervereine, Skatklub», Stammtische u. drgl).- »Unsere Leser, sagt der »Bote-, sehen, was man Alles in den Dienst de» Antisemitismus stellen will, sogar die Skaiklub« verschont man nicht und so wird man bald eine Anzahl »grüner Jungenfür die »Deutschen Männereintteten sehen.- — Die »ftreimtg.- ereifert sich nachträglich darüber, die »Nordd. Allg. Ztg.- neulich dem Antisemitismus ,!feine politische, sondern nur eine soziale Bedeutung zuerkennen wollte. Der Antisemitismus werde «den so )interschätzt-- ־wie s. Z. die Sozialdemokratie. Diese, seit sie sich dem Juden- Äm in die Arme geworfen, sagt die ,Kreuz-Ztg.-, sei?ding» doppelt im Vortheil. »Fast die gesammte liberale Presse besorgt mehr oder weniger da» Geschäft der Reklame für sie, weil eS den Juden so gefällt und sie sich erkenntlich Lafür zeigen, daß Singer das Haupt der Umsturzpartei ist.- — Vielleicht verstehen die Antisemiten diestn Wink und verdienen sich die Unterstützung der liberalen Presse, indem sie auch einen »Judenzu ihrem Parteihaupt machen! — bemerkt He »Pos. Ztg.- hierzu. Hkkrß» 2Ü. Oktober. (Or.-Lorr.) Heute Abend findet hier eine AbschiedSseier zu Ehren unsere» Rabbiner» Dr. Braun statt, der den ehrenvollen Ruf al» Lehrer am jüdischtheologischen Seminar in BreSlau angenommen hat, woselbst -er die große Lücke, die durch den plötzlichen Tod des Pros. Graetz im Lehrerkollegium entstanden, nach besten Kräften auSzufüllen bestrebe sein wird. Heil der Anstalt, welche wissenschaftliche Kräfte hervorgebracht hat, die den Lehrftuhl ihrer Lehrer einzunehmen beruft» werden können. (Herr Dr. Marcu» Braun, Sohn des greisen Rabbiner» Herrn Salomon Braun in Schneidemühl» hat schon in seiner Doctordifseitation über Herode»' Söhne — Breslau 1873 — gezeigt, daß er die jüdische Geschicke zu seinem Specialstudium -erkoren; ftine zahlreichen seitdem üuf diesem Gebiete erschienenen Monographien und Aufsätze in Graetz' Monat»- und Jubelschrift, sowie in Liebermann'» Aalender, den er . seit einigen Jahren redigirte, legen Zeugniß von seiner .«ptten wissenschaftlichen Methode und Akribie ab.) Jemten, 14. Oktober. Die »Rheinisch Wests. Zta.- In der bekannten Mordaffaire wurden heute oft erdächtigteu Adolf Buschhoff, Frau und Lochtet »ine, sowie der Kaufmann Stegmund Jsaac verhaftet schreibt: und gegen 7 'f. Uhr mittelst Omnibu« nach Ale« befördert. Familie Buschqoff war schon heute Morgen zum Rathhause gebracht, woselbst noch ein umfangreiche» Verhör derselben stattfand. Eine große Volksmenge belagerte den ganzen lag das RathhauS und war bis zum Abend riesig angewachftn. Al» die Gefangenen fortfuhrcn, erfüllt« ein brausende» Hurrah die Lust. Der eine Jnhastirte Isaak wurde verbastkt, als er von einer Reise zurückgekehrt, dem Omnibu» von der Bahn entstieg Dagegen bemerkt die »Weftler Ztg.-: Die Mittheilung der »Rheinisch > Westfälischen BolkSztg." über die Ver- Haftung de« Kaufmann« Isaak iwruht auf Jrrthum. Der »Bote für Stadt und Land" erhebt seine warnende Stimme zu folgender Aufforderung: .lauten, lS. Oktober. Lin Extrablatt hat unseru Lesern mitgrtheilt. daß die Untersuchung in Sachen dr« ge» mordeten Knaben durch Inhaftnahme der Familie Buschhoff in ein neue« Stadium eingetreten ist. Von der grüßten Wichtigkeit ist es nun, daß ein Jeder, welcher zu iveitercn Aufklärung sei c« für, sei es gegen die Verhafteten, verbürgte Mittheilungen machen kan», dieselben dem hier anwesenden Herrn Eommissariu« zur Anzeige bringen. Unsere Mitbürger ersuchen wir. jeden Straßenlümmel, der sich nun noch Excesse s.linldig macht, unbarmherzig anzumelden. Nur bei ruhiger Bevölkerung kan» die so verantwortungsvolle llntersuchung zum sichern Ziele gcsühit werden. — Der Berliner Lriminal-Eommisiar Wolfs ist, wie wir hören, vom Ministerium de» Innern beauftragt worden, noch in Lauten bi« zur völligen Klarstellung de« Knabenmorde» zu verbleil>en. Die Ermittelungen sind also durch die Festnahme der jüdischen Schlächtersamilie Buschhoff noch nicht zum Abschluß gelangt und nehmen ihren Fortgang. Au» Mayen (Rheinprovinz) wird unterm 23. Oktober geschrftden: De r wegen de« K na benmorde« i» Lanten so lange steckbrieflich verfolgte Mathias Degen wurde hier gestern durch den hiesigen Polizeisergeanten EndreS beim Revidiren der Herberge angetroffen und verhaftet. Die Staatsanwaltschaft in Ele« hat angeordnet, daß er in Mayen veinommen werde. ffnT Sät d^Akt« ׳ U*. in allen Schichten der Bevölkerung fthr verehrte und hochverdiente Mrr “ Eommerzienrath Moritz Teichmann mit ftiner Gemahlin, Amalie aeb. Forell, da« seltene Fest der golde.ien Hochzeit. AuS diesem Anlaß war dem Jubelpaare von Sr. Majestät dem Kaiser die goldene EhejubiläuinSmedaille verliehen worden, die der Herr Rabbiner Dr. Krakauer bei der im Hanse de» Jubilar veianstalteten religiösen Feier mit einer sehr passenden Ansprache überreichte. Redner knüpfte an die Bedeutung de« Hütteickest«» al» Erntefest an und Hab hervor, daß diese Feier für da» Jubelpaar auch ein Erntefest sei für die Mühe und Sorgfalt, die e» ans seinem gemeinschaftlichen Lebenswege angewandt und bekundet Hab«. Dieser Lohn zeige sich nicht nur in der Lied« und Verehrung, mit welcher der aaiye Famillenkret« auf da» Jubelpaar blicke, sondern auch in dem Zeichen der Serthschlltzung und Verehrung, die dem Jubelpaar au« allen Kreisen der Stadt heut« zu Theil würden. Die H«rzen»treu« sei der Leitstern ihre» Lebenswandel» gewesen nach den Sorten de« Psolmisten: »Den veg der Treue Hab« ich erwählt, dein« Gesetz« — , Herr — habe ich mir vor Augen «halten.- Diese Treue habe fich bekundet in de« ehelichen Leben de» Jubelpaare», in dem Serk« der Erziehung, in dem Salten de» Jubilar» al» Vorsteher der jüdischen Gemeind«, al» Stadtverordneter und al» llhes für seine Untergebenen Hierauf überreichte der Redner die (rhejubtUlumS-Redatlle und sprach da» Gebei für den Kaiser. Die Sorte de» Redner» machten auf di« Herzen Aller einen ersichtlich tief eraretfenden Eindruck. Hieraus erschienen Deputattonen der einzelnen Korporationen, um durch Glückwünsche und Geschenke ihre verehrnng für da» Jubelpaarzu bekunden: leiten« de» Vorstände« »er Synagogengemetnde, de» Magistrae» sowie der Stadtverordnetenversammlung, der Brüdergesellschaft, de» jüdischen Jrauenvereint, de» veamtenperfonal» der Fabrik, de» Arbeiterpersonal«, de» Gewerbe» und de» Kaufmännischen Verein», dessen Ehrenmitglied der Jubilar ist. Zahlreiche Privatpersonen nahmen an der Feier theil und rin« 'große «eng« von Depeschen und Gratulatioulkarten liefen ein. ES zeigt dt«», welch: verehrnng da» Jubelpaar in allen Schichten der Bevölkerung gen lehr. Mdg, «• ihm vergönnt sein, noch recht lange dt« Früchte sei»«» segensreichen Sitten» zu genteben! o.

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