Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 44 (29.10.1891)
- Date
- 1891-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959687--0833-5374583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Valaste rüttelt und Einlaß begehrt? O gewiß, Du ttäumrst nur einen Augenblick. Nun aber nimmst Du ihn willig auf — und bald weicht üppige, häßliche Prunksucht au« Deine- Hause« Mauern, bald auch suchst Du die Belehrung im Gotteswort, ziehst von Neuem au« den Banden unwürdiger Sklaverei und freust Dich innig und dankbar mit dem Fremdling. — Noch einmal wird die Schelle de« Hauptportals gezogen, ein hagere« Weib mit ihrem abgehärmten Kinde flehen Dich um Schutz und Hilfe. Sie haben keinen Gatten, keinen Vater, der für sie sorgen känute, und nun sollst Du ihr Retter sein. Ihr gläubiges Herz sagt ihnen die frohe Zuversicht: .Den Verwaisten wirst Du rin Helfer sein" (Psalm 10,191. — Doch wa« ist Dir? Du erröthest und schluchzest weinend? Hast Du etwa selbst versäum", Eltern» und Kindespflichten zu erfüllen und wirst erst durch fremde« Unglück an Leine Schuld gemahnt? Eile, der Tag ist kurz, der Arbeit gar viel, hilf, wo Deine Hilfe begehrt wird und Du helfen kannst. Wie schlägt dann in Zufriedenheit, in seliger Wonne Dein freudetrunken Herz, wie fühlt es den Adel der Gesinnung, der Dich, den rettenden Bruder, krvnt und Dn freust Dich mit der beglückten Waise, mit der frohe» Wittwe. C, welch ein Kreis der Pflichten! Welch' ein Geb:et 1 de« Könnens! Welch' herrliches menschliches Wirken! > Doch indem wir also gewissenhaft unsere Obliegenheir-n! prüfen und erwägen, daß wir nur bei anhaltenden ernsthastem Zweckbewußtsein unsere Lebensaufgaben zu lösen vermögen, suchen wir nach dem ewig festen Leitstern, der unsere Thätigkeit regelt und auf da» rechte Ziel hinwcist Nur Einer isi's, durch den wir Solches erreichen. Es ist der ewige Gott, der ungeschaffen und in'« Leben gestellt mit unseren Kräften und Pflichten! Und so lassen wir unseren Blick rückwärts schweifen aus die Bedeutung der Abodah am BersöhnungStage, an jene feierliche Schilderung de- Gottesdienstes, durch die un« unser Gebet zurückversetzt in die Tage der alten Zeit Der Hohepriester nur war e< der die Weih« der Welt alljährlich vollzog, er, der gottgeweihte Fürst, der allein in vollster Reinheit sich zn versenken vermochte in ein« Heiligung des göttlichen Wesen«.'׳ Der Pierbuchstabiae GotteSname, den der ernste Jehudi im Bewußtsein seiner Ohnmacht auszusprechen sich scheut, er ertönte von reinen Lippen nur einmal im Jahre von des Priester« Mund. Und dieser Name ist der vollkommene Inbegriff de« festesten und gerechtesten Wirken«, des zielbewußten und erhabensten Schaffen« in der Natur, wie ihn eine ferne Zukunft zum Ziel der Menschheit setz:. Nur von dem Gesichtspunkte einer dereinstigen unveiändcrlichen Vollkommenheit will der Gotte«legr,ff erkannt werde», denn von Urbeginn hat sich der allgütige Schöpfer unserem Lehrer Mo'chrh als ein Wesen offenbart, wie e« einst sein wird in den Augen der Mensch, hnt, altz ein NVM Nvste היה*! Und wenn auch diese« Wort in seiner unveränderlichen Form ein ewig zukünftiges Bild menschlichen Streben» wiederzuspieaeln scheint, so wird doch dereinst am Bersöhnnngstaar der Menschheit solch hehrer GotteSbegriff auch von den Menschen begriffen und verwirklicht werden. Da« sollte der Hohepriester, wenn er in seelischer Reinheit den GotteSnamen erklärend angesichts der Volke« au-sprach, am alljährlichen BersöhnungStage, dem > Vorabend allgemeiner Menschrnbesreiung, seinen Getreuen lehren, sie weckend zum erhabenen Werke menschlicher Beiedlung. Und Israels Schaarrn, die in tiefster Andacht dieser Heilsverkündigung lauschten, fühlten, wie weit sie noch entfernt waren von diesem hohen Ziele, und sie sanken — und mit ihnen die kommenden Geschlechter — in Andacht niÄer und verehrten verttauenSvoll die vom Hohenpriester geweckte Ahnung der göttlichen Majestät. Doch horch! Zum «chluffe tönt ein mahnender Weckruf in dem Schofarton: ,Thekiah" und wir eilen, weihevoll gestimmt zum menschliche» Wirke». Gerichte tm> MaßdeAnrg. Der geschästSsührendeAuSschuß de« deutschen Central-Tomitee'S für die russischen Juden hatte eine Versammlung von Vertrauensmänner der bedeutendsten Gemeinde» Deutschland« und de» Auslandes zum 20. und 21. d. Mt«, nach Berlin berufen, theil» um über die bisherige Thättgkeit seit Juni cr. Bericht zu erstatten, theils um über die weitere« Schritte und Mittel bezüglich der Auswanderung und Ansiedlung der ruff, Juden zu berathen. ES hoben an diesen wichtigen Brrathungen folgende Delegirte (nach der Präsenz« liste) theilgenommen: >u« Amerika: Dr Goldman und Lesse Seligmann, New-Aork. Au« Dänemarl: Rabbiner Tr. Eimonfen und Uari Melchior, ttoprnhage» Au» Deutschland. Bayern: H Müller-München und S. Forch» Heime r-Rürnberg AuSUerltn: OSkarBerlin, B.Breslauer, AechtSanwaii, Dr Heinrich- Meyer ilahn. Bernhard llroner, Zoscph Ly«, Karl Amil Franz»«, Ad. GinSderg, L. M. Goldberger, Aommerzlenrath, Dr. L «alb» schmidt, Geh Jusiizrath, Hugo Heiiman, Redakteur Dr. Hirsch Hildesheimer, Red Dr. G »arpeie», Red. U. A. NiauSner, Vieh. ZanitätSrath Rrlsteller, Salomo« Lachmann, Geh. (ioamtt• zienrath, Dr. A. Lachmann, Generalkonsul Augen Lands», Präs. Dr. Lazaru«, Dr. Keliz Lieberman, die Rabbiner: Maybaum, llng.-rleider, Rosenzweig, Stier, Iustizrath Meyer, SanirätSrach Dr Reumann, Hugo Rosenthal, Gustav Sachs, Alm Samson, S. Simmel, RechtSanivalt Dr. Tiktin, Max Weiß. Al sah: Direktor lkarmlaski, Slrasiburg i. A. Fraiilsurt a. M : Philipp Lchifi, Harle« Hallgarte«, G. Speyer, Rechtsanwalt Polle Lübeck: «. :halt. Magdeburg: S. Singer und Rabbiner Dr. Rahmer. Joseph» Halderstadt. Au« Ostpreußen: Rabbiner Dr. Bamberger, ÜdntaSbera, Rabb. Dr. Rüls, Memel. Zaeob Sebba-Dtlsik, Ad. «löfler^nsterdnr^ Posen: Dr L. Ariedländer, Rabbiner Dr. Bloch-Iarolschtn. Rhein Provinz Dr. Auerbach und Rabbiner Dr. Frank-Ali», Rabbiner Dr. Jaulus-Aache». Sachsen: Rechtsanwalt Lehmann-DreSden, Alphon» Jacobson «Nb «lex Äerthhauer-Lespzig - Au« Schlesien: Geh. Sanltätsrath Dr. Wollner, BreSlau, Rech««» anwalt und Stadtrath Schüler an» Gleiwlp, Lazaru« PlonSter au« My»lo«ttz. Stettin: Gustav Lewy und Rabbiner Dr. Bogelstein. Frankreich: Isidore Löd, Part«, Sekretair der Alllanee >»r. un., ^zugleich al» Bertreter de» Herr« Baron von Hirsch) Holland: L M. Lanror un» A. Schaap, Amsterdam Au« Oesterreich: Dr Uatzau, Dr A. ikuranda, Dr. A. Stern, L. Zel», D. Zifierer (sämmtlich au« Wien) Odrrrabbt»« Schnur au« O»«i«rim, Dr Goldzteher, Budapest. Schweiz: General-Aonsul Breilauer, Zürich E« wurden in au»dauernder angestrengter Arbeit an beiden Tagen sämmtliche Gegenstände der Tagesordnung erschöpft unv weittragende Beschlüsse gefaßt, über welche wir, auf ausdrücklichen Wunsch de« geschäftsführenden Ausschüsse« erst nach Fertigstellung de« stenographischen Bericht« — derselbe ist, wie un» kurz vor RedaklionSschluß mitaetheilt wird, Ende dieser Woche zn erwarten — in nächster Nummer an*• führlich berichten und sonach ein so zuverlässige» Bild der Verhandlungen dielen werden, wie e« bei diesen hochwichtigen Fragen und Ausgaben unbedingt nöthig ist. |u Schlesien berichtet die .Posen«! Ztg." unter« 20. Oktober: Die schlesischen Antisemiten haben, wie der .Bote a. d. R." mittheilt, zum 7. und 8. November Einladungcn, natürlich .vertraulich", zu einem Parteitag er» gehen lassen, angeblich, weil die deutsch-sociale Bewegung in letzter Zeit auch in Schlesien so erfreuliche Fortschritte gemacht habe, daß ein festerer Zusammenschlnß der ln« jetzt vereinzelten Kräfte zu gemeinsamer Wirksamkeit nicht blo» wünschenSwerth, sondern nothwendig erscheine. Der ,Bote" meint: .Die letzte Zeit hat bcfonbcrt gezeigt, welche »Ehren» männer" die Führerschaft der Annsemtteu übernommen haben. Die Helden der Ehrenscheine, der Falscheide, der Llimentrnprozess« haben in diestn Tagen erheblichen Snccur» erhalten. I« österreichischen Abgeordnetenhaus« hat der be» .!