Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 42/43 (17.10.1891)
- Date
- 1891-10-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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.. . mtt Händel und Geldleihe« auf Zin» ihnen ten, «at (me e» gelegentlich, ja nur zu lfft geschehe«) jüdische« Gläubiger hinzuopstru, di« Brandfackel in'» däeviertel zu schleudern, auf daß wir de» Zinse» für die iehenen Gold- und Silberschätze ledig würden. Dem edlen rischen Volke steht e» besser an. Gerechtigkeit zu üben in Anerkennung dessen, daß ein so tüchtiger Stern auch in der deutschen Judenschaft al» uralte» Kulturerbtheil übrig ge» sieben ist, vor allem der innige Familiensinn, di« echt brüder- Piche Treue, welche die Juden unter einander durch di« That HU bezeugen pflegen. Wir sollen durch unsere Erziehung»» anstalten dafür sorgen, daß von solchem Golde de» jüdischen l Wesen» die keineswegs von Hau» au» ihm anhaftenden k Schlacken weggewaschen werden. Und dankbar sollen wir »Har allem anerkennen, was wir unseren Juden in den eigenen ׳Nationalschatz entnommen haben an unsterblichen Leistungen ^jüdischer Genie» für Wissenschaft und Kunst, an Steigerung 'che» Aufsckwunges unseres Handels, unserer Industrie, . Unseres Geldumsatzes, kurz unserer Wohlfahrt auf dem weiten?Doppelgebiet geistigen und materiellen Lebens überhaupt. ^Die deutschen Juden haben sogut wie die nichtjüdischen 'Deutschen mit ihrem Gut und Blut das neudeutjche Reich, ג die feste Burg der neudeutschen Nation erkämpfen l)elfen. Sie nicht zu dieser Nation zu zählen, wäre also einerseits י schnüdester Undank, andererseits «in Beweis von Unklarheit ^über den Begriff ,Nation". Nicht Bluteinheit macht die ^Nation, sondern geographisch und geschichtlich bedingte ׳ Jnterrstrngemeiiischaft innerhalb eines gemeinsamen Vater» landes. Wer dir deutsche Nation wahrhaft liebt, mache und i־ erhalte sie durch Einheit stark, aber er zerfleische sie nicht in ' thörichl blindem Eif.r aus Rassen- oder gar aus Glaubenshaß!" Diese von Herrn Klopfer in einer soeben erschienenen Broschüre*) neben vielen anderen Urtheilrn über die Judenfrage veröffentlichte Antwort verdient sicherlich die weiteste Verbreitung. A Joche«, 13. Oktober. (Or.-Cor) Ein in einem s Hervorragenden jüdischen Bankhause zu Frankfurt a. M. angestellter junger Mann suchte am Rüsttage zu Bosch hsschonoh um Urlaub für die beiden Festtage nach. Da der Ll:ef zufällig verreist war, richtete er sein Gesuch an die beiden Prokuristen, welche christlichen Glaubens sind. Dies« schlugen ihm, sowie den übrigen >üd. Angestellten des Hauses, da« Gesuch rundweg ab, begleitet mft einer für das Judenthum beleidigenden unfeinen Bemerkung, die anstandshalber hier nicht wiederholt werden kann. Der junge Mann, £. Sohn des Dirrctors eine» hiesigen BankinstttutrS, fragte hieraus bei seinem Vater telegvrphisch an, wie er sich zu verhaften habe und erhielt die Antwort, daß er die beiden Feiertage vom Geschäft fernbleiben solle. Am Tage nach dem Feste ließ der jüdische Lhef de» erwähnten Bankhauses den jungen Mann zu sich bescheiden und erklärte ihm, daß «r sofort entlasten sei. da di« Prokuristen in seinem Sinne gehandelt hätten und «» genügt hätte, wenn der junge Mann 4» zweiten Festtage, welcher aus einen Sonntag fiü, kein religiöses Bedürfniß befriedigt hätte. — Diese intolerante Handlungsweise seiten» eine» Juden bedarf wohl keiner »eiteren Illustration. Merkwürdig ist nur, daß der Name des betreffenden Banauier» unter dem Frankfurter Aufruf de» ,Vereins zur Abwehr de» Antisemitismus" figurirt. Er hätte doch bei sich de« Anfang machen sollen. Gkktw, 1. Oktober. D« .Bot« fiSt. u. L." bringt «Mer« SS. September er. in seiner Nr. 78 die Publikation «wer Versammlung in der Billa Labbeck zu Uedemerbruch aus Sonntag, de« 4. Oktober er, woselbst Dr. Loenig au» Wüte» eine« Bortrag über da» Thema: ,Wa» heißt ige?" zu batte, beabsichtigt. Dem Vernehmen «ach diese Versammlung polizeilich mhibirt worden. (Hierzu bemertt. .daß die genannte Billa zu« Kreise Eleve gehört OdgtMlMef' (I. -LchM««'» und nur einig« Minute« von der Grenze de» Kreise» Moers zu «lchem Xanten grhört, entfernt ist.) Aks»te», 2. Oktober. Seit einigen Tagen ist die Untersuchung in Sachen de» grausigen Knabenmorde» hier mit neuen Kräften eröffnet worden, nachdem dieselbe scheinbar eine Zeit lang geruht hatte Die Gegenständ« in der Nähe der Fundstelle der Leicbe sind — nach drei Monaten — einer erneuten Durchforschung unterzogen. Warten wir in Ruh« das Ergebniß ab. Nach den Informationen, welche wir uns dirrft von Mayen eingezogen haben, giebt es dort gar keine Familie Degen. Auch hat Einer Namen» Math. Degen sich dort niemal» längere Zeit aufgehalten, da auf dem Bürgermeisteramt« daselbst Keiner dieses Namen» angemeldet worden ist. Der Steckbrief des Herrn Ersten StaatSauwaltS, welcher schon vor Wochen ertasten wurde, fahndet bekanntlich auf einen Math. Degen aus Mayen. (Eine Aufklärung darüber wird ohne Zweifel erfolgen.) Der ,Westfälische BoltSftrund" hat die Entdeckung gemacht, daß der gesuchte Matje Degen gar nicht Mat!e» sondern Mot je heiße und ein echter Rastenjud« (!) sei. Iaale«, 13. Oktober. (Or-Corr.) Soeben ttasen der Oberstaatsanwalt von Köln und der erste Staatsanwalt von Cleve hier ein, um in Sachen des ermordeten Knaben Heymann, wohl in Folge der Untersuchungen de» hier anwesenden LriminalcommissarS, persönlich neue Zeugen- Vernehmung und Besichtigung des Theater» vorzunehmen. — In der gestrigen Sitzung der Clever Strafkammer wurden die Gebrüder D. zu je IS Mark und in die Kosten vrrurtheilt. Gegen das freisprechende Urtheil de» hiesigen Schöffengerichts hatte die Anwaltschaft Berufung eingelegt. Mt», 11. Oktober Die israelitische Gemein»« hielt vormittag 10 Uhr den.Trauergottesdienst für Se. Maj. den höchstseligen König Karl ab. In erhebenden Worten führt« der Geistliche, Herr Rabbiner Dr. Fried, der zahlreich versammelten Ameinde den Lebensgang dvs entschlafenen Fürsten vor, wie er als Herrscher durch Gerechtigkeit» Güte und Milde seines königlichen Amtes gewaltet, mit patriotischer Begeisterung die Wiederaufrichtung des Reiches mitherbeigeführt und mit gleichmäßiger Fürsorge alle seme Unterthanen «schützt, und wie er durch seine allgemein menschlichen Tugenden seinem Volke vorangelruchtet und jeden, der ihm zu nahen in die Lage kam, durch seine Herzenseigenschafttn für sich zu gewinnen «rstanden, und wie er endlich in der letzten Zeit!eines gesegneten Lebens gezeigt hat, wir man leben, leiden und in Ergebung in den göttlichen Willen sterben soll. Trauerchvie «iröffneien und schlossen den stierlichen Akt. — (Das kgl. Kultusministerium hatte der kgl. isr. Oberkirchenbehördt unter Mittheilung der für die evan- Ä־ einer entsprechenden Trauerfeier anheimgeaeben, und die iSr. Obernrchenbehörde hat demgemäß, zugleich im Hinblick auf die gegenwärtigen israelitischen Festtage, angeordnet, daß dir Trauerstier für de» «rstorbenen Königs Majestät in den einzelnen Gemeinden, wenn thunlich am Sonntag, den 11, andernfalls am Freitag, den 16. Oft. stattzufinden habe.) Inilfut«. M. Dem jüngsten Berichte des Verein» »ur Erziehung jüd. Waisen in Palästina entnehmen wir nachstehende vemerwnswerthe Daten nad Vorkommnisse: Angesichts der durch die Einwanderung zahlreicher rust. Familien wachsende« Schwierigkeiten mußte sich der Wunsch ausdränge«, Raum in der Anstalt für eine energischere Leitung durch «in« jüngere Kraft zu schaffen. Der Vorstand entschloß sich daher, de« Herrn Dr. Herzbera vom 1. April d. I. an von der Direktion de» Waisenhauses, welche» er zwölf Jahre lang vorgestanden hat, zu entbinden. Leider sind die Bemühungen, einen jungen, tüchtigen, pädagogisch gebildet« europäischen Glaubensgenossen zu finde», der sich zur Uebersahme de» Waisenhausdirrrtorats bevett erklärt, bi» jetzt nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Die Aufsicht über i׳r Zöglinge führt der im vorige« Jahre