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Israelitische Wochenschrift · 1891-10-17 · 42/43 (17.10.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
42/43 (17.10.1891)
Date
1891-10-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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N# lösen: letztere» Hai die ihm «nbenuem« Bürde ab- ---- - ^ukgel« elt und fic auf die Schultern der Schule gelegt» die aber unmöglich dieser ihrer Doppelausgabegerecht werden kau». Da» Hau«, seiner Pflicht wohl tammt, aber auch seine Ohnmacht wohl erkennend, sagt sich: ״»» ist ja die Schul« da!* und es beruhigt sich. Die Schule wiederum» erkennend, dieser Doppelaufgabe nicht gewachsen zu sein, ruft vergeben» die Hülfe de» Hause» an, sucht nach Möglichkeit seiner Auf- Sben gerecht zu werden, aber — sie beruhigt sich nicht. 1- Haus soll hier und will nicht, die Schule will, aber kann nicht! Neben der Schule ist das Gotteshau», da» durch Vermittelung der Schule fördernd wirken soll. Ehemal» stellte da» Äben im Hause sich als ein stetiger Gottesdienst dar, die Räume erfüll« der erwärmende Geist der Gottes- Verehrung, der wiederum auf die gottgeweihten Gebethasten übertragen wurden in di« man täglich mit heiliger Scheu f:n und voll freudiger Zuversicht trat. Hier fand die rüde des Einzelnen im Herzen Aller einen mächtmen iderhall. Das Fest des Emzelnen war ein Gemeindefest, was beim Gottesdienste zum Ausdruck gelangte. Au den geweihten GotteSraum knüpften sich mancherlei liebliche und desreligend« Erinnerungen, die von hier in» Leben hinausgetragen wurden, und die nachhaltig auf Herz und Gemüth wirkten.und ein Hort für Glaubenstreue und religiösen Sinn wurden. (Schluß folgt.) K?eichte imft 1;e«. Demtfchkued. Magdeburg. Die Redaction des ,Jewish Chronic le" veröffentlicht folgendes ihr zugegangene Schreiben: ,In Ihrem Lcitartckl über tue Ereigniffe des vorigen Iahrä erwähnen Sie auch des beklagenswerthen Hinscheidens deftl. Professors Graetz mit folgenden Worten: ,Dem große» Gelehrten und Geschichtschreiber war es nicht vergönnt, die letzte Felle an den Schlußband, welcher die Geseichte bis aus unsere Tage enthalten sollte, legen zu können.' Manche Ihrer Leser könnten hierdurch in den Jrrthum verfallen, daß die Geschich« nicht bis zu 1870 fortgeführt worden sei, wie e» ursprünglich in der Absicht des BerfafferS gc.cgen und durch die Presse bekannt geworden war. Es freut mich daher, bestätigen zu können, daß dieses dennoch der eoll war. Bevor Dr. Graetz BreSlau verließ und seine Me Ferienreis« hier auf Erden antrat, schrieb er mir, daß ich den Schluß des Geschichtswerkes nach seiner Rückkehr im September erhalten sock. Um jedoch meiner dringenden B:tte, mich sobald als möglich in den Besitz dieses Schlußoandes v.. setzen, zu willfahren, fand« er mir denselben schon im August. Die Geschich« muß der Gegenstand gewesen sein, der ihm vor allem andern stets am Herzen lag, da ich 2 Tage vor seinem Tode noch ein auf sie Bezug habende» Schreiben von seiner Hand empfing. Bella Löwy.* — Herr Professor Wilhelm Bacher, am Rabbiner- Scminar zn Budapest, Schüler des sel. Prof. Dr. Graetz, har es unternommen, die kritische Bibelausgabe, von welcher der Verstorbene nur einige Bogen eorrigiren kann«, zu edirrn. Ter ers« Thell, den Text der letzten Propheten enthaltend, wird binnen Kurzem erscheinen. die Werst», 13. Ostober. (Or.-Eor.);Die hohen Feiertage sind vorüber — auch der ״große Gerichtstag* (Dzien sadny) wie der »Jom kiwmn* in Polen benannt wird. — Ich brachte ihn zum ersten Male in Berlin zu. Einen Platz uu alte» oder einem der neue» Tempel war mir nicht möglich zu erlange». Der Zufall führ« mich, well meiner Wohnung am nächsten, in de» großen Handwerker-Saal, der mehr al» 2000 Pcisoneu faßte. Der Saal ist in großartige» Stile gebaut und prachtvoll dekorirt. Daß aber Statnen «och die sonstigen Marmorfiguren und Bilder def - der provisorische« Umwandlung in ein Bethau» entfernt wurden, scheint mir doch mit de» Grundlehren unserer 8te*' ligio« tm ' ' "" Widerspruche zu stehen. Aber da» wäre noch herunterzuschluaen — da vielleicht die Unantaftbarkeit des Saale» zur Bedingung ges«llt sein mochte. Aber andere Dinge kamen hier vor, die doch im schmutzigsten polnischen ,Betstübel* nicht Vorkommen. Am ersten Tage Rosch haschona wurde in den Vorhallen Bier auSgeschcnst und ei«' Tisch mit Delikatest«» ausgewähltester Art war Hergerichtei. ES «hl« nicht viel und man hätte den ,Il»«^»no».toirok* mit Bierseideln in der Hand gebetet. Der greift Pächter des Saales stand wie verzweifelt da, und es gelang ihm, daß der Unfug am zweiten Tage aushörte. Dafür war «ne Revol« gegen den Chasen in Scene gesetzt, daß er nicht laut genug bete, so daß er herunter mußte. — Am Jomkippur wurden am Eingänge Blumenkränze vertäust. Der Handel war sehr lebhaft. Die Herren wurden förmlich gezwungen, am heiligen Jomkippur Blumen zu kaufen und dann wurde auf der Damengallerie damit geprunkt, gelacht und gescherzt —, es war ein sehr lustiger Jomkippur. Doch sind das noch sehr unschuldige Vergnügen im Verhältnisse zu dem, was da unten in den Seitcngängen vor sich ging. Die Tagesblät«r wurden vorgelesen. Der »Ulk*, die ,lustigen Blätter*, der »Floh* wurden herumgereicht und die Witze belacht, ja manche Burschen waren moralisch so tief gesunken, Karten unter den Bünst» zu spielen!!! Al» besonder» günstiger Moment wurde der Kniefall bei der Awoda gewählt. Di« schönen Wor« d«S frommen greisen Predigers, der in geistreicher Weise dir großen Fragen de» JudenthumS hier zu enträthftlu such« und voll tiefster Inbrunst an die Heiligkit des Tagcs mahn«, prallten an diesen leichtsinnigen verdorbenen Jünglingen ab. — Welche düstere Gedanken überfallen hierbei einen Fremden, der auS Polen und Rußland, wo wiederum die erhabene Religion de» Judenthums durch religiösen Fanatismus verunstaltet loird, nach der Jntelligeozstadt Berlin kommt, und da solche frivole Zustände antrifft? Daheim in Rußland, wo die Nothlagc immer größere Dimensionen annimmt, drängt sich immer gewaltiger jene Katastrophe herbei, vor der wir zeitig genug in diesen Blättern warnttn. Mit größter Sehnsucht blick Alle» nach den Baron Hirsch'schen Kolonien, nach einer neuen Heimath. — Aber wie sind wir dazu vorbereitet?! Ehe man die Verderbniß dahin verpflanzt, lieber-o schreckliche» Wort — .daheim untergehen!* Wäre eS denn nicht mögliche auch intelligente, ehrenhafte Männer in die neue Heimath nach Argentinien zu führen, welche mit guten edlen Beispiele« voranschrei«» und auf die Brüder nnzuwirken haben? E» sind Tausende aus den bes«n Ständen, die dahin zieh«» mbch«n, — doch an wen soll man sich wenden?! Wo findet man da» Wahre, Klare — in dieser so wirr gesühr«» AuswanderungS-Angelegenheit?! B. Aaste, 9. Oktober. Herr Professor Dr. Alfred Kirchhofs an der hiesigen Univästtät, von Herrn Earl Ed. Klopfer in München um seine Meinung über dft Judenfrage angegangen, äußer« sich darüber wie folgt: .Dem jüdischen Volk verdanken wir im alten Testament ein unvergleichliche» Kleinod, welche» seit Jahrhunderte« «ntrennbar verknüpft ist mit der Eyiebuug unsere» eigene» Volks. Den unter uns zerstreut lebenden Juden ist während der finsteren Zeiten des Mittelalter» mancher üble Charakterzug aufgeprägt worden, wa» deren Nachkommen Heu« mehr schädigt al» unsere ganze barbarisch« Ruchlosigkeiten gegen ihre Vorfahren. Wir Deutsche sollen die simichea Schwäche^ welche wir hier und da an unser« Jude» bmnrrkrn, nicht uachahmen, aber auch nicht pharisäisch kstMe verdammen, wenn sich bei ihn« Rückwirkungen jene» ^«süchtigen An»- . beutungrbetriebe» und Gchachersume» zeigen, wie er jener , mittelalterlichen Sera durch unser da wir die Juden vom frei« G» *־

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