Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 42/43 (17.10.1891)
- Date
- 1891-10-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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I grftrcfct und gewirkt zu haben. Fort mit dem leicht zerkiörbare», gebrechliche« Eigendünkel, fort mit dem Flitter» glanze eitler Prahlerei! Ehrliche, maßvolle Besrbeidenhcit nur führt un« sicher zum Ziel. Nur die Wahrheit kann dauernd dem Feuer der Erkenntuiß widerstehe«, da« jedes Lügengewebe bald früher, bald später zerstört, und wie da« Küchlein, durch di« belebende Wärme der Henne au« der Schale hervorgrautet, erst schüchtern, dapv inunch kecker i» Sonnenlichte spielt, wird auch rechte« Wollen und Können mit der Zeit an« der scheuen Zurückgezogenheit geweckt werden und in den anfänglich ungewohnten Bahnen öffentlicher Wirksamkeit heilsam wirken. Denn »ln seiner Wrrstatt träumet sich der Künstler .znm vildner einer schSn're» Well-, dar Leben in der Wirklichkeit erst ist die Teutuug für den herrlichen Traum, und wa« eine» Meister« Phantasie im geistvolle״ Hirne plant, soll Form und Werth erhallen io de« Menschen Herrscherbezirk. — So beginnt denn unser irdische« Streben nach dem Ausspruche de« König« Salomo, den ein alter Philosoph zur Grnndlage seine« Forschen« gemacht, mit dem Bewußtsein unserer lehrbedürftigen Unwisseaheit (Sprüche 4,7) und nach den religiü« durchhauchten Worten de« königlichen Sängers David und seine« weisen Sohne« mit der Anerkennung der Erhabenheit de« göttlichen Wesen« (Psalm 111,10, Sprüche 1,7); und wenn durch solche Maxime geleitet unser Geist und unsere Kraft da« ihnen gesteckte Ziel erstrebt und erreicht hat, dann gelangen sie zu der weihevollen Freude, die ihnen da« Gotte-wort verheißt. Wenn wir nun unfern Blick über diejenigen Kreise schweifen lassen, welche die Wirkungssphäre de« Manne« als -.he« Hauptrepräsentanten menschlicher Thätigkeit umschließen, so können wir sein Berhältniß ftinem Weibe gegenüber an Üiese: Stelle nur mit wenigen Worten berühren. (Da« dürft« der «?egenstand einer besonderen Betrachtung sein.) ' Ilber nicht etwa darum, well nach orientalischer Sitte da« Meid die Dienerin de« Mannes ist. Solch' seltsame Stellung ' «ner ,selbstständigen Gehilfinkennt die heilige Schrift, deren Worte un« an dieser Stell« beschäftige», nicht, »nd Überall rveht un« der innige, ernst« Hauch matronaler Weihe entgegen, wo im patriarchalischen Heim »öftrer Altvordern bit Gattin, mit ihrem Gatten durch da» heilige Band der Ehe vereint, schaltet. Und wen» da« GotteSwort hier für die HauSftau keine besondere Festesfreude vorschreibt, so geschieht es zweifellos deshalb, weil sich die Mutter mft dem Bater eins fühlt in der Fürsorge für dir nachher bedachten Kinder. Wenn Mann und Weib ,zu einem Fleische* geworden, gilt ja, solange den Gesetzen der Natur gemäß, Elternpflichten ruhen, für Erstrrea die schöne Aufgabe, seine Gattin während der Dauer eine« Jahres zu erfreuen, nach dessen Verlauf sie völlig in dem Hauswesen aufgrht und der Inbegriff des Hauses wird. Bon diesem Gesichtspunkte aus nennt der Midrasch gar häufig die HauSftau: NA (Haus.) TaS Schriftwort leitet den Menschen weiter: »Und Du sollst Dich freuen — — mit Deinem Sohne und Deiner Pachter, mit Deinem Knechte und Deiner Magd!* Geben und Eulpfangen — da« sind dft Grundanschiuungen unsere« socialen Lebens. ,Heut — alltäglich beruft der Allmächtige die Geschöpft aller Zeiten zu Gericht, ft?« al« Kinder, sei'« »iS Diener* — da« sind auch dft Grundideen unserer hehrsten 1 Andacht bei de» Jahre« Anbeginn. Sie richtig zu1 und richtig zu bethätigen, ist auch de« Gottrsworte« MtMttlg י zur echten FrsteSstimmuag. Soll ich dft Grenzen ziehe», dft Eurer Elterupflicht gesteckt sind? Soll ich, schwacher Jüngling, Euch Väter und Mütter, mahne», au dft Erziehung Eurer Kinder zu denken für und für? Wft ger» hört Ihr doch selbst dabittende Wort Eurer Pfleglinge, «oft lauschet Ihr doch sorgenvoll de« cxiftp Ruft: ,Vater* oder ,Mutter*, der von dem Gehege de« jungen Kindermunde« gebietend Euch cntgegenschallt! Und dann — wozu Gesetze entwerft», wozu normgebende Satzungen schaffe^ wo mit dem gewaltigen Forschrftt unsrer geistigen Entwickelung die individuelle Erziehung iinmer dringender un« zu Herzen dringt? So nehmet denn freudig-ernst Eure Pflichten wahr, solange Euer Sohn und Eure Tochter »och Eure Kinder sind! Dan» wftd sich dereinst auch da« Wort der Schrift an Euch erfüllen: »Und Du sollst Dich freuen an Deinem Fesft, Du und Dein Sohn uitd Dein« Tochter!* Doch »och eia«! Bergeffet nicht dft wechftljeittge Beziehung der Pflichten, dft in diesen Worten au«gesprochen sind! Beachtet e« wohl, jüdischer Sohu uud jüdische Tochter, daß e« an Euch auch ist, kindliche Liebe mit Ernst und Gewissen- Hastigkeit Euren Eltern zu beweisen, Ehre und Furcht für sie zu empfinden, nach deren Segen Ihr haschet. Denn mft unvergleichlicher Fürsorge wachen sie, dft Einzig-Theureu, über Euer Wohl und hüten wft tat Augapfel die Lieblinge ihre« Herzens, daß ,ihr Fuß nicht schlage an den rauhen Stein״. Schlügt nicht der Festessänger dft Saiten Eure« Junern zu den ergreifendsten Melodien an, wenn er im Gebete zu Gott, dem Allvater, Euch ruftu läßt: ,0, laß uns Dein Erbarme» Deine Liebe angedeihen, 'wie Eltern ihren Kindern der ewigen Liede Allmacht zuwenden!* Nun wohl fügendliche Genossen, strebet fürder, durch solche Gedanken geftitrt, auf des Leben« Bahn weiter, aus daß der Segen über Euer Erdenwallen sich herniederftnke, den Euch Gott verheißt: ,Und Du wirst Dich freuen. Du und Dein Sohn und Deine Tochter!* Doch weit dft Herzen aus! De« Menschen Zweck führt Euch aus den Banden zärtticher Liebe hinanzum ernste» Wirken. Wollet ihr dann siagen: Wer schüttelt der Irdischst Loose? Wer vertheilet Regen und Sonnenschein? Nimmermehr würdet Ihr Gottes geheime« Walten durchschauen! Genug schon, daß Ihr wiffet, daß der Herr gebietet und der Dftner gehorcht; genug, wenn Ihr bedenkt, wer Gebieterin ist im Leben und wem die Rolle der Magd zugefallen; genug vollends, wena Ihr bedenket und wiffet, daß nicht Euer Wille, nicht Euer Ettschluß Euch und Eure Mitwelt aus den Plan gestellt, sondern, daß es der Geist des allweise» Gottes ist, der also waltet! Und doch bietet sich unser» Blicken, obgleich sie selbst noch beschränkt sind, ein gar rauhe« BUd: Der Herr gebietet nur. well er Herr sein will, der Diener gehorcht nur, weil er zur Knechtschaft verurthellt ist durch de» Schicksals Ungunst. Wie schmachvoll! Wft ziellos! Nein! Laß ab! Wir alle müssen arbeiten und dürfen gebieten, nur wenn unsre- Geiste- Kraft zu Nutz und Frommen der Mitwelt, zum Gedeihen de« Gayzen einen Borthell an» zugclien weiß und dft Schwächer» werden willig zu gehorchen haben. Wft unterlassen «», dft flüchtige Skizze durch särbengetränktru Pinsel reicher ■:Air-'