Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 40 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959682--0802-5374555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
חתן, durch Liebe und Anhänglichkeit von den Heyen seiner Gemeinde Besitz zu nehmen, ihre Neigung uno ihr Wohl» wollen sich zu erobern. Al» Leit- und Leuchtstern werde ihm die Wahrheit, die Wahrheit der Gesinnung und der Uelierzeugung. voranleuchten, die ihm als da» höchste Ideal dorschwebe. Ni« solle man ihm den Borwurs machen können, sein Leben und Streben stünde im Widerspruch mit seinen Lehren und Reden; nein, vielmehr gelobe er hier an der heiligen Stätte, daß sein Wirke» und Handeln die Berrörpnung seiner Worte stet» bilden sollen. Er sei beseelt von dem guten Willen und dem ernsten Streben, da» Wohl der ganzen Gemeinde zu fördern, und auf diesem Wege, hoffe er werde er den rechten und wahren Frieden finden, den Frieden, der schafft und der Leben erzeugt. Als da» tauptgebiet seiner Thätigkeit bezeichnet er die Schule, diese flanzstätte der Jugend, die für ihn die Zukunft de» Juden» chum» bedeutet. — Da» Programm lieh an Deutlichkeit nicht» fehlen, e» zeigte, daß der Redner ein Mann sei, der am der Höhe seine» Berufe» stehe, ein Mann der Energie und der Willenskraft, der zielbewußt in sein Amt trete, und von dem zu erwarten sei, daß er dem alten Schlendrian in unserer Gemeinde den Garau» machen werde. Möge seine Thätigkeit eine gesegnete sein! 9fa»£«fe». ENC. Mntnrest. im Septbr. (Or-Corr.) Wir stehen im Zeichen der.Vagabunden" und ta» .Bakschisch" — da, nämlich die grundlose Hetzjagd aus behördlich al» seßhaft u,!d gewerbetreibend bekannte rumänisch« Israeliten und die Geldprrlleieien der unteren Beamten dessenungeachtet, sino bei un» die ,Zwillinge", die auch in normalen Zeiten, vier unter Bratianu, jahrein, jahraus an unseren murr» pcatischen Firmament erschienen. Man könnte darüber lachen, wenn «» nicht so wehe thäte, mit aazusehen und twuhören, wie Leute gejagt werden, weil sie— keine Bagabunden sind und wie dieselben Leute ihrer Thätigkeit zurückgr-'ben werden, weil sie sich de» ,Baksisch" berauben ließen, u!: «ach ganz kurzer Zeit wieder eine Erpressung oder doch n-ch die Aurweisung von erbgesessenem Hau» und Hof zu erleiden. Wie ich Ihnen ja in meiner letzten Revue schrieb, rsl die jetzige weniger ,liberale" als konservative Regierung, an deren-Spitze Lascar Catargi steht, den Israeliten?aenüber durchaus loyal und e» ist ein« ganz lächerliche ücttanten-Wuth׳ von deutsch-iSraelit. Hetzblättern und Sen» sakionS-Korrefpondenten, wenn sie diesen Mann mit, übrigenohnmächtigen und zwecklosen, Verdächtigungen und Anfeindüngen überschütten, die chm ja gar nicht zu Gesicht kommen. Um so schlimmer aber wäre e», wenn solche WuthauSbrüche stümperhafter Zeitungsschreiber wirklich die Wirkung haben könnten, daß daS jetzige Ministerium zurücktreten müßte (!?!). Denn wer die innere (d. h. Juden-)Politik Rumäniens wirk-!ich und nicht seit heute kennt, weiß e», daß seit 1866, so oft ei» konservativer Ministerium an'» Ruder kam, die Israeliten inRuhe gelassen wurden, sich ihr' Brod zu suchen, unter den ,liberalen" (?!) aber d,e Israeliten fürchterlich zu leiden hatten, zuletzt ganze 12 Jahre (187«—1880) unter Bratianu, weil in Rumänien .liberal" synonym ist mit antisemitisch. Das sollten selbst deutsch-iSraelittscheBlätterendlichkapirt haben, nachdem sie, besonders seit 1888, der rmm-iSrael. Sache näher» getreten sind. Sollte nuu,Catargi au» dem einen oder anderen Grunde falle«, so muß, well die konservattven Miniiterium»Kombinationen (jetzt Altkonservative mit gemäßigten, d. h. wirklichen Liberalen) wohl schon alle crschHft sind, ein ,rein" liberale», d. h. antisemitische» Ministerium, nach dem Tod« de» Bratianu, unter De» meter Sturdsa zur Regierung gelangen, und damit begönne eine noch schrecklichere Zeit, als sie unter Bratianu gewesen, oder letzt doch nur für einzeln« BetriHrne ist, denn Sturdsa ist noch -fanatischerer Sntisemft als Bratianu. Tie Berufung de» Sturdsa hängt nur an eine« Haare, denn er ist trotz seiner vor mehrere»' Jahre« ' unter dem Pseudonym »Baron von Hahn" gegen den König geschrftdenen Broschüre .Der preußische Spion" bei chm paroon» nrnttmn«», well er seitdem vor ihm schweifwedelt und speichelleckt, und der König ist einem .liberalen" (in Numämen: absolutistisch-despotischen) Ministerium schon darum geneigter, weil er von de« Konservattven fürchtet, daß sie ,hm tue 1886 vom.liberalen" Ministerium (Brattanu) durch die Kammern bewilligten .Krondomänen" (13 große Staat»- güter) wieder nehmen wollen! Man merke den Zusammen» Hang. Nur ein Neuling ist so blind, ihn nicht zu sehen. Wer daher die rumänischen Israeliten in ihrer Gesa mm tbeit ruiniren will, mag den ,liberalen" (?) Sturdsa her- «schwören und den jetzigen konservati«« Catargi .verschwarzen"; ich mache da» dummdreiste und frivole Spiel nicht mit, weil ich ehrlich zu Werke gehe. — So wett in der Theorie. Ich habe darauf gehalten über die eigentthümliche Art der rumänischen Inner-Polittk sachgemäße Aufklärungen zu geben, aber schon in meinem letzten Monat», bericht (Theil II.) habe ich gesagt, daß Catargi, um der vom Deputirten Aßlan entfesselten antisemitischen Meute und der anderen Opposition die Mäuler zu stopfen, d. h. um seinen Sturz .wegen Energiemangel" zu verhindern, Lirkular« in Sachen der imagmären rufl.-jüd. ,Invasion" erlasien hat, und diese treffen, bei der Verworfenheit und Korruption der unteren biuntersten Beamten, in der Praxi» gerade rumän.J-raeliten, well ruffische nicht vorhanden. Die Schuld trifft also die oberst« Regierung nicht, und die» umsoweniger, als sie bei Beschwerden von zu Unrecht Verfolgten, sogleich Untersuchungen durch Oberbeamt« anordnet. Mehr kann sie wohl nicht lhun, aber wie in Rußland, ist auch »Rumänien groß genug und Väterchen Regierung weit": die Unter beamten fahren unbekümmertfort Niederträchtigkeiten, Judeaqüälereien und -Erpreffungen zu begehen. Ein Bouquet solcher will ich Ihnen nunmehr geben: Im Flecken Bucrcea de» Bezirk» Botoschani wurde e׳n dort wohnhafter junger jüdischer Lehrer, trotz MUitär» schein und Legittmatton von der Bürgermeisterei au» dem OrtSrayon wegeSkorttrt; au» Berzweillung darüber stürzte er sich von einem 3 Klafter hohen Biaduft herab, unter welt־ die» schon daS drittemal. da« er al» .Vagabund" zur Staatsanwaltschaft in Botoschani zu Fuß tran»portirt wurde, nachdem birst, seine geordneten Legittmatton«, konstatiread, ihn zweimal sreigelassen hatte. Au» dem Dorfe- Me steaeün, Bezirk Peatra, wurden der Geschäftsführer der Schneidemühle Abraham Lipe Juster mit seine« 8- Leuten auf weitem Wege nach Peatra gebracht, wo sie endlich als Nicht-Vagabunden freigelassen wurden. 40 Israeliten wurden au» Galatz (Stadt) ouSgewiestn und theü» nach Konstanttnopel verschifft, theil» nach Jtzkany (österreichische Grenze) abgeschoben. Im Städtchen Süjetschi forderte der Bürgermeister dst ,Fremden" auf, sich lütt ch« mit behördlichen ״Freischeine« zum erlaubten Aufenthaft i« Lande" za legitimirr», widrigenfalls Ausweisung. Da aber die Fremden, keine Fremden, sondern rumän. Israel, sind, welche ״Frei» scheine" nicht brauchen, also nicht haben könne«, so sind sie der Willkür de» Primär» und seiner ״Trinkgeld"»Erprrffung verfallen. Eine Untersuchung, die der General Cantili am Grenzfluß Prath läng» der Einbruchstatio« Stefane sch t i. infolge Dennnciattoa anstellte, ergab, daß dort russische Juden nicht herüderkomme«. Eme ähnliche Erfindung m Buse« (wohl 100 Mellen weiter, an Ungarn gelegen!) wurde von der dort erscheinenden ״Sentimla" dementtrt. Ganz ebenso fastlte dft .Libert. roum.," daß »eine Anzahl Mischer Vagabunden (?) an» Rußland (?) beim Grenzpunft Michaileni dst Zollbeamte« ,überfielen" und mit Hülst der rnlSndischea Israeliten, sowie de» Bürg er« «ist«» Gr. Calcantranr den Eintritt in Rumänien .erzwangen" (!>•