Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 40 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ffetinci $fc(t Herr Sr: Üngerleider, der der diesige« vier Gemeinderabbiner, ooS Weihegebet beim Anzünden der ewcheu Lanwe ״nd nach ihm bestieg Herr Dr. Matzbaum d« Kanzel, um di« eigentliche LinaeihungSrede zu hatten. Er sprach in gewohnter trefflicher Weis« über ln« Bedeutung de« Gotteshauses; an welchem Orte wir bete» sollen und wie wir beten müffen. Er legte seiner Predigt de» Text der vorhergrgangenen Sidra zu Grund«: ״Denn sehr nahe ist dir da« Wort, in deinem Munde, und in deinem Herzen, ti auszuüben". Mit dem Gebete um Segen für das Kaiserpaar und da« ganze Königshaus, für da« deutsche Vaterland, für Stadt und Gemeinde, daß Herr Rabbiner Ungerleider in würdigster Weise von der Kanzel sprach, schloß die erhebend« Feier unter Absingung des Hallelujah (Ps. ISO). fi«24 ,״. Sept. (Or.-Eorr.) Heute fand vor der hies. Strafkammer unter Vorsitz de« Herrn Landgerichts-Direktors Kluth die Verhandlung gegen den Domainenpächtcr Herrn Heinrich Junkermann au« Lanteu wegen Belridigung der Lantener Polizeibehörde statt, die wegen ihrer Beziehung au dem in Lauten verübten Knabenmorde da« Interesse weiterer «eise in Anspruch nahm. — Junkermann war beschuldigt, die Lavtener Behörde dadurch beleidigt zu haben, daß er in der Wirthschast bei Hüvelmann öffentlich gesagt: er (Junkermann) habe eS dem Herrn Bürgermeister mit dem Papplöffrl eingegebrn, wer der Thätcr sei. e« sei aber nicht darauf reagirt worden und e« habe die Behörde ihre Schuldigkeit nicht gethon. Durch die Beweisaufnahme wurde nun fest, ,«stellt, daß seitens Junkcrmann der Ausdruck von dem Papplbffrls gefallen und daß Junkermann gesagt habe, es sei etwa« lau in Laiitcn, den Ausdruck, die Behörde habe ihre Schuldigkeit nicht gcthan, konnte dagegen keiner der Zeugen bekunden. Der Herr Erste Staatsanwalt Baumgard verbreitet« sich sodann in seinem Bortrage zunächst über den Knabenmord in Lanten, wobei er besonder« hervorhob, daß die auf's sorgfältigste geführte Untersuchung keinerlei Belastung für die Lantener Israeliten und speciell den Houptvrrdächtigcn Buschhoff, ergeben habe, die durch die Zeugen bekundete Beleidigung der Behörde erachte er für so schwerwiegend, daß er gegen den Angeklagten eine Grfängnißstrafe beantragte, deren Festsetzung er dem Gericht»- Süderließ. Herr Rechtsanwalt Hoffman» von Eleve ״! dar, wie unter dem Eindrücke be» scheußlichen Morde-, völlfühtt an einem unschuldigen Kinde, da» dem feige» Mörder niemals etwas zu Leide gethan, die Bewohner Lantrns sich in einer fürchterlichen Aufregung befunden hätttn. Uebrigens enthielten di« durch die Zeugen bekundeten Ausdrücke absolut keine Belridigung x. Er beantrage Freisprrchung de« Angellagten. Der Gerichtshof zog sich hierauf ׳«ach einer kurzen Gegenbemerkung dr« Herrn Staatsanwalt« für einige Minute« zurück nnd verkündete das Urtheil dahin, ' daß in den incriminirten Aeußerungen des Angeklagten eine Bändigung der Lantener Behörde nicht gefunden werden Liane, und deshalb Freisprechung erfolge» müsse. — Di« ־ftamtHdpn Kosten wurden der Staatskasse zur Last gelegt. ׳ Htdimsarg, 24. September. (Or.-Sorr.) Bezugnehmend auf de» Artikel in voriger Nr. der Wochenschrift: ,Die Stellung der Rabbiner besonder« im Sroßherzogthum Hessen", kann ich Ihne» mittheilen, daß im Großherzogthum Oldenchurg d« Laudrabbiner die von der Regierung anerkannte «e Behörde der Juden im Lande ist. Er erhält sein t vom Großherzog, bezieht sein Gehalt, seine Reisediäten, "Papiere, von der Regierun^kasse, ist lebenslänglich angestellt und pensionsberechtigt. Kein Beschluß iraend eines Borstaudes im Land« kann ohne Bestätigung des Landrabbiner« auSgeführt werden, er bestättgt den neugewählten Vorstand, in« mit Geldstrafen belegen, muß de» Voranschlag de» .Etat«, ebenso den Rechnungsabschluß genehmigen. Er hat 1 dem Vorstände nicht nur nicht« zu fragen, im Gegentheil ׳ deffeu Vorgesetzte Behörde. Selbstverständlich genießt er dadnrch «uh Innen, nnd Anßen eine ganz andere Stellung, als wenn er sein Amt als Gnadrnbrod eine« ,wohllöblich«» Vorstandes״ betrachten muß. L« wäre an der Zeit, daß die Stellung der Rabbiner auch in andern Ländern bester würde. Denn Oldenburg ist da« einzige Land in Deutschland, in dem der Rabbiner dieselbe Stellung einnimmt wie jeder Staat«» dienrr. Al», 28. September. (Or^Corr.) Der antisemitische» .Schnrllpost" hier ging seiten» des hiesigen Gemeinderath« der Beschluß desselben zu: Angesichtdes Programms der Ulmer Schncllpojt, verträgt es sich mit der Ehre und dem Frieden der Gemeinde nicht, die Schnellpost als Amtsblatt zu belasten, e« wird deshalb beschlösse»: der Schnellpost den Eharalter eines Amtsblattes der städtischen Behörde! zu entziehen.— Dieser Beschluß veranlaßt natürlich das edle Organ, nur desto ärger zu Hetzen und die gräßlichsten Lügen über das Judenthum zu verbreiten. Auch gegen christliche Mitglieder der Collegien bringt es die stärksten Berleumdungen, sie wirft ihnen sogar Verletzung ihre« AmtseideS vor. Der Obmann, Dr. Scheffeld, hat deshalb bei dem Slaatsanivalt Strafantrag gestellt, und letzterer hat gemäß 8 -116 St. G. B. die öffentliche Verfolgung der Angrlegenhcit zu übernehmen beschlossen. Strnhdnrg (Elsaß), 25. Septbr. (Or.-Corr.) Der Plan zur Erbauung eine« neuen Tempels, von welchem ich Ihnen z. Z. Mitthrilung gemacht habe, scheint in« Wässer gefalle« zu fei». Die Absicht, einen der Hauptstadt des Reichslandes in der hiesigen großen israelitische» Gmneinde entsprechenden würdigen Tempel am Ende der Stadt bei der neuen Realschule?.u erbauen, welcher Platz geeigneter als mancher anderer wäre, soll dem Vernehmen nach; der weiten Entfernung wegen von der Centralstadt, wenig Anklang bei mehreren Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde gefunden haben. Vielleicht bewährt sich auch hier daalte Sprichwott: ,Gut Ding will Weile haben." Dagegen können wir aus sicherer Quelle mittheilen, daß die hier vor einigen Jahren ins Leben gerufene .Ez-Thajim". Gemeinde, an deren Spitze Hrrr Rabbiner Buttenweiser steht, ihre Schwestergemeinde an Eifer und Energie sür die Erbauung einer neuen Synagoge übertreffen wird'. Dem sichersten Vernehmen nach soll diese Gemeinde ein Grundstück in der Sronendurgerstraße käuflich übernommen haben, um daselbst eine würdige Synagoge zu errichten, da die jetzige in der Schuhmachergasse nicht mehr den Anforderungen genügend entsprechen soll. Möge die hiesige Hauptgemeinde von der Opferwilligkeit der keinen Gemeinde Notiz nehmen nach dem Spruche unserer Weisen: ,Heil der Gemeinde, in der die Großen von den Kleinen lernen!" Ossterreicb-Uagar«. 8. ^enöerg, 21. September. (Or.-Corr.) Vorige Woche langte hier unstr neuer Rabbiner Heir Dr. Earo an: er wurde von dem Gesammworstande am Bahnhofe erwartet und herzlich begrüßt. Die eigenlliche Installation fand am Freitag-Abend im Tempel statt, an bestem Portale der gesämntte EmtuSvorstand im Verein mit den Tempel- Verwaltern den Rabbiner ermatteten. Der Präsident de« Gemeindevorstande«, Herr S. Horowitz, hieß ihn in einer warmen Ansprache willkommen, auf welche diesn mit beredten Wottn» erwiedette. Im Tempel augelangt, begrüßte ihn der Lantor Herr Holpern mit den für diese Gelegeuhnt sinnig und paffend angewendeten Schlußworten des 122. Psalm«. Am darauffolgenden Tage hielt Herr Dr. Earo vor einem zahlreichen und distinguirten Auditorium di« eigentliche Antritt-Predigt. Ec begann mit einem schönen hebräischen Gehtt und wählte »um Text den hierzu sehr geeigneten ersten Bex« dtz» Wochenadschnitte» (כי תביא). Er entwickelte an der, Hand desselben das Prnaramm seiner Thätigkeit. Er sprach di« Hoffnung und den festen Willen aus, sich in die Berhältniffe des Lande« ganz hineinzuleben, stet« bestrebt zu