Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 40 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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ft malet ward btfkgt EMk, bk «rtfrt*be «»fett* Lebens im 90ttr*$aufe, Gleichgülttgkktt, Andacht»» «ub WtkdelosiM Wiegt werde», so mtffe» bk Häupter der Stamme, die Beste» und «elfte» der Gemeinde, den geistliche« Fahrer in seine» Bemühungen unterstützen, damit er im Kampfe nicht ermüde, damit der Sieg׳ endlich erkämpft werde! ... Kerichle «»> «srrefpO»de»re». De»tscdla»d. Malldeänra In unserer jüngsten Nummer berichten wir nach dem .Darkest Russia", daß bei einer Parade vor dem russischeu Loiserpaare aus Veranlassung der Lsfiriere die jüdischen Soldaten auf besonderen Wunsch der Kaiserin ausgeschloffen wurden. Das gen. Blatt erfährt jetzt aus zuverlässiger Quelle, daß Ihre Kaiserliche Majestät eine» solchen Wunsch nie geäußert hat. Es steht fest, daß die Ausschließung der jüdischen Soldateu zwar stattgesunden hat. daß aber der betreffende Ofsicier in »»verantwortlicher Weise den Namen der Kaiserin vorgeschoben hatte, um seinen Befehlen den erwünschten Nachdruck zu geben. »Wir freuen uns, zu höre» — schreibt ba» in London erjcheincnd« Blatt — daß die russisch« Kaiserin mit einer so intolerante» Handlungsweise durchaus nicht» zu thun hat und bedauern e», daß Lurch uns eine solch« Bezichtigung über dieselbe verbreitet wurde. LS ist dies jedoch nicht unsere Schuld, sonder» di« Schuld des zelottschen russischen Lssiciers, welcher seine Dienstpflicht mißbrauchend, erklärte, die Juden seien Ihrer Majestät anstößig. Di« Kaiserin, eine Tochter au« dem dänischen Herrscherhaus« und Schwester unserer allgeliebten Prinzessin von Wales, könnt« auch!chwerlich ander« als human und gerecht sei» und sogar ein langer Ansruthalt in Rußland würde nicht im Stande sein, ein von Natur so gütige» und mitteidvolle« Herz wie das ihrig« zu verhärten." tztz Dasselbe Blatt theilt aus London mit: Der Herzog von Argyll richtete unterm 3. September folgendes Schreiben an ein Mitglied des russisch-jüdischen Komitee'-: ,Rein Herr! Ich habe immer gehasst, daß ein authentischer Widerruf der russischen Behörden uns wenigstens vermocht hätte, unser Unheil über di« snrchtbarr Schuld, welchen denselben hinsichtlich der grausamen Judenverfolgung zugeschrieben wird, suSpendiren zu können. Bon eine« solche» Widerruf ist jedoch bis heute noch nichts vernommen und ich fürchte, wir müffeu es als «ine THatsache hinnehmen, daß eine« der mächtigsten Reiche der Lrd«, welche» sich nicht nur christlich, sondern mit besonderem Nachdruck orthodox nennt, gegen! di« jüdische Nation in einer Weise vorgeht, die der finstersten Zeiten des finstern Mittelalter» würdig ist. Ich kenne kein HUfsmtttel, als die öffentliche Meinung der christlichen Welt. Bereinigen wir uns oll« in de« Rust; Schande über ein« solche so durchaus barbarisch« Handlungsweise!" Merkt», 27. September. (Or.-Corr.) Das jüdische Berlin steht unter dem Zeichen des beginnenden neuen Jahres. Das ist allerdings überall der Fall, wo in der Dmspora sich eine noch so kleine Zahl unserer Glauben»- genoffen befindet, aber es ist eia gewaltiger Unterschied, bwse Vorbereitungen in einem so großen Gemeinwesen zu beobachten, als in einer kleinen Gemeinde. Da sind zunächst die .SotteSdienstspekulanten", bk schon Monate vorher mit tzWündianngen und marktschreierischen Empsthlungeu ihrer Lokale, Hinweis aus .hervorragende Tantorate" und berühmte Prediger, die kein Mensch kennt, die Annoncenspalten der Tagesblätter füllen. In diesem Jahre finden die Unternehmer ihre Nahrung. Da viele Lokale wegen der zwei in die hohen Feiertage fallenden Sonutage — an denen getanzt wird — nicht vermiethet worden sind. Es ist in dieser Bwehnug ülmgens schon erheblich besser geworden, wie in kichere» Jahren. Abgesehen davon, daß vkle ständige Betlokale — wir zählen etwa jetzt 20 Privatvereinigungen, ohne die älteren 10 größeren Pri-mtgemeindea mit eiagerichteten Shmigogen, — hat endlich die Verwaltung der Milbigen Säle aemktbet »nd sorgt durch'paf stattnuge» ,und strikte Ordnung auf diese Weist für würdevollen Gottesdienst. Mangel herrscht sär diest Tage" allerdings noch an alle» Ecken und die neue Eyna in der Lindeustraße »irb kaum eine Lücke ansfüllen, denn I ‘ ist viel zu Nein, e» sind etwa 8—900 Plätze für Männer (u. et soviele für Frauen) geschaffen, aber in viel größerem Maße Mfj die Zahl der jüdischen Seelen inzwffchen durchgängig verme Die Hauptgemkinde hat die grüßten Borbereunage» die Herbststiertoge getroffen. Die »alte" Synagoge in Heidereutergaffe war fast drei Monate geschlosst» und während dieser Zeit im Innern renovirt. Das altehrwürd Gotteshaus strahlt jetzt in volle« Glanze — «riß und sind die hervorragenden Farben, die da« Auge besteche« un befriedigen, auffallend ist eS nur, daß die Bänke inmitten diese Pracht ihren alten Schmutz beibehalte». Vielleicht hat dieses absichtlich so gelassen, wie man bei jedem Tempelba» : eine Stelle unüberlüacht läßt als Erinnerung an die Zer-H stüruug des jerusalemischen Tempels. Einen ganz anderen Eindruck macht die neue Synagoge : in der Lindensiraße, deren Einweihung heutt Vormittags stattfand, zu der aber nur sehr schwer Einlaßkarten auf ' Bureau zu erlangen waren. Dies« neu« Synagoge (Lindenstroße 48-SV) ist von den' Architekten Sremer nnd Wolfsenstein in der verhältuißmMtz^ kurzen Zeit von 1} Jahre» erbau«. Sie steh« im Hose. Dm; Eingang führt durch da» bi« znr Höhe des zweite» Stockwerkes reichende , Rundbogen-Portal des drei Etage» hohen Lorderhanse« in der Straße»».^ Kant. Zn beiden Seile» de« Borhos» befinde» sich zwei umfan NebenrSum«, der ein« dient zu« Betsaal, der ander« bei Trau und dergleichen zur Bersammlung für die Säfte. Di« SrundfOr«' Synagoge wird durch ei« breite« Oblong»« gebildet, besten vier Ecken durch «Säulen» und Lmporen-Borsprünge adoeschnittr» werde». Dt«- Architektur des Jnnenraums trägt et» romanische« Sepräge mit sirten Sttlformen. In der Höh« öffnet sich die Kuppel zu einem i lichtfenster mit Glasmalereien. Die reichste architrttonische SestaltnntzZ zeigt di« Altarseite. Di« hell« Farbe oer in weiße« Sandstein von de« Steinmetzen Schilling gemeißelte», vietsach durchbrochene» Altar» wand bringt in di« vorherrschende röthliche »nd branne Tönung de» Raume» wohlthuende Mannigfaltigkeit. Hinter einer ersten Estrade ist die ochtsörmige Kanzel l» weiße» Sandstein errichtet; an der Aitarwan» über der Bundeslade erhebt sich eine mächttge Orgel. — Der Ran»! wird durch Luftheizung erwärmt und durch elektrische« Liche beleuchtet, Puntt 11 Uhr begann der Gottesdienst mit einem Orgelprälndium. Danach bestieg der Vorsitzende der Gemeindedie Vorderkouzel und sprach etwa Nachstehende»: .Die Weltereigniffe seit einem Bierteljahrhundert, da di« Haupt-"׳ synagoge in der Lranienburgerstraße eingeweiht wurde, find ans unsere ‘ Semeindeverhättniffe nicht ohne Wirkung geblieben. Die Zahl der - Mitglieder hat sich in ungeahnter Weise vermehrt und darauf ist da»: Bednrsniß, «ehr Gotteshäuser zu errichten, naturgemäß gestiegen.^ Obwohl die Berwalwng diese« seit viele» Jahre« erkannt und gei würdigt hat, waren doch die Schwierigkeiten, einen geeignete» Pmtz! für ein der Berliner Gemeinde würdiges Gotteshaus außerardeMlich schwer. Dies« Synagoge ist nun glücklich vollendet nnd wenn auch in s Bälde keine Ansficht ist, trotz der verwehrten Seelenzaht eine wette«?§ Synagoge zu errichten, so könne» wir doch mit Stalz und Genua-' thuuna bekennen, daß der religiös« Sinn in unserer Gemeind« nichts erstorben, sandrr» i» Gegentheil sich sichtbar gehoben hat. Der A»- drang z« de» vorhandene» Plätzen au de» drei hohen Feiertage», noch! «ehr der eminente Besuch an denjenige» Festtage», au welche» See' staUsiudet, ist Beweis, daß der religiös« Jndisserrutismus ft» Min« nicht s» groß ist, »vi« »st behauptet wird. Der Raum, de» wir heute weihen, ist wenig prunkvoll, «her durchaus würdig. Da» Wert lobt de» Meister nnd dankt den Künstler».", Redner benutzte auch diest Gelegenheit, seine Ansicht' über die Reform des Gottesdienstes den Zuhürera darzulegen: .Bor LS Jahre«, als die erste neu« Grdrtordnung i» der neue». Synagoge elngesührt wurde, da tobte ein gewaltiger Kamps drr .j Meinungen, — heute ist es ander«, wohl beffer grworde». Es hat sich naturgemäß das Bedürfniß gezeigt, der Jugend, dl« nicht mehr d» dem Maße da» Hebräische beherrscht wir die Alte», «in« versttudnißuaälme^. Liturgie zu gebe» Es wirb «ft der Zeit «och ei» größerer Fortschritt ך uoihwendig «nd ein ganz deutscher Gottesdienst einzusühren sei», wir habe» »ns aber um de» liebe» Fried««» »Ul«» zu dieser radttale» Reform noch nicht entschließ«» wolle»,- das mutz der Z»tunst anheim» gegeben werde». Sir habe« gesucht, alle» Partei«» ge recht zu werden — «ns trenne» eiuzelne Meinungen, aber All« sind wir von einem efttheftliche» Bewußtsein durchdrungen, daß wir Israeliten find »Nb°1 bleibe» wolle»."