Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1891-10-01 · 40 (1.10.1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
40 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492344-5935076-5959682--0799-5374552
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»ftnmb nur ein sehr müßige« vertrauen zu feiner Bestrebungen hat, daß er aber durch diese am Erfolg sich nicht für entbunden hält» seinerfeit« Mögliche zu t^m. Was wir anfangen, um unseren Ingttn Genossen beiznstrhen, da« wandelt sich Me« in e« geht un» mit unseren Plänen wie jenem sagenzfttn Könige, dem e« die Gottheit gewährte, daß Alle«, wa« berührte, zu Gold wurde, da wurde auch da« Brod zu und er war dem!verhungern nah«. Da« Gold allein un« nicht retten, wenn e« auch, wie nun einmal di« menschlichen Verhältnisse sind, ein wichtige» Mittel zur Hettung werden lann. Sollen wir nun am Fest entsagend sprechen: untröstlich M e« averwärt«? O, nein. Neben Hunderte», die straucheln, es Myriaden, die fest stehen; neben Myriaden, die gewohnten Geleise dahintrotten, girbt e« doch Einzeln«, di« Zeichen der Zeit verstehen. Der Wanderer betet nach '.Kr Formel, die wir ansang« erwähnt haben, Gott möge ihn Sm Frieden führen; über da« letzte Ziel der religiösen, der enschheit«<Entwicklung herrscht in Jörael wie überhaupt ,unter allen denen, di« sich um da« Banner de« einen Gotte« Iren, kein Zwiespalt; e« ist der Seelenfriede, e« ist der Vvlkerfrirde, der als reife Frucht am Baume der Gotte«- «rkrnntniß prangt; aber der Wanderer betet auch, Gott möge stden seiner Schritte zum Frieden lenken; r« kann einer da« Ziel feiner Wanderung erreichen unter unsäglichen Mühen ^«nd Gefahren und einem anderen kann der Weg leicht und 'behaglich werden. Israel ist müde von allem Leid, da« e« bisher erduldet hat; soll die Leiden«zeit auf'« Neue beginnen?; der Wanderer betet um Rettung vor Feinden und Laurer». Jörael hat offen« Widersacher, die mit brutaler Gewalt un« . zu Boden -schlagen; wir haben versteckte Gegner, die auf «nsere Schwächen lauern; vir müssen un« dessen bewußt .bleiben, daß jeder Schritt von unverfolgt wird von Übelwollenden Blicken. Der Wanderer wünscht Gunst bei Gott uud den Menschen; Juden und Judenthum haben viel zu Heiden unter der Ungunst der Welt; man hat un« erniedrigt und traut un« alle Niedrigkeit zu; man giebt sich kein« Mühe, , «nsere Satzung zu verstehen und hält diese Satzung für -unverständig; einstmal« schämte man sich der Borurtheile -gegen un«, jetzt schämt man sich fast, sie nicht zu haben: e« l ist wieder fein und vornehm geworden, un« gering zu schätzen. Wem ist e« möglich, sich de« persönlichen Glücke« au« voller Seele zu freuen, wenn die Gesammtheit bangt? Wa« frommt der Blüthe ihr Prangen, wenn die Axt an den Stumm gelegt wird? Und dennoch, um wie viel widerstand«« krüstiger wäre die Gesammtheit, wenn der Einzelne inniger ihrverbnnden wäre. Darum Stet« soll derMensch sich verbinden mit der Gemeinde", so im Gebet wie im Leben. .Allgütiger Gott! Schirme da« Vaterland und wehre jedem Feinde, der r« bedroht; gieb Sonnenschein und Regen »r rechten Zeit, daß die Mur wieder reicher«, Ertrag spende und der Mangel au« dem Land« weiche, o hilf Israel, -Deinem Volke, daß alle« bessere Strebes in un« mächtig daß wir die Achtung der Böller gewinnen und der- ";dienen, daß die Heimachlosen endlich ein« Stätte finden, wo ta Ruhe ihr Haupt hinleg«« können; bring herauf ein Gnade für da» Vaterland, für jeden Einzelnen »d für die gauze Gemeinde Israel. Amen! Ster ««her» GstteltzieRft. «mi «cfhttNttir.R Dr. Matzee-AMtbrücke». Ich habe in meinem vorjährigen Bußbriefe*) über so manche Mißbräuche in unserer Umgangssprache geredet; bereu Abstellung dringend nöthig erscheint im Interesse der Würde unserer Religion und unsere« eigenen Ansehen«. Aber auch in unserem Verkehr mit Gott zeiaen sich häßliche Auswüchse, die mit scharfer Axt entfernt werden sollten. Mein heutige« Mahnwort veim Beginne de« neuen Jahre« gilt darum unsner GotteSverehrung im VotteShause, welcher Würde, Andacht und heilige Scheu gar oft fehlen. Ist die weihevolle Freude am öffentlichen gemeinsamen Gottesdienst« stet« so lebmdig in un«, daß wir mit de» Psalmisttn sprechen: ,Ich steue mich wenn man zu mir spricht: In'« GottrShau« laßt un« gehen!" Schon unser Gang zum Gotteshaus« widerspricht dieser Gotterfreude. Wenn wir dem GottrSkwuse zuwandeln, so solltt dieser Sang in ernster weihevoller Stimmung erfolgen, nicht aber dürfen erst Ansammlungen vor dem Gotteshaus« stattfinden, wobei meist solche Gespräche geführt werden, die al« würdig« Borbereitung für die Anwesenheit i m Gottr-Haust nicht betrachtet werden können. Und wenn die« nur vor dem Gotteshaus« statffände! Aber selbst in demselben wenden sich oft die Gedanken der Anwesenden, die doch ganz und voll dem heiligen Orte und seiner Bestimmung zugekebrt sein sollten, Dingen zu, die nie und nimmer im Gotteshaus« in Bettacht gezogen werden dürften. Ja sogar in Bezug auf Kleidung Haltung und Seberden vergessen wir oft, an welchem Ort wir un« begeben, wo wir un« befinden. ,Wisse, vor wem du stthst!" soll sich Jeder selbst zurufen. ,Bringe doch deine Huldigung einem weltlichen Fürsten so dar!" Nicht wahr; da« taust du nickt! Da fliehest du üoer vor Ehrfurcht, Scheu uud Demuthl Und vor Gott, der da ist der König aller MnigL wolltest du erscheinen ohne Demuth, ohne Scheu, ohne Ehrfurcht, wie man etwa erscheint vor Jemand, an dessen Uriheil dir nicht allzuviel gelegen? Nein, da« wollet ihr gewiß nicht, so gering und nirdng denket ihr nickt, aber die Gewohnheit, tätlich vor der Majestät Gottes zu erschein«^ die stumpft euch ao, so daß ihr »n gleichgültig scheinender Weise da« GottrShau« betretet und eure Art de» Verhalten« ia demselben eine zu ungezwungene, nickt genügend achtuna«. würdige ist. Ja, die Gewohnheit! Die Gewohnheit aber solltt nickt dir Triebftder sei«, di« euch in'« Gotteshaus führt, sondern ein runerer Trieb, da« Bedürfniß ,die Rühe Gotte« aufzusuchen". Sehet, wir haben für so viele« Gott zu danken, so viele« von ihm zu erbitten. Auch der Aermftt besitzt Güter, für die er Bott gern« dankt: Frau und Kinder, Leben und Gesundheit und rrn wenn auch kärgliche«, doch ausreichend«« tägliche« Brod. Und der Reich« — im Gotte«« Haus« ist auch er arm; denn er muß bitten. Leben und Gesundheit, Weib und Kinder sind auch ihm Gaben Gotte«, um deren Erhaltung er Gott anflehen muß. Dank und Bitte entsttömen heutr unserem Mund« in würdigster Weise al» innigste GefühlSergießungen. So solltt e« alle Tage sein! ,Ihr stehet heute Alle vor dem Ewigen, euerem Gotte', so tri« man vor dem Heiligsten, gelobt sei Er, stehen soll. ,Euere Häupter, euer« Stämme" —; die Häupter zuerst, dann die Stämme! Die Häupter sollen den Stämmen, die Vorsteher, die Bessern in der Gemeinde, solle» dieser den Weg zeigen, wie sie in Würde uud Andacht i« Gotte-Haus« erscheinen und bete» soll. So soll e« sein! Al« Israel von seinem Erbfeinde Amalek bekämpft wurde; da erhob Most« betend seine Hände und flrhtt um de» Sieg. Ader ... ׳ *) firn Rabbi»« Dr. TRayer erltlbt «lljlhrlich zu Botdk h—nhntif* eine» Budtnes a» st««tUche Gemetudr» seine« Veztrtt, dar »et« vbeut^Natiteus» Id «ft** Frsnagd 1« «ondhad, zur Verlesung zetangt. Der sbigt ist der acht« (Red.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.