Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 40 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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.nmal so, wir ei» weiser und "! ausdrückt, daß aller Unglück der Menschen daher stammt, »ß sie nicht ruhig ans ihrem Zimmer bleiben können. Unzählige suchen in der Ferne ein uugewisirs Glück und wer zu Sott sich lvendet in einer Lage, in der seine Schutz- Bedürftigkeit ihm deutlicher wird, als wenn er ruhig in seinem ftstgefugten Hause weilt, soll nicht nur an sein eigenes Schicksal denken, sondern es sich zu Gemüthe führen, daß er einer ist unter Bielen, di« ihm gleichen; selbst in der Stoch soll der Mensch nicht nur auf sein eigene- Wohl bedacht sein, und wo er nicht Helsen kann, da soll er wenigstens beten für alle diejenigen, die mit ihm seufzen. Tin solches Gebet ist auch wunderbar tröstlich; wer in irgend einer mißlichen Lage sich nur mit sich beschäftigt, bei dem wird leicht der Jrrthum entstehen, sein LooS sei eine Ausnahme von der Regel, er leide, während die Anderen jauchzen. So er aber sich mit der Gesammtheit verbindet, dann merkt er sofort, daß er in Reihe und Glied sieht mit einer außerordentlich großen Schaar, deren Schicksal dem seinen verwandt ist und eS festet sich seine Zuversicht auf die göttliche Hilft. Wenn die Religion aber schon dem Sorgenbelasteten, tiefahrumhüllten zuruft: denk an di« Genoffen, geschweige denn, daß der Glückliche nicht nur beten soll um di« Fortdauer seines Glücke-, sondern an feierlichen und festlichen Tagen dft Sorge der religiösen und staatlichen Gemeinschaft, zu der er gehört, erwägen soll! Und wahrlich trüge einer dafreudenbükränzte Haupt noch so hoch, wäre sein Herz noch so fröhlich, jede- Haupt wird krank und jede- Herz schmachtet, wenn die gegenwärtige Noth Israels vor seine Seele tritt. E» gftbt für den Einzelnen keine Sicherheit, wenn der Staat, wenn die ReligioaSgemrinschast, wenn das Zeitalter in dem wir leben, von Stürme« umdroht, von Wollen umlagert ist. Wir haben den Frieden unter den Böllern dftse» ErdtheilS, aber ist eS nicht ein Zustand, wie wenn an einem schwülen Tag dunftft Gewitterwolken den ganzen Horizont umMftßen? möglich, daß da« Wetter sich verzieht, fft indeß dies Bangen vor dem Wetter nicht zuweilen noch bedrückender, als wenn es wirüich loS bricht, und kann sich denn Einer der Jetztlebrndeu, obgleich wir schon so manchen Schrecken erfahren haben, eine Vorstellung davon machen, welche Zerrüttung ein Krieg unter den gegenwärtigen Berhältniffea bringen, wie viel persönliche- Glück er vernichten wird. Wie kann einer sonach in feinem leichtgebautea Zelt so recht froh werden, wenn er an di« Sturmfluth denkt, die stündlich Hineinbrechen kann. Oder fft unser sociale- Leben gesichert? Da haben wir so ׳ lange gelesen, und eS geglaubt, bei unser« entwickelten Lerfthr sei eine HungerSnoth nicht denkbar, denn «S würde überall, wo der Mangel sich zeigt, der Ueberfluß anderer Länder den Ausfall decken; und nun erlebe» wir eS dennoch, daß da- Gespenst de- Hunger» durch dft Erde wandelt und «S nicht so leicht gelingt, eS zu bannen. Wird der Mangel nicht die verbrecherischen Trftbe wecken, die in sovftlen Ge- «üt§m» schlummern, wird dft Begehrlichkeit der Menge sich nicht sftigern, werden zuchtlos« Bolksversührer das Elend nicht nutzen für ihre ehrgeizigen Pläne? Zugegeben, daß die sftwtliche Gewalt, sowohl in unser« Etaaft wft anderwärts, niederzuwerftn, ist darum diese Unzufriedenheit der' st« sei nun berechtigt »der nicht, nicht ein Heer von für unsere ganze Kultur? Und wft fthr verdichtet sich da« Gewülk, verdüstert der Horizont, wenn wir an unsere Glaubensgenossen, diejenigen denk», die heute, über die ganze Erde zer zu demselben Gotte, wie wir beten; wo öffnet sich ein A» weg für Israel» gequälte Söhn«! Bor einigrn Jahrzehn schien e», als sei der Dämon d«S Haffe» gebannt, der lange gegen Israel gttobt hat; da hat ein mächtiger Ma di« glimmenden Funken der Bosheit angehaucht und ein waltige» Feuer ist enfflanden, da» immer weiter um sie greift; dft Lüge hat alle Scham verloren und wiederho längst widerlegte Märchen mit solcher Beharrlichkeit, daß doch noch Glauben finden; wer kann sagen, wo dftse Pro ganda de» Satan endet? WaS haben wir gesündigt, ein solcher Haß sich über un» entladet, daß sich so bo stäblich an Israel da» Wort de» Propheten erfüllt: tc-fUe «s auch unter den Völkern weilen, «S fände denn« niust Ruhe! Israel gftbt sich in dieser bösen Zeit arge Bl Männer, denen da» heilige Erbe der Bäftr theuer ist, mit Schmerz wie gerade unter denftnigen, dft durch ihef Bildung und ihren Besitz zur Führung beruftn wären, Abfall seine Opfer fordert; nur um sich und den Kind einige Beschwerden zu ersparen, wird der Glaube gewechse^ wird ein Bekenatniß beschworen, an daman nicht gl werden die eigenen Heiligthümer und die Heiligthümer ei» fremden Glauben» von Leuten in den Stand gezogen, sonst. auf der Höhe der Bildung unsere» Zeitalter« st, wft selten dft Gegner nicht nnnehmen, daß dem Judenthu«^ sein letzte» Stündlein geschlagen hat! Und sehen wft auf der einen Seite «ine feige Fah flucht, so finden wft andererseits rin starre« Beharre» bek^ allerhand überkommenen Aeußerlichkeite«; da» Strebe». fiö unbeschadet der Wahrung unserer religiösen Lehre, «inznlebml in die Ordnung und Sitte der Nationen ist bei weitem »ft mächtig genug. Mau ist erstaunt, daß hochcivilisirte nnh freie Böller mft unsrruudlicher Miene die Einwnnd unserer Glaubensgenossen sehe» und nicht Übel Lust zeige« ihnen dft Thür zu schließen. Da« Erstaunen wird mäßigen, wenn einer auch nur mit flüchtigem Blick dft Juden-1 vierftl der gewaltige» Welthauptstadl de» große» JuselreicheS^ durchskeist und mit Scham erkennt, daß vftft unserer lebenden Genossen von der Eultur eigentlich nur die losigkeit angenommen haben und sonst mitten im Setrftbel eine» intelligente» Volke« dft barbarischen, häßliche» und nb^ stoßenden Gewohnheiten de« kulturlosen Osten» offen gurj Schau tragen. Eine ungeheure Heimsuchung hat un» getroffen, üb Millionen Israeliten schwebt dft Gefahr, auSgestnße» z«^ werden auihrer Heimath; ob sie bleiben, ob sie wand stet» sind sie gefährdet; noch fft kein Ausweg gefunden auS^-l dieser Trübsal. Wft denken wahrlich nicht gering von der. Hochherzigke't de» Manne«, der ein ungeheure» Vermögen, in de» Dienst der Menschlichkeft sftllt, um seimn Brüdern^ aufzuhelfen. Aber wer von dftsen Dingen etwa» m$t' fahren hat, als die Tagesblätter melden, der weiß ׳M.